Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid.
Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet sich nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund zu ihren Eltern. Niemals hätte geschehen dürfen, was geschehen ist. In dem Haus am Dorfrand will sie jetzt bleiben und in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Doch dann ereilt die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter die Familie, und Jule stutzt. Warum hat ihre Mutter nie von der Großmutter oder der eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam das Haus der Großmutter aufräumen, findet Jule Hinweise auf lang zurückliegende Ereignisse, die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten.
Es wird Zeit, dass die Heilung beginnt – für alle Frauen der Familie.
Nachdem ich schon einige Liebesromane von Kira Mohn gelesen und das wundervolle Cover von ‚Die Nacht der Bärin‘ gesehen hatte, konnte mich der Klappentext schließlich komplett überzeugen: In der Vergangenheit liegende Ereignisse mit zerstörerischer Kraft? Das klingt nach einer intensiven und emotionalen Erzählung. Und diese habe ich auch bekommen. Mohn erzählt auf zwei Zeitebenen von einer Familiengeschichte, wie sie in Deutschland traurigerweise zu Hauf zu finden ist. Dabei folgen wir in der Gegenwart der sechsundzwanzigjährigen Jule, die aus ihrem Zuhause flüchtet und bei ihren Eltern Zuflucht findet. Dort erfährt sie vom Tod ihrer Großmutter, von der sie, außer ein paar Briefen zum Geburtstag, nie etwas gehört oder gesehen hat. Sie überredet ihre Mutter, gemeinsam den Nachlass der Großmutter zu ordnen, wo sie schließlich auf eine Vergangenheit stößt, die totgeschwiegen und begraben wurde. Die zweite Erzählperspektive liegt einige Jahre zurück und folgt der kleinen Maja, die zusammen mit ihrer Schwester die Natur in der Umgebung erkundet, Elfen und Tiere beobachtet. Die kindliche Perspektive bietet viel Potential und nimmt den Ereignissen auch eine gewisse Schärfe. Dadurch ist vieles der Phantasie der Leser*innen überlassen und explizite Beschreibungen nicht nötig. Nichtsdestrotrotz ist die Erzählung sehr kraftvoll und intensiv, hat mich tief berührt und emotional gefordert. So eindringlich die Geschichte an sich war – das Nachwort stellt alles in den Schatten. Der Bezug zur Realität, die direkte Ansprache. Ich hoffe, dass Mohns Buch viele Frauen* erreicht und sie den Mut finden, sich über ihre Situation klar zu werden und Hilfe zu suchen. 5 Sterne. Die Autorin selbst hat mir erklärt, dass es in der Belletristik selten bis nie Content Notes gibt. Falls du trotzdem wissen willst, was dich erwartet, kannst du mir gerne schreiben.
„Die Nacht der Bärin“ ist ein einfühlsames Familiendrama, das in zwei Zeitsträngen erzählt wird. Während Anna Jule nur langsam und bruchstückhaft aus ihrer Kindheit erzählt, erfahren wir davon durch bildgewaltige und sensible Rückblicke.
Besonders genial fand ich, dass diese Rückblicke aus Sicht Annas kleiner Schwester Maja erzählt werden, wodurch man als Leser nicht alle Details, und auch nur gefiltert durch Kinderaugen davon erfährt. Und obwohl keine der besonders schlimmen Szenen explizit beschrieben sind, so ist es doch vor allem die Unwissenheit und Vorstellungskraft, die diese Szenen beim Lesen intensivieren. Auch der Bär aus dem Titel spielt hin und wieder eine bildliche Rolle, die sich einem erst gegen Ende völlig erschließt.
Ich hatte bereits zuvor einige Bücher von Kira gelesen und habe auch dieses wieder innerhalb weniger Tage verschlungen. Kira schafft es wie sonst nicht viele, schwere Themen äußerst sensibel zu behandeln, und dennoch mit solch schöner Sprache Spannung aufzubauen, dass man gar nicht mit dem Lesen aufhören kann - bei diesem Buch mehr denn je. Ein Highlight, das noch lange nachhallen wird, und das ich jedem nur sehr empfehlen kann.
Dieses Buch hatte ich irgendwie so gar nicht im Blick, aber es kam als Vorabexemplar und von Kira habe ich ja schon einige Geschichten gelesen und daher wollte ich unbedingt reinlesen. Das es anders als ihre andere Bücher war, war mir schon vor dem Lesen klar, aber was mich hier erwartet, damit hab ich nicht gerechnet. Anfangs musste ich mich an den Perspektivenwechsel gewöhnen, aber es hat mich emotional sehr aufgewühlt, aber ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen und habe gestern gleich über 200 Seiten inhaliert und es heute beenden müssen. Es hat mich viele Male echt überrascht, mich aber echt zum Grübeln gebracht und ich kann es euch nur empfehlen. Es ist kein einfaches, aber ein wichtiges Thema, mit dem man sich auseinandersetzen sollte. Danke Kira für deine Seele, die du in dieses Buch gepackt hast. 4,5 Sterne
Die liebe Federmagie hat auf Instagram so von dem neuen Buch von Kira Mohn geschwärmt, dass ich es auch unbedingt lesen wollte. Mir hat die Leuchtturm-Trilogie der Autorin schon sehr gut gefallen, weshalb ich mit dem Lesen auch nicht warten konnte.
Wie war es?
Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zum Inhalt des Buches.
