»So lange wir nichts anderes wissen, so lange war das ein Wolf!«
In der bayerischen Provinz will man 1932 noch nichts von dem wissen, was in München vor sich geht. Hier nehmen die Bürger die Dinge noch selbst in die Hand. Als bestialische Morde das Dorf erschüttern, gilt es für den Bürgermeister und seinen Gemeinderat, die Gräueltaten schnellstmöglich aufzuklären. Während man zunächst vermutet, dass ein Wolf im nahen Wald sein Unwesen treibt, verdichten sich bald die Gerüchte, dass es sich um einen menschlichen Täter handeln muss. Dem Hauptverdächtigen, dem Einsiedler Joseph Köhler, soll kurzerhand der Prozess gemacht werden, doch dieser beteuert vehement seine Unschuld. Spätestens als Dorfpfarrer Hias den mittelalterlichen Hexenhammer zurate zieht, geraten die Ereignisse außer Kontrolle, und nur die Ehefrauen der Dorfoberhäupter können noch versuchen, dem grausigen Wahnsinn ein Ende zu bereiten.
"Hundswut" ist das Romandebüt des Regisseurs und Drehbuchautors Daniel Alvarenga. An der Filmversion des Stoffes, der im April 2024 mit Starbesetzung ins Kino kommt, arbeitet der Autor bereits seit einigen Jahren (angekündigt wurde der Film bereits 2021). Jetzt ist der Stoff im Februar 2024 aber erst einmal als Roman erschienen und je mehr ich über ihn nachdenke, umso mehr beschleicht mich leider das Gefühl, dass der Roman eine Art Marketing-Gag ist, der vor allem den Film bewerben soll. Denn im Endeffekt liest sich "Hundswut" stark wie ein hier und da mit einigen Beschreibungen aufgepolstertes Drehbuch.
Zu viele Figuren, zu wenig Entwicklung
Der Schreibstil des Autors ist stark cinematisch: Es wird sich nur ganz wenig mit dem Innenleben der vielen Figuren auseinandergesetzt, stattdessen liefert der Roman vor allem sachlich beschriebene Bilder vom Wald und vom Dorf, in dem 1932 einige brutale Morde den Verdacht aufkommen lassen, ein Werwolf könnte umgehen. Ein starkes Thema, das richtig bearbeitet viel hätte bewegen können, aber leider auf der Strecke bleibt, vor allem, da man keine der beteiligten Figuren wirklich kennenlernt. Bis auf Joseph Köhler, seine Tochter Mitzi und den Jäger verschwammen die vielen Figuren nach und nach zu den Gruppen "die Männer", "die jüngeren Frauen" und "die älteren Frauen", sodass ich auch ihre Gedanken, Affären, Freundschaften und Feindschaften bald einfach nicht mehr auseinanderhalten konnte.
Geschuldet ist das vor allem dem Umstand, dass der Roman alle paar Seiten zwischen über einem Dutzend Figuren hin und her springt, was es einfach unmöglich macht die meisten von ihnen besser und eindringlicher vorzustellen. Die rasanten, düsteren Entwicklungen gegen Ende des Romans hatten deshalb auch nicht den Impakt, den sie hätten haben können, denn die emotionalen und drastischen Entscheidungen und Reaktionen der Figuren schienen in den meisten Fällen aus dem Nichts zu kommen, kaum eine hat sich im Verlauf der Geschichte wirklich angedeutet. Die schiere Menge an relevanten POV-Figuren war wohl mit das größte Problem, das ich mit dem Buch hatte, denn so blieb die emotionale Distanz zum Geschehen bis zum Ende bestehen.
Reißerische Bilder, aber wenig Substanz
Mein allergrößtes Problem mit "Hundswut" verlangt leider nach ein paar Spoilern, also lest mit Vorsicht weiter:
Aus diesem Problem ergibt sich, dass der Roman am Ende leider genau in die Falle tappt, die er doch eigentlich anprangert, denn während sich "Hundswut" in der zweiten Hälfte in sehr graphischen Beschreibungen von Folter und Mord ergeht, man könnte fast sagen reißerisch und voyeuristisch auf Gewalt und Leid blickt, liefert der Roman am Ende keine klaren Worte, wieso. Klar, irgendwo schwingt von Anfang mit, dass es in diesem Roman um eine dysfunktionale Dorfgemeinschaft geht, um die fanatische Verfolgung von Außenseitern und Sündenböcken, gespiegelt gegen den beginnenden Nationalsozialismus, aber wenn der Roman dann blutige, brutale Bilder liefert, aber kaum Introspektive in die Mechanik, die da in der Dorfgemeinschaft vor sich geht, kaum einen Einblick in die menschliche Psyche und wie solche Geschehnisse möglich werden, macht er dann nicht genau, was er anprangert?
