Dieo lebt mit ihrem Mann Simon und drei Söhnen in einer schönen Altbauwohnung im Frankfurter Nordend. Sie leidet unter den unerfüllbaren Ansprüchen der Gesellschaft an sie als Mutter, vor allem aber ist es die ständige Kritik ihrer jüngeren Schwester Zazie an allem und jedem, die an ihren Nerven zerrt. Auch Simon, ein mittelalter weißer Mann und Angestellter in einem Finanz-Start-up, gerät immer wieder ins Visier seiner Schwägerin, die zunehmend an der rassistischen und sexistischen Gesellschaft verzweifelt.
Als der Vater der Schwestern, ein eigensinniger Nietzschefan, der vor mehr als vierzig Jahren aus dem Senegal nach Deutschland kam, unerwartet stirbt, gerät das mühsam kalibrierte Familiengefüge aus dem Gleichgewicht. Für die Beerdigung reisen die Schwestern in das Land ihres Vaters. Der Abschied wird für die beiden zu einem Neuanfang – in vielerlei Hinsicht.
Leider hat mich dieser Roman nicht überzeugen können. Zu oft wird für mich das Erzählprinzip „show, don‘t tell“ verletzt. Sicher, anfangs ist es ganz amüsant, den sozialen Stand der älteren Schwester Dieo an ihrem gelben Fjällräven-Rucksack ablesen zu können, während ihre jüngere Schwester Zazie mit Signalwörtern postkolonialer Theorie um sich wirft und auf social media nachschaut, wie sie sich möglichst antifaschistisch schick machen kann. Allerdings wirken viele Beschreibungen, z.B. regelmäßig von Männern mit Apple Watches, dadurch unauthentisch und oberflächlich, auch wenn dadurch die oberflächliche Welt kritisiert werden soll. Ähnlich ging mir das mit einigen Dialogen: Warum erzählt Zazie vorweg, dass sie in letzter Zeit über transgenerative Traumata nachgedacht hat anstatt dieses einfach nach und nach deutlich werden zu lassen?
Ich hatte oft das Gefühl, dass einerseits viel Vorwissen über postkoloniale Theorie und auch Fremdsprachen wie Französisch vorausgesetzt wurde (interessanterweise wurde aber Wolof als Sprache nicht unübersetzt zitiert, was ich dann gut gefunden hätte), andererseits zu viel erklärt wurde, was auch so deutlich geworden wäre oder wo eine Leerstelle vielleicht auch interessant gewesen wäre. Ich denke, mir hätte ein Sachbuch der Autorin besser gefallen.
Trotz der schwierigen Themen und erdrückenden Gedanken, liest sich Weiße Wolken leicht. Das liegt zum einen an Yandé Secks lockeren und flüssigen Schreibstil und zum anderen an den realistischen Erzählungen des Alltags der drei Hauptpersonen. Dieo, Zazie und Simon wirken wie Menschen, die man aus seinem eigenen Alltag kennen könnte. Das macht sie nahbar und führt zu vielen Momenten, in denen man sich auch selbst wiederfinden kann. In ihrem Debütroman spricht Yandé Seck einige wichtige Themen an. Vor allem Rassismus steht im Fokus und durch Zazie wird deutlich, wie tief dieser in der deutschen Gesellschaft verankert ist und wie sehr es einen verzweifeln kann, wenn man ihn von klein an erlebt und auf Unverständnis stößt. Zazie ist eine aufgeweckte junge Frau, die auch vor der eigenen Familie nicht davor zurückschreckt, auf Probleme aufmerksam zu machen. Ihre Gedankengänge und Dialoge, die sie anreißt, sind sehr wichtig und haben mich zum Nachdenken angeregt. Es wird einfach deutlich, dass auch scheinbar harmlose Dinge rassistisch und verletzend sein können. Ihre Schwester Dieo verliert sich zwar weniger in gesellschaftskritischen Themen, aber hat als Mutter von drei Söhnen auch mit anderen Problemen zu kämpfen. So gut es geht meistert sie ihren Alltag und bildet sich beruflich weiter, aber hat trotzdem das Gefühl nicht gut genug zu sein. Ihre Gefühle werden sehr anschaulich und ihre Situation nachvollziehbar beschrieben. Es ist super spannend zu sehen, wie unterschiedlich sich zwei Schwestern entwickeln können und zu was für Konflikten das führen kann. Schön dafür ist, dass trotz allen Schwierigkeiten immer die Liebe für die eigene Familie zu spüren ist und über allem steht. Interessant habe ich auch gefunden, dass es Kapitel aus Simons Sicht gibt. Diese werfen einen anderen Einblick auf die Themen und Familienkonflikte seiner Frau, zeigen aber auch, dass an mittelalten weißen Männern nicht alles spurlos vorbeigeht. In dem Buch passiert ehrlich gesagt nicht viel, sondern wird größtenteils der Alltag der Charaktere beschrieben. Dennoch hat es eine Sogwirkung, sodass ich immer weiterlesen wollte. Ich denke, dass gerade dieses Alltägliche das Buch besonders macht und deutlich wird schon beim Klappentext, dass es hier nicht um fesselnde Spannungsbögen, sondern das Ansprechen wichtiger Themen geht. Klar wird zudem, dass die Schwestern trotz ihrer Diskriminierungserfahrungen auch Privilegien genießen, wie ihr Bildungshintergrund zum Beispiel zeigt. Verdeutlicht wird dadurch, wie vielschichtig die behandelten Themen sind. Mir hat das Buch somit gut gefallen und ich finde, dass wie bereits erwähnt einige wichtige Themen angesprochen werden. Dennoch muss ich zugeben, dass ich mir manchmal mehr Tiefe gewünscht hätte. Die Themen sind zwar wichtig, aber die Dialoge zu diesen wirkten auf mich manchmal aufgesetzt und unnatürlich. Oft lenkt Zazie nämlich direkt in die kritische Richtung, dabei unterhält man sich im Alltag nicht nur über schwierige Themen oder wie in einem Uniseminar. Gerade bei Zazie hätte ich mir gewünscht, dass man noch mehr Facetten von ihr als ihren Frust kennenlernt. Dieo wirkt in Bezug darauf etwas vielschichtiger. Gegen Ende hat sich das, finde ich, zwar gebessert und man lernt Zazie aus einer neuen Perspektive kennen und erfährt mehr über ihren Umgang mit ihren Wurzeln, aber das wurde leider etwas schnell abgehandelt. Auch die Bezüge zu aktuellen Ereignissen und Popkultur fand ich etwas zu viel, weil das auf mich überladen gewirkt hat und Bücher weniger zeitlos macht - das ist aber Geschmackssache. Weiße Wolken habe ich dennoch gerne gelesen und finde, dass es insgesamt trotz meiner kleinen Anmerkungen gut gelungen ist und unterschiedliche Familiendynamiken sowie ernste Themen sehr gut darstellt. Zum Nachdenken regt es auf jeden Fall an.
Fazit: Wichtige in einer spannenden Familiengeschichte verpackte Themen mit realitätsnahen Charakteren - ein gelungenes Debüt, das zum Nachdenken anregt.
»Es sind die Welten, in denen ich mich bewege, die zu mir gehören. Es sind die Verletzungen und der Schmerz, die wie die kleinen weißen Punkte auf unseren Fingernägeln zu mir gehören.« (S. 267) 💭☁️ . . .
