Katharina Schlüter, eine erfolgreiche TV-Moderatorin, behauptet, ihr ehemaliger Geliebter habe sie missbraucht: Aus zunächst einvernehmlichem Sex sei eine Vergewaltigung geworden. In dem Strafprozess steht Aussage gegen Aussage - ein Dilemma, das eine ungeheure Sprengkraft entfaltet. Denn über die berufliche und private Zukunft zweier Menschen hinaus, geht es um nichts weniger als um die Werte, aber auch Vorurteile, die uns als Gesellschaft ausmachen.
Ferdinand von Schirach (born 1964 in Munich) is a German lawyer and writer. He published his first short stories at the age of forty-five. Shortly thereafter he became one of Germany's most successful authors. His books, which have been translated into more than 35 languages, have sold millions of copies worldwide and have made him an internationally celebrated star of German literature.
Von mir bekommt »Sie sagt. Er sagt.« 3,5/5 Sterne, da ich mit einer etwas anderen Einstellung an das Buch rangegangen bin. Das Thema wurde, meiner Meinung nach, sehr oberflächlich behandelt und hatte für mich keinen neuen Mehrwert. Dennoch finde ich, dass Schirach als männlicher Autor sehr behutsam und real mit dem Thema umgegangen ist. Frauen wird vor Gericht Rache, Geldgier und weitere Dinge vorgeworfen. Generell wird Frauen immer Emotionalität vorgeworfen. Wer in das Thema einsteigen möchte, findet mit dem neuen Schirach einen guten Start.
In "Terror" and "God", von Schirach creates dilemma situations. In the drama "She says, he says", however, the case is clear: she says "no", he carries on. There is nothing worth discussing in terms of guilt. Or so it seems. Because in what follows, von Schirach manipulates the reader into a role in which he has to reflect on and break through the mechanisms of victimisation of a rape victim himself.
The topic that von Schirach focusses on in "She says, he says" is unfortunately timeless. It is about the (sexual) violence that men inflict on women. And above all, it is about the after-effects of the crime: the social stigmatisation and dissociation of the victim - the loss of wholeness.
At the same time, this topic cannot be addressed often enough in order to remind people again and again that there is no justification for such an offence and that solidarity with the victims should be unrestricted and not subject to certain questionable factors.
In the sterile context of a court hearing, the crime is dissected and you are forced into the role of a judge. In this way, you leave the comfortable zone of pure consumption and experience something quite unexpected at the end. Although a court case is hardly sufficient to even come close to gaining an insight into the wounded psyche of a rape victim, the drama makes an important contribution to questioning the entrenched views of society - and of oneself.
Nein, ich werde es doch nicht lesen. Ich habe gerade im ZDF die Verfilmung gesehen, die gleichzeitig gut gespielt, wie auch sehr belehrend ist (Matthias Brandt mal wieder unschlagbar). Es gibt längere Versatzstücke in der Verhandlung (auf dem das Stück/der Film ausschließlich beruhen), die sehr umfassend informativ sind und gleichermaßen unrealistisch, dass sie so bei einer Verhandlung kaum vorgetragen werden (ich war 10 Jahre lang Schöffin, ich bin da nicht ganz naiv). Was dabei herauskommt, ist ein Lehrstück, dass viele wichtige juristische und moralische Punkte macht, aber eben erwartbar und so gut gemeint, dass es künstlerisch wieder nicht unbedingt gut gemacht ist. Schade, dass ich zunehmend den Respekt vor den Werken des Autors verliere.
"in dubio pro reo" [...] "diese Regel sagt ihnen nicht, ob Sie etwas bezweifeln müssen, sondern nur, wie Sie entscheiden sollen, falls Sie etwas bezweifeln"
Super wichtige aber auch schwierig zu beurteilende Thematik. Das Theaterstück zeigt relativ gut auf wie unser Rechtssystem funktioniert.
Die erwähnte offizielle Polizeistatistik, wie viele Frauen Gewalt in ihrer Partnerschaft erfahren ist einfach nur schockierend...die Dunkelziffer kann ich mir gar nicht ausmalen...
Ich möchte mir unbedingt noch die Verfilmung in der ZDF Mediathek anschauen!
Sektion einer Dunkelziffer: kontroverses Thema mit viel Diskussionspotenzial. Das Ende bleibt zwar offen, aber so oder so ist es kein Wunder, dass Sexualdelikte kaum zur Anzeige gebracht werden... Sehr stark erzählt!
