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Deutsche Lebenslügen: Der Antisemitismus, wieder und immer noch

Der Antisemitismus bedroht unser Leben

Der brutale Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober ist zu einer Nagelprobe politischer und moralischer Haltung in Deutschland geworden. Das Schweigen der Linken und der Jubel muslimischer Einwanderer, die Unterstützung der Palästinenser durch die Klima-Aktivistin Greta Thunberg, die abgerissenen Plakate der Entführten in London, das Entsetzen der Politiker, die die Aufnahmen der Täter gesehen haben – viele Gewissheiten hat der 7. Oktober erledigt. In Deutschland – selbst in Deutschland – zeigt sich der Antisemitismus wieder so offen, dass man vermuten könnte, er wäre nie weg gewesen.

Der deutsche Jude Philipp Peyman Engel ist schockiert, dass die Empörung in Deutschland so zögerlich zum Ausdruck kommt – aber nicht überrascht. Seit Jahren verfolgt der Chefredakteur der »Jüdischen Allgemeinen« die Anbiederung der deutschen Politik an die Feinde Israels und den alltäglichen Antisemitismus aus allen Ecken der Gesellschaft – von Rechten, von Linken, von muslimischen Migranten. Der 7. Oktober hat endgültig gezeigt, sagt Engel, dass es in Deutschland so nicht weitergehen kann.

Philipp Peyman Engel begibt sich auf die Straßen von Neukölln und er begleitet Bundespräsident Steinmeier nach Israel, er schreibt über die Verlogenheit der deutschen Debatte und erzählt von seiner Jugend als Sohn einer persischen Jüdin in Nordrhein-Westfalen. Sein Buch ist auf der einen Seite eine Abrechnung mit denen, die zum Terror schweigen und eine Aufforderung, Haltung zu zeigen. Auf der anderen Seite ist es die schonungslose Beschreibung der moralischen Krise dieses Landes.

191 pages, Hardcover

Published March 7, 2024

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Great-O-Khan.
488 reviews146 followers
June 24, 2024
"Deutsche Lebenslügen: Der Antisemitismus wieder und immer noch" ist ein persönlicher, autobiographischer Bericht von Philipp Peyman Engel, dem Chefredakteur der "Jüdischen Allgemeinen". Es beginnt 1967 mit der Flucht der Familie von Philipp Peyman Engel aus dem Iran nach Deutschland. Als Juden sind sie im Iran nicht mehr sicher. Der Autor wird im Ruhrgebiet geboren. Seine Mutter ist persische Jüdin. Er wird zunächst als "Ausländer" gesehen, nicht als Jude. Philipp Peyman Engel erlebt mit der Zeit immer mehr Antisemitismus, auch von seinen muslimischen Klassenkameraden. Der Ton des Buches ändert sich immer stärker vom autobiographischen zum journalistischen. Engel beschreibt vor allem muslimischen und linken Antisemitismus, sowohl aus historischer als auch aus gegenwärtiger Perspektive.

Die Kapitel tragen sprechende Titel wie "Die postkoloniale Endlösung" oder "Der Judenhasser vom Bosporus". Engel spricht mit Claudia Roth über die documenta. Er befindet sich unter den Journalisten, die Steinmeier auf der Reise nach Israel begleiten. Engel übt drastische Kritik an Roth und Steinmeier. Die Beschreibung der Gräueltaten am 7. Oktober sind kaum auszuhalten. Zurecht ist das Kapitel mit einer Warnung versehen. Es ist aber wichtig, dass es solche Beschreibungen und die dazugehörigen Dokumentationen, die perfiderweise großteils von den Terroristen erstellt worden sind, gibt. Vieles davon scheint bereits heute in Vergessenheit geraten zu sein.

Trotz der Kürze des Buches entsteht ein sehr umfassendes Bild aus jüdischer Perspektive. Der Autor setzt sich mit Personen wie Pierre Vogel oder Erdogan auseinander. Er blickt auf die Kalifat-Demos und die Proteste an den Universitäten. Er beschreibt aus Sicht von Familienmitgliedern und Besuchen die Situation der Juden in Amerika. Und er guckt natürlich auf die AfD.