In ihrem Debütroman »WEISSE WOLKEN« ☁️ schreibt die Autorin Yandé Seck über die zwei Schwestern Dieynaba (Dieo, Mitdreißigerin) und die 8-Jahre jüngere Zazie, die in Frankfurt als Kind einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters großgeworden sind und unterschiedliche Weltanschauungen und Wünsche entwickelt haben — trotz ihrer vielen Gemeinsamkeiten und Beziehung zueinander. Während Dieo als Mutter von drei Söhnen in der Ehe mit Simon nicht nur das Familienleben managt, sondern sich zusätzlich zu ihrem Job als Psychotherapeutin weiterbildet; setzt sich Zazie intensiv mit Themen wie White Privilege, struktureller Ungerechtigkeit, Rassismus, Macht & Diskrimmierungen uvm., auseinander — nicht nur im Rahmen ihres Studiums und anschließender Promotion, sondern immer:
»Wenn sie ehrlich war, war er im Rahmen des Möglichen perfekt. Es war eher sie, die nicht so recht wusste, was dieses ganze Lieben sollte. Es gab doch so viel anderes, was sie beschäftigte. So viel, was sie noch sehen und durchdenken und bewegen wollte. Dieser ganze Rückzug ins Private ging ihr auf den Senkel […].« Zazie ☁️ (S. 57)
Der Roman ist sehr vielschichtig, einfühlsam, modern und facettenreich: Durch die verschiedenen Protagonist*innen, deren Denkweisen und Argumente verhandelt der Roman so verschiedenen Perspektiven auf Themen: Identität, Zugehörigkeit, Rassismus, Sexismus, Kapitalismus & Patrichariat, Mutterschaft, Sehnsüchte und die Frage, wie wir unser Leben gestalten wollen.
»Warum war Sysiphos eigentlich ein Mann, wenn doch die Erfahrung der sich ewig wiederholenden Überlastung eine typisch weibliche war?« Dieo 💭 (S. 104)
Im Gegensatz zum Klappentext finde ich nicht, dass der Tod des Vaters so im Vordergrund steht. Das gedroppte und nicht weiter ausgeführte Thema rund um das Verhalten der Mutter Ulrike wurde jedoch trotz der Ausmaße gar nicht weiter thematisiert. Bei dieser Fülle an Themen des Romans ist dies verständlich, aber wäre für die Storyline sicherlich auch logisch und passend gewesen. Die Darstellung der Beziehung zwischen den beiden Schwestern fand ich dafür umso stärker und mochte ich sehr. 🥲 Es ist ein starker Familienroman, der viele aktuelle Themen aufgreift, durch die Sicht der drei Protagonist*innen gut verhandelt und dabei einige sympathische Figuren bereit hält (BTW Otis hat mein Herz geklaut 🥹💘). Das Ende finde ich im Vergleich sehr kurz gehalten und hätte aus meiner Sicht gerade in Bezug auf Mutterschaft differenzierter geschrieben werden können. Es ging mir dann doch etwas zu schnell und zu glatt mit dem Happy End. 💖
Herzensempfehlung für diesen modernen, vielschichtigen, humorvollen und liebevollen Roman.
Neben vielen wichtigen Perspektiven zu den oben genannten Themen, ist mein Lieblingslearning aus diesem Buch: Jede*r sollte sich regelmäßig ein Croissant für die Seele 🥐 gönnen.
Das Jahr 2024 hatte so viele tolle Debütromane zu bieten, dass ich auch in 2025 noch welche von ihnen lese. Yandé Secks Debütroman „Weisse Wolken“ hat mich über die letzten Wochen nicht nur mit ihren Worten, sondern auch der eigenen Reflexion begleitet.
„…Christian hatte neulich gesagt, für jeden Menschen gebe es ein Spektrum - am einem Ende stehe meist ein zwielichtiger Onkel, der sich während der Lockdowns immer weiter radikalisiert habe, am anderen Ende meist eine Frau, die viel Zeitung lese. Sofort hatte Sinon Ludger und Zazie vor sich gesehen. „Der eine hatte nicht unbedingt recht, aber er hat genügend Einfluss. Bei der anderen ist es meistens umgekehrt.““ (Seite 93)
„…Er begann, davon zu sprechen, dass Rassismus keine Ausnahme, dass auch das Sterben im Mittelmeer keine Ausnahme, sondern immanenter Teil des Systems seien. „Rassismus ist sehr flexibel. Mal haben wir nicht die richtige Religion, mal ist es unsere Hautfarbe, unsere Haarstruktur oder die Form unserer Nase. Diese Strukturen sind so gebaut, dass unser Erfolg nicht wahrscheinlich ist.““ (Seite 134)
Der Roman nimmt uns mit auf eine Reise zur Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer modernen Zeit und dem Erbe der vergangenen Zeiten, aus der Erfahrung von BIPoC-Frauen.
„…Wir alle glauben daran, obwohl wir es längst besser wissen: Wenn wir uns nur genug anstrengen, smart sind,fleißig - you name it -, dann können wir den Markt bezwingen und gehen vergoldet daraus hervor. Dabei werden wir indirekt dazu ermutigt, die unterdrückerischen Kräfte nicht nur zu dulden, sondern sie zu unseren Vorteil u zu nutzen.“ (Seite 177)
„Hauptsache, du befreist dich von all dem, was die Leute von dir erwarten. Damit kann man ja sein ganzes Leben verbringen, zu versuchen, diese Erwartungen zu erfüllen. Ist auch zu nüscht nütze.“ (Seite 330)
Yandé Seck schafft für mich in ihrem Roman eine neue Ebene der eigenen Auseinandersetzung mit meinen Privilegien und Möglichkeiten.
Das Buch wollte zu viel sein und konnte am Ende nicht halten, was der Klappentext verspricht. Vieles blieb an der Oberfläche, vieles wurde angerissen, die Sprache holperte so vor sich hin, die Figuren wurden nicht greifbar oder nahbar. „Tell, don’t show“ war hier wohl die oberste Schreibregel. Schade, ich hatte mich sehr drauf gefreut.
Dieo und Zazie leben in Frankfurt. Zwei Schwestern, Töchter einer deutschen Mutter und eines senegalesischen Vaters. Dieo ist vollauf beschäftigt mit drei Kindern, einem Job als Psychotherapeutin und einem Mann, der als Mitarbeiter eines Startups eigentlich immer am Start sein muss, wenn der Chef wieder eine Nachtschicht anordnet. Zazie arbeitet in einem Jugendzentrum und überlegt noch, ob sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin zum Thema Rassismus an die Uni gehen möchte. Vor allem Zazie beschäftigt sich mit den vielen verschiedenen gesellschaftlichen Themen rund um Diskriminierung, Rassismus und Ungleichheit und hält - vor allem dem Rest der Familie - permanent einen Spiegel vor.
