Ada weiß nicht so richtig, wie sie sich in die Welt einordnen soll. Wie das überhaupt geht mit diesem Leben und wie das die anderen schaffen. Die anderen, die gute Noten schreiben, die ohne Bedenken ihr Nachthemd verleihen, die von entspannten Sommerurlauben berichten können und die auf Partys problemlos Anschluss finden.
Sie fühlt sich irgendwie immer fremd, ungeliebt, kann liebevollen Worten oder Gesten nur schwer vertrauen. Anderen, die von ähnlichen Gefühlen sprechen, vertraut sie auch nicht. Wie kann sich jemand fremd fühlen, wenn die Person doch hier gar nicht fremd ist?
Und warum ist sie dennoch die einzige, die nicht von ihrer selbsterbauten Insel runterkommt?
Fragmentarisch, fast wie ein Tagebuch liest sich Dilek Güngörs neuer Roman "A wie Ada", in dem wir die titelgebende Protagonistin vor allem durch ihre Kinder- und Jugendzeit begleiten. Vieles von dem Erzählten fühlt sich vertraut an: Das Gefühl der Nichtzugehörigkeit, das Streben nach Individualität, die Sehnsucht gemocht und geliebt zu werden, das ständige Grübeln, das Festhängen in der Vergangenheit, die Unvorstellbarkeit der Zukunft. All das sind universelle, generationsübergreifende Themen, für die Güngör feine, präzise Worte findet, die gleichzeitig weh und gut tun.
"A wie Ada" ist aber auch ein Buch über Migration. Über die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen, mit zwei Sprachen (eigentlich sogar noch mehr, zählt man die dialektalen Unterschiede in Deutschland, die im Buch auch eine Rolle spielen, mit) aufzuwachsen. Über den mal mehr mal weniger subtilen Alltagsrassismus, dem Ada ausgesetzt ist.
Es ist auch ein Buch über Familie, über ungerechte Verteilung von Carearbeit, über eine Mutter-Tochter-Beziehung und das Verhältnis von familiärer Geborgenheit.
Für mich ist dieses Buch ein kleines Wunder, weil es alle diese Themen aufnimmt ohne überladen zu sein. Weil es trotz der fragmentarischen Kürze in tiefen Wunden bohrt und weil es gleichzeitig so weich und hart daher kommt. Mit Sätzen, die bleiben - und in die ich mich noch eine ganze Weile einwickeln möchte. Definitive Leseempfehlung!