Meine Meinung:
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich das Thema des Buches direkt erwähne und wie offen ich damit umgehe. Und ich habe mich dazu entschlossen einfach frei zu sagen, was ich denke, da dieses Buch so unglaublich wichtig ist. Denn Tabu Themen sollten kein Tabu mehr sein.
Das Buch behandelt ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt – häusliche Gewalt – und es ist schwer, Worte zu finden, die dem gerecht werden. Schon nach den ersten Kapiteln wurde mir klar, dass mich eine sehr intensive und emotionale Reise erwartet. Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen: einer Vergangenheit, in der Anna und Maja mit ihrer Mutter unter der Gewalt des Vaters leiden, und einer Gegenwart, in der Jule, Annas Tochter, mit ähnlichen Problemen konfrontiert wird. Diese zwei Perspektiven bieten einen tiefen Einblick in die Tragweite familiärer Gewalt und deren Auswirkungen über Generationen hinweg.
Häusliche Gewalt betrifft viel mehr Menschen als man vielleicht denkt. Und nicht jeder kommt aus dieser Spirale wieder raus. Auch ich war davon betroffen. Und auch wenn man sich von den Personen räumlich trennen konnte, blieb der psychische Terror und ich konnte einfach nicht die Verbindung kappen. Denn es sind ja deine Eltern. Aber nur weil es deine Familie ist, muss sie dir nicht gut tun. Und nicht alles, was deine Eltern tun ist richtig.
Kira Mohn hat es geschafft, die schrecklichen Ereignisse behutsam und dennoch erschütternd realistisch zu schildern. Besonders beeindruckend war, wie ausdrucksstark die Emotionen beschrieben wurden – als Leser fühlt man sich geradezu mitten ins Geschehen hineingezogen. Die Erinnerungen an Annas und Majas Kindheit, die grausamen Details und die ständige Angst, haben mich tief berührt und zum Nachdenken gebracht. Die Welt, die die Mädchen sich im Wald erschaffen, bot einen Kontrast zur bedrückenden Realität und war gleichzeitig ein symbolischer Zufluchtsort, der später im Buch eine tiefere Bedeutung bekommt.
Der Schreibstil von Kira Mohn hat mich emotional vollkommen gefesselt. Ich habe förmlich die Luft angehalten, als immer mehr Details der Vergangenheit ans Licht kamen. Die Spannung und das beklemmende Gefühl begleiteten mich durch die gesamte Geschichte, bis hin zu einem Ende, das mich tatsächlich überraschte.
Besonders der Wald als sicherer Rückzugsort für die Mädchen war eindrucksvoll beschrieben. Er vermittelte Ruhe und Schutz, bis man gegen Ende des Buches die volle Bedeutung der Bärin und der Symbolik dahinter begreift.
Abschließend:
Eine absolute Leseempfehlung – vor allem für diejenigen, die sich mental in der Lage fühlen, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen.
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Die Geschichte spielt in zwei Zeitzonen. In der Gegenwart flüchtet Jule nach einem Streit mit ihrem Freund zu ihren Eltern. Dort erfährt sie vom Tod ihrer unbekannten Großmutter. In der Vergangenheit erfahren wir, was Jules Mutter erlebt hat und warum Jule ihre Großmutter nie kennenlernte.
Das Buch war einfach großartig! Kira behandelt hier ein wirklich schmerzhaftes Thema und geht sehr tief in die Lebenserfahrung von Jules Mutter.
Ich hatte diese heftigen psychischen Abgründe in der Form nicht erwartet und war vollkommen gefesselt von diesem sehr emotionsgeprägten Buch. Die tiefe Verwurzelung der Ereignisse beeinflusst auch Jule in der Gegenwart und auch, wenn man einiges vorhersehen kann, wünscht man sich, dass es einfach anders kommt.
Das Buch wird als bildgewaltig beworben und es ist nicht nur das. Es hallt nach, es sensibilisiert und es geht direkt in die Seele. Die Nacht der Bärin ist so wertvoll und perfekt durchdacht. Jeder in so einer Situation sollte handeln wie Jule schlussendlich. Ich war mittendrin in den tiefsten Abgründen dieser Familie und kann nur sagen, dass ich die Angst und Machtlosigkeit in jeder Zeile spüren konnte. Ich hoffe, dass Kira dafür der ein oder andere Literaturpreis winkt, denn es war großartig.
ich muss verdauen. 4 meiner letzten 6 bücher haben (ohne, dass ich das so beabsichtigt hatte) mehr oder weniger explizit teils schlimmste formen (häuslicher) gewalt gegen frauen thematisiert. dieses buch hat meine wut, trauer und fassungslosigkeit bzgl dem thema jetzt endgültig auf die spitze getrieben. 💔 das war super aufwühlend, schwer aus der hand zu legen und genauso schwer zu ertragen. bin trotzdem froh es gelesen zu haben (& finde den schreibstil der autorin ganz toll). jetzt muss ich mich aber erstmal in ein comfort book flüchten und verdrängen, verdrängen, verdrängen. ❤️🩹
12/10 Punkten auf der „Uff,doll“-Skala. Doll gut geschrieben, doll fesselnd, doll triggernd, doll erzählt. Ich hab jede Seite verschlungen und dann manchmal nochmal gelesen, weil ich es so stark fand. Brauche danach trotzdem noch einen Feelgoodroman.
