Wenn’s mit den Menschen schwierig wird, kann man sich immer noch mit seinem Drucker verbünden…
Die namenlose Heldin dieses Buches arbeitet in einem Start-Up als unterbezahlte Hilfskraft, hat eine Allergie gegen Überanstrengung, bevorzugt deshalb das stille Kämmerlein, das sie mit dem Drucker teilt, der ihr immer mehr ans Herz wächst, ihr Kummerkasten wird und auf seine Weise auf ihr Befinden reagiert.
Dieses Start-Up-Unternehmen ist ein eine Parabel über das moderne Arbeitsleben: Die Unfähigkeit, echte Verbindungen zu Kollegen zu knüpfen und das Bedürfnis, in einer scheinbar seelenlosen Umgebung irgendeine Form von Nähe zu finden, sind zentrale Themen. Vielleicht ist es aber nur die Sicht der Protagonistin auf ihre Kolleginnen und Kollegen, die „Produktion“ oder „Marketing“ genannt werden. Denn es ist ihr ganz eigenes Problem, sich nicht zugehörig zu fühlen, zum einen, weil sie aus einem prekären Viertel stammt und ganz andere Dinge erlebt hat als die wohlbehüteten Söhne und Töchter, die das Unternehmen am Laufen halten, zum anderen, weil sie unter einer uneingestandenen Schuld leidet. Diese Schuld, die sie so sehr bedrückt und die aus meiner Sicht für ihr Außenseitertum mehr verantwortlich ist, als ihre Herkunft (obwohl beides auch irgendwie zusammengehört), wird nicht vollständig erklärt, aber so angedeutet, dass sich ein Reim darauf machen lässt. Aber nein, es ist nicht nur ihre Sicht, denn ein Kapitel ist aus dem Blickwinkel des Druckers geschrieben, in dem die Absurditäten im Start-Up besonders klar werden. Der einzige „normale“ Mensch im Buch ist ein Mitarbeiter der Stadtreinigung. Alle andere spielen Rollen und wollen anders sein als sie sind. Nur der Drucker hat eine gewisse Sensibilität entwickelt.
Witzig, satirisch, vieldeutig und unterhaltsam ist dieses Buch, aber auch stark überspitzt, nicht sonderlich tiefgründig, die Probleme als Klischees…
Ich habe meinen Büro-Drucker auch gemocht und hätte ihn danach gerne interviewt, aber er ist längst dem digitalen Zeitalter, dem papierlosen Büro, zum Opfer gefallen. Zum Glück agieren meine Kolleginnen und Kollegen ganz anders 😉