Die Ankündigungen versprachen einen Familienroman mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und hintergründigem Witz. Tatsächlich fand ich in diesem Buch wenig Witz. Und was den Familienroman betrifft, fühlte es sich eher wie eine Verkleidung an. Es war fast wie eine Hochschulvorlesung, die als Familienroman verkleidet daherkam, um die Themen leichter verdaulich zu machen. Doch das ist leider meiner Meinung nach nicht gut geglückt. Zazie belehrt ihre Familienmitglieder in einem fort. Die Familienzusammenkünfte und andere Treffen, die hier erzählt werden, wirken eher wie akademische Diskussionskreise. Immer wieder werden sehr direkt und "in your face" die aktuellen Modebegriffe regelrecht definiert. "So, dann weiß ich ja jetzt auch, was Mansplaining [beliebig austauschbar mit anderen Begriffen] ist." Und es wird nicht besser dadurch, dass die Begriffe wie in einem Lehrbuch auch noch in kursiv hervorgehoben sind. Und dann wird selbst die eigene Großmutter noch ständig zurechtgewiesen. Ja, auch und gerade die älteren Generationen müssten sensibilisierter werden, aber diese Großmutter hat diese Enkelinnen doch schon seit 20 Jahren. Da ist das Ganze irgendwie wenig glaubhaft. Über lange Strecken habe ich mich ziemlich durch dieses Buch gekämpft. Da ich selbst im akademischen Bereich tätig bin, weiß ich, wie wichtig die Themen dieses Buches sind. Dennoch hat es mir an fesselnder Handlung gefehlt für einen Roman. Der eigentliche Handlungspunkt, der auch im Klappentext genannt wird, passiert erst spät im Buch, sodass wenig Handlung im Senegal oder in Interaktion mit der senegalesischen Verwandschaft stattfindet. Dieser Abschnitt war tatsächlich deutlich interessanter und spannender und hätte noch mehr Potential gehabt, dass die Schwestern auch ihre eigenen Privilegien reflektieren, die sie trotz erlebter Diskriminierung haben. So haben beide beispielsweise ein Hochschulstudium genossen und Zazie hat trotz vorübergehender Arbeitslosigkeiten scheinbar keine existenziellen Sorgen.
Insgesamt ist dieses Buch sicher gesellschaftlich wichtig aufgrund der Themen, die es verhandelt. Leider bleibt es aber relativ trocken und theoretisch und wirkt eher wie eine Uni-Vorlesung verkleidet als Familiengeschichte. Und wenn es die Zielgruppe, die es am besten gebrauchen könnte, nicht schon direkt verfehlt, wird es sie wahrscheinlich auf halber Strecke verlieren aufgrund des ständigen erhobenen Zeigefingers und der mangelnden Handlung, die einen Roman nun einmal ausmachen.
Dieo Rosenbaum, Tochter einer deutschen Psychotherapeutin und eines Senegalesen, hat ihrer Mutter nachgeeifert und arbeitet parallel zur eigenen Lehranalyse als angestellte Therapeutin für Kinder und Jugendliche. Das Angebot einer Praxisgemeinschaft eröffnet ihr aktuell den Schritt in die Selbstständigkeit mit eigenen Praxisräumen. Privat lebt sie gemeinsam mit drei Kindern und Simon, den ein Job im Bereich „Assets &Coins“ an die Push-Nachrichten seines sehr jungen und sehr hippen Chefs kettet. Von ihrer jüngeren Schwester Zazie trennen Dieo nur 7 Jahre; die aktuell mit ihrer senegalesischen Seite befasste, höchst kritische Zazie scheint jedoch einer völlig anderen Generation anzugehören. Zazie arbeitet noch als Sozialpädagogin in einem Jugendzentrum, hat jedoch gerade ein Masterstudium abgeschlossen. Beide Töchter konnten bisher offenbar die Ansprüche ihrer Mutter an die Karrieren ihres Nachwuchses nicht erfüllen. Als Mutter Ulrike kurz vor dem Rentenalter endlich wagt, die Weihnachtspläne ihrer eigenen Mutter zu boykottieren, konfrontiert das die Töchter mit ihrer hochbetagten schlesischen Großmutter, die zugleich Uralt-Linke wie Antifeministin zu sein scheint.
Da ich über Roman-Figuren stets sofort so viel wie möglich erfahren will, war ich an diesem Punkt des Romans höchst unzufrieden, weil ich weder erfahren hatte, welche persönlichen und beruflichen Motive Zazie für ihr Masterstudium hatte, noch wer Dios Freundin Winta ist und was beide Frauen verbindet. Dass der wechselnde Focus des Romans sich neben Dieo und Zazie auch auf Simon Rosenbaum richtet, konnte zum Glück meine Neugier wecken, welche Rolle dem Vater dreier Söhne zwischen 4 und 15 zugedacht war. Dieo hatte beobachtet, dass das psychologische Modell „abwesender Vater“ offenbar längst von der Realität eingeholt ist. Ihre Eltern bereits hatten – abwesend für ihre Kinder - Ikonen gehuldigt (Freud/Nietzsche); am Beispiel ihrer jugendlichen Klienten erlebt sie gerade eine Generation depressiver, „toter“ Mütter. Als Papis, der Vater der Schwestern, überraschend auftaucht, kommt es zu einer Reise „zu den Wurzeln“ in den Senegal - und mehr als einer überraschenden Wende im Leben der Schwestern.
Hauptfiguren in Yandé Secks Roman eines afrodeutschen Familienclans sind drei Therapeutinnen/Pädagoginnen mit unterschiedlichen Berufswegen; die Autorin hat spürbar Erfahrung im Milieu, das sie beschreibt. In der unmittelbaren Gegenwart (nach Pandemie und Ausbruch des Ukrainekriegs) geht es neben hippen Lebensumständen, woken Sprechblasen u. a. um Schwesternschaft, Mutterschaft, unerwartete Vaterqualitäten, Rassismus und Misogynie im Beruf, sowie Freud und Leid einer senegalesischen Großfamilie. Besonders erheitern konnte mich Dieos Sprachästhetik als ironische Spiegelung des Markennamen-Droppings, Infodumpings und Erklär-Bär-Getues, das mich zu Anfang des Romans die Augen verdrehen ließ.
Insgesamt ein berührender, humorvoller Roman um gegensätzliche afrodeutsche Schwestern, ihren Clan - und hinreißende Nebenfiguren.
Intensive Auseinandersetzung zum Thema Zugehörigkeit
Das Buch hatte mir eigentlich vom Cover und Klappentext her ziemlich zugesagt. Allerdings hatte mir der Schreibstil ein paar Probleme bereitet, da viele Fachbegriffe / Fremdwörter gefallen sind. Teilweise waren auch ganze Sätze auf Französisch, wofür meine Kentnisse aus der Schule grad noch so gereicht haben. Ich hatte eigentlich gehofft, dass im Buch irgendwo eine Art Glossarzu finden ist, leider war dem aber nicht so. Dadurch musste ich meinen Lesefluss oft unterbrechen, um Wörter nachzuschlagen. Auf der anderen Seite ist es sehr schön, diese verschiedenen Kultureinflüsse zu sehen und wie das alles im täglichen sprachgebrauch integriert ist. Das Buch war größtenteils ein Fall von -no plot, just vibes-, was mir eigentlich auch gefällt. Hier war aber ebenfalls das Problem, dass ich durch die ganzen pop culture Referenzen leider nicht ganz mitgekommen bin. Dennoch glaube ich, dass es ein wichtiges Buch ist und eine interessante Message zum Thema Zugehörigkeit enthält!
Was für ein großartiger Debütroman! Yandé Seck schreibt über Zugehörigkeit, über Herkunft, über das Leben in unserer aktuellen Gesellschaft und darüber, wie wichtig Familie ist.
Während Dieo mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in einer Altbauwohnung im Frankfurter Nordend lebt und versucht ihren Platz zwischen Muttersein und Karriere zu finden, ist ihre jüngere Schwester Zazie in einem ständigen Kampf gegen die rassistische und sexistische Gesellschaft. Als ihr Vater aus dem Senegal stirbt, müssen die beiden Schwestern sich jede auf ihre Weise mit seiner Herkunft und ihrer Familie auseinandersetzen.
Besonders gut hat mir gefallen, dass das Buch nicht nur aus Sicht der beiden Schwestern geschrieben ist, sondern auch eine dritte Perspektive, die von Dieos Mann Simon, hinzukommt. Alle drei Perspektiven waren unterschiedlich und hatten einen eigenen Stil, wodurch die Figuren an Tiefe gewinnen. Es werden dadurch unterschiedliche Sichtweisen auf Themen gezeigt und reflektiert.