Die Nacht der Bärin hat mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen. Kira Mohns Worte erzeugen eine Spannung, die sich langsam ausbreitet und mich umklammert. Ich weiß noch nicht, wann ich sie wieder ablegen kann. Die Kapitel aus Majas Sicht hatten etwas kindlich poetisches. Ich bin mit dem Geist, der Fantasie einer zwölfjährigen umhergewandert. Die Kapitel aus Jules Sicht waren nüchterner, aber voller Beharrlichkeit. Und für mich so nachvollziehbar. In dieser Geschichte geht es um das schwere Thema der häuslichen Gewalt. Es wird wirklich heftig und jeder, der dieses Buch in die Hand nimmt sollte wissen, worauf er sich einlässt. Aber es wird nie grafisch. Die Autorin findet Worte, Sätze für schlimme Dinge ohne genau auszusprechen, was gerade vorsichgeht. Es fühlte sich immer genau richtig an. Das Ende fühlte sich genau richtig an. Lest dieses Buch. Jeder. Jeden Geschlechts. Es ist nicht einfach. Nie. Aber es ist möglich. Die Autorin beendet ihr Nachwort mit folgenden Worten: Du verdienst es, geliebt zu werden.
Dieses Buch wird mich gedanklich noch lange begleiten, weil es so intensive und realistische Bilder in meinen Kopf hat entstehen lassen. Ich liebe Familiengeschichten und diese ist trotz der Thematik wunderschön erzählt.
*Wichtig, aber auch erschreckend, wie viele Bücher ich in diesem Jahr über männliche Gewalt gegen Frauen gelesen habe…
…»Die Nacht der Bärin« beschreibt die Geschichte einer Familie, erzählt aus zwei komplett unterschiedlichen Perspektiven. Auf der einen Seite haben wir Jule, die ihre eigenen Probleme hat und sich doch in die Geschichte ihrer Mutter verbeißt. Auf der anderen Seite bekommen wir Schnipsel der Vergangenheit aus der Perspektive ihrer Tante erzählt.
Die abwechselnden Sichtweisen fand ich sehr gut gewählt und auch die Thematik ist unglaublich tiefgreifend und bei so vielen Frauen präsent. Außerdem bin ich ein riesiger Kira Mohn Fan!
Das Ende war on Point. Eine große Empfehlung an alle, die …an alle! x
Das Buch ist gut geschrieben. Kira Mohn hat einen wundervollen zärtlichen Schreibstil. Aber diesem Buch fehlt eine Inhaltswarnung (Triggerwarnung). Dieses Buch hat so viele Trigger, da hilft auch das Nachwort der Autorin nicht. Ich hab mich nur schlecht gefühlt beim lesen. Dieses Buch hat in mir überhaupt kein positives Gefühl zurückgelassen und auch nicht beim lesen verursacht… Ich kann dieses Buch nicht weiterempfehlen ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen oder Angst zu haben jemanden in Abgründe zu reißen, wie es zwischendurch bei mir der Fall war.
„Sie hatte die Wahl,” hat meine Mutter hinzugefügt. “Und du hast diese Wahl auch.“
Titel: Die Nacht der Bärin Autorin: Kira Mohn Verlag: Harper Collins Preis: 24,00€ Seitenzahl: 288 Seiten
Inhalt:
Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid.
Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund aus der gemeinsamen Wohnung. Niemals hätte geschehen dürfen, was geschehen ist. Bei ihren Eltern will sie in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Dann trifft die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter ein, und damit tun sich Abgründe auf. Warum hat Jules Mutter nie von ihr oder der eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam den Nachlass der Großmutter in dem Haus am Waldrand ordnen, findet Jule Spuren lang zurückliegender Ereignisse, die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten.
Meine Meinung:
Die Bücher von Kira Mohn sind großartige Werke, die mich immer wieder aufs Neue begeistern können. Somit habe ich mich wahnsinnig auf ihr neues Buch gefreut. Bereits mit „Wir Irgendwann“ ist Kira Mohn schon in eine erwachsenere Richtung gegangen, die mir sehr gefallen hat. Somit war ich unglaublich gespannt, wie mir „Die Nacht der Bärin“ gefallen wird. Dabei muss ich zugeben, dass ich eine kleine Faszination mit Bären habe, weswegen mich das Buch direkt interessiert hat. Aber auch der Klappentext hat sich richtig gut angehört.
Das Cover finde ich sehr schön. Ich liebe Blumen und es zeigt auch auf, dass das Buch sich an eine etwas andere Zielgruppe richtete, als die typischen New Adult Leser. Das ganze Cover sieht aus wie gezeichnet, zeigt aber auch Elemente auf die gut zum Inhalt des Buches passen, einfach da Natur auch ein große Rolle im Buch spielt. Allerdings bin ich einfach ein großer Fan der Autorin, weswegen ich gespannt war auf die Geschichte und so auch ohne Cover und Klappentext zu kennen, immer direkt alles von Kira Mohn lesen würde.
Die Geschichte wird in der Vergangenheit und Gegenwart erzählt. So haben wir in der Vergangenheit die Schwestern Anna und Maja, wobei die Geschichte aus der Perspektive von Maja erzählt wird. Mich hat diese Perspektive vor allem sehr mitgenommen, weil Maja noch ein Kind ist. Aber auch Jule, die Tochter von Anna macht so einiges in der Gegenwart durch und so haben wir ein Zusammenspiel und eine Reise auf die sich Anna und Jule begeben, um die Vergangenheit in gewisser Weise abzuschließen und vielleicht auch um diese nicht zu wiederholen. Jule lernt auf dieser Reise zudem sehr viel über ihre Mutter und entdeckt auch eine andere Seite an ihr.