Aus dem Buch sprechen Wut und Angst, die sich auf mich als Leser übertragen haben. Israel ist für Juden nicht mehr sicher, aber Deutschland vielleicht auch nicht. Selbst wenn man keine enge Verbindungen zu jüdischen Gemeinden hat, muss man ob der Schilderungen nachdenklich werden. Ein großartiges Buch über eine deprimierende Zeit. Unbedingt lesen!
Profile Image for juleliest .
72 reviews1 follower
June 19, 2024
heftig bewegend. jede/r muss das, was peymann engel in diesem buch beschreibt, wissen!
11 reviews
May 29, 2024
Ein sehr aufwühlendes Buch. Musste nach jedem Kapitel erstmal alles sacken lassen und es beschäftigt mich immernoch...Ich denke eine Empfehlung reicht hier nicht aus, eher sollte jeder sich mit diesem Thema beschöftigen und seine eigene Haltung dazu hinterfragen.
Profile Image for Childe.
83 reviews2 followers
Read
July 13, 2024
Auch dieses Buch ist für mich sehr schwer zu bewerten. Es ist ein sehr persönliches Buch, wir erfahren viel über den Hintergrund des Autors, sowie über seine emotionale Befindlichkeit vor und nach dem 7. Oktober. Weniger ein Sachbuch wird uns hier eher eine Mischung aus in Kapitel unterteilte Essays und tagebuchähnlichen Sequenzen präsentiert. Zumindest in der Hörbuchfassung war mir die Struktur nicht immer so ganz ersichtlich — Engel springt mit uns immer wieder ein bisschen umher, ohne dabei jedoch den roten Faden komplett zu verlieren. Informatives, Erschütterndes, Hoffnungsvolles und Privates wechseln sich dabei in jedem Kapitel ab.
Der Schein der Neutralität (im Sinne eines beide-Seiten-Ansatzes) wird hier gar nicht erst versucht, wir erhalten die volle emotionale Entladung lange Angestautem, wir spüren die berechtige Wut, Angst, Sorge und das Unverständnis angesichts des steigenden Antisemitismus in Deutschland (und dem Rest der westlichen Welt). Engel ist ehrlich mit uns, daher kam mir das Hörbuch in Teilen fast schon wie ein Dialog mit mir als Zuhörendem vor — eine Nähe, die das Gehörte noch unerträglicher macht, das Gefühl der Hilflosigkeit nimmt und in einen Aufruf umzuwandeln versucht: Schweige nicht. Zeige dich glaubhaft solidarisch, nicht nur dann wenn es einfach ist. Sorge dafür, dass das Nie wieder keine leere Worthülse bleibt.

Leider lässt mich das Buch an anderer Stelle etwas unbefriedigt zurück. Auch wenn es zynisch ist das zu sagen, konnte mir das Buch wenig mitliefern, was mir nicht bereits bewusst war, da ich immer versuche das aktuelle politische Geschehen im In- und Ausland zu verfolgen. Mehr über die persönliche Lebensgeschichte (und somit auch die ersten und weiteren Berührungspunkte mit Antisemitismus) des Autors zu erfahren, sowie die in vielerlei Hinsicht gesellschaftlich schwierige Position eines persisch/iranisch-jüdischen Deutschen, waren für mich die ergiebigsten Teile des Buches. Der eigentliche informative Teil kam, verständlich angesichts der Kürze des Buches, dann doch oftmals über einen groben Überblick nicht hinaus oder ließ einen etwas verloren zurück.
Was kann ich, als nicht jüdische deutsche Person, denn nun konkret tun, um meine jüdischen Mit-Menschen zu unterstützen — abseits von ehrlicher Solidarisierung und dem Hinterfragen eigener unterbewussten antisemitischen Strukturen?

Vielleicht ist es auch anmaßend, von einem Juden, der gerade, salopp gesagt, auch anderes und besseres zu tun hat, nun auch noch einen einfachen 10-Punkte-Plan zu erwarten, der die Denkarbeit für mich übernimmt —ja, mit Sicherheit ist es das. Und trotzdem treibt mich diese Frage nun um; Untätigkeit aus Angst etwas falsch zu machen.
Allerdings, wenn mir Engel eine Sache mit diesem Buch ans Herz gelegt hat, dann das: Nichts könnte falscher sein, als gar nichts zu tun.
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