Als ihr in Berlin das Geld für ihr Studium ausgeht, reist die junge Ich-Erzählerin in ihr Heimatdorf Ferymont in der Schweiz, um dort für eine Saison als landwirtschaftliche Hilfskraft zu arbeiten. Beim Einsatz auf den Feldern freundet sie sich mit Daria an, die mit ihrer Familie jährlich aus der Republik Moldau anreist, um in den Betrieben des Schweizer Seelands Geld als Saisonkraft zu verdienen. Durch die entstandene Nähe zwischen den beiden jungen Frauen rückt auch das Ungleichgewicht zwischen den west- und osteuropäischen Regionen in den Fokus. »Ferymont« ist ein literarisches Porträt einer Region im Herzen Europas, das eine oft unsichtbare Realität thematisiert. Ein leiser Roman, der sprachlich virtuos kapitalistische Arbeitsbedingungen hinterfragt und sensibel die Geschichten von Saisonarbeiter*innen in den Mittelpunkt stellt.
Den Einblick in den Alltag von Erntehelfern fand ich zwar interessant, leider konnte mir das Buch sonst nicht wirklich etwas bieten. Die Figuren bleiben flach, die Sprache ist recht einfach und Gespräche und Szenen zerfließen meist ins nichts und fühlen sich so nebensächlich an. Auch der Fokus lag nicht immer unbedingt da, wo ich ihn gerne gehabt hätte: statt Szenen, wo die Protagonistin an ihrem Studium nebenbei weiterarbeitet oder mit ihrer Tante Curling spielt hätte ich lieber mehr vom Feld und vom Leben der Gastarbeiter gesehen. Insgesamt fand ich vieles leider langweilig.
Lorena Simmels Debütroman "Ferymont" handelt vom Arbeitsalltag der Saisonarbeiter*innen in einem fiktiven gleichnamigen Dorf in der Schweiz. Die namenlose Ich-Erzählerin studiert in Berlin und kehrt in ihrer Heimat Ferymont zurück, um auf den Feldern zu arbeiten und Geld zu verdienen. Sehr spannend fand ich, das Lorena Simmel die Erzählstimme zwar aus der Ich- Perspektive schreibt, aber nicht ihre Individualität im Vordergrund steht, sondern die Geschichten der anderen Figuren. Stichwort: Solidarisches Erzählen. Das geschieht, indem die Ich-Erzählerin sehr zurückgenommen ist, eine Person ohne Ecken und Kanten, ohne Namen und ohne zu bewältigende Krisen. Sie ist am Ende des Buches genau die gleiche Person wie am Anfang und hat keine Entwicklung durchgemacht. Stattdessen eröffnet sie uns den Blick auf andere Figuren, z. B auf die gleichaltrige Daria, die mit Mann und Kind aus Moldawien angereist ist, um auf den Feldern zu arbeiten, weil sie in ihrer Heimat als Gerichtsvollzieherin nicht genug verdient. Detailliert beschreibt Simmel, wie hart die Saisonarbeiter*innen arbeiten, bei sengender Hitze auf den Feldern den Spargel stechen, auf den Knien kriechend im heißen Folientunnel in Rekordzeit die Erdbeeren von den Sträuchern pflücken müssen, ohne sie dabei zu zerdrücken, dazu die unmenschlichen Arbeitsbedingungen einer sieben Tage Woche. Durch den Vorarbeiter Konrad erfahren wir von der Zerrissenheit, einerseits das Heimweh und die Sehnsucht nach seiner Familie, die in Polen geblieben ist, andererseits verdient er hier viel Geld, wird von den Arbeitergebern geschätzt und bekommt verantwortungsvoller Aufgaben, fühlt sich in Ferymont sehr wohl, während seine Frau zuhause Angst hat, dass er nicht mehr nachhause zurückkommt. Wie ein Mosaik setzen sich die verschiedenen Geschichten der Saisonarbeiter*innen zu einem Porträt zusammen und wir Lesenden bekommen einen Eindruck, wie es sein muss, in dieser Zerrissenheit und mit dieser harten körperlichen Arbeit zu leben.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, Erdbeeren im Karton sehe ich jetzt mit anderen Augen.