Für mich war vor allem die Thematik mit der Bärin sehr schön gewesen, da der Wald und die Bärin mit ihren Jungen etwas Ruhe in die Geschichte gebracht haben und gerade mit Kira Mohn’s Talent eine wundervolle Atmosphäre zu kreieren, habe ich mich genau wie die Mädchen, die immer wieder in den Wald gehen, um von ihrem Vater wegzukommen, unglaublich wohl dort gefühlt.
Kira Mohn arbeitet hier mit sehr schweren und wichtigen Themen, die nicht leicht zu verdauen sind. Aber gerade deswegen finde ich dieses Buch auch so großartig, denn die Geschichte ist authentisch und voller Emotionen, die mich einfach nur mitreißen konnten und mir manchmal auch sehr das Herz schwer gemacht haben. Es war definitiv nicht einfach diese Geschichte zu verfolgen, mit zwei Mädchen die so hilflos waren und denen man gerade deswegen am liebsten geholfen hätte. Aber auch in der Gegenwart habe ich ganz schön mit gebangt, denn auch hier war es nicht einfach zu verfolgen, was vor sich ging. Die Geschichte war einfach eine der emotionalsten, die ich seit langem gelesen habe und hat mich wirklich sehr mitgenommen, so dass ich am Ende auch einfach nur weinende da saß und mich über die Ungerechtigkeit des Lebens aufgeregt, aber auch getrauert habe.
Einen kleinen Kritikpunkt möchte ich trotzdem noch nennen, der für mich nicht in die Bewertung einfließt, aber den ich sehr wichtig finde. Und zwar hat das Buch keine Triggerwarnung, was ich sehr schade finde, da hier doch sehr wichtige und für viele Menschen auch schmerzliche Themen aufgearbeitet werden. Für mich war das nicht so schlimm, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es genug Menschen gibt, die von den Themen getriggert werden.
Der Schreibstil von Kira Mohn war auch etwas, das mich sehr begeistern konnte. Gerade das Zusammenspiel zwischen diesen schweren Themen und wie ich trotz der vielen Emotionen das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte, war einfach nur fantastisch. Es war für mich ein absolutes Highlight und hat Kira Mohn noch einmal mehr zu einer Autorin für mich werden lassen, von der ich jedes Buch lesen muss, egal ob New Adult, Erwachsenenroman oder wohin auch sonst ihre Reise noch so führen wird.
Ein erschütternder Roman um häusliche Gewalt, sehr einfühlsam erzählt
Fast dreißig Jahre war Anna nicht mehr hier, sie wollte auch nie mehr zurückkommen. Auch als sie die Nachricht erreicht, dass ihre Mutter gestorben ist, ist sie noch festentschlossen, nicht zur Beerdigung zu fahren. Annas Tochter Jule hat ihre Großmutter nie kennengelernt, es kamen lediglich nichtssagende Karten zu Festtagen, die Jule schnell zur Seite gelegt hat. Was ist damals passiert? Jule erreicht zumindest, dass sie und Anna zu dem Haus fahren, das an die Gemeinde verkauft werden soll. Die beiden Frauen sichten Papiere, legen für den Notar einige Sachen beiseite und kommen ins Gespräch.
Jasper, Jules Freund, hat sie gestoßen, er hat nach ihr getreten. Das wollte sie eigentlich für sich behalten, nur ein paar Tage Abstand halten. Japers Anrufe ignoriert sie, überlegt aber dennoch, mit ihm zu reden. „Es wird dabei aber nur ihm besser gehen“, meint ihre Mutter.
Häusliche Gewalt hat viele Gesichter, Kira Mohn erzählt davon. Von der zwölfjährigen Anna und ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Maja. Der nahe Wald und der See sind ihre Rückzugsorte, ihre Feen wohnen hier, sie sehen die Bärin und ihre Jungen, es ist ihre Welt voller Glückseligkeit und Abenteuer.
Kira Mohn wechselt die Perspektiven, sie ist immer wieder im Gestern, erzählt von Karl Siegburg, Annas Vater und von ihrer Mutter Marjanna und den beiden Mädchen. Dabei wird zunehmend klar, dass sie alle unter Vaters Gewaltausbrüchen zu leiden hatten. Bestrafungen und Schläge waren an der Tagesordnung, und das nicht zu knapp. Anna und Maja flüchten sich in ihre Traumwelten, so ist dieses Martyrium zumindest kurzzeitig auszuhalten. Er war ein Psychopath, war jähzornig, war unberechenbar. Und die Mutter schweigt dazu, sie hat nicht die Kraft, ihn zu verlassen, auch sie bekommt seine Wut zu spüren.
„In diesem Haus war es nicht gut, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen“ sagt Julias Mutter, als sie ein Fotoalbum hervorkramen und die Erinnerungen hochkommen. Sie öffnet sich ein Stück weit und je mehr sie von damals erzählt, desto eher versteht Julia ihr langjähriges Schweigen.
