Wie habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Ich habe die Sommer in Kanada-Reihe (When the Storm Comes, When the Night Falls und When the Stars Collide) und "Die Flamme im Eis" geliebt, und daher freute ich mich schon die nächste Reihe der Autorin zu lesen. Als das dann endlich ankam, und ich angefangen habe es zu lesen, wurde ich jedoch sehr überrascht.
Fangen wir mit dem positiven Aspekten an:
Das Cover und der Farbschnitt sind ein Traum. Die Blautöne die wunderschön miteinander harmonieren mit dem leichten Rosa an der oberen rechten Ecke sind toll gestaltet.
Bezüglich des Inhalts so schafft es die Autorin wieder mal den Leser zu entführen. Dieses Mal nach Süd-Frankreich. Die Beschreibungen der Landschaften, der Gerüche und der Geräusche haben schnell mein Kopfkino in Gang gebracht und wunderschöne Bilder kreiert. Generell ist der Schreibstil wie man ihn aus anderen kennt sehr flüssig und leicht so dass man nur durch die Seiten fliegt. Somit hatte ich das Buch sehr schnell durch. Einen kleinen Knackpunkt gibt es jedoch in Bezug auf die Devise "show, don't tell". Mir wurde gerade in den Dialogen zu viel erzählt anstatt gezeigt was ich als etwas anstrengend empfand, wenn nicht leicht bevormundend.
Zu meinem Bedauern waren das jedoch schon mit den positiven Dingen dieses Buch. Denn wie ich bereits erwähnt habe, wurde ich von diesem Buch sehr überrascht.
Das erste was mich überrascht hat waren die "Konflikte" (wenn man sie so nennen möchte) bzw. die nicht vorhandenen Konflikte. Meiner Auffassung gibt es insgesamt drei Konflikte: Die "Romanze", die Arbeit der Protagonistin und die Vergangenheit des Protagonisten. Bei allen drei fragte ich mich wo genau die Konflikte sind. Bei der Arbeit der Protagonistin Alix soll es um Diskriminierung am Arbeitsplatz gehen, welches die Autorin auch erwähnt hat. Besagte Diskriminierung erschließt sich mir jedoch nicht ganz was auf die Charaktere zurückzuführen ist. Im Laufe des Buch erfährt man, dass der Chef sich gerade in einer schwierigen Phase befindet während er unsere holde Maid Alix piesackt. Gen Ende des Buches kommt es zum Höhepunkt des "Konflikts". Unsere holde Maid, wiederum, verhält sich egozentrisch und unsympathisch, und das zieht sich durch das gesamte Buch. Die ganze Zeit geht es um ihre Bedürfnisse die zufrieden gestellt werden sollen, aber Respekt, Anstand und Mitgefühl gegenüber anderen wird man bei unserer holden Maid vergebens finden. Denn als sie die Umstände des Chefs mitbekommt wird sie noch unhöflicher ihm gegenüber. Selbstverständlich sind die Umstände des Chefs keine Rechtfertigung für sein Verhalten ihr gegenüber. Doch das Verhalten der holden Maid hat mindestens dazu beigetragen, dass es zu diesem "Konflikt" gekommen ist.
Die anderen beiden Konflikte "Die Romanze" und "die Vergangenheit des Protagonisten Alix" sind sehr inhaltslos. Andere Bewertungen beschreiben die Romanze teilweise als "sehr schnell vergessen". Ich gehe noch einen Schritt weiter, und behaupte, dass die Romanze überhaupt nicht vorhanden war. Denn die gesamte "Liebe" zwischen Alix und Léo beruhen auf zwei Treffen mit einer Gesamtzeit von weniger als einer Stunde. Léo ist beim ersten Treffen direkt schockverliebt in sie während sie ihm gegenüber erst unhöflich wird um ihn danach anzustarren (gerne die Partie um den Intimbereich). Im Verlaufe ihrer "Verliebtheit", welche nicht aus Kennenlernen sondern aus Matratzensport besteht (teilweise 20 Seiten lang!), rückt dann Léos "dunkle Vergangenheit" näher und macht einen Strich durch die Rechnung. Jedoch sollte man hier keine zu großen Erwartungen haben. Ein bekanntes Klischee wird bedient, und das auf eine Weise wo ich mich fragte warum es überhaupt mit eingebaut wurde denn es erfüllt keinen Zweck. KEINER der drei "Konflikte" erfüllen einen Zweck denn keiner der Charaktere entwickelt sich weiter. Léo "stellt" sich seiner Vergangenheit, weil diese ihn eingeholt hat, und nicht, weil er sich ihr stellen möchte. Der Konflikt um Alix Arbeit löst sich durch Zufall, weil die Restaurantbesitzerin zurück kommt, und nicht, weil Alix etwas getan hat um den Konflikt zu lösen.
Aber wenn wir schon bei Alix und Léo sind, dann kommen wir doch zu den Charakteren. Wie gesagt, Alix ist egozentrisch und durchweg unsympathisch. Ihre Beziehung zu Léo würde ich fast als "Die Königin und ihr Diener" bezeichnen da Léo sehr unterwürfig ist und gefühlt alles tut was sie sagt. Als es um das Thema seiner Vergangenheit geht, empfinde ich sie als taktlos und dominant in der Weise, dass sie sehr viel Raum nimmt anstatt sich zurückzunehmen um Léo Raum und Zeit zu geben. Zu Leo kann ich sehr wenig sagen, da es nicht viel zu sagen gibt. Er ist die Selbstlosigkeit in Person, welche ihm wenig bis keine Persönlichkeit übrig lässt.
