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Woke: Psychologie eines Kulturkampfs

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Ursprünglich als progressive Identitätspolitik an Universitäten entstanden, hat Wokeness sich mehr und mehr als Bewegung in staatlichen Institutionen und in Denkmustern von Menschen ausgebreitet wie festgesetzt. Die Psychologin Esther Bockwyt betrachtet den Ursprung und die Folgen der Woke-Bewegung erstmals aus psychologischer Perspektive. Sie sieht Wokeness als den exzessiven wie vergeblichen Versuch, Menschen vor der Übernahme von reifer Verantwortung und unerwünschten Empfindungen zu schützen. Die positive Idee des Schutzes von Minderheiten und des Ausgleichs von Ungerechtigkeiten ist in ein starres, einengendes Schubladendenken mit pessimistischem Welt- und Menschenbild gedreht, sodass eine schwer überwindbare Wand zwischen Benachteiligten und Privilegierten entstehen kann. So kritisch wie ausgewogen und fernab von schrillen Tonlagen fragt die Was bedeutet Wokeness für unsere psychische Gesundheit und das gesellschaftliche Miteinander? Was passiert, wenn Narzissmus, Gewissenhaftigkeit oder Aggression im Namen der Wokeness ein gesundes Maß überschreiten? Und wie entsteht eine gesunde Balance zwischen entgegengesetzten Kräften?

253 pages, Kindle Edition

Published February 5, 2024

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About the author

Esther Bockwyt

11 books2 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Alexandra .
936 reviews372 followers
March 5, 2024
Esther Bockwyt hat mit diesem Sachbuch definitiv ein sehr gutes, tiefgehendes, psychologisch-philosophisch fundiertes Werk für jene geschrieben, die sich mit der Materie schon etwas intensiver beschäftigt haben. Theoretisch philosophische Grundlagen und Gedankengebäude wie Postkoloniale Theorie, Intersektionaler Feminismus, Critical Race Theory, Queer Theory und Queer-Feminismus, BLM (Black Lives Matter), linke Identitätspolitik, Judith Butler und Focault sollte man schon vorab kennen, denn sie werden nicht mehr ausführlich erklärt. Es ist also tatsächlich kein populärwissenschaftliches Fachbuch auf einem niedrigen Niveau für alle, sondern eher ein Werk für Fortgeschrittene und Profis im Thema.

Dafür hat die Autorin den Anspruch an die Wissenschaftlichkeit sehr ernsthaft betrieben, bezüglich der ausführlichen Quellen wie Studien, Sekundärliteratur, Zitate, etc. gibt’s gar nix von mir zu meckern, was ich sonst immer mache. Bockwyt betrachtet das politisch verkürzte Kampfwort Woke sehr kritisch, aber fair, zeigt auf, in welchen Bereichen sich diese Bewegung gegründet hat, mit welchen guten Ansätzen sie positive Veränderungen bewirkt hat und wo die kapitalen psychologischen Fehler in der Weiterentwicklung im System Woke mit allen oben genannten Theorien existieren, die die Bewegung in sich und die Koexistenz mit nur minimal abweichenden Meinungen in der Gesellschaft letztendlich zerstört.

Wie sehr wir schon bei einer Cancel Culture angekommen sind, zeigt auch der Lebensweg – der Life Cycle – dieses Buches, denn es sollte schon vor einem Jahr in einem anderen Verlag herauskommen und wurde, als es fix und fertig geschrieben war, ohne Angabe von Gründen wahrscheinlich durch Interventionen gecancelt. Aus diesem Grund muss ich wieder einmal ausnahmsweise einen Verlag, nämlich Westend, loben, der sich trotz Protesten auf Twitter getraut hat, dieses Werk herauszubringen. Übrigens nicht zum ökonomischen Nachteil, denn das Buch ist derzeit sehr angesagt auf den Amazon Bestsellerlisten und auch temporär schon bei einigen Händlern ausverkauft.

Die Autorin startet sehr strukturiert mit der philosophischen Einordnung der Theorie auf einem wie schon gesagt hohen Vorwissensniveau. Zuerst wird die Position der Wokeness zum Anti-Rassismus, dann zum Thema Geschlecht, Körper und Sexualität und anschließend zur psychischen Gesundheit ausführlich analysiert. Am Ende des Kapitels werden nochmals die Kernelemente der Wokeness in einer Tabelle kurz und knackig herausgearbeitet. So etwas mag ich übrigens sehr: Übersicht, Struktur und ein logischer, roter Faden sind für mich in einem Sachbuch essentiell.

