Spannendes, sehr kurzes und kurzweiliges Buch über das Mitläufertum mit all seinen Facetten. Ich konnte viele interessante Erkenntnisse mitnehmen und fühlte mich gut unterhalten. Und ich finde es wirklich wunderbar, dass das Buch nur rund 100 Seiten hat. Das ist die perfekte Länge um dieses Thema fundiert aber nicht zu umschweifend zu beleuchten:)
Das Buch gefällt mir von der Grundidee her sehr doll. Ich denke es ist vor allem für junge Menschen eine kluge Einstiegslektüre was Mitläufer*innentum angeht.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist das Kapitel zur Einsamkeitskompetenz, mir rettet sie fast durchweg den Hintern wenn ich mal wieder die Fischfreundis im Strom vermöbelt hab und dann allein im Teich planschen muss (was eigtl. ständig so ist, scheiss auf den Strom). Das Buch hat großes Potenzial allerdings muss ich doch einiges kritisieren: - teils diskriminierende, klassistische Sprache - unsauber recherchiert zu Gewaltforschung u Siziologie, es fehlen wichtige neuere und auch ältere soziologische Studien meines Erachtens (z.B. Missbrauchsstudien Kentler-Netzwerk,Hadamar Organisationsanalyse, Elias Etablierte & Außenseiter, einige Theorien und Konzept sind nicht up to date und rein populärwissenschaftlich belegt) - Machtmissbrauch und Korruption werden zB nicht erwähnt, nur angedeutet - Ungerechtigkeitstheorien werden kaum erwähnt - Nachkriegszeit wird nicht erwähnt (Vertuschung, Schuldkultmythos etc.) - Außerdem wurden Sartre & Co zitiert ohne darauf aufmerksam zu machen dass sie sexualisierte Gewalt an Kindern ermöglichten - i mean WTF???
Eines der besten Bücher dieses Jahr. Hochinteressante und aufschlussreiche Gedanken zum Mitläufertum und Gruppenzwang, wobei ganz verschiedene Aspekte wie etwa Mobbing auch angesprochen werden. Kurz und bündig ohne selbstverliebte Ausschweifungen. Ich habe diese Frau live erlebt - authentisch natürlich ohne intellektuelles Gehabe, dafür ein guter Schuss Humor. Das Buch gibt auch gute Anregungen zum Weiterlesen. Ein absolutes „Must Read“!
"Es ist unangenehm, feststellen zu müssen, dass man sich in der eigenen Person getäuscht hat. Sich selbst getäuscht hat. Dass man weniger Mut, Chuzpe und Rückgrat besitzt, als man dachte zu haben. Dass man zu bequem, träge oder feige ist, seinen eigenen moralischen Ansprüchen gerecht zu werden."
Nachdem ich vor paar Monaten 'Pathos' gelesen habe, war ich schlagartig Fan von Solmaz Khorsand. Und 'untertan' hat mir nochmal mehr bewiesen, dass man ihre Texte auf keinen Fall verpassen sollte.
Khorsand schreibt über Mitläufer*innen, über Opportunist*innen, über Lemminge - sowohl die braven, als auch die rebellischen, die sich auch Kämpfen stellen, bei denen sie nicht die besten Gewinnchancen hätten.
Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, mich an den richtigen Stellen abgeholt, mir den Spiegel vorgehalten und Kritik geäußert an Stellen, an denen ich es nicht erwartet habe.
Klug analysiert Khorsand, warum wir Menschen uns manchmal untertänig zeigen, uns selbst verleugnen, und in welchen Situationen dieses Verhalten durchaus sinnvoll ist und Leben retten kann. Dabei nennt sie zahlreiche Beispiele aus der Geschichte, Kultur und Wissenschaft.
Ich kann euch dieses Buch, ebenso wie 'Pathos' nur wärmstens ans Herz legen. Ein Buch zum mehrmals lesen!