Die Beziehung der Schwestern ist nicht immer einfach und gleichzeitig voller Liebe. Durch die unterschiedlichen Alltage der beiden werden Themen wie Rassismus, Sexismus, Klassizismus, Mutterschaft und Kapitalismus aufgegriffen. Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich, dass sehr viele typische Themen aufgegriffen wurden, keiner der Handlungsstränge war für mich besonders überraschend oder ungewöhnlich.
Ein Buch, das aufrüttelt und zum Nachdenken anregt, aber das man gleichzeitig versöhnt beendet. Ich musste mehrfach laut lachen und hatte an anderen Stellen Tränen in den Augen. Leseempfehlung!
Weiße Wolken spricht sensibel über Identität, Selbstfindung und Care-Arbeit und zeigt reale struggles v.a. von mixed race people <3
Leider waren mir einige Erzählungen über die Lebensweisen der Charaktere etwas zu klischeehaft - trotzdem lohnt es sich bis zum Ende zu lesen, da es bis dahin nochmal deutlich an Tiefe gewinnt!
Das Thema ist sehr aktuell, wichtig und es ist ein verständliches Bedürfnis nach einer positiven Darstellung. Im Buch wird am Ende also eine „heile Welt“ beschrieben, trotz der Konflikte davor. Die familiären Auseinandersetzungen zwischen Müttern und Töchtern waren sehr treffend.
Der Roman spiegelt die erfolgreiche, gelungene Karriere der Autorin als Uni-Dozentin und dies ist im heutigen Deutschland ein positives Signal.
Unnötig fand ich die vielen Autoren-, Produkt- oder Restaurantnamen, die eher oberflächlich eine hipster Klientel ansprechen und auch ziemlich elitär wirken.
S. 39: „A grown-up is a child with layers on.“ S.258: „Es ist nicht unbedingt so, dass man seinen Vater wirklich kennenlernt, nur weil man mit ihm Zeit verbringt.“
Ein Roman über zwei Schwestern, die nach dem Tod ihres senegalesischen Vaters gezwungen sind, sich mit ihrer Herkunft und ihrem Platz in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dieo lebt mit ihrem weissen Ehemann und drei Kindern in Frankfurt und versucht, den Spagat zwischen Familie, Beruf und gesellschaftlichen Erwartungen zu meistern. Ihre jüngere Schwester Zazie hingegen lebt unabhängig, politisch engagiert und kritisch gegenüber den Strukturen, die ihr Umfeld prägen. Aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln entsteht ein intensives Bild von Familie, Identität und Zugehörigkeit.
Der Roman bewegt sich zwischen Frankfurt, Offenbach und dem Senegal und fängt das Spannungsfeld zwischen europäischem Alltag und afrikanischen Wurzeln eindrucksvoll ein. Die „weissen Wolken“, eine Metapher für unsichtbare Spuren und Verletzungen, stehen sinnbildlich für die Erfahrungen der Figuren mit Migration, Rassismus und Anpassung. Seck schreibt feinfühlig und mit grossen Gespür für Zwischentöne über Themen, die sowohl individuell als auch gesellschaftlich relevant sind.
Wir folgen den Perspektiven von Dieo, Ihrem Ehemann Simon und Zazie. Dieser Roman erforscht Muttersein, Care Arbeit, Rassismus, Male Privilege und lässt die Charakter diese Konzepte im Alltag verspüren, durchleben und überwinden. Identität, Familie, Arbeit und sich selber verstehen stehen bei allen Charaktere im Zentrum. Es liest sich wie ein Slice-of-Life, es zeigt super wie grosse Themen im kleinen Einschneidend sind.
Diese Geschichte hat viel Spass gemacht zu lesen und hat Konzepte die ich aus dem Alltag und Non Fiction kenne, angewandt, durchgespielt und eine menschliche Dimension gegeben. Sehr toll!
Trotz der gesellschaftlich wichtigen Themen, die angesprochen wurden, habe ich mich nach etwa 100 Seiten entschieden, das Buch zur Seite zu legen. Die Geschichte hat mich nicht gepackt und die vielen aktuellen fremdsprachlichen Modebegriffe (mansplaining, shrink,mental load….) sollte man vielleicht kennen, aber sie haben mich immer wieder aus dem Lesefluss rausgerissen. Ich fühlte mich ein bisschen belehrt wie in der Schule.
Das hat sich ein bisschen angefühlt wie eine Uni-Vorlesung zum Thema Identität & Race. Fand ich etwas anstrengend, vielleicht hätte Yandé Seck besser ein Sachbuch schreiben sollen. Gefallen hat mir hingegen der familiäre Zusammenhalt und die schöne schwesterliche Verbindung. War nicht schlecht :)
Weiße Wolken gewährt Einblick in eine Großfamilie, in der immer wieder verschiedene Welten aufeinanderprallen, sei es zwischen den Generationen, zwischen woke und konservativ, zwischen verschiedenen Familienmodellen, zwischen Mann und Frau oder auch zwischen Schwarz- und weiß-Sein. Mal geht es darum, dass die eine Schwester den Aktivismusdrang der anderen nicht versteht, dann um die problematischen Kommentare von Oma beim Familientreffen oder darum, wie unfähig Ehmann und Vater Simon sich seiner Frau gegenüber anstellt. Hier wird selten abgeblockt, stattdessen wird mit den Konflikten umgegangen, manchmal werden sie besprochen und manchmal auch fallen gelassen. Es gibt Erklärungs- und Annäherungsversuche, weil es eben Familie ist und es irgendwie funktionieren muss (wenn Funkstille nicht gewünscht ist). Interessant ist, dass der Roman damit vorlieb nimmt, die Zustände zu schildern, so dass Lesende eigene Schlüsse und Bewertungen aus den Situationen ziehen können. Hat mir gefallen so als Momentaufnahme, aber wird wohl nicht tiefgehend in mir nachhallen (muss es auch nicht, ich hatte ne gute Zeit).
Yandé Seck erzählt in ihrem Debütroman "Weiße Wolken" die Geschichte der Schwestern Zazie und Dieo deren Mutter Deutsche und der Vater Senegalese ist. Während Zazie versucht ihr Studium und ihre Situationship auf die Reihe zu bekommen ist sie wütend auf die ganze Welt, kämpft gegen Alltagsrassismus und Sexismus. Währenddessen lebt Dieo ein gutbürgerliches Leben mit ihrem mittelalten weißen Mann Simon, struggelt mit Mental Load und damit, ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau und den damit verbundenen Erwartungen gerecht zu werden.
Weisse Wolken ist ein Familien- und Gesellschaftsroman der durch wechselnde Perspektiven der drei Protagonist*innen leicht und schnell zu lesen ist, wichtige Themen wie strukturellen Rassismus, Klassizismus und Sexismus behandelt. Der Schreibstil ist modern und locker, es gibt seehr viele Anglizismen und Dialoge.
Auf den ersten 200 Seiten passiert nicht viel, was in diesem Fall nichts Negatives ist. Man begleitet Zazie, Dieo und Simon durch ihren Alltag, lernt sie und ihre Probleme kennen und baut eine Verbindung zu ihnen auf. Sowohl ihre Familiendynamik als auch die Suche nach Zugehörigkeit und Identität war für mich immer nachvollziehbar.