"Wer könnte guten Gewissens etwas gegen Vielfalt und Toleranz sagen oder gar für Diskriminierung sein? Kein Mensch möchte als intolerant oder rückständig gelten. Moderne, fortschrittliche Unternehmen auch nicht, diese glauben, dass sich Wokesein zu Marketingzwecken eignet. Und so kommt es, dass das Destruktive der woken Ideologie, das sich hinter dem ursprünglichen Guten verbirgt, weniger gut erkennbar ist, als es in anderen problematischen Strömungen der Menschheitsgeschichte der Fall war und ist." […]

"Wokenesss ist beinahe unbemerkt zu einer Ideologie geworden, der man sich scheinbar nicht verweigern kann. Dieser ausufernde Druck beengt Menschen wie kaum etwas anderes und macht zugleich eine freiwillige, von innen herauskommende woke Haltung unmöglich."[…]

"Insofern könnte man die Wokeness, wenn sie in Konsequenz und Radikalität gelebt wird, als Planwirtschaft der Gefühle und Identitäten bezeichnen."


In einem weiteren Kapitel, genannt Woke Psyche, wird analysiert, wie die theoretischen Modelle dann in der Gesellschaft praktisch durchgesetzt werden. Hier spielen die psychologischen Muster von Narzissmus, Kränkung als Trauma, Hypersensibilität, das Über-Ich, Aggression, Negativitätsverzerrung, Histrionie, und die ablaufenden gruppenpsychologische Prozesse die Hauptrolle. Das ist wirklich großes Kino. Sehr tief und detailliert wird erklärt, wie solche eigentlich menschlich recht normalen Muster ablaufen, durch die Woke Theorie installiert werden und ab welchem Punkt diese aus psychologischer Sicht schädliche Auswirkungen aufweisen. Ich habe mich ja schon während des Studiums mit Entwicklungspsychologie und Organisationspsychologie intensiv auseinandersetzen dürfen, aber so detailliert habe ich zum Beispiel Narzissmus noch nicht erklärt bekommen und ebenso habe ich neue Erkenntnisse im Bereich gruppenspsychologischer Prozesse gewonnen.

"Bleiben Menschen auf der psychischen Ebene in einem Übermaß kindlich, sind sie unfähig, erwachsene Verantwortung zu übernehmen, haben eine ausgeprägte und unrealistische Anspruchshaltung der Welt gegenüber und tendieren dazu, sich und andere als hilflose Opfer wahrzunehmen. Man dreht sich um die eigenen Bedürfnisse im Sinne eines primären, nicht überwundenen kindlichen Narzissmus. […]"

"Die beschriebenen psychischen Mechanismen in Gruppen tragen bei der woken Bewegung zusätzlich – neben dem narzisstischen Bedürfnis, der Zwanghaftigkeit und der Aggression – dazu bei, dass sich der eigene Glaube weiter verfestigt, der Blick eingeengter wird und die Outgroup der Unwoken , der „Ewiggestrigen“, der „Menschenfeinde“ immer ausufernder zum Feind erklärt und abgewertet wird. […] Es hat sich ein festes Groupthink etabliert, in dem minimaler Dissens bereits dazu führt, dass man aus der woken Gruppe ausgeschlossen wird."


Fazit: Ich persönlich bin begeistert von diesem Buch, aber es ist eben für Fortgeschrittene in der Materie. Man muss schon etwas Kompetenz bezüglich Identitätspolitik, moderner Philosophie und ein kleines Grundwissen in Psychologie mitbringen, um alles zu verstehen. Also ein bisschen im Thema drinnen sein.

Wichtiger Zusatz: In Anbetracht der Tatsache, dass jene, die mitten in dieser Diskussion sind, recht wenig Überzeugungsarbeit benötigen, wünsche ich mir für die eigentlich zu diesem Thema zu informierende Zielgruppe eine zweite Version mit ähnlichem, fast identischem Inhalt, aber viel einfacher präsentiert, mehr die eingangs erwähnten philosophischen Grundkonzepte ganz simpel erklärt. Vielleicht setzt sich die Autorin erneut mit einem populärwissenschaftlichen Profi zusammen und schreibt das Buch nochmals in einer völlig anderen Ausprägung und für die Zielgruppe „Woke for Dummies“. Sorry, das ist jetzt natürlich gar nicht political correct, aber das kann ich auch zu wenig 😉. Ich glaube nämlich, dass so ein zweites Buch für den Diskurs auch sehr wichtig wäre, denn Philosophen und mittlerweile auch Pädagogen vernebeln ja mit ihrem akademisch-komplizierten butlerianischen Geschwätz oft die eigentlichen Sach-Argumente in der Diskussion. Hier bräuchte es noch Erklärungen und Wissen, um in dieser wichtigen Gesellschaftsfrage, die alle betrifft, auch kompetent mitdiskutieren zu können. Na Westendverlag und Esther Bockwyt, wäre das nicht ein gutes Folgeprojekt?
33 reviews2 followers
March 3, 2024
Ein sehr guter, sachlicher, ausgewogener Text, und ein versöhnlicher Denkanstoß für alle Seiten. Die Autorin behandelt das schwierige Thema eher betrachtend-analytisch als bewertend, und bringt für die betrachteten Haltungen angemessene Wertschätzung zum Ausdruck. Polarisierung ist bei aller kritischen Würdigung ihre Sache nicht, und das trägt zum guten Gesamteindruck bei.