Ich könnte noch ein paar Dinge ansprechen. Zum Beispiel, dass die eskalierenden Ereignisse vor der Kulisse der 1930er Jahre, in einem Dorf, das von München aus mit dem Bus erreichbar ist, kaum einen Sinn ergeben. Ein moderner Werwolfprozess, gestützt von der Abgeschiedenheit einer Dorfgemeinschaft, von aufkommender Angst und Panik, von Geheimnissen und Lästereien, das ist an sich ein spannender Plot. Aber wie realistisch ist es am Ende, dass nicht schon Kunde von den ersten Opfern - gleich vier brutal im Wald ermordete Jugendliche - zu den Nachbardörfern und nach München durchdringt? Wie wahrscheinlich ist es, dass in den 1930er Jahren alles so weit gehen kann, wie es in diesem Roman geht? Ein tieferer Einblick in die Psychen der beteiligten Figuren, in die Mechanismen hinter dieser Art von "Hexenjagd" hätten diesen Plot funktionieren lassen können, doch "Hundswut" fehlt es leider einfach an Substanz, um genauso glaubhaft zu Ende zu bringen, was der Roman in seiner ersten Hälfte beginnt.
"Na, wo is denn 'etz da Werwoif?"
Besonders deutlich wird das, wenn man bedenkt, dass der Werwolfmythos in diesem Roman, in dem es schließlich um einen Werwolfprozess geht, kaum eine Rolle spielt. Nur ganz am Anfang kommt der Verdacht auf, es könnte ein Wolf umgehen. Dass es wirklich einen Werwolf im Dorf gibt, darüber denken die Figuren jedoch eigentlich gar nicht nach, der Pfarrer kommt dann nur irgendwann mit einer Ausgabe des "Hexenhammer" (1486) um die Ecke und sagt: "Ja, einen richtigen Prozess können wir ja nicht beginnen, aber wir könnten einfach einen Werwolfprozess machen" und dann passiert das und der Wolf ist vergessen.
Ein paar Ausführungen zu tatsächlichen Werwolfprozessen in Deutschland im 16. Jahrhundert hätten sicherlich nicht geschadet. Vor allem hätten eine glaubwürdige Anbahnung der Ereignisse und eine Basis nicht geschadet, die einen Werwolfprozess in Deutschland im Jahr 1932 im Rahmen eines Unterhaltungsromans plausibel erscheinen lassen. Die letzten Hexenprozesse in Deutschland fanden in den 1770ern Jahren statt. Und das hat ja auch einen Grund. Wieso kann also nun hier einer geschehen, 1932? Eine gute Frage, auf die ich mir vom Roman zumindest ein paar Antworten erwartet habe. Aber diese kommen einfach nicht. Da der Werwolfprozess in "Hundswut" sehr eindeutig auf dem Prozess rund um Peter Stump, der in Wirklichkeit jedoch 1589 geschah, basiert, sorgt das gewählte Setting einfach für einen Haufen ungeklärter Fragen.
Fazit
Die erste Hälfte des Romans ist tatsächlich sehr stark: Ein merkwürdiges, isoliertes Dorf in der bayrischen Provinz, interessante Figuren wie Joseph und Mitzi Köhler, vier Jugendliche, die im Wald angefallen und getötet werden, vielleicht von einem Wolf. Man stellt sich auf einen spannenden, düsteren Krimi ein, man fragt sich: Jagt hier wirklich ein Wolf? Oder ist es jemand aus dem Dorf? Doch in der zweiten Hälfte verliert der Roman sich einfach zwischen seinen dutzenden POV-Figuren, zwischen ihren Affären und Geheimnissen, die mit der eigentlichen Handlung kaum bis gar nichts zu tun haben, zwischen sehr brutalen, reißerischen Bildern von Gewalt, doch eine Antwort auf all das, ein Fazit, einen richtigen, der Geschichte würdigen Abschluss findet er nicht.
Nach der ersten Hälfte des Romans hatte ich mir eigentlich vorgenommen, mir den Film unbedingt im Kino anzuschauen. Jetzt möchte ich das nicht mehr. Denn nicht nur habe ich keine Lust auf diese Art von Gewaltdarstellungen nur um der Gewalt willen, ich werde auch das Gefühl nicht los, dass "Hundswut" der Roman nicht viel mehr ist als ein Marketing-Werkzeug für "Hundswut" den Kinofilm, der besonders in der zweiten Hälfte leider an allen Ecken und Enden die nötige Substanz und Tiefe vermissen lässt, um ein so komplexes Thema wie Hexenverfolgung, systematischen Ausschluss und Gewalt gegen Außenseiter und den aufkommenden NS vernünftig zu behandeln.
Dieses Buch ist so voller Grausamkeit, ich habe mich immer wieder gefragt, warum ich es nicht abgebrochen habe. Ich kann das nicht sicher beantworten, aber vielleicht lag es daran, dass die Realität der Fiktion in Sachen Grauen derzeit in nichts nachsteht.