Etwas unglücklich fand ich jedoch, dass im Klappentext etwas angeteasert wurde was dann erst im letzten Drittel des Buches passiert. Hat bei mir leider für Ungeduld und Unruhe beim Lesen gesorgt und grundsätzlich hätte ich über diesen Teil der Geschichte gerne mehr erfahren. Das endgültige Ende war dan etwas too much für mich, weniger ist manchmal mehr.
Ein starker Roman mit viel Potential der für mich nicht komplett rund war.
Weiße Wolken ist für ein Debut wirklich beeindruckend. Yandé Seck nimmt uns mit in die Welt zweier Schwestern und deren Umgang mit ihren Umständen. Beide werden von den gleichen gesellschaftlichen Mustern geplagt (Rassismus / Sexismus) und gehen doch sehr unterschiedlich damit um.
Der Erzählstil ist sehr schlau gewählt. Die beiden Schwestern haben eine sehr eigene Erzählstimme, sie lassen sich schon in ihren Perspektiven gut voneinander unterscheiden. Das hat mri sehr gut gefallen. Die Dualität zwischen den beiden Schwerpunktthemen der SChwestern ist sehr interessant. Es zeigt, wie die Wahrnehmung Schwerpunkte verstärken und das Leben einer Person beeinflussen kann. Was mir vor allem am Anfang fehlt ist der rote Faden, der die beiden Perspektiven miteinander verbindet. Ab der Hälfte wird es besser aber ich finde gerade am Anfang wäre es wichtig gewesen, um die eben beschriebene Dualität und Wahrnehmung zu verstärken.
Die Geschichte ist sehr modern erzählt und passt absolut in die Zeit. Ich denke dieses Buch wird schon alleine deshalb irgendwann als Zeitkapsel gelten. Dennoch finde ich es manchmal etwas too much. Als würde vor allem Zazie versuchen, alles in einen Satz zu quetschen. Das macht es vor allem in der ersten Hälfte des Buches für die Leser:innen schwer zu differenzieren, was wirklich wichtig ist und was einfach nur etwas dick aufgetragen. Das ist manchmal sehr anstrengend zu lesen, ist aber bestimmt so gewollt. Die Themen müssen genauso schwer auf Zazie lasten.
Vor allem am Anfang hatte ich etwas Probleme mit den Szenen, die erzählt werden. Sie wirken manchmal willkürlich aus dem Leben gegriffen und nicht wirklich zusammenhängend. Man fragt sich bei manchen Situationen, wie sie auf das große Ganze einzahlen.
Dinge im Buch, die mich etwas irrtiert haben waren z.B. die Perspektive des Ehemanns von Dieo. Für mich hätte es absolut gereicht, die Perspektiven der Schwestern als Fokus zu haben weil sie mit den wichtigsten Themen kämpfen. Simon wirkte wie ein Lückenfüller. Für jemanden, die sich in Frankfurt auskennt, waren die ganzen Hommages an die Stadt wirklich schön zu lesen. Aber wenn man sich dort nicht auskennt, glaube ich das könnte schwierig werden.
An sich ein wichtiges Buch, das man langsam lesen sollte, um die angesprochenen Themen und die Tiefe zu verdauen. Restlos überzeugen konnte es mich leider nicht.
Dieses Buch hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ein wenig ratlos zurückgelassen.
Einerseits habe ich mich in sehr vielen Aspekten wiedergefunden, was als weiße Person bei einem Buch mit zwei schwarzen Protas vielleicht etwas verrückt ist, aber wohl auch zeigt, dass unsere Lebensrealitäten dann doch nicht immer so verschieden sind. Z. B. habe auch ich Pädagogik studiert, bin in meinem Studium sehr viel mit kritischer Theorie in Berührung gekommen und überfordere seitdem meine Freunde und Familie mit Wokeness. ;) Meine Mutter ist Psychoanalytikerin (zum Glück allerdings nicht so narzisstisch wie die Mutter der Protas!) und es scheint Eigenheiten zu geben, die zu diesem Berufsbild einfach dazugehören. :)
Das Buch zeigt auf, dass die Suche nach Zugehörigkeit und die Frage nach dem wer man ist, wer man sein möchte und was unsere Eltern damit zu tun haben, uns alle betrifft und immer wieder einholt - ganz egal wie alt wir sind und wie unser Leben aussieht. Gleichzeitig thematisiert es aktuelles Zeitgeschehen, wie das Attentat von Hanau oder den Mord an Mouhamed Dramé, der momentan vor Gericht verhandelt wird. Dazu kommen eine Menge Popkultur-Referenzen.
Der Roman scheint in vieler Hinsicht autofiktional zu sein. Andererseits fehlte mir manchmal der Tiefgang. Irgendwie schien es immer nur an der Oberfläche der Probleme zu kratzen und schwierige Situationen wurden selten aufgelöst. Bei den Nebenfiguren wurde allzu sehr auf bekannte Klischees von Almans und Kana***n (Selbstbezeichnung im Buch) gesetzt oder sie wirkten unglaubwürdig (z. B. der 15-Jährige Adorno-lesende Sohn, der die Schule schwänzt und dem einfach mal so ein Trip nach London gebucht wird. Hä?).
Ich weiß nicht so genau, wem ich das Buch empfehlen würde. Vermutlich am ehesten Menschen, die sich bereits mit Rassismus, Kolonialismus und den Lebensrealitäten von nicht-weiß-gelesenen Menschen in Deutschland auseinandergesetzt haben. Alles in allem hat mich das Buch sehr beschäftigt und auch nachhaltig berührt.
Ursprünglich voller Vorfreude auf dieses Buch wegen seines vielversprechenden Inhalts, musste ich das Buch leider nach 200 Seiten abbrechen, da es meine Erwartungen nicht erfüllte. Der Schreibstil erwies sich als eigenwillig, jedoch dennoch interessant und zeitgemäß. Ein bemerkenswerter Kontrast zeichnete sich ab: Die Autorin wechselte zwischen Jugendsprache und Fachbegriffen, die ich zuvor noch nie gehört hatte, was ich bisher so noch nicht gelesen habe. Gelegentlich stieß ich auf humorvolle Passagen, die mich sogar zum Lachen brachten. In der ersten Hälfte des Buches schien wenig zu geschehen, was mich dazu zwang, mich förmlich durch die Seiten zu kämpfen.Die Vielzahl an unterschiedlichen Perspektiven verwirrte mich anfangs, da ich Schwierigkeiten hatte, die Charaktere auseinanderzuhalten. In meinen Augen hätten die Sichtweisen von Zazie und Dieo ausgereicht. Besonders irritierend war Zazies widersprüchliches Verhalten: Obwohl sie Rassismus zutiefst verabscheute und dagegen aufbegehrte – und das zu Recht –, ließ sie bei ihren Freunden vieles durchgehen und äußerte selbst abfällige Bemerkungen über Weiße. Mit den Figuren des Buches konnte ich leider generell nicht viel anfangen. Ich konnte weder mit ihnen mitfühlen noch mich mit ihnen identifizieren. Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch. Leider wurden diese nicht erfüllt.
Klappentext: Dieo lebt mit ihrem Mann Simon und drei Söhnen in einer schönen Altbauwohnung im Frankfurter Nordend. Sie leidet unter den unerfüllbaren Ansprüchen der Gesellschaft an sie als Mutter, vor allem aber ist es die ständige Kritik ihrer jüngeren Schwester Zazie an allem und jedem, die an ihren Nerven zerrt. Auch Simon, ein mittelalter weißer Mann und Angestellter in einem Finanz-Start-up, gerät immer wieder ins Visier seiner Schwägerin, die zunehmend an der rassistischen und sexistischen Gesellschaft verzweifelt. Als der Vater der Schwestern, ein eigensinniger Nietzschefan, der vor mehr als vierzig Jahren aus dem Senegal nach Deutschland kam, unerwartet stirbt, gerät das mühsam kalibrierte Familiengefüge aus dem Gleichgewicht. Für die Beerdigung reisen die Schwestern in das Land ihres Vaters. Der Abschied wird für die beiden zu einem Neuanfang, in vielerlei Hinsicht.