Der Roman ist nicht anklagend und doch klar und deutlich, die Kapitel sind mit prägnanten Sätzen überschrieben wie etwa „Du tust, was ich dir sage“ oder auch“ Denkst du etwa, mir macht das Spaß.“ Diese Aussagen werden noch sehr viel derber, sehr viel verletzender. Das Nachwort legt die Finger nochmal in die Wunde. Wer einmal schlägt, wird es in ähnlichen Situationen wieder tun. Hier geht es um Gewalt gegen Frauen. Häusliche Gewalt trifft vor allem sie, wenngleich gemäß den bekannten Zahlen auch 18 Prozent der Gewaltopfer Männer sind, die sich danach noch seltener als Frauen Hilfe suchen. „Würde mir das passieren – ich wäre sofort weg.“ Es beginnt schleichend, mir Worten, mit Vorwürfen, denen ein Rempler folgt, ein Hieb – und dann eine halbherzige Entschuldigung.
„Die Nacht der Bärin“ erschüttert, auch das Nichtgesagte, das zwischen den Zeilen Sichtbare, ist schlimm, zu schlimm, es geht an die Nieren. Es fesselt, es lässt einen nicht los, es wirkt nach, bleibt im Gedächtnis. Und das ist auch gut so. Ein wichtiges Buch, das jeder lesen sollte.
Die Nacht der Bärin wartet mir einem wirklich schweren Thema auf: Körperlicher und seelischer Missbrauch in Beziehungen. Mich hat wirklich gewundert, dass es im Buch keine Triggerwarnung gab, da dies ja inzwischen allgemein üblich ist und das Buch auf viele Personen durchaus verstörend wirken könnte. Dies gilt aber beim Verlag zu bemängeln und nicht bei der Autorin). Das Buch wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal aus der von Jule, die nach einer sehr heftigen Auseinandersetzung mit ihrem Freund zu ihren Eltern flüchtet. Und aus der Sicht von Anna und Maya, die einige Jahre zuvor unter dem Regime eines sehr strengen Vaters aufwachsen. Mir gefiel, wie die Autorin Vergangenheit und Gegenwart hat ineinander laufen lassen, wie Figuren gezwungen wurden, sich damit zu beschäftigen, was geschehen war. Und besonders gut gefiel mir Kira Mohns bildgewaltiger und einnehmender Schreibstil, den ich schon lange in keinem ihrer Bücher mehr so geliebt habe. Ob es ein verwunschener Feenwald ist, den sie beschreibt, so dass man den Duft des Waldes beinah in der Nase hat oder ob es die Anspannung am Küchentisch ist, wenn der gewalttätige Vater mal wieder kurz vor einer Explosion steht. Alles fühlt sich greifbar an, als stünde man direkt neben den Figuren und könnte ihnen über die Schulter schauen. Zwischen den einzelnen Kapiteln wurden immer wieder die typischen Sprüche eingefügt, die in toxischen Beziehungen fallen und die leider kein Klischee sind. Auch das hat mir als Ergänzung zur Geschichte gut gefallen. Die Figuren waren stimmig aufgebaut. Kira Mohn hat in ihren älteren Büchern für meinen Geschmack oft dazu geneigt, ihre Charaktere etwas überzeichnet darzustellen, hier war es jedoch perfekt. Das Einzige, das ich an der Geschichte zu bemängeln habe und weswegen ich dann nur 4,5 und keine vollen 5 Sterne geben konnte, waren, dass beim Thema Veganismus wieder ein belehrender Ton angeschlagen wurde, der nicht sein müsste. Ich mag es sogar, dass Kira Mohn das Thema anspricht, denke jedoch, dass man es natürlicher, ohne erhobenen Zeigefinger einbringen könnte. Leider etwas, das viele deutsche Autoren machen und dann eher Ablehnung als Zuspruch gegenüber diesen wichtigen Themen schaffen. Das andere Manko war, dass ich mir bei einigen Szenen gewünscht hätte, die Autorin würde die Grausamkeiten, die stattfinden, noch deutlicher Ansprechen. Sie hat die wirklich schlimmen Dinge eher zwischen den Zeilen beschrieben, so dass ich denke, dass bei einigen Lesern gar nicht ankommt, was dort im Haus dieser Familie tatsächlich abging. Und ich persönlich lese diese Art von Grausamkeiten gerne, auch, wenn es morbide klingt. Aber schlimme Dinge geschehen und man sollte nicht die Augen vor ihnen verschließen. Man spürt, dass sehr intime Gedanken und Erlebnisse der Autorin in dieses Buch eingeflossen sind, was sich auch nochmal im Nachwort bemerkbar macht. Man merkt schon beim Lesen, dass viele der Situationen sich unheimlich authentisch anfühlen. Und das macht „Die Nacht der Bärin“ für mich zu einem unheimlich wertvollen und lesenswerten Buch.
Den Roman “Die Nacht der Bärin” hat Kira Mohn im August 2024 gemeinsam mit dem Verlag Harper Collins herausgebracht. Das Cover ist ein Hingucker. Die bunten Wiesenblumen in der alten Vase deuten auf eine Geschichte mit historischem Hintergrund hin. Es kann eine persönliche Vergangenheit oder ein historischer Rückblick sein. Die Feder unten rechts erinnert mich an einen Wildvogel. Bei dem Titel "Die Nacht der Bärin" denke ich an einen Schutzheiligen in Form eines Wildtieres und ich bin neugierig auf die Geschichte.
