Mit April führt Angelika Klüssendorf die Geschichte ihrer Protagonistin fort, die sie bereits in Das Mädchen eindrucksvoll eingeführt und mit präzisen, schonungslosen Beschreibungen gezeichnet hat. Obwohl das Buch eine Fortsetzung ist, entfaltet es auch für sich allein eine kraftvolle und in sich stimmige Wirkung.
April, die in einer Kindheit voller Gewalt, psychischem Missbrauch und emotionaler Kälte aufgewachsen ist, kann sich auch im jungen Erwachsenenalter nicht von dieser Vergangenheit befreien. Immer wieder wird sie von ihren inneren Dämonen eingeholt. Die traumatischen Erfahrungen ihrer Kindheit wirken wie eine unsichtbare Fessel, die sie am Vorankommen hindert und sie immer wieder zurückwirft. Sie kämpft mit der Frage, ob und wie sie der erdrückenden Last ihrer Vergangenheit entkommen kann.
Vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen hat April große Schwierigkeiten. Ihr Verhalten ist oft unberechenbar und selbstzerstörerisch: Sie unternimmt einen Suizidversuch, landet in der Psychiatrie und greift zu Alkohol und Drogen. Um der schmerzhaften Realität zu entfliehen, flüchtet sie sich in Fantasien und erfundene Identitäten, in denen sie das ersehnte Gefühl von Wertschätzung und Anerkennung zu finden hofft.
Einerseits schafft es April, einen Teil ihrer Kindheit hinter sich zu lassen und sich zu einer Frau zu entwickeln, die für sich selbst einsteht. Doch gleichzeitig bleibt sie von den dunklen Erinnerungen ihrer Vergangenheit verfolgt, die immer wieder an die Oberfläche treten und ihren Weg erschweren.
Die Sprache in April ist prägnant und minimalistisch, was die innere Zerrissenheit der Protagonistin spürbar macht. Diese zurückhaltende Ausdrucksweise verstärkt die zentralen Themen des Romans – das Gefühl der Isolation, der Überlebensdrang und die Herausforderung, Gefühle zu artikulieren.
Es ist ein Buch, das nachhallt und besonders für diejenigen empfehlenswert ist, die sich mit der Frage beschäftigen möchten, ob und inwieweit Menschen in der Lage sind, ihrer Vergangenheit zu entkommen.