"Hundswut" beginnt wie ein recht gewöhnlicher Dorfkrimi: Es ist 1932, München und die politischen Entwicklungen sind weit weg. Im Dorf hat alles seine Ordnung, die mächtigsten Männer, der Großbauer, der Bürgermeister und der Pfarrer treffen sich im Wirtshaus und besprechen die Alltagsgeschäfte, ihre Frauen tratschen im Waschhaus über sich anbahnende Ehen. Doch eines Tages geschehen bestialische Morde im Wald. Schnell gehen Gerüchte um von einem Wolf, vielleicht sogar einen Werwolf, der im Wald sein Unwesen treibt. Andere sind sich sicher: das muss "der Einsiedler" gewesen sein, der Witwer Joseph Köhler, dessen Sohn vor 16 Jahren brutal ums Leben kam.
"Hundswut" erzählt die Geschichte der Menschen des Dorfes. Der Drehbuchautor Daniel Alvarenga erschuf die Figuren extrem plastisch und treibt die Handlung hochspannend voran. Nach dem Lesen bleibt nur Grauen, Ekel und die Gewissheit, dass die größte Bestie auf Erden immer noch der Mensch selbst ist, genauer gesagt, der Menschenmob.
In einem bayrischen Dorf unweit von München kommt es zu schrecklichen Todesfällen. Im angrenzenden Wald werden völlig entstellte Leichen gefunden. Das Dorf ist verunsichert und sucht Antworten. Das Dorf wird panisch und sucht einen Sündenbock. Der erste Sündenbock ist der Wolf. Doch Indizien legen nahe, dass die Morde menschgemacht sein müssen. Joseph Köhler war ohnehin immer ein Außenseiter, nicht ganz normal, ein Dorn im Auge des Dorfes. Und so wird er der erste menschliche Sündenbock. So nimmt das dörfliche Drama seinen Lauf…
„Hundswut“ ist kein Kriminalroman! „Hundswut“ ist ein brandaktueller Gesellschaftsroman. Was kann passieren, wenn die Menschen ängstlich sind, überfordert sind? Sie suchen einfache, schnelle Antworten, geformt aus ihrem Weltbild, aus ihren Vorurteilen und aus Stereotypen. Gelenkt werden sie von Menschen, die diese Schubladen berechnend bedienen. Und dann kann es ganz schnell gehen, denn „wen man nicht hörte, der war auch nicht da…“ „Hundswut“ könnte 1432, 1732 oder 2032 spielen. Aber nein, es spielt 1932, in einem Jahr wo viele mutige Menschen in Bayern etwas hätten verhindern können, was dann seinen schrecklichen Lauf nahm. Und so ist es eine starke Mahnung für die 2020er Jahre der Gegenwart. Nie wieder ist jetzt!!! „Hundswut“ hat ein breites Figurenspektrum, eine starke Sprache (die bayrische Mundart in den Dialogen ist gewöhnungsbedürftig, aber total authentisch!) und eine durchgehend fesselnde Dramaturgie. Ein Meisterwerk! Ein Highlight!
Uff. Dieses Buch. Grandios und zugleich unerträglich.
Daniel Alvarenga offenbart mit seinem Roman »Hundswut« so viel Wahres, dass es schmerzt: Er zeigt die Menschheit von seiner hässlichsten Seite – und was Gruppendynamiken und Gerüchte anrichten können.
Es ist die Geschichte einer bayerischen Provinz 1932. Hier nimmt man die Dinge noch selbst in die Hand. Wie in jedem Dorf gibt’s jede Menge Gerede und persönliche Fehden. Alvarenga treibt es mit seinem Dorfthriller jedoch auf die Spitze und skizziert das erschreckende Bild einer Gruppe, die durch Angst und Lügen eine gefährliche Dynamik entwickelt. Nach einer Reihe von bestialischen Morden verselbständigen sich die Gerüchte und Mutmaßungen in dem Dorf. Eine grausame Hetzjagd beginnt. Es kommt etwas ins Rollen, was nicht mehr gestoppt werden kann. Schließlich muss doch ein Schuldiger gefunden werden. Und war der Köhler, der Einsiedler, nicht schon immer irgendwie komisch?
»Hundswut« ist verdammt heftig und verdammt gut. Die Geschichte ist vielschichtig, erschreckend und lässt euch eure eigenen moralischen Werte hinterfragen. Die Dialoge sind in bayerischer Mundart – für mich als Nordlicht anfangs eine Herausforderung, doch verleiht dies der Geschichte eben auch eine besondere Authentizität. Aber dann, Herzrasen und schwitzige Hände. Der Roman ist eine einzige fette TW, voller Brutalität und schlimmster Gewalt. Es war nur schwer zu ertragen und doch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen.
