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Im Schatten zweier Sommer

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Von der Leichtigkeit eines Wiener Sommers 1914 – und dem drohenden Gewitter des Krieges im Paris der späten Dreißiger.

Es wird Frühjahr in Wien, und bei der jüdischen Familie des Schuhmachers Fischler wird ein Zimmer zur Untermiete frei. Der neue Mieter ist ein schüchterner, etwas verquerer Student aus Galizien. Sein Name: Joseph Roth.

Bald lernen Fanny, die ältere Tochter der Familie, und er sich kennen, und für die beiden beginnt ein heimlicher verliebter Sommer. Der allerdings endet in einer Trennung – und in geschichtlicher Dimension in einer Menschheitskatastrophe: Der Erste Weltkrieg bricht aus.

Lange Jahre werden die beiden sich nicht wiedersehen – bis es Fanny nach abenteuerlicher Flucht aus Wien 1938 nach Paris verschlägt, wo sie zufällig im Deutschen Hilfskommitee ihren ersten Sommerschwarm wiedertrifft. Roth ist inzwischen berühmter Schriftsteller geworden, befindet sich ebenfalls im Exil in Paris und gerade hat Irmgard Keun, seine letzte Geliebte, die Flucht vor ihm ergriffen. Fanny wird den cholerischen, mit sich und der Welt zerstrittenen charismatischen Autor, der in seinem Kreis Hof hält wie ein Fürst und doch gerade keinen Pfennig mehr hat, bis kurz vor seinem Tod begleiten.

