Zum ersten Mal gelesen: 2005 mit 12 Jahren
Heutige Meinung: Ich bin überrascht, wie sehr mich der kurze Roman nach zwanzig Jahren noch überzeugen konnte. Er erzählt eine kurze aber atmosphärische Schauergeschichte vor der Kulisse der Bretagne und trumpft mit dichten Landschaftsbeschreibungen und dem Einbinden bretonischer Sagen und Folklore auf. Natürlich merkt man an vielen Stellen am Schreibstil, dass es ein Buch für ca. 12- bis 15-jährige Leser*innen von vor zwanzig Jahren ist, aber in vielem fand ich "Nebel des Vergessens" sogar fortschrittlicher als heutige Jugendbücher oder sogar New-Adult-Romane, besonders, was das Einbinden von Themen wie Verlust, Trauer oder sogar NS-Geschichte angeht, oder auch das sehr akribisch recherchierte Setting und die Snippets zur Seefahrt und Islandfischerei im 19. Jahrhundert.
Viel Anspruch und Tiefe darf man sich natürlich nicht erwarten. Es ist ein Jugendbuch von 2005, das so gesehen die kleine, gruselige Schwester der "Freche Mädchen"-Reihe darstellte (selbe Autorin). Trotzdem ist es eine atmosphärische Gothic Romance, die macht, was eine Gothic Romance machen soll, ein paar tolle, schaurige Bilder mitbringt und vor allem das spezielle Flair eines stürmischen Sommers an der nordfranzösischen Küste. Für mich war es zudem ein schöner Nostalgie-Trip, der mir auch wieder vor Augen gerufen hat, wo meine Liebe für das Gothic- und Horrorgenre mal angefangen hat.