Ausufernder Torture Porn kann nicht die eklatanten Lücken in der Figurenzeichnung und den Handlungssträngen verbergen. Die konstruierte Geschichte wird gegen eigentlich notwendige Konsequenzen geschützt, die vermutlich Fässer aufgemacht hätten, die der Autor zu schließen nicht mehr die Zeit, Lust oder Fähigkeiten gehabt zu haben schien. Am Ende bleibt das Gefühl, hier 200 Seiten übersprungen zu haben, die ich persönlich, auch Dank des vielversprechenden Beginns und Settings, gerne noch gelesen hätte.
kann hier leider keine Sterne vergeben. unfassbar spannend, viel zu brutal. Bin unentschlossen, ob es dieses Maß an Brutalität braucht oder es nicht auch mit weniger auskommen würde.
sehr fesselnd geschrieben und es geling mir leicht mich in das dorf hineinzuversetzen. krimi-vibes und wechselnde perspektiven geben der story spicyness und tiefe. die toxische männliche perspektive ist recht anstrengend, aber wirkt auf mich oft so überzeichnet, dass ich dem autor zuschreibe das absichtlich zu machen.
von der rückseite hatte ich mir mehr aus der sichtweise der frauen gewünscht/erwartet, auch hinsichtlich ihrer einflüsse. der war leider eigentlich überhaupt nicht vorhanden und auch die krimi-spannung entlädt sich nicht auf angnehme weise. das ende war dadurch einfach nur sehr frustrierend und ich als leser wurde mit in meinem wunsch nach infos und backround letztendlich gar nicht abgeholt und unwissend stehen gelassen.
die ersten 2/3 waren sehr gut, maybe 4 von 5. im letzten drittel fragt maus sich dann ob da noch was kommt und wie es aufgelöst wird, wobei leider beides in meinen augen enttäuscht wurde, da eher 2 von 5.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Oha, ein durch und durch nihilistischer Heimatroman, nach dessen Lektüre eins sich für immer von Dorfgemeinschaften fern halten möchte!
Der grausame, ungeklärte Sechsfachmord in der bayerischen Einöde von Hinterkaifeck ist ein True-Crime-Fall, über den ich wirklich alles gelesen habe. Darum habe ich mir „Hundswut“ bei Libby geschnappt, einen Thriller (?) mit bayerischer Mundart, der in den dreißiger Jahren spielt, und von dem ich mir eine ähnlich düstere Atmosphäre erwartet habe. Atmosphärisch ist hier jedoch nicht viel.
In einem namenlosen bayerischen Dorf in der Nähe von München geschehen brutale Morde, die zunächst wie die Angriffe eines tollwütigen Tieres erscheinen. Nach und nach werden die zahlreichen Dorfbewohner vorgestellt, die mächtigen Männer, die das Sagen haben, die Frauen, die im Waschhaus tratschen, die Jungen, die sich zum Stelldichein auf Waldlichtungen schleichen, der zuagroaste Lehrer, eine Stimme der Vernunft, auf die niemand hören will, der Einsiedler, dem Misstrauen entgegenschlägt. Soweit, so klischeehaft.
Bald geht es aber nicht mehr um die Morde und deren Aufklärung, denn ein Sündenbock ist schnell gefunden. Die Männer, die im Dorf das Sagen haben, beschließen, dem vermeintlichen Mörder selbst den Prozess zu machen, nach den Vorgaben des Malleus malificarum, des Hexenhammers, eines real existierenden Buches aus dem 15. Jahrhundert, das u. a. unmenschliche Regeln für Hexenprozesse beinhaltet. „Hundswut“ entpuppt sich als eine Warnung vor dem Menschenmob, vor der Banalität des Bösen, auch in Hinblick auf die anstehende Zeit des Nationalsozialismus.
In seinen schlechtesten Momenten bietet dieser Roman nicht viel mehr als Folterporn, ansonsten verliert sich der Faden schnell in der unübersichtlichen Menge von flachen Charakteren, mitunter habe ich mich richtig gelangweilt. Autor Daniel Alvarenga ist Drehbuchautor, das scheint immer wieder durch, „Hundswut“ lässt sich eindeutig in die Kategorie „Buch zum Film“ ordnen (diesen bereits erschienenen Film stelle ich mir grauenhaft vor). Grenzwertig fand ich z. B. auch das Mitleid der Opfer mit den Tätern im Buch (Folterszene, Vergewaltigungsszene).
CN, das volle Programm: Alkoholismus, Depression, Mord, Gewalt, Blut, sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Gewalt gegen Tiere, Folter, Inzest, patriarchale Strukturen, Nationalsozialismus.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Faszinierend, welche Dynamik die Suche nach einem Sündenbock entwickelt. Die Auslegung von Justiz, die Überzeugung, dass man die Sache „hier im Dorf“ regeln muss, da es ja hier passiert ist. Wie die Angehörigen (oder eigentlich Bekannten) der Opfer selbst zu Tätern, Mittätern oder auch nur Zuschauern wurden. Spannend, unerwartet grausam und roh. Ich fühlte mich an „Wolfsland“ von David Monteagudo und „Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod“ von Gerhard Jäger erinnert.