Von Kira Mohn habe ich bereits “Wild like a River” gelesen. Von ihrem literarischen Schreibstil war ich hin und weg und so habe ich mich gleich auf “Die Nacht der Bärin” gestürzt. Hier lerne ich Jule kennen. Jule ist sechsundzwanzig und flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund Jasper zu ihren Eltern. Kaum ist sie dort angekommen, erreicht sie die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter. Sie hat ihre Großmutter nicht gekannt. Nur zum Geburtstag und zu Weihnachten erreichten sie Karten. Die Reaktion ihrer Mutter Anna auf den Tod der Großmutter wundert Jule und so beginnt sie, Fragen zu stellen. Fragen, die ihre Mutter nicht beantworten möchte. Jule merkt, wie wenig sie vom Leben ihrer Mutter weiß und gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Haus am Waldrand. Zum Haus ihrer Großmutter. Sie sortieren den Nachlass und Jule stößt auf lang zurückliegendes was nach vielen Jahren mit einem unglaublichen Drang an das Licht möchte. Mit modernen Worten und einer erschreckenden Klarheit erzählt Kira Mohn im Rückblick von einer Familie, die unter der Gewalt des Vaters leidet. Die Mutter ebenso wie ihre Töchter Anna und Maja. Anna hat eine starke Persönlichkeit. Sie setzt dem Vater all ihre Kraft entgegen. Maja flüchtet sich in die Phantasie. Der Wald wird zum sicheren Zufluchtsort der Kinder. Bis an einem Tag eineTragödie passiert, die sich schon lange angebahnt hat. Kira Mohn hat mit “Die Nacht der Bärin” eine Erzählung auf den Büchermarkt gebracht, die in Erinnerung bleibt. Sie beschäftigt sich mit dem Thema der häuslichen Gewalt und bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Mich hat diese Geschichte tief berührt. Gerne empfehle ich sie allen erwachsenen Lesern weiter, die sich mit dieser Thematik beschäftigen möchten. Von mir bekommt sie völlig verdiente 5 polierte Lesesterne.
„Die Nacht der Bärin“ von Kira Mohn ist ein Buch, welches absolut unter die Haut geht und noch lange nachwirkt. Nach einem heftigen Streit, der in einer Art und weise eskaliert ist, die die 26-jährige Jule am liebsten gar nicht wahrhaben möchte, flieht sie erstmal zu ihren Eltern, die ihr immer ein sicherer Hafen waren. Doch in ihre Ankunft platzt die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter, die Jule nur von den jährlichen Geburtstagskarten kennt. Jule ist entsetzt, als sie die schockierte, aber völlig abgeklärte Reaktion ihrer Mutter mitbekommt. Auch um von ihrem eigenen Drama abzulenken, will sie das seit dreißig Jahren zerrüttete Verhältnis aufklären und sucht nach Antworten. Doch die Reise in das alte Zuhause ihrer Mutter bringt Abgründe ans Licht, mit denen Jule nie gerechnet hätte.
Dieses Buch ist keine romantische Lovestory oder Wohlfühlgeschichte, sondern ein sehr persönliches Werk der Autorin, mit dem sie aufwühlt und auf ein unangenehmes und oft verschwiegenes Thema aufmerksam macht, welches gerade deshalb klar benannt werden sollte. Gewalt in der Familie und Missbrauch finden oft im Verborgenen statt, während die Opfer hilflos ausharren und durch die Täter isoliert wurden. Schonungslos und packend erzählt Kira Mohn aus den Perspektiven von Jule, die kürzlich selbst Opfer wurde und ihre Situation schönzureden versucht, und der zwölfjährigen Maja, die die Schwester von Jules Mutter Anna ist und die die Ereignisse vor dreißig Jahren aus ihrer Sicht berichtet. Man ahnt von Anfang an, welches Grauen hier hinter verschlossenen Türen stattfindet, und doch ist man entsetzt, wenn das wahre Ausmaß der Abgründe deutlich wird. Manchmal war ich wütend auf Jule, weil sie ohne Rücksicht auf ihre Mutter so hartnäckig in der Vergangenheit wühlt, aber gleichzeitig ist dies auch notwendig, damit die Beteiligten irgendwann heilen können. Mit wenigen Worten lässt Kira Mohn die bedrohliche Atmosphäre von damals lebendig werden, die einem beim Lesen förmlich die Luft abschnürt. Manchmal will man gar nicht weiterblättern, und doch ist es wichtig, genau dies zu tun, und eben nicht wegzuschauen, weil es einfacher ist. Das Buch ist wirklich heftig und macht an vielen Stellen sprachlos. Gerade deshalb wird es mir jedoch lange im Gedächtnis bleiben und nachwirken.
Mein Fazit: Gnadenlos, ungeschönt und trotzdem hoffnungsvoll. Klare Leseempfehlung!
Kira Mohns “Die Nacht der Bärin” ist ein zutiefst bewegender Roman, der durch seine fesselnde Erzählweise und die emotionalen Tiefen der Figuren besticht. Von den ersten Seiten an zieht die Geschichte den Leser in ihren Bann, was vor allem an Mohns herausragendem Schreibstil liegt. Sie schafft es mit wenigen Worten, starke Bilder und Gefühle zu erzeugen, die die Leser intensiv miterleben lassen.
Besonders beeindruckend sind die vielschichtigen Charaktere, allen voran Jule, die trotz persönlicher Rückschläge eine bewundernswerte Hartnäckigkeit zeigt, sich der dunklen Vergangenheit ihrer Familie zu stellen. Im Zentrum der Geschichte stehen schmerzhafte Familiengeheimnisse, die nach und nach aufgedeckt werden. Jule wird dabei zur Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, indem sie nicht nur Antworten für sich selbst sucht, sondern auch ihre Mutter und Tante wieder zusammenführt.