Während es in den letzten beiden Büchern, die ich vorgestellt habe lediglich um eine negative Haltung Frauen gegenüber, um verbale Angriffe ging, wird es diesmal körperlich. In Ferdinand von Schirachs Neuestem Theaterstück „Sie sagt, er sagt“ ist ein Mann angeklagt, seine frühere Geliebte vergewaltigt zu haben. Die beiden hatten eine Affäre, trennten sich jedoch. Mehrere Monate später trafen sie sich zufällig erneut. Die alte Leidenschaft war wieder da und sie schliefen miteinander. Doch die Frau bekam plötzlich Schuldgefühle und bat ihn aufzuhören, was er jedoch nicht tat. Soweit die Anklage. Während des Prozesses werden jedoch verschiedene Seiten aufgezeigt, plötzlich erscheint alles nicht mehr so eindeutig. Beim Lesen musste ich selbstverständlich an Prima Facie denken, welches nur knapp einen Monat zuvor erschien: in beiden geht es um eine Vergewaltung, bei der der vorangegangene S*x einvernehmlich war, die Beteiligten waren jeweils sehr gebildete, beruflich erfolgreiche Personen. Zudem war Prima Facie ursprünglich auch ein Theaterstück. Die Perspektive ist jedoch jeweils eine andere: so begleiten wir in Prima Facie das Opfer, kennen jeden seiner Gedanken; bei Schirach dagegen wohnen wir einer Gerichtsverhandlung bei, können daher die Tatsachen nicht aus erster Hand kennen. Hierdurch wird eine andere Spannung erzeugt, insbesondere durch die unerwartete Wendung am Schluss. Gerade diese fand ich sehr gelungen, sie zeigt auch, wie leicht Zuschauer*innen (oder in diesem Fall eine Leserin) manipuliert werden können. Sie sagt, er sagt ist eine spannende kurzweilige Lektüre, die wieder einmal die Frage aufwirft: warum wird ein Nein nicht als solches akzeptiert?
Wichtiges Thema. Liest sich sehr schnell und man kommt gut mit. Aber irgendwie hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Als Person, die sich schon viel mit dem Thema (Vergewaltigungen beweisen/verurteilen) beschäftigt hat, konnte ich nichts Neues aus der Geschichte mitnehmen. Ich denke für Leute, die sich noch nicht tiefgehend damit auseinandergesetzt haben, ist es durchaus spannend, all die Tücken mal kennenzulernen. Das Ende hat mich dann auch noch ein bisschen enttäuscht. Ich finde es schade, dass wir ein offenes Ende haben und es wirkte leider etwas konstruiert…
“Diese Verfahren gingen doch immer nur zugunsten der Männer aus. In einem solchen Strafprozess stünde nämlich Aussage gegen Aussage. Sie sagt, er sagt. Und dem Richter bliebe dann nichts anderes übrig, als freizusprechen. Im Zweifel eben für den Angeklagten und gegen die Gerechtigkeit. So die landläufige Meinung. Aber genau das ist falsch. Es stimmt einfach nicht. Rechtsprechung ist keine Klippschul-Mathematik, und ein Strafprozess ist kein Fußballspiel.”
„Sie sagt. Er sagt.“ hat meine hohen Erwartungen voll erfüllt. Es zeigt auf eine sehr eindringliche und intelligente Weise, wie unser Rechtssystem funktioniert. Dabei wird nichts überdramatisiert, beschönigt oder weggelassen. Alle Facetten des Falls werden beleuchtet und ich habe wieder einmal gemerkt: Es ist nichts schwarz oder weiß, sondern alles dazwischen. Eine Meinung können sich letztendlich alle Lesenden bilden, denn das Ende wird wie immer offen gelassen. Ich habe anschließend so viele tolle Gespräche geführt und mich bei einigen Aspekten des Buches weitergebildet. Für mich ein absolutes Muss! In der ZDF Mediathek könnt ihr auch die Verfilmung sehen - ebenfalls großartig! 🏆
Da ich den Film vorher gesehen habe, war der Text nichts Neues, aber trotzdem immer noch sehr lesenswert. Was der Leser/ die Leserin damit macht, wird ihm/ ihr überlassen, von Schirach regt zum Nachdenken an.
Schirach, als einer meiner liebsten deutschen Autoren, hat es mir nicht so leicht gemacht mit diesem Buch.
Einerseits ist die Thematik natürlich aktueller denn je und ich bin immer Befürworterin davon, wenn auf Missstände aufmerksam gemacht wird oder Vorurteile aufgearbeitet werden. Das Buch bietet also einen enormen Mehrwert und bringt den Leser, die Leserin zwingend zum Nachdenken. Andererseits nur, wenn man sich mit der Thematik vorher noch nicht viel befasst hat. Für mich waren beispielsweise keine neuen Erkenntnisse dabei. Trotzdem fand ich es interessant zu lesen — es war nur eben nicht bahnbrechend. Nicht neu.
Mir hat trotzdem etwas von dem typischen Schirach-Stil gefehlt. Hier gab es für mich nicht den einen Aha-Moment. Auch das offene Ende enttäuscht mich mehr, als dass es meine Gedanken anregt. Normalerweise bin ich totaler Fan von offenen Enden (gerade bei moralisch komplexen Themen), aber hier konnte ich wirklich gar nicht damit arbeiten. Es hatte nicht die Wirkung, die es hätte haben können.