Kann man machen, wenn man schreckliche Bergedörfer spannend findet. Am Anfang war ich voll dabei, und im Hörbuch kommt der Dialekt auch echt super rüber. Das Ende war aber sehr unbefriedigend, wenn man nicht dazu geneigt ist glauben zu wollen, dass Menschen von Natur aus egoistisch und grausam sind. Da haben mir einfach ein paar Verknüpfungen und Tiefe gefehlt.
"Hundswut" ist oft so grausam, dass man nicht weiterlesen will. Doch man kann das Buch einfach nicht aus der Hand legen. Habe es in einem Zug ausgelesen.
In kurzweiligen Kapiteln werden wir Teil einer Dorfgemeinschaft und sind dabei der erbarmungslosen Handlung ausgeliefert. Die in bayerischer Mundart verfassten Dialoge passen sehr gut zur direkten Sprache und unterstreichen die teils erschütternden Schilderungen.
Glücklich lässt einen das Buch nicht zurück. Am Ende hätte ich mir weniger unnötige Brutalität und mehr Aufarbeitung gewünscht. Dennoch 4 Sterne für dieses für mich außer- bzw. ungewöhnliche Buch.
Faszinierender Roman, der sowohl gesellschaftskritisch, als auch tragisch und deshalb umso packender ist. In dieser Geschichte ist nichts Schönes wieder zu finden und das soll es auch gar nicht sein. Die erschreckend realistische Darstellung davon, was Gerüchte anrichten und wie schnell Menschlichkeit & Rationalität verloren gehen können, aber vor Allem, wie wenig Toleranz Gesellschaften für ein eigenbestimmtes & anders gewähltes Leben übrig haben, hinterlässt ein bedrückendes Gefühl & hat mich noch lange beschäftigt.
Puh, das war eine richtige emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle! Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, welches mich so "zerstört" hat. Ich habe dieses Buch, welches ich selbst als eine Mischung aus historischen Roman mit Horroranteilen bezeichnen würde, schon vor zwei Wochen gelesen, doch die Geschichte hat mich wirklich noch tagelang beschäftigt. Nach dem Zuklappen hatte ich immensen Redebedarf - leider hatte ich aber keinen Gesprächspartner. Beim recherchieren fand ich heraus, dass Daniel Alvarenga die Geschichte verfilmt hat und DANACH erst den Roman/Thriller/Krimi geschrieben hat. Sehr ungewöhnlich! Und man merkt in keinster Weise, dass hier das Drehbuch zuerst entstanden ist.
Was ich noch dazu sagen möchte ist, dass die Dialoge in bayrischer Mundart geschrieben und vielleicht für norddeutsche Leser:innen etwas schwer zu lesen sind. Und zartbesaitete Leser:innen sollten vielleicht auch lieber zu einem anderen Buch greifen, denn hier lesen wir ungeschönt von den Abgründen des Menschen!
Worum geht es? Wir sind in einem kleinen abgeschiedenen Dorf in Bayern im Jahre 1932. Als vier Jugendliche aus dem Dorf im Wald tot aufgefunden werden, ist zuerst die Rede von einem Wolf, der nach Jahren wieder aufgetaucht zu sein scheint. Doch die grauenhaften Verletzungen und vorallem die nackte und schlimm zugerichtete Leiche des einzigen Mädchens, lassen bald andere Gerüchte aufkommen. Ist etwa ein Werwolf in den Wäldern zugange? Das Misstrauen untereinander wächst. Um die Dorfbewohner zu beruhigen, muss ein Schuldiger her. Für Bürgermeister "Hartl" Aichinger und Großbauer Georg Steiner ist eine Meldung der Morde nach München ausgeschlossen. Die Dörfler bereinigen diese "Sache" unter sich. Der Gemeinderat, der neben Aichinger und Steiner, auch aus Dorfwirt "Lugg" Kramer und Dorfpfarrer Hias Lechner, sowie den zugezogenen Lehrer Konrad Zankl besteht, haben schnell eine Lösung gefunden. Einsiedler Joseph Köhler, der nach dem Tod seiner Frau und seines kleinen Sohnes, schwermütig geworden ist und mit seiner Tochter Mitzi alleine lebt, ist schnell als Sündenbock auserkoren. Er wird im Bierkeller des Wirtshauses eingesperrt, wo ihm "der Prozess" gemacht werden soll. Die Dorfgemeinschaft wird immer mehr aufgehetzt und niemand zweifelt mehr an der Unschuld von Köhler, der nach Kirchenrecht als Werwolf angeklagt und verurteilt werden soll. Seine Tochter soll als Hexe verbrannt werden, nachdem der Dorfpfarrer den mittelalterlichen Hexenhammer zu Rate zieht. Wer sich den hohen Herren und dem Mob entgegen stellt, ist selbst bald a Leich....
Was soll ich sagen? Diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen! Daniel Alvarenga ist bei seinen Beschreibungen alles andere als zimperlich. Plastisch und sehr anschaulich beschreibt er die Morde und die Toten, die Folter und das Leid der misshandelten Menschen. Die drastischen und brutalen Schilderungen des Autors machen auch vor grausamsten Szenen nicht Halt.
