Dieses Buch war für mich zwiegespalten.
Zunächst mal: was für eine toll geschriebene Geschichte! Der Stil von Michaela Karl ist einfach hinreißend - sachlich, flapsig, flüssig, einfach toll! Die Dialoge waren herrlich, die eingestreuten Zitate und Anmerkungen haben den Text bereichert. Auch wenn viele Karl vorhalten, für eine Biographin nicht objektiv genug zu sein - man merkt schon, dass sie eine große Verehrerin von D. Parker ist - finde ich, dass man als Leser nie bevormundet, oder Parker bewusst verherrlich wird. Zumindest nicht in dem Maße, dass man keine eigene Meinung mehr haben könnte.
Die habe ich nämlich und das ist die andere Seite der Medaille: ich habe von Parker noch nie etwas gelesen und kannte sie auch nicht "privat" (habe noch keine persönlichen Hintergründe gelesen oder so etwas), aber nach dieser Lektüre muss ich leider sagen: was für eine unerträgliche Person! Es macht für mich keinen Unterschied, ob man (in diesem Fall) sprachlich, schriftlich und stilistisch brilliant ist, wenn man nicht weiß, wie man sich benimmt, dann kann des von mir aus der Papst sein, ich werde trotzdem hochempört sein! Wie sich Parker das Maul zerreisst über Personen, die ihr helfen, über Bücher und Theaterstücke, und dabei bringt sie in ihrem ganzen Leben keinen Roman zustande, ihre Theaterstücke werden allesamt mangels Publikummangels abgesetzt. Ganz zu schweigen von ihrer mehr als schlampigen Arbeitsmoral: rafft jeden Cent an sich, den sie bekommen kann, aber Leistung? Mag schon sein, dass das, was sie dann doch mal abgibt/einreicht supertoll ist, aber ist das eine Rechtfertigung für ihr Schmarotzertum? Ich denke nicht. Ich glaube, was mich an der Person Parker am meisten enttäuscht hat, ist die Tatsache, dass sie auch aus Schicksalsschlägen und bitteren Erfahrungen, die sie zweifellos hatte, halt auch einfach nichts gelernt hat. So stirbt sie denn auch allein und als verbitterte alte Frau.
Trotzdem habe ich Dorothy Parker schon mal in meiner LeseListe vermerkt, denn nach diesem Buch möchte ich auf jeden Fall etwas von ihr lesen. Auch wenn die Hauptperson mir persönlich zu unsympathisch war, ist dies ein richtig tolles Buch!