~"Die Route zum Flughafen führt an Orten vorbei, die mir nichts bedeutet haben und jetzt besonders schön, fast erhaben wirken."
~Und wenn man ein Schicksal teilt, dann teilt man auch den Schnaps.
Ich kann mich nicht recht entscheiden, wie sehr ich dieses Buch nun mochte, oder nicht. Es beinhaltet einige wunderbare Stellen, weswegen sich das Lesen bestimmt gelohnt hat, so viel ist klar. Dennoch ist mir nun selbst nach der letzten Seite nicht zur Völle klar, worauf der Autor denn nun hinaus wollte. Ich bin jedoch auch nicht der Typ, der wahnsinnig viel Gegenwartsliteratur liest, daher kann es auch an mir liegen.
Man fühlt sich wahnsinnig hip, wenn man dieses Buch liest. Es reiht sich mit vielen angepreisten Romanen der letzten Zeit in Reih und Glied, was ich persönlich schade finde. Wir haben hier kein Buch, das versucht gegen den Strom zu fliessen, oder auch nur halbwegs quer daherkommt (nein, das ist kein Wortspiel aufgrund der sexuellen Offenheit des Hauptcharakters ;) ). Es schwimmt vollkommen mit, leider. Dennoch muss dies ja nicht zwingend ein Problem sein; für mich war’s das jedenfalls nicht beim Lesen. Schliesslich bleibt dies dem Autor zur freien Wahl. Viel mehr ist mir diese Tatsache gerade beim Rückblick auf die Geschichte aufgefallen. Auf jeden Fall hätte der Inhalt in dieser Hinsicht viel Potential gehabt.
Was ich sehr mochte, war der Blick für sonst im Alltag unbeachtete Details, in denen sich der Leser oft wiederfinden kann. Auch die nicht urteilende Perspektive des Erzählers war für mich angenehm und interessant. Diese passte gut zum Schreibstil. Man sieht, dass freudvoll und gut mit den Worten umgegangen wurde.
Ich persönlich hatte etwas Mühe mit den häufig aus aneinandergesetzten Hauptsätzen gebauten Sätzen. Solche Konstrukte habe ich noch nie sonderlich gemocht. Die kurzen englischen Dialoge, während des USA-Aufenthalts, erscheinen mir ausserdem sehr kernig. Ansonsten ist das Buch angenehm, gut und leicht geschrieben.
Mir waren die Charaktere sehr sympathisch. Allen voran Valentin, Maximilians bester Freund, und Jan. Bei beiden war mir die jeweilige Beziehung zum Hauptcharakter lange nicht ganz klar, allerdings ist „Am Ende schmeissen wir mit Gold“ nicht unbedingt ein Buch über Beziehungen, auch grosse Emotionen sollte man nicht erwarten.
Die Frage „Wer ist denn jetzt dieser Valentin eigentlich genau?!“, unterhielt mich jedenfalls ein Weilchen.
Weiterhin gefiel mir die Idee der autarkischen Kommune, meinen Weltansichten entsprechend, sehr gut. Dies ist natürlich Geschmackssache.
Das Buch kommt dank vielschichtigem Inhalt nicht flach daher. Es gibt einige unerwartete Momente und ein paar Mal hielt ich sogar kurz die Luft an. Die meisten Situationen und Atmosphären werden schlüssig und fein aufgelöst, wodurch der rote Faden durch die ganze Geschichte hindurch an Diameter gewinnt.
Allgemein lässt dieses Buch den Leser, sofern sich dieser offen darauf einlässt, lachen, leicht erröten, rätseln, erschrecken, wundern. Ich mochte es, auch wenn es mich bis zum Schluss nicht gänzlich packen konnte. Die Lesezeit ist an diesem Buch bestimmt nicht verschwendet.