Daniel Alvarenga zeigt perfekt auf, was ein willkürliches Gerücht, blinde Agression und Hetze alles anrichten kann. Der gesunde Menschenverstand ist ausgeschaltet! Und nein, dass passierte nicht nur im Mittelalter, wo nicht nur die ungebildeten Leute sensationslüstern vor dem Scheiterhaufen oder dem Pranger stehen. Ähnliche Szenen können jederzeit passieren, wo mehrere Menschen zusammenkommen und zur Selbstjustiz aufgehetzt werden. Genau das macht dieses Buch so realistisch und grausam.
Die Dialoge sind in bayrischer Mundart verfasst und machen die Handlung noch um einiges lebendiger. Auch die Charaktere sind unbeschreiblich gut gelungen, facettenreich und voller Leben, egal ob Haupt- oder Nebencharakter. Ich hatte während des Lesens immer Bilder im Kopf und sah die Figuren vor mir, deren Gedanken und Gefühle wir abwechselnd aus ihrer Sicht erzählt bekommen.
Manche Leser finden einige Geschehnisse der Geschichte nicht auserzählt. Mittlerweile wisst ihr wahrscheinlich, dass ich offene Enden hasse - und ja, es wird nicht alles aufgeklärt, aber für mich ist und bleibt die Geschichte rund. Am Ende habe ich das Buch fassunglos zugeschlagen. Für mich ein absolutes Meisterwerk, welches mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Den Film werde ich mir nicht anschauen, falls er jemals in unsere Kinos oder ins Fernsehen kommen sollte. Lesen kann ich solche brutaeln Szenen jederzeit, aber ansehen eher nicht. Da schließe ich lieber schnell die Augen....
"Hundswut" bedeutet übrigens tollwütig.
Fazit: Eine Geschichte, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird: Brutal und schockierend zeigt sie uns die tiefsten Abgründe des Menschen auf. Wer nicht zu zartbeseitet ist und der bayrischen Mundart mächtig - dem empfehle ich diesen historischen Roman - hinter dem sich das Grauen versteckt - auf jeden Fall weiter.
Zu Beginn bin ich nicht so richtig in das Buch reingekommen. Vor ein paar Tagen habe ich es dann wieder zur Hand genommen und ich konnte nicht aufhören es zu lesen.
Das der Autor es geschafft hat auf nur 360 Seiten ein ganzes Dorf mit so vielen verschiedenen Charakteren zum Leben zu erwecken, finde ich erstaunlich. Das ganze Buch aber vor allem die letzten Seiten haben mich zum weinen gebracht. Diese unglaubliche Ungerechtigkeit in diesem Buch war so echt. Es hat mich wütend, traurig und schockiert zurück gelassen. Ich meine, was kann man schon machen, wenn die Oberen aus dem Dorf sich gegen einen einzelnen stellen und das ganze Dorf es einfach akzeptiert nur. Diese Machtlosigkeit wurde mir hier so unglaublich eindrucksvoll vor Augen geführt.
Den Kampf den Joseph Köhler und seine Tochter führen mussten, werde ich nie wieder vergessen.
„Wieso strahlte der Himmel noch immer, wo doch hier unten die Hölle losgebrochen war?“
F***. Schlimmstes Buch seit langem. Hab sowas noch nicht erlebt. Bin so hin und hergerissen, ich will dem eigentlich keine Bewertung geben.
Ich weigere mich zu glauben, dass Menschen (insbesondere leider Männer) so grausam sein können und doch weiß ich, dass es so ist.
Zum Stil: Der Plot ist so eklig und explizit geschrieben teilweise, ich würde mir das auf jeden Fall nicht noch einmal antun. Ich finds aber gut, dass nicht jeder Erzählstrang zu Ende geführt wird. Eine Auserzählung hätte der Wirkung nicht gut getan.
Dieses Buch tut weh, wühlt auf, widert an und ich weiß nicht, ob ich das irgendwem empfehlen kann, so geht man doch mit einem ziemlich schlimmen Gefühl da raus. Und auch weiß ich, dass ich lange darüber nachdenken werde. Einfach uff.
looked at this bc of the cover, read it bc of the setting and general plot, liked it at first and was utterly disappointed by the middle, did not get better by the end. points for the interesting subject, dialect and narrative setting, none for the characters or the stereotyping or the overdone and frankly boring cruelty.