Leseempfehlung!
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Ich finde es immer wieder bereichernd, mich mal in einer Bubble zu bewegen, die weit weg von meinem eigenen Horizont ist. In diesem Buch betrachten wir den Kosmos der Saisonarbeiter.
Die ICH- Erzählerin, die meinem empfinden nach autofiktional erzählt, reist von Berlin, wo sie Literaturwissenschaften studiert, nach Ferymont, einem kleinen Schweizer Örtchen in unmittelbarer Nähe des Neuenburgersees . Ihre Tante, lebt dort und wird ihr Unterkunft bieten. Sie möchte dort eine komplette Saison auf den Höfen der Umgebung bei der Ernte und anderen Arbeiten helfen. Sie gerät in ein Gemisch von Menschen aus Osteuropa, Portugal und Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die ihr zu Hause viele Monate hinter sich lassen, um gutes Geld dazu zu verdienen. Hier knüpft unsere Protagonistin sehr schnell. Beziehungen. Daria gegenüber fühlt sie sich spontan freundschaftlich verbunden. Später stößt Konrad dazu. Sie lernt die Hintergründe der einzelnen Personen kennen, viele davon haben akademischen Hintergrund. Sie sparen für ein Haus, für die Zukunft und ein besseres Leben. Oft haben Sie Jobs die sie riskieren, wenn sie jedes Jahr für längere Zeit woanders arbeiten. Als Leser werden wir in die Arbeitsabläufe involviert, sind bei der Erdbeer – und Tabakernte dabei oder dem Verladen von Masthühnern. Manche der Saisonarbeiter arbeiten, bis sie vor Erschöpfung nicht mehr können. Die Autorin hat es geschafft, in dieser kleinen Symbiose unterschiedlicher Herkunftsländer, Aufgaben und Rahmenbedingungen, ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen zu lassen. Man gehört zusammen, weil man nicht hier hingehört. Die Arbeitsbedingungen spielen oft eine Rolle, werden eher nicht intensiv vertieft. Aber gerade das Streifen von Themen wie Krankenversicherung oder Arbeitsgenehmigung zeigt die Komplexität auf. Der Erzählton ist meist nüchtern und bisweilen sogar emotionslos. Doch an den wirklich wichtigen Stellen spürt man die Aufregung, die Trauer, die Anstrengung und die Unsicherheiten. Ich kann nicht sagen, dass mir die Personen ans Herz wachsen, aber habe mich doch einfühlen können in ihre Leben. Und das, obwohl nur sehr reduzierte Details preisgegeben werden. Die Autorin wirkt wie eine Künstlerin, die mit zwei Pinselstrichen ein Portrait anfertigen kann.
Ich hab schon mal ein Buch mit einer ähnlichen Thematik gelesen, Caravan von Marina Lewycka, dass mich vor Jahren mit diesen wichtigen Arbeiten konfrontiert hat und mit den vielen Nachteilen, die sie für die Menschen mit sich bringen.
„Ferymont“ bietet ein interessantes Setting mit einem besonderen Erzählstil für Freund*innen der ruhigen Literatur.
incredibly dull, my first one star rating on this site. don't get seduced by the blurb. "questioning the capitalist relations of labor" and "linguistic virtuosity" are laughably wrong in relation to this book. it doesn't know what it wants to show and first and foremost, HOW to do it -- most scenes have no greater use for the narrative, it's full of unnecessary details and flat characters, there's no real tension to be resolved. even a death scene leaves the reader indifferent
Die Protagonistin bleibt sehr distanziert. Entweder bin ich sehr schlecht darin, zwischen den Zeilen zu lesen oder da war tatsächlich nichts. Hat mir in Bezug auf die Essenz der Geschichte nicht besonders gut gefallen.
als seeländerin war es sehr schön von der vertrauten gegend zu lesen und gleichzeitig so viel neues darüber zu erfahren! die erzählung hat mich sehr berührt!