Die Geschichte ist jedoch nicht nur die eines einzigen Schicksals. Auch Maja, ein junges Mädchen, das mit Ängsten und Unsicherheiten in einer zerrütteten Familie aufwächst, spielt eine zentrale Rolle. Ihre Erlebnisse und Gedanken sind tief bewegend und zeigen auf, wie hilflos Kinder sein können, wenn sie mit familiären Konflikten und Gewalt konfrontiert werden. Die Autorin schafft es, Majas innere Welt und ihren Schmerz auf eine Weise zu vermitteln, die den Leser zutiefst berührt.
Ein weiteres starkes Thema des Romans ist die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Fehler in Beziehungen noch verzeihlich sind und welche nicht. Jule erkennt, dass manche Verletzungen so tief sitzen, dass sie nicht wieder gutzumachen sind – eine wichtige Botschaft, die in der Geschichte eindrucksvoll vermittelt wird.
Die Nacht der Bärin ist mehr als ein Roman. Er hinterlässt einen bleibenden Eindruck und spricht mit seiner emotionalen Tiefe und den universellen Themen von Vergebung, familiären Bindungen und persönlichem Wachstum eine breite Leserschaft an. Es ist ein Buch, das lange nachhallt und eine starke Botschaft an all jene richtet, die auf der Suche nach Antworten in ihrem eigenen Leben sind.
Die Nacht der Bärin - Kira Mohn eBook Rezensionsexemplar via @netgalleyde Seiten: 288 Seiten Verlag: HarperCollins @harpercollinsde
4,5/5 ⭐️
»Es war nicht deine Aufgabe uns alle zu retten.«
Jule Brunner flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund zu ihren Eltern. Während ihres Aufenthalts bekommen sie die Nachricht, dass Jule's Großmutter, die sie nie kennengelernt hat, verstorben sei. Es beginnt eine vor allem emotionale Reise in die Vergangenheit, die Jule noch nicht kannte und auch Spuren in ihr hinterlässt, denn sie kommt dem Familiengeheimnis ihrer Mutter auf die Spur.
Ich spreche hier kurz eine TW aus für häusliche Gewalt, Vergew., Psychoterror und das Thema Tod. Bitte les dieses Buch nicht, wenn du mit diesen Themen nicht umgehen kannst.
Ich wusste irgendwie ein wenig was auf mich zukommt, deshalb hat es mich eventuell auch nicht so auf der emotionalen Ebene erreicht, wie manch anderen, aber das tut der Wichtigkeit dieser Geschichte keinen Abbruch. Solche Geschichten werden zu wenig erzählt, obwohl jeder weiss, dass es sie gibt. Auch Kira Mohn's Nachwort unterstreicht das nochmal.
Das Buch wird auf zwei Zeitebenen erzählt, der Gegenwart mit Jule und ihrer Mutter, die den Nachlass ihrer Großmutter durchschauen und wo Jule nach und nach endlich die Vergangenheit ihrer Mutter erfährt. Und die Vergangenheit aus den Augen der kleinen Maja, der kleinen Schwester von Jule's Mutter Anna.
Der Schreibstil ist wirklich sehr schön, auch bildgewaltig. Gerade die Szenen aus dem Wald mit den beiden jungen Mädchen sind so schön beschrieben, dass man denkt, man stehe mit ihnen auf der Lichtung.
Ein wichtiges Buch, wirklich toll geschrieben mit einer umso wichtigeren Message dahinter. Wenn ihr mit den Themen umgehen könnt, lest gerne das Buch und holt euch die Thematik, die doch insgeheim so viele von uns betrifft, zurück ins Gedächtnis.
✨ 978-3365006559 ✨ 288 Seiten ✨ erschienen am 20. August 2024 ✨ 24€ (Gebundenes Buch) ✨ HarperCollins Verlag
Beschreibung: Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund aus der gemeinsamen Wohnung. Niemals hätte geschehen dürfen, was geschehen ist. Bei ihren Eltern will sie in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Dann trifft die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter ein, und damit tun sich Abgründe auf. Warum hat Jules Mutter nie von ihr oder der eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam den Nachlass der Großmutter in dem Haus am Waldrand ordnen, findet Jule Spuren lang zurückliegender Ereignisse, die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten.
Meine Meinung: Das Buch hat mich sehr bewegt und tief berührt. Es behandelt schwierige, teils erschütternde Themen wie Gewalt und Missbrauch, aber auch Schuld und Verlust. Besonders beeindruckend fand ich die Authentizität der Erzählung – die Autorin scheut sich nicht, die dunklen Seiten des Lebens ungeschönt darzustellen, was eine spürbare Intensität erzeugt. Der Schreibstil ist dabei eindrucksvoll, flüssig und zugleich sehr präzise, was die emotionale Wirkung der Geschichte noch verstärkt. Die emotionalen Erlebnisse, die die Protagonistin durchlebt, sind sowohl kraftvoll als auch verstörend und haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Trotz der tiefgründigen Themen und der eindrucksvollen Erzählweise muss ich sagen, dass die Handlung an einigen Stellen für mich zu vorhersehbar war. Einige Wendungen konnte ich relativ früh erahnen, und das Ende war leider nicht ganz so überraschend, wie ich es mir gewünscht hätte. Dennoch bleibt das Buch aufgrund seiner emotionalen Tiefe und der Authentizität der Themen ein wertvolles Leseerlebnis. Es regt zum Nachdenken an und hallt noch lange nach.