REZENSION – Erst nachdem Daniel Alvarenga (37) die Dreharbeiten seines nach eigenem Script selbst produzierten Kinofilms „Hundswut“ abgeschlossen hatte, schrieb er als „Buch zum Film“ seinen gleichnamigen Roman, der im Februar als sein literarisches Debüt im Verlag HarperCollins erschien. Dies war eine gute Entscheidung. Denn während der Film wohl nur in bayerischen Kinos läuft, ist sein packender Psychothriller nun überall zu lesen. Nur seien allzu zart besaitete Leser gewarnt! Der seit seiner Jugend in Bayern wohnende Autor schildert einen fiktiven Vorfall aus dem Jahr 1932 in einem kleinen Bergdorf in der tiefsten bayerischen Provinz. Man lebt dort, als sei die Zeit irgendwann stehen geblieben. Mit der Großstadt München will man nichts zu tun haben und schon gar nichts von dem wissen, was die Nazis dort neuerdings treiben. Alles bleibt im Dorf und wird von Bürgermeister Bernhard „Hartl“ Aichinger und Großbauer Georg Steiner geregelt. Dies gilt auch, als eines Tages vier Kinder bestialisch ermordet und zerfleischt im Wald gefunden werden. Eine Meldung nach München kommt für den Bürgermeister nicht in Frage: „Bevor i dene wos meld und dann oan vo dene Nazis im Dorf hob, regel i's liaber selber.“ So beginnt er seine Ermittlung, unterstützt von Großbauer Steiner, Landgendarm Xaver und Gastwirt Lugg. Anfangs glauben die Dörfler noch, ein Wolf könne für die grausame Bluttat verantwortlich sein. Die Dorfälteste setzt im Waschhaus das Gerücht in die Welt, es sei ein Werwolf: „Wenn di a kranker Wolf beißt, und due überlebst as, dann host du die Hundswuat a. Dann bist du verfluacht und musst wia a Wolf lebm.“ Doch weder einen Wolf noch einen Werwolf, sondern einen Menschen hält der Bürgermeister für den Mörder: „Mir wissn olle ganz genau, das des koa Wolf war! Aa koa tollwütiger! A Wolf jagt, wenn er Hunger hod! A Wolf zerfetzt ned vier Kinder und lassts dann im Wald verrecken. Und a Wolf vergeht si aa ned an am junga Madl, bevor ers umbringt. … Des war koa Viech, des war a Mensch!“ Schon bald gibt es weitere Mordfälle gleicher Brutalität. Ein Mörder muss schnell gefunden werden, um das Dorf zu beruhigen. Als Verdächtigen machen Bürgermeister und Großbauer den ohnehin schon von allen Dörflern misstrauisch beäugten Einsiedler Joseph Köhler aus, der seit dem Tod seines Sohnes und später auch seiner Frau schwermütig ist und mit Tochter Mitzi einsam am Wald wohnt. Man verschleppt ihn in den Bierkeller des Wirtshauses, um ihm den Prozess zu machen. Obwohl Köhler standhaft seine Unschuld beteuert, sind sich die Dörfler schnell einig, den Schuldigen gefunden zu haben. „Nichts hielt eine Gemeinschaft so effektiv zusammen wie der gemeinsame Hass auf jemand anderen.“ Als aber alle Versuche scheitern, Köhler zu einem Geständnis zu bewegen, meint Dorfpfarrer Hias Lechner in ihm einen vom Teufel besessenen Hexer zu erkennen, und zieht den aus dem Mittelalter berüchtigten „Hexenhammer“ zu Rate. Köhler soll nach Kirchenrecht als Werwolf angeklagt und verurteilt werden. Die Stimmung im Dorf nimmt nun eine bedrohliche Wendung: Der Wahn erfasst auch die eigentlich vernünftigen Bewohner und die Gewalt setzt sich durch. Als der Fall für das Dorf endlich abgeschlossen ist, geht das normale Leben weiter, als habe sich niemand schuldig gemacht, „weil es das immer tat, weil es das musste“. In drastischen Bildern schildert Alvarenga sehr plastisch und authentisch den allmählichen, durch haltlose Gerüchte angefeuerten Gesinnungswandel unter den einfachen, meist ungebildeten Dorfbewohnern, wie sie sich in ihrer Bigotterie vom Pfarrer leicht beeinflussen und zum Äußersten treiben lassen. Sehr glaubhaft, in ihrer Düsternis ungemein realistisch und lebendig wirkt die erschreckende Handlung nicht zuletzt durch die drastischen Dialoge in bayerischer Mundart. Die wirklichkeitsnahe Schilderung macht in ihrer erschütternden Brutalität auch vor den grausamsten Szenen nicht Halt, wovon mancher Leser sich vielleicht abgestoßen fühlen kann. Doch andererseits ist es gerade diese Direktheit in der szenischen Darstellung sowie die psychologisch tiefgreifende Charakterisierung der Personen, wodurch Daniel Alvarengas Debütroman „Hundswut“ so eindrucksvoll ist, seine Leser so fasziniert und packt.
"So lange wir nichts anderes wissen, so lange war das ein Wolf!"
