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Portierisch

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Die Handlung ist fragmentarisch, ihr Ort großteils das im steirischen Wechselgebiet gelegene Fustritztal, wo der schriftstellerisch tätige Ich-Erzähler, von Schmatz zumindest in Eckdaten autobiografisch angelegt, seinen Zweitwohnsitz unterhält. Hier finden sich noch Spuren einer feudalen Graf Zup dominiert als Gutsherr das soziale Geschehen im Tal und behaust auf seinem Besitz eine erlesene Gästeschar, die sich zu kulturellen Veranstaltungen, Jagdausflügen und Tischgeselligkeiten versammelt. Die beteiligte Beobachtung des Geschehens führt den Ich-Erzähler zu Reflexionen über die eigene, als Sohn einer Hausmeisterin "portierische" Herkunft. Nicht nur die Landschaft, auch das soziale Gefälle ist hier im Bergland noch prägnanter als anderswo. Ferdinand Schmatz gilt als Dichter, dem die kritische, auch theoretische Beschäftigung mit der Sprache zu hoher Sinnlichkeit seiner Poesie gereicht. Auch in seinem ersten Roman wird Schmatz immer wieder buchstäblich, und das Wort als dichterisches Medium zum erweiterten Ort des Geschehens. Besonders mit seiner geistigen Referenzperson, dem "Schriftschützen" Courier, übt sich der Erzähler immer wieder in sprachspielerischen bis -kritischen Doppelconférencen, wobei mit Verballhornungen und Kalauern nicht gespart wird. Eine Flut von wörtlichen und bildlichen Assoziationen springt zwischen den narrativen und reflexiven Ebenen hin und her, ohne je an Fahrt zu verlieren. Ein Punkt wird nur am Ende der längeren Abschnitte gesetzt, dazwischen sorgt die Gliederung in kurze Absätze für künstliche Zäsuren, wodurch die assoziativen Sprünge noch betont werden. Nachrichten aus dem Berge in Courier New untertitelt Schmatz diesen durchtriebenen Anti-Roman, der auf konventionell gestrickte Handlungsfäden verzichtet, zugunsten größerer Authentizität der forscherischen Bewusstseinsarbeit, denn nicht zuletzt thematisiert Portierisch auch die sprachlichen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Wirklichkeit zu erfassen. Über allem liegt "der Wortnebel unserer Lebensschrift, dieser zähe Schleier der Vergangenheit". Die Lektüre erfordert dementsprechend Konzentration, aber wenn sich das Leseauge erst auf die unterschiedlichen Tiefenschärfen, die sprunghaften Wechsel zwischen den Bedeutungsebenen eingestellt hat, fällt das Fokussieren leichter. Durchblick darf man sich nicht erwarten, Einsichten sehr wohl. --Mathis Zojer

Hardcover

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