„Weiße Wolken ist der Debütroman von Yandé Seck.
Im Mittelpunkt stehen die zwei farbigen Schwestern Dieo und Zazie. Die beiden sind recht unterschiedlich. Dieo sieht ihre Erfüllung in ihrer Familie, sie arbeitet als Psychotherapeutin und ist mit Simon verheiratet. Die Familie lebt im Frankfurter Nordend in einer schönen Altbauwohnung. Für Dieo ist es oft schwierig Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Ihr Mann Simon ist ein weißer Mann. Auch er liebt seine Familie steht aber beruflich oft sehr unter Druck, dass die Familie oft zu kurz kommt.
Zazie ist die jüngere der beiden Schwestern. Sie hat gerade ihr Studium beendet und arbeitet in einem Jugendzentrum. Im Gegensatz zu ihrer Schwester kann sie sich eine Wohnung in Frankfurt nicht leisten und wohnt im benachbarten Offenbach. Zazie kämpft gegen Unrecht und Rassismus, dabei greift sie auch ihren Schwager Simon an.
Die Mutter der Schwestern stammt aus Deutschland und hat einen Mann aus dem Senegal geheiratet. Auch sie ist Psychotherapeutin wie ihre Tochter Dieo.
Yandé Seck hat mit ich mit ihrer Familiengeschichte ins Herz getroffen. Sie erzählt sehr authentisch was daran liegen mag, dass auch sie Psychotherapeutin ist, in Frankfurt aufgewachsen ist und jetzt in Offenbach lebt. Auch der Vater von Yandé Seck stammt aus dem Als farbige Frau ist sie wahrscheinlich auch mit Rassismus konfrontiert worden. Die Autorin hat interessante Protagonisten entworfen. Besonders die zwei Schwester habe ich schnell ins Herz geschlossen. Während Dieo mit Arbeit und Familie sich manchmal überfordert sieht und immer wieder das Gefühl hat unzureichend zu sein, kämpft Zazie gegen das Unrecht. Sie erkennt oft in Sätzen oder Gesten Anfange von Rassismus oder Sexismus. Sie hat irgendwie eine Antenne dafür. Ich denke, wenn man im Leben (vielleicht schon als Kind) mit Rassismus konfrontiert wird bekommt man ein feines Gespür dafür.
Yandé Seck erzählt ihre Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Dabei lässt sie Dieo, Zazie und auch Simon zu Wort kommen. Ich finde es interessant die Dinge aus verschiedenen Perspektiven lesen zu können. Der Schreibstil von Yandé Seck ist flüssig und gut verständlich. Das Buch hat mich recht schnell gefesselt und ich wollte die Geschichte der Schwestern unbedingt erfahren. Für mich ist „Weiße Wolken“ eine Familiengeschichte die mich zum Nachdenken anregt hat. Wo fängt Rassismus an? Reichen schon ein paar unbedarfte Worte die man sagt auch wenn sie nicht negativ gemeint sind? Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten und macht nachdenklich.
Dass der Roman, den ich während der Buchmesse gelesen habe, ausgerechnet in Frankfurt spielt, ist reiner Zufall. Das hat mich aber sehr gefreut, denn so war die Lektüre auf den „place to be“ prima abgestimmt. Außerdem behandelt er Themen, die in der deutschen Literaturszene präsenter geworden sind, z.B. die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität als Frau, als POC, als Mutter.
Ihr merkt, hier wird ein ziemlich großes Fass auf. Im Zentrum all dieser Themen stehen Dieo und Zazie, zwei Schwestern, Kinder, der deutschen Ulrike und des Senegalesen Papis. Obwohl gemeinsam aufgewachsen, könnten sie vom Wesen unterschiedlicher nicht sein. Dieo, die ältere lebt ein bürgerliches Leben mit Simon, der in einem Startup sehr gefordert ist. Sie hat drei Söhne und der komplette Mental Load lastet auf ihr. Sie macht eine Ausbildung zur Kinder-und Jugendpsychologin, kümmert sich aber in weiten Teilen um die Kinder und die Verknüpfungen in der Familie. Zazie hingegen struggelt mit ihrer Rolle als Sozialarbeiterin in einem Jugendzentrum, in dem sie anzüglichen und rassistischen Bemerkungen ausgesetzt ist, die wahlweise „nur gut/nett/als Kompliment/lustig“ gemeint sind. Sie ist sich desden sehr bewusst und lässt es auch entsprechend raus - konsequent schmeißt sie die Brocken hin. Auch ihre Beziehung zu Max stellt sie immer wieder infrage. Möchte sie mit einem Mann zusammen leben und gegebenenfalls in einer traditionellen Rolle enden? Weitere Themen beschäftigen Sie und führen zu impulsiven und emotional gesteuerten Reaktionen.
In diesem Gesellschaftsroman begegnen wir an jeder Ecke, dem Zeitgeist. In feministische Fragen mischt sich die Erfahrungen und Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus. Dabei stehen wir als Leser zwischen den Schwestern, die zwei Seiten der Gesellschaft vertreten. Richtig glücklich wirkt keine von beiden. Die Angepasste, die von Perfektionismus getrieben immer wieder ruft, dass sie es nicht mehr alleine schafft, ist genauso orientierungslos wie die Aufmüpfige, die sich mit allen anlegt, ihre Ansichten vertritt und sich nichts gefallen lässt. Die Dynamik der Schwestern ist interessant und trotz aller Differenzen immer liebevoll. Die Nebenfiguren halten den Plot zusammen. Sie lassen manchmal ein wenig an Tiefe missen, sind aber gut gezeichnet und man hat sofort Bekannte in seinem eigenen Umfeld vor sich. Papis hat mir dabei am besten gefallen, strahlt er doch am ehesten ein bisschen Ausgeglichenheit und Weisheit aus. Es gibt einen Ausflug in die Heimat des Vaters, der aber nur minimal Einfluss auf die Geschichte nimmt. Es handelt sich also nicht um eine klug konstruierte Reise in die Kultur der eigenen Familie, sondern mehr um ein literarisches Mindmap, an dem Marginalisierung sichtbar wird und sich neu sortieren lässt…und leider etwas trivial wirkt, da es zwar den Zeitgeist bedient, aber uns nicht richtig reinzieht, weder wehtut noch Leichtigkeit hinterlässt. Meinem Empfinden nach, hätte die Handlung noch viel intensiver die angesprochenen Probleme bearbeiten können.
Ich habe die Geschichte gerne gelesen. Sie reißt die Themen an und bietet eine gute Diskussionsgrundlage, aber sie vertieft sie nicht. Zum Ende hin sortiert sich vieles, aber auch das geht zu schnell und war für mich sogar vorhersehbar. Trotzdem bleiben einige Fragen offen. Ein gutes Buch, das man leicht und schnell lesen kann, welches mich aber unbefriedigt zurücklässt.
Zazies und Dieos Vater stammt aus dem Senegal. Beide leben in Hessen. Zazie als Sozialarbeiterin, die nebenher ihre Dissertation schreibt, Dieo ist Therapeutin und macht eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin. Dazu hat sie drei Söhne mit Simon, einem Angestellten eines Tech-Startups. Als ihr Vater unerwartet im Senegal verstirbt, reisen seine beiden Töchter dorthin, um an der Beerdigung teilzunehmen. Soweit der Inhalt von Weiße Wolken.
