Irgendwann gibt es keinen Menschen mehr in ganz Berlin, der besser Bescheid wüsste über das Wetter auf Sardinien als Albert. Denn meteorologisches Wissen scheint die einzige Möglichkeit für den Helden in Hans-Ulrich Treichels neuem Roman Der irdische Amor, um seiner Angebeteten, der schönen Italienerin Elena, ganz nah zu sein. Jeden Tag kommt Albert in das Lokal, in dem Elena Kellnerin ist. Jeden Tag ordert er einen Espresso und blättert in der Repubblica. Und jeden Tag fragt ihn Elena im Vorbeigehen nach dem Wetter auf ihrer Heimatinsel.
Albert ist völlig fixiert auf das andere Geschlecht -- auch wenn er von Frauen so gar nichts versteht. Immer wieder wird der Kunststudent von Amors Liebespfeilen durchbohrt, die sich am Ende dann als bittere Stachel im Fleisch der armen Hauptfigur zu erkennen geben. So ist es auch diesmal: Auf einer Parkbank im Berliner Tiergarten wird Elena mit Albert intim. Geblendet folgt er ihr nach Sardinien, wo er im Hinterzimmer ihres Kosmetiksalons in der hässlichen Bergarbeiterstadt Carbonia versucht, über Caravaggios "Der ungläubige Thomas" (und eben nicht über "Amor als Sieger"!) zu forschen -- während er durch einen Türspalt das melancholische Helldunkel behaarter Damenrücken betrachten darf. Aus heiterem Himmel gibt Elena ihm den Laufpass, ebenso spontan, wie sie ihn auf der Berliner Bank verführte: Das Wetter der Liebe bleibt für Albert unvorhersehbar. "Eros und Verzauberung" verpuffen zu nichts. Albert kann nur ungläubig staunen.
Hans-Ulrich Treichel has quickly developed a literary reputation in Germany for writing which is readable, humorous and yet challenging. He enjoyed huge popular and critical success with the publication of his first major prose work, Der Verlorene (translated into English as Lost), in 1998. This work is a poignant re-working of an experience through which Treichel’s own family went towards the end of the Second World War. Since Der Verlorene his career has developed through a series of prose works and novels which combine an acute sense of time and place with appealing comic irony (Tristanakkord, Der irdische Amor, Heimatkunde, among others). It was as a poet that he first began to write, however, and his anthologies of poetry have enjoyed renewed success as a result of his rise to fame as one of Germany’s leading prose writers. Hans-Ulrich Treichel is also an academic and has published widely on German literature of the modern period. He is currently director of the Deutsche Literaturinstitut in Leipzig.