KLAPPENTEXT: Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid. Die sechsundzwanzigjährige Jule flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund aus der gemeinsamen Wohnung. Niemals hätte geschehen dürfen, was geschehen ist. Bei ihren Eltern will sie in Ruhe entscheiden, wie es weitergehen soll. Dann trifft die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter ein, und damit tun sich Abgründe auf. Warum hat Jules Mutter nie von ihr oder der eigenen Kindheit erzählt? Als sie gemeinsam den Nachlass der Großmutter in dem Haus am Waldrand ordnen, findet Jule Spuren lang zurückliegender Ereignisse, die bis in die Gegenwart hinein ihre zerstörerische Macht entfalten. Eine packende und bildgewaltige Erzählung, die nachhallt.
MEINE MEINUNG: (Spoiler) Das Buch lässt mich fassungslos zurück. Kira Mohn schafft es ein so sensibles Thema wie häusliche Gewalt mit einer phänomenalen Bildsprache zu vermitteln, das mir die Worte fehlen. Aufgrund des Klappentextes hatte ich schon vermutet, dass es sich um das Thema handelt, allerdings nicht in welchem Umfang. Aufgrund dessen dass die Geschichte aus 2 Zeitebenen erzählt wird, umfasst man das ganze Ausmaß des Missbrauches.
Für mich war das eine ergreifende Familiengeschichte, die mich tief berührt hat. Ich musste immer wieder daran denken, wie Hoch doch die Dunkelziffer von Missbräuchen (aller Art) in Familien ist und auch, dass das jedem passieren kann. Ja, das hier war Fiktion, könnte aber so auch genau nebenan passiert sein.
Wie gewohnt, war der Schreibstil so gut. Ich kenne schon etliche New Adult Werke der Autorin und wusste schon, dass die Geschichte gut sein muss.
Von mir eine klare Leseempfehlung, aber bitte die Triggerwarnung lesen. Ich werde noch lange an dieses Buch denken.
Jule flüchtet nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund zu ihren Eltern. Dort erfährt sie vom Tod ihrer Großmutter, von der sie so gut wie nichts weiß. Jetzt wird ihr erst wieder bewusst, dass ihre Mutter nie etwas aus ihrer Kindheit und Jugend erzählt hat. Von der Großmutter ganz zu schweigen. Als Mutter und Tochter den Nachlass der Großmutter sichten, kommen längst zurückliegende Ereignisse ans Tageslicht. Ereignisse, die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen…
🌺 Meine Meinung:
In dem Buch geht es u. a. um häusliche Gewalt. Ein Thema, das man lange nicht in Büchern gefunden hat. Doch Kira Mohn nimmt sich diesem an. Sie schildert die Gewalt und den Missbrauch so bildgewaltig, dass ich beim Lesen oft schlucken musste. Manches wurde deutlich beschrieben, anderes wieder nur angeteasert, sodass sich die Lesenden ihre eigenen Bilder machen können.
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Im Hier und Jetzt. Und zum Zeitpunkt der Kindheit/Jugend der Mutter. Das hat das Ganze zusätzlich spannend gemacht. Nach und nach erfährt man von vergangenen Ereignissen, die ganze Leben verändert haben. Es ist viel Leid und Unrecht geschehen. Das wird langsam aufgearbeitet. Und auch wenn vieles davon nicht so leicht zu verdauen ist, lässt die Autorin immer einen kleinen Lichtblick durchschimmern.
Das Buch hat mich sprachlich und inhaltlich berührt. Die Herangehensweise an so schwierige Themen war einfach toll. Das ist ein Buch, das im Gedächtnis bleibt. Ich empfehle es gerne weiter. 👌🏻
- Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar erhalten. Meine Meinung ist davon unabhängig. -
**** Worum geht es? **** Wie schlimm muss ein Streit eskalieren, damit man davonläuft? Jule findet Zuflucht bei ihren Eltern und erfährt so einiges aus der Vergangenheit ihrer Mutter und Großmutter. Wird sich das Schicksal über Generationen hinweg wiederholen?
**** Mein Eindruck **** Ich habe das Buch mit Tränen geschlossen. Vor Freude, vor Schmerz – einfach weil ich mich bewegt und als Teil des Ganzen gefühlt habe. Die Botschaft brilliert auf der letzten Seite, und das Ende hätte nicht treffender formuliert sein können. Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und bin ein Fan von ihrem feinen Gespür für die Figuren und dem nach und nach Entfalten einer Geschichte. Trotzdem hatte ich zu Beginn ein Problem mit den zwei Zeitebenen. Zum einen fand ich es nicht gut kenntlich gemacht im Printexemplar, und zum anderen konnte mich die Vergangenheit zunächst nicht packen. Das erledigte sich bald, und der Zusammenhang wurde ersichtlich, doch ein anderer Einstieg wäre angenehmer gewesen. Basierend darauf würde ich dem Buch normalerweise 3 Sterne geben, aber wie zu Beginn eingeleitet, flossen die Emotionen am Ende ganz und gar über, und es ist und bleibt schlichtweg etwas Besonderes, wenn ein Buch das schafft.
**** Empfehlung? **** Im Sinne der Botschaft – dass man es verdient, geliebt zu werden, und Gewalt niemals richtig ist – lohnt es sich, die Geschichte unter Beachtung der Trigger zu lesen. Die Geschichte bestärkt und ist damit etwas sehr Wertvolles!