Der Roman ist nicht schwer zu lesen, die Satzstruktur klar und die Geschichte einfach zu verfolgen. Meine Abzüge stammen vor allem aus dem Inhalt. Der war einfach sehr stereotyp und hat mir nichts Neues gezeigt. Obwohl es um die Schwestern Zazie und Dieo geht, hatte ich immer das Gefühl, dass Zazie im Mittelpunkt steht. Das aber nur eine Randnotiz. Sehr viel mehr hat mich gestört, dass beide Schwestern vor allem ein Lebensmodell repräsentieren und weniger als Individuen in Erscheinung treten. Zazie ist die gerechtigkeitsliebende Schwester, die sich mit ihrer Herkunft beschäftigt, alles politisch versteht, auch die Schwachen der Gesellschaft sieht. Dieo lebt das klassische gutbürgerliche Leben mit Kindern und gut verdienendem Ehemann, bildet sich weiter und muss sich über Geld keine Gedanken machen. Sie war noch nie im Senegal, ihre Herkunft spielt weniger eine Rolle für sie. Das wird im Roman gut dargestellt, aber es gibt wenige bis keine neuen Entwicklungen oder Perspektiven, die nicht schon einmal dagewesen wären. Auch der angeblich verändernde Aufenthalt hat für mich keinen neuen Schwung in die Handlung und den Roman gebracht.
Neu war, dass die Geschichte aus drei Perspektiven erzählt wurde, nicht nur Zazies und Dieos, sondern auch Simons. Mir wurde allerdings nicht klar, welchen Mehrwert diese dritte Perspektive hätte geben können. Dass er ein durchaus moderner Mann ist, der aber zu viel arbeitet, ging aus Dieos, und auch Zazies, Schilderungen hervor.
Insgesamt ist Weiße Wolken ein Buch, dass sich gut zwischendurch lesen lässt, aber nicht die erwarteten Eindrücke oder aufgeworfene Fragen geliefert hat.
Zwei Schwestern: Die eine arbeitet sich an sämtlichem Unrecht unserer Gegenwart ab, die andere am bürgerlichen Familienideal; für die eine ist ihr Schwarzsein eine politische Kategorie, für die andere ihr Muttersein. Klug, erhellend und mit hintergründigem Witz erzählt Yandé Seck in ihrem Debütroman von den Ambivalenzen, die wir im Kleinen wie im Großen aushalten müssen.
Yandé Seck erzählt in "Weiße Wolken" von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihr Vater kam vor mehr als vierzig Jahren aus dem Senegal, ihre Mutter ist weiß. Während sich Dieo mit ihrem weißen Mann Simon, ihren drei Söhnen und der schönen Altbauwohnung in Frankfurt sehr zufriedengibt und ihr größtes Problem ist, dass sie die Ansprüche der Gesellschaft an sie als Mutter nicht erfüllen kann, hadert Zazie. Zazie, die im Jugendzentrum arbeitet, überlegt, an der Uni zu promovieren und die sich aufreibt an den rassistischen und sexistischen Strukturen, die ihr Umfeld als normal und eher unproblematisch empfinden. Zazie hält den Spiegel vor, gerade in der Familie muss sie das immer wieder machen und auf Rassismus hinweisen - auch Simon und sie versteht nicht wie Dieo mit ihm verheiratet und Kinder großziehen kann, wenn er sich so verhält. Als ihr Vater überraschend stirbt, machen sich Zazie und Dieo auf den Weg in den Senegal, um sich zu verabschieden und starten die Reise ihres Lebens, denn danach ist nichts wie zuvor.
Yandé Seck schreibt sehr greifbar und ich konnte vor allem mit Zazie sympathisieren, obwohl sowohl Zazies als auch Dieos Lebens- und Denkweise nachvollziehbar geschildert sind. Die Beispiele und Situationen, in denen Zazie Rassismus und Sexismus benennt und darauf hinweist sowie die Reaktionen darauf wirken wie aus dem Leben gegriffen.
Eine wichtige Lektüre, die Abbildung der Gesellschaft und Zeitgeist mit der Erzählweise eines berührenden Romans vereint.
Mir hat Weiße Wolken im Großen und Ganzen wirklich gut gefallen und ich empfinde es - nach dem lesen der Rezensionen - als etwas underrated. Es geht primär um zwei junge Schwarze Frauen, Dieo und Zazie, die unterschiedliche Ansätze gewählt haben, um mit den täglichen Widersprüchen des modernen Kapitalismus, mit den rassistischen Strukturen in der deutschen Gesellschaft, mit ihrer selbstbezogenen Mutter oder mit dem senegalesischen Teil ihrer Identität umzugehen - sich aber gegenseitig immer unterstützen. Auch generationelle Unterschiede treten bei den meisten Aufeinandertreffen der Proganist*innen des Buches immer wieder zu Tage, welche durchaus auch einige Klischees erfüllen. Dennoch sind die in diesem Buch aufgezeigten Widersprüche und Debatten in meinen Augen nicht überspitzt dargestellt, sondern entsprechen den real stattfindenden Diskursen unser gegenwärtigen Gesellschaft, welche sich nicht nur medial, sondern oft auch im Freund*innenkreis oder auf der Familienfeier stattfinden. Ich kann die Kritik an der akademischen Sprache von Zazie, einer Studentin und Aktivistin, nur teilweise nachvollziehen. Ja, sicherlich steigt bei den Monologen von Zazie so manche*r Lesende mit limitierten Kenntnissen von postkolonialer Theorie, Feminismus und Co. schnell aus und ihre Aussagen lesen sich, als wären sie Teil eines politischen Sachbuches. Doch passt genau diese Sprache eben sehr gut zu der aktivistischen, sich in akademischen Kreisen bewegenden Protagonistin. Sicherlich hätte man manchmal die Gedanken oder Aussagen von Zazie etwas vereinfacht darstellen können, aber ehrlich gesagt widerspricht dies auch ein wenig dem Grundgedanken vom Geschichten erzählen. Nicht alles muss für Leser*innen sofort Sinn ergeben - manchmal ist auch das eine Erkenntnis oder zumindest ein gelungenes Stilmittel - aber eine Protagonistin ihrer eigentlichen Sprache zu berauben, nur dass jede*r Lesende jeden Monolog versteht, ergibt meiner Meinung nach keinen Sinn.
Weiße Wolken war für mich ein spannendes und interessantes Buch, mit ein paar kleineren Schwächen.
Am besten an dem Buch haben mir die Charaktere gefallen. Sie wirkten echt und nahbar, als könnten sie so in irgendeiner deutschen Großstadt herumlaufen. Ich lese sonst recht viele Bücher aus dem englischsprachigen Raum, fand es aber cool, mal einen zeitgenössischen own voices Roman aus Deutschland zu lesen. Besonders interessant fand ich das Spannungsfeld zwischen Dieo und Zazie, das sowohl für verschiedene Perspektiven innerhalb einer Familie als auch innerhalb einer Person stehen kann.
Die Dialoge wirkten teilweise etwas zu konstruiert für mich und manchmal konnte ich Gedankengänge oder Empfindungen der Personen nicht nachvollziehen, weil sie etwas vage geblieben sind, vor allem was Zazies Beziehungen zu ihren Freunden angeht.