☁️ Fazit: Für mich nicht das stärkste Buch von Schirach, trotzdem interessant zu lesen. 3 ⭐️
Gut durchdacht und strukturiert, wenn man sich bereits mit der Thematik befasst hat, kann man jedoch kein wirkliches Aha-Erlebnis bezüglich neuer Sichtweisen erwarten. Positiv überrascht wurde ich durch die wirklich gelungene und weit gefächerte Darstellung des Stigmas einer solchen Anklage, man wird wirklich zum Überdenken jeder einzelnen Aussage und zur Reflexion der eigenen Einstellungen/Vorurteile angeregt.
super wichtiges thema, das in dem buch nur relativ oberflächlich angeschnitten wurde, aber schirach hat es dennoch geschafft sehr ehrlich/realitätsnah zu schreiben. man hinterfragt hier, wie klassisch bei ihm, das deutsche justizsystem. anders als sonst gibt es aber kein moralisches dilemma, was dann das hinterfragen der justiz verstärkt vllt war das aber auch der punkt des buches
An sich sehr interessant und fesselnd erzählt, aber die langen Statistiken haben sich schon ein bisschen lehrerhaft angefühlt. Und das Ende war doch sehr abrupt.
Mein erstes Theaterstück von Ferdinand von Schirach und definitiv nicht das letzte Buch, dass ich von ihm gelesen habe!! Dadurch, dass alles in einem Rutsch, in einer Szene, an einem Ort, mit den gleichen wenigen Personen im Gerichtssaal spielt ist man total schnell im Geschehen und fühlt sich, als würde man der Verhandlung zuschauen. Finde es total mitreißend, spannend und zugleich nüchtern und effizient geschrieben. Das Dilemma ist eindeutig und jeder muss es letztlich für sich selbst beantworten. Ich habe meine aufjedenfall gefunden.
(Mochte den Auftritt der Psychologin sehr gerne, speak up!!)
total hin und her gerissen: einerseits begeistert davon, wie sanft schirach als mann an die thematik geht, den frauen in diesem stück eine relevanz & wichtigkeit zuschreibt - und diesem so wichtigen thema eine bühne gibt. das stück ist fesselnd, informativ & provozierend. ich habs in einem tag durchgelesen und sehr gemocht.
nicht überzeugt hat mich das ende, obwohl ich offene enden spannend finde gab es hier einen bitteren beigeschmack, wird nun doch das handeln der frau auf ihre rache-absichten geschoben? hätte die welt nicht mal ein positiv-beispiel ertragen können, in welchem schwarz auf weiss steht wo vergewaltigung geschieht und dass diese in jedem fall zu verurteilen ist - und nicht von frauen als rache-masche gegenüber ihren ex männern benutzt wird? logisch, das ende bleibt offen und vielleicht habe ich das zu sehr reininterpretiert, aber hätte mir noch bisschen besser gefallen.
zu gute muss man schirach halten, dass er die problematik des „im zweifel für den angeklagten“ und „aussage gegen aussage“, sowie die psychischen hintergründe von opfern von vergewaltigung sehr gut aufbereitet und thematisiert! hat mir gut gefallen!
ich freu mich, dass von schirach dem thema „sexualisierte gewalt“ ein ganzes drama widmet und fand die äußerungen der sachverständigen altstadt wichtig und treffend formuliert. ich hoffe, dass damit viele leser:innen von schirachs, die weniger für das patriarchat, sexismus, feministische bestrebungen und sexualisierte gewalt sensibilisiert sind, etwas mitnehmen können. für mich persönlich war der stoff dennoch recht oberflächlich und hat zwar die abgründe partner:innenschaftlicher gewalt und das klassische dilemma „sie sagt, er sagt“ in gewohnt juristischer manier aufgezeigt, mir allerdings nicht viel mitgegeben.
Richtig gut! Ich muss unbedingt mehr von Schirach lesen… sehr spannend geschrieben & ein toller Schreibstil. Ein Theaterstück in einem modernen Stil geschrieben, I like that. Gerne wieder.
Was ich an dem Buch mochte: den Schreibstil und den dargestellten Fall. Was ich nicht mochte: die Oberflächlichkeit und die Vorhersehbarkeit. Es kam in dem Buch nur eine Kleinigkeit, die ich originell und überraschend fand - der Rest war wie erwartet. Sehr schade, denn es hätte definitiv mehr Potenzial gehabt.
Drei Sterne, ich bin mit großer Erwartung an das Buch gegangen und war leider etwas enttäuscht. „Sie sagt.Er sagt.“ ließt sich wie eigentlich alle Schirachs angenehm und gut zum Weglesen. Jedoch wurde mir das Thema zu oberflächlich angerissen und ich konnte keinen neuen Mehrwert aus dem Buch herausnehmen. Gerade ihre Perspektive hätte tiefer gehen können, aber vielleicht kann man als männlicher Autor diese Seite, nicht so gut beschreiben. Trotzdem keine schlechte Lektüre, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.