1932 in einem Dorf im idyllischen Bayern, abseits der Ereignisse in München und im Rest des Landes, werden mehrere Jugendliche bestialisch ermordet. Die Polizei braucht hier niemand, denn der Bürgermeister und der Gemeinderat nehmen die Ermittlungen selbst in die Hand. Das, was da im Wald haust, muss ein Wolf sein, vielleicht sogar ein Werwolf. Doch mit jedem weiteren Tag und jedem weiteren Mord, der das Dorf heimsucht, werden Gerüchte laut, dass es doch eine menschliche Bestie war. Aber nicht etwa psychopathischste im Dorf, nein - der studierte Einsiedler muss es gewesen sein. Der Köhler. Doch der beteuert vehement seine Unschuld. Als der Dorfpfarrer für die Überführung zu mittelalterlichen Verfahren und Schriften zurückgreifen will, gerät alles aus den Fugen. Aber wer hat denn nun die jungen Menschen ausgeweidet?
Dieses Buch ist wie ein wirklich schlimmer Fiebertraum, eingebettet in eine cineastische Idylle, bayrische Mundart, Hass und Missgunst. Ist es wirklich der Mörder, der dem Wahnsinn verfallen ist, oder nicht viel mehr das ganze Dorf? Immer tiefer und immer weiter verstricken sich die Ereignisse, bis es keinen Ausweg mehr zu geben scheint.
Sind es am Ende die Ereignisse im Wald, oder doch der Umstand, wie weit Menschen bereit sind zu gehen, um an ihrem Glauben festzuhalten, die das wirkliche Gräuel sind?
Im Normalfall finde ich alles abschreckend, was auch nur mit Bairisch in Verbindung kommt - aus biografischen Gründen. Alvarenga aber schafft es, diesen so natürlich darzustellen, dass jedes Hochdeutsch absolut fehl am Platz wirken würde. Gelesen von Thomas Birnstiel wird man direkt in das Dorf hineingezogen und kommt nicht mehr heraus. Die 320 Seiten habe ich in weniger als 48h zur Hälfte gehört und anschließend in einem Rutsch zu Ende gelesen, was für mich unfassbar untypisch ist und hier definitiv als Qualitätsmerkmal des Buches darzustellen ist!!!
long story short: dieses Buch ist absolut verstörend, mind fu**ed und fesselnd bis zur letzten Zeile. Ich habe immer noch Wut im Bauch. Menschliche Abgründe, Moralische Fragen, Religionskritik. Bitte lesen. Sofort. Alle. Dankeschön.
Wäre für mich ganz klar ein Kandidat für den Buchpreis gewesen.
"Aus Bewunderung wurde schon immer schnell Neid. Und als die Dürre im nächsten Jahr fast alle Feldfrüchte hatte vertrocknen lassen, ausgenommen auf den Feldern, die vom Köhler-Hof bewirtschaftet wurden, wurde aus Missgunst blanker Hass." (Track 23)
This entire review has been hidden because of spoilers.
Ein abgeschiedenes Dorf im tiefsten Bayern, und obwohl wir das Jahr 1932 schreiben, scheint es, als wäre die Zeit dort stehen geblieben. Was in Stadt und Land vor sich geht, kümmert niemanden, dort macht man sich seine eigenen Regeln. die der Bürgermeister und der Großbauer vorgeben. Doch als eines Tages vier Kinderleichen ermordet und zerfleischt im Wald gefunden werden, ist es vorbei mit der dörflichen Idylle.
Anfangs geht man davon aus, dass ein Wolf in den Wäldern sein Unwesen treibt, dann kommt das Gerücht von einem Werwolf auf, und schließlich gerät der Außenseiter ins Visier. Kein Tier wäre zu solch grausame Taten fähig, das kann nur ein Mensch getan haben. Das Getuschel beginnt, Gerüchte und Vermutungen machen die Runde, und man sich versieht, wird aus einer friedfertigen Dorfgemeinschaft ein grausamer Mob, der seine Menschlichkeit verliert, Blut sehen will und dafür zu archaischen Mitteln greift.
„Hundswut“ ist sowohl Thriller als auch Heimatroman jenseits aller Dirndl- und Lederhosenromantik, düster, brutal und mit beklemmender Atmosphäre. Aber vor allem ist es ein politisches Buch, ein Eindruck, der sich nicht nur durch die zeitliche Einordnung aufdrängt. Es ist ein Buch über Macht, Manipulation und Mitläufertum. David Alvarenga ist Filmemacher und Drehbuchschreiber, vertraut mit Dramaturgie und weiß, welche Mittel er wann einsetzen muss, um Spannung zu erzeugen.
Ständige Perspektivwechsel sorgen zwar für Tempo, vermitteln aber auch in ihrer Fülle ein Gefühl von Oberflächlichkeit und schaffen Distanz. Dazu kommen die reißerischen Beschreibungen der Gewaltexzesse, die gerade Richtung Ende überhand nehmen und meiner Meinung nach so auch nicht nötig gewesen wären. Tja, und der Schluss? Der kann leider wegen der massiven Verwendung von Klischees und dem Fehlen einer zufriedenstellenden Auflösung nicht überzeugen.