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Perfect Paperback
Published September 15, 2003
Friedman schmettert diese Forderung rigoros ab. Wer annehme, Unternehmen hätten eine ethische und soziale Verantwortung, die über die Einhaltung der Gesetze und Wettbewerbsregelung hinausgeht, leide an einer „grundlegenden Fehleinschätzung [...]. In einem freien Wirtschaftssystem gibt es nur eine einzige Verantwortung für die Beteiligten: Sie besagt, dass die verfügbaren Mittel möglichst gewinnbringend eingesetzt und Unternehmen unter dem Gesichtspunkt der größtmöglichen Profitabilität geführt werden müssen“. Und weiter: Es gebe wenig, was „so gründlich das Fundament unserer freien Gesellschaft untergraben“ könne wie „die Annahme einer anderen sozialen Verantwortung der Unternehmer als die, für die Aktionäre ihrer Gesellschaften so viel Gewinn wie möglich zu erwirtschaften“ (Friedman 1971, S. 175f.).
Die planvolle Gestaltung von Gesellschaft muss scheitern, weil die zu steuernden Prozesse zu komplex sind und weil das benötigte Steuerungswissen fehlt. Unverzichtbar ist dieser pragmatischen Position zufolge die Selbststeuerung sozialer Prozesse innerhalb institutioneller Arrangements (zum Beispiel Marktsteuerung im Rahmen der Wettbewerbsordnung oder die demokratische Steuerung im Rahmen einer politischen Verfassung). Der pragmatische Ansatz basiert auf dem Zusammenwirken von bewusst gesetzten Regeln (Ordnungen, konstitutionelle Arrangements) einerseits und Selbststeuerungsmechanismen im Rahmen dieser „Spielregeln“ andererseits.
Eine Denkschule oder Institution, die für das neoliberale Projekt stünde oder seine Inhalte und Ziele näher bestimmt hätte, ist bislang nicht in Erscheinung getreten. Empirisch beobachten lässt sich lediglich eine Praxis der Wirtschaftspolitik, die stärker als zuvor an der Maxime „mehr Markt - weniger Staat“ orientiert ist und auf Versatzstücken marktliberaler und monetaristischer Doktrinen basiert. ... Alle diese Politikvarianten orientieren sich am Leitmotiv der marktliberalen Programmatik: „Deregulierung - Privatisierung - Flexibilisierung“.