Den Plot fand ich leider teilweise etwas wirr und mir fehlte ein bisschen der rote Faden. Es war eher ein Einblick in diese Leben und Köpfe und ihre Sorgen und Probleme, aber es gab keinen wirklichen Konflikt. Manchmal sind die Perspektiven verschwommen und es war unklar, in wessen Kapitel wir gerade sind, und teilweise gabe es plötzliche Zeitsprünge, die mich verwirrt haben. Gerade zum Ende hin hätte mir da ein bisschen mehr Struktur geholfen, auch wenn ich die Auflösung an such schön fand.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen, das Buch ließ sich flüssig und leicht lesen. Insgesamt auf jeden Fall ein schönes Debüt und ein lesenswertes Buch für alle, die zeitgenössische Familiengeschichten mit gesellschaftskritischen Aspekten mögen.
Danke an KiWi und Netgalley für das Rezensionsexemplar!
Es ist der Debütroman von Yande Seck und ich bin sehr positiv überrascht! Vielleicht fühlte ich mich auch dem Roman verbunden, weil ich selbst eine Zeit lang in Frankfurt gelebt habe, und die Dissonanz zwischen der Hautfarbe, dem Zuhause und der Herkunft selbst erlebt habe.
"Rassismus ist sehr flexibel. Mal haben wir nicht die richtige Religion, mal ist es unsere Hautfarbe, unsere Haarstruktur oder die Form unserer Nase. Diese Strukturen sind so gebaut, dass unser Erfolg nicht wahrscheinlich ist."
Aus verschiedenen Charakteren und Blickwinkeln wird die heutige deutsche Gesellschaft aufgezeigt, die zwischen Feminismus, Rasse und Familie auseinander gerissen und wieder zusammengeflickt wird. Dabei ist nicht jede Lösung zufriedenstellend, aber so ist das Leben und die Geschichte hat sich so real gefühlt mit all den Entscheidungen, wo jede*r versucht aus der Konsequenz das Beste zu machen. Die Details aus dem Frankfurter Leben waren definitiv ein Plus und die Sprache fühlte sich so ehrlich an. Das Buch versucht nicht dem Leser eine Meinung aufzudrücken, man wird auf natürliche Weise zum Umdenken angeregt. Die Lektüre hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich auf das nächste Werk von Yande Seck!
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Dieo und Zazie sind zwei Schwestern die unterschiedliche Wege im Leben eingeschlagen haben. Die ältere Dieo ist Mutter von drei Kindern und mit Simon verheiratet ist, der ebenfalls einige Kapitel in seiner Perspektive bekommt. Zazie hat immer das Gefühl sich durchkämpfen zu müssen. Gegen Rassismus, gegen Alltagsdiskriminierungen und Vorurteile sowie für den Feminismus.
Trotz des flüssigen Schreibstils, hat es aber fast bis zur Hälfte gedauert, bis ich das ganze richtig greifen konnte. Vieles war mir zu episodisch, zu viele Gespräche, die fast schon zwanghaft wichtige Themen auf den Tisch brachten. Doch dann, als die Schwestern durch einen Schicksalsschlag gemeinsam vereisen (mehr will ich nicht verraten, um nicht zu Spoilern) setzen sich für mich die Fäden zusammen, ab dann kam mehr Handlung hinein. Die Wandlung der Haltung von Zazie kam zwar sehr plötzlich, aber lies mich mit einem guten Gefühl aus dem Roman hinaus. Denn das, was am Ende in einer zauberhaften Szene in einer Buchhandlung passiert, ist genau das, was ich vor kurzem bei einem Kinderbuch mit einer person of color Protagonistin sehr positiv erkannt habe, wird hier als Szene gezeigt. Ein Vorbild und eine Figur, mit der sich Kinder identifizieren können.
Auf jeden Fall sehr lesenswert. Auch um mal über den eigenen Tellerrand zu schauen oder unbedarfte Fragen zu reflektieren.
Weiße Wolken ist ein deutsch-senegalischer Familienroman, in dem besonders die Schwestern Dieo und Zazie im Mittelpunkt stehen. Während Dieo mit Simon verheiratet ist und 3 Kinder hat, ist die 7 Jahre jüngere Zazie noch etwas orientierungslos. Den Weg ins Leben zu suchen ist ein wichtiges Thema im Buch. Die Schwestern sind zwar sehr unterschiedlich, aber sie verstehen sich dennoch und sind sich nahe. Die Kapitel wechsel zwischen Dieo und Zazie. Auch Simon hat ab und zu mal sein Kapitel. Als der Vater der Schwestern plötzlich an einem Herzinfarkt stirbt, reise sie nach Senegal zur Beerdigung. Leider sind die Senegal-Passagen kurz gehalten, aber ansonsten hat mich die Plotgestaltung überzeugt. Es ist interessant gemacht und gut geschrieben. Vor allen sind die Figuren lebensecht und man kann ihnen gut durch das Buch folgen. Die Figurenentwicklung ist eine Stärke der Autorin und sie kann die Beziehungen zueinander zeigen. Es ist ein gutes Schwesternporträt. Mit der in Heidelberg geborene Yandé Seck ist ein vielversprechende, neue literarische Stimme aufgetaucht.
überzeugendes Debüt " Weiße Wolken " ist ein Debütroman, der mich zu Anfang etwas warten ließ, mich dann aber überzeugte.
Dieo und Zazie sind Geschwister und People of Colour. Mutter weiß und Vater schwarz und beide sind sehr unterschiedlich. Dieo ist die Ältere, verheiratet und Mutter dreier Söhne. Ihr Mutter arebtiet viel und so hat sie sich mit ihrer Rolle als Mutter und Managerin der Familie arrangiert. Zasie hat studiert, promoviert und arbeitet sich an den Ungerechtigkeiten der Welt ab. Sie käpft gegen Rassismus die alltägliche Altersdiskriminerung, Vorurteile und setzt sich stak für Feminismus ein. Beide reflektieren ihr Leben und haben sich in ihren Rollen eingelebt. Bis etwas geschieht, das vieles anders sehen lässt.
Ich habe etwas gebraaucht , um in dieses Buch hineinzufinden , habe es dann aber nicht mehr weglegen können. Mit viel Witz, aber auch mit der richtigen Sicht auf die wichtigen Themen unterhält die Autorin den Leser auf sehr vielfältige Weise , was die Themen angeht. Tolle Charfaktere und eine flüssige Schreibweise haben mich gut unterhalten. Ich bin gespannt auf weitere Bücher dieser Autorin.
Die Thematik und auch die Vita der Autorin hatten mich total neugierig gemacht, hätte ich vorher gewusst was mich erwartet, hätte ich mit Sicherheit kein Geld dafür ausgegeben. Das Buch hat mich genervt und ich hatte das Gefühl, meinen beiden pubertierenden Töchtern zuzuhören, wenn die sich in "Tik-Tok-Deutsch" unterhalten (für die beiden IMMER eine Garantie, dass ich meine Ohren zuklappe). Es ist meines Erachtens okay, ein oder zwei Protagonisten Denglish oder Jugendsprech denken und sprechen zu lassen, es ist super nervig, wenn eine Autorin alle ihre ProtagonistInnen so kommunizieren lässt. Dazu kommen dann noch akademische Fachausdrücke und hie und da ein französischer Absatz ohne Fußnote (ich beherrsche kein Französisch). Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass ich einfach gar nichts mehr verstehe. Ich konnte aus bestimmten Gründen schon "Uhrwerk Orange" nic ht lesen, bei den "Weißen Wolken" war ich ganz schnell raus. Für mich absolut unlesbar. Schade, für das Setting in Frankfurt und die Thematik Alltagsrassismus vergebe ich zwei Punkte.