Ein sorgfältigeres Lektorat hätte dem Text gut getan; es gibt recht viele Bandwurmsätze, die sich z.T. grammatikalisch verlaufen.
Profile Image for Martin Riexinger.
303 reviews30 followers
November 16, 2025
Enttäuschend.

Im ersten Teil trägt die Autorin eine Menge Material aus der deutsch-und englischsprachigen Welt zusammen, die aus ihrer Sicht charakteristische Elemente des Phänomens "woke" darstellen. Das meiste davon ist aus den Medien wohlbekannt.
Im zweiten Teil beansprucht sie die zugrundeliegenden Mechanismen (Narzissmus, Zwanghaftigkeit, Histrionie, Gruppendynamiken) psychologisch zu erklären. Die Validität kann ich als absoluter Laie nicht beurteilen, wenngleich manches plausibel klingt, wie der Nexus von Narzissmus und der Etablierung von Opferhierarchien. Was mich aber nicht nur nervt, sondern mir auch als problematisch erscheint, ist dass sie die zugrundeliegenden Ansätze nicht zuerst systematisch darstellt, sondern nur kurz skizziert und dann mit zusammengepflückten "woker" Argumentations- und Aktionsmuster belegt. Kein Vergleich mit der Vorgangsweise des amerikanischen Soziologen Musa al-Gharbi.
Im abschließenden Kapitel bewertet Bockwyt die woke-Bewegung als Versuch durch permanente Veränderung mit Blick auf utopische Ziele Sicherheit zu schaffen, gewissermaßen als Spiegelbild rechter Versuche, durch Abwehr von Veränderung Stabilität zu erreichen. Vermutlich nicht falsch, aber auch nicht überraschend.


Unangenehm ist das penetrante, moralisierende Wirzen, das das gesamte Buch durchzieht.
7 reviews
May 1, 2024
Leider, wie ich finde, technisch nicht besonders gut geschrieben. (Liegt eben nicht jedem im Blut Autor zu sein)
Auch wenn ich inhaltlich einigermaßen mit gehen könnte, so gab es doch einige Punkte bei denen ich stutzen musste. ZB wollen eher die, sich selbst so bezeichnenden, MAPs, als die "woken" die Aufnahme dieser kranken Gesinnung in die Buchstabengang.
Nichts desto trotz würde ich rein inhaltlich betrachtet vmtl eher eine 4/5 geben.
Profile Image for Marcel Haring.
12 reviews
December 3, 2024
Esther Bockwyt schreibt hier eine scharfsinnige Abhandlung über den gegenwärtigen Zeitgeist und bietet damit eine treffende Analyse der woken Bewegung zur richtigen Zeit. Durchaus kritisch, aber stets wohlbegründet, dekonstruiert sie diese um sich greifende Gedankenströmung und zeigt deren dogmatisch-fundamentalistischen bis hin totalitären Wesenskern schonungslos auf. Sehr originell und interessant ist dabei vor allem die sozialpsychologische Erörterung, welche sie im zweiten Teil vornimmt. Auch der erste Teil überzeugt durch eine gleichermaßen fundierte und prägnante Abhandlung, die nach kulturellen, historischen und soziologischen Aspekten durchgeführt wird.

Negativ anzumerken ist, dass ihr manchmal kleine sprachliche Ungenauigkeiten und Schludrigkeiten unterlaufen, welche das Lesen ein wenig erschweren. Obgleich sie wesentliche Denker und deren Konzepte aus den Bereichen Soziologie und Psychologie wie Butler, Freud, Reckwitz oder Tajfel erwähnt, bleiben die Referenzen für eine wissenschaftliche Aufarbeitung nach meinem Empfinden zu wenig und etwas zu oberflächlich behandelt. Da sie sich als junge Autorin hier jedoch auf ein noch unzureichend bearbeitetes Feld wagt und mutige und erstkassige Pionierarbeit leistet, ist eine Fünf-Sterne-Bewertung hier absolut gerechtfertigt.
357 reviews4 followers
January 26, 2025
oh mein Gott ... ich stimme mit vielem überein, was sie schreibt ... entweder werde ich alt oder ein Nazi 😉
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