Neben den beiden gibt es dann noch ein paar Nebencharaktere die eine kleine bis gar keine Rolle spielen. Angefangen bei Chloé die ganz süß und aufgeweckt wirkt, jedoch kaum Freizeit hat. Was ihre Rolle in der Geschichte war? Alix ganze Zeit bestätigen, dass sie nichts falsch gemacht hat, und ihr nach dem Mund reden, dass der Chef ein misogyner Idiot ist. Chloé kommt in der Mitte des Buch kaum vor, weil Alix lieber mit dem Typen zusammen ist als ihre Freundschaft zu festigen. Wenn es Alix jedoch mies geht, dann denkt sie plötzlich wieder an Chloé und möchte was mit ihr machen. Kurze Nebeninfo an dieser Stelle: Misogyn, also krankhafter Frauenhass, ist nirgendwo beim Chef zu finden. Diskriminierend ist eine Sache, aber ich persönlich würde nicht von Misogynie sprechen. Eher empfinde eine Geringschätzung gegenüber Männern seitens Alix als es um die Diskriminierung geht, denn sie ist die einzige Frau in der Küche und keiner ihrer Kollegen verteidigt sie (nicht das die Neue ist, noch in der Probezeit steckt und ihre Kollegen vielleicht selber auf ihre Jobs angewiesen sind).
Der nächste Nebencharakter mit geringer Relevanz für die Geschichte ist Thibault. In Bezug auf die Optik und Körperbau erfährt man alles, aber ich weiß immer noch nicht welche Augenfarbe Thibault hat. Entweder habe ich diese Stelle überlesen oder die Augenfarbe wird nie genannt. Auch Thibault erfüllt keine große Rolle in der Geschichte außer die Restaurantbesitzerin zu informieren, sondern ist einfach da. Die letzten beiden Nebencharaktere die "relevant" sind, sind Leós "bester Freund" Amir und Alix Schwester Magali. "Bester Freund" ist mit Absicht so geschrieben, denn als bester Freund weiß Amir erstaunlich wenig über Leó, und auch hier wieder erfüllt er keine Funktion außer einmal was sinnvolles zu sagen wie "Wenn du sie liebst, dann sag ihr die Wahrheit". Magali ist ähnlich wie Thibault einfach da und erfüllt keinen Zweck.
Nachdem ich also nun die mangelnden Konflikte und die mehr schlecht als recht geschriebenen Charaktere präsentiert bekommen habe, frage ich mich immer noch worum es in dieser Geschichte geht geschweige wo der Inhalt ist? Denn ich habe ihn nie gefunden. Im Gegenteil, ich konnte die Geschichte super in vier Teile aufteilen wo sich um ein Ding nach dem anderen gekümmert wird. Erst kommt die Einleitung, dann die "Romanze", dann der Höhepunkt in Bezug auf die Arbeit und kurz vor Ende wird noch ganz schnell (wirklich schnell) die "dunkle" Vergangenheit abgefertigt. Ende. Nicht mehr, dafür desto weniger. Dafür wird der fehlende Inhalt mit politischen Ideologien gefüllt. So habe ich vereinzelt gelesen, und die Autorin hat auch eine Rezension hervorgehoben, dass in diesem Buch gegendert wird. An der Stelle kann ich für alle die dieselben Befürchtungen haben eine Entwarnung geben; so schlimm ist es nicht, denn es wird kaum gegendert. Bei der hervorgehobenen Rezension wurde angepriesen, dass die Autorin so flüssig gendert. Nein, das tut sie nicht. Einer der Nebencharaktere wird als nicht-binär beschrieben und verwendet dementsprechend bestimmte Pronomen. Das ist kein Gendern. Man bedient sich lediglich eines woken-Sprachgebrauchs. Ab und zu werden bei manchen Substantiven beide Varianten, also sowohl die männliche als auch die weibliche, genannt. Die Betonung liegt hier bei MANCHMAL, denn es wird nicht konsequent durchgezogen, sondern hauptsächlich bei Begriffen die meist eine englische Wortherkunft haben (Beispiel: Tourist), mit anderen Worten wird es bei Wörtern gemacht wo es keinen Sinn macht es zu tun. Was dafür sehr stark vertreten war, war der Feminismus der dritten (oder vierten) Welle. Also der giftige/toxische Feminismus der hier und da gerne mit Mysandrie (krankhafter Männerhass) gespickt ist (Stichwort Alix). Keine Frau, abgesehen von Leós Mutter und Chloé, empfand ich als sympathisch, weil es mir an Menschlichkeit fehlte
Mein Fazit zu dem Werk ist; Ehrlich gesagt weiß ich nicht was ich sagen soll. Dieses Buch besteht aus knapp 400 Seiten mit wenig bis keiner Substanz, und ich frage mich woran es gelegen hat. Wie anfangs gesagt, ich habe diverse andere Bücher von der Autorin gelesen und war begeistert, weswegen meine Enttäuschung hier umso größer ist. Für mich kamen Inhalt und Charaktere zu kurz, und es wurde versucht mit politischer Korrektheit (durch Ideologien) und zwanghafter Vielfalt zu kompensieren. Leider meinerseits ohne Erfolg. Das Buch hat viel Potenzial und es wurde in den Wind geschossen. Da Chloé im Buch keine nennenswerte Rolle spielt werde ich mir den zweiten Band nicht holen. Vielleicht können mich Die Todesbotin oder A Breath of Winter von der Autorin wieder mehr begeistern.