304 pages, Hardcover

Published February 8, 2024

24 people want to read

About the author

Jan Koneffke

29 books2 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Andreas Kühnel.
17 reviews
August 14, 2024
Der Roman hat mich insofern überzeugt, dass es dem Autor gelingt, die Darstellung von Joseph Roth zwischen abstoßend-ordinär und sehr sympathisch und mitfühlend anzulegen. Ebenfalls gefallen die verschiedenen Sprachebenen, mit denen gespielt wird. Hier zeigt der Autor eine explizite Kenntnis der Sprache des Wien um 1918 in Form eines Tagebuchs der fiktiven Geliebten Fanny sowie einer ambivalenten Haltung in Bezug auf den schwierigen Menschen Joseph Roth. Ein Roman, den man anfängt und schwerlich unterbrechen kann, wenn man ihn nicht durch die exakt-literaturwissenschaftlich-biographische Brille liest.
Profile Image for Johann Guenther.
808 reviews28 followers
May 30, 2024
KONEFFKE, Jan: „Im Schatten zweier Sommer“, Berlin 2024
Literaturveranstaltungen bringen leseinteressierte Menschen auf neue Bücher. So war es bei „Literatur & Wein“ im Stift Göttweig. Die Veranstalter hatten den bei uns weniger bekannten Dichter Jan Koneffke geladen. Er las aus einem Buch, das sich mit dem großartigen Schriftsteller Joseph Roth beschäftigt, wobei die Hauptfigur, die eben über Roth erzählt, die Tochter eines Wiener Schuhmachers – genannt Fanny – ist.
Koneffke stammt aus Deutschland, hat einige Jahre in Rom gewohnt und auf Grund seiner Ehefrau pendelt er zwischen Wien und Bukarest. Im Haus, in dem er in Wien wohnt, hatte Joseph Roth sein erstes Jahr verbracht, nachdem er aus Brody gekommen war. Das inspirierte Koneffke zu dem vorliegenden Roman. Ja, es ist ein Roman und es ist manchmal schwer zu unterscheiden, ob es sich um eine Dokumentation über Joseph Roth oder einen erfundenen Roman handelt. Die Schlüsselfigur, die den Zugang zu Roth herstellt, Fanny, ist ebenso erfunden wie ihre Familie.
Im ersten Abschnitt des Buches kommt ein Neffe von Fanny zu Wort, der seine Eindrücke und Erlebnisse über die Tante erzählt. Im zweiten Abschnitt bekommt man Tagebuchausschnitte von Fanny aus den Jahren, in denen Joseph Roth Untermieter bei ihren Eltern war, zu lesen. Sie hatte sich als junges Mädchen in den Neuankömmling aus dem Osten verliebt. Fanny kommt aus einer sozialistischen Familie. Der Vater war ein engagiertes Parteimitglied. Teile der Familie sind jüdisch, andere römisch-katholisch getauft. Roth kommt aus einem jüdischen Gebiet der Monarchie und schämt sich seiner Herkunft. Er verehrt den Kaiser und ist ein überzeugter Monarchist. Die Tagebuchaufzeichnungen enden, als des klar wird, dass Joseph Roth ein Frauenheld ist. Fanny muss das zur Kenntnis nehmen.
Im dritten Abschnitt treffen wir wieder auf Fanny. Hitler ist in Österreich einmarschiert und die Familie verlässt das Land. Die Eltern und eine Schwester wandern nach Israel aus und Fanny fährt noch in letzter Minute mit dem Zug nach Paris, wo sie von einer Verwandten des Kaisers eine Adresse einer französischen, adeligen Familie bekommt, die sie aufnimmt. Die Flucht, mit vielen Zwischenfällen, ist sehr spannend beschrieben. Bei der Gastfamilie wohnt sie in einem Gartenhaus und muss nach einigen Monaten dieses verlassen. Dann kommt wieder ein dichterischer Kunstgriff und der Autor des Buches lässt Fanny mit Joseph Roth zusammentreffen. Der Zeitpunkt könnte nicht besser getroffen worden sein: Sie trifft auf ihren Jugendfreund, der sich ebenfalls über Fanny freut und die alte Jugendliebe flammt wieder auf. Roth ist aber in schlechtem Gesundheitszustand. Fanny will das nicht wahrhaben. Sie wohnen beisammen. Die Beziehung bekam große Belastungen. Fanny musste viel Schmach auf sich nehmen. Ob Roth so war, kann nicht gesagt werden. Ob das die Romanfigur Joseph Roth oder der wirkliche Joseph Roth ist, bleibt dem Leser unbeantwortet. Aus der anfänglich wieder aufflammenden Liebe wurde am Ende aber Hass und Fanny musste weichen. Nach einem heftigen Streit packte sie ihren Koffer und zog in ein Untermietzimmer. Sie finanzierte ihr Leben als Ordinationshilfe bei einem deutschen Arzt, der mittellose Menschen gratis behandelte und so in den Bankrott rutschte.
Vom Tod Joseph Roths erfuhr Fanny aus der Zeitung. Ihr Chef, der Arzt brachte sie zum Begräbnis, wo sie völlig verstört zurückkam. „Ich blieb eine Weile ein seelisches Wrack … besaß keine Kraft mehr, das Bett zu verlassen, versagte bei simpelsten Alltagsverrichtungen, schaffte es nicht, mich zum Waschtisch zu schleppen oder beim Essen zu kauen und zu schlucken, alles Anstrengungen, die mir völlig sinnlos erschienen.“ (Seite 284) Der Arzt, den sie als Bruder betrachtete, verhalf ihr wieder auf die Beine.
Hitlers Besetzung von Paris stand bevor. Fanny hatte noch durch Roth einen amerikanischen Diplomaten mit galizischen Wurzeln – wie Roth – kennengelernt, dem sie Sprachunterricht in Deutsch gab. Der half dann zur Flucht, indem er Fanny und dem inzwischen mittellosen Arzt ein Visum für Amerika ausstellte und ein Schiffsticket besorgte. In letzter Minute verließen sie Frankreich. „Nicht mehr als einen Tag vor dem Angriff auf Frankreich nahm uns in Le Havre ein Frachtdampfer auf, der neben der Mannschaft nur zehn Passagiere an Bord hatte, Emigranten aus Österreich, Deutschland und Polen.“ (Seite 292)
Es ist ein spannendes und interessantes Buch. Es ist einerseits eine literarische Hommage an den Dichter Joseph Roth und andererseits eine Liebesgeschichte mit dem Hintergrund einer wechselvollen Geschichte Europas rund um den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Politische Situationen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erinnern an die heutige Zeit. Ob die historische Beschreibung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Wissen der Geschichte des 21. Jahrhunderts geschrieben ist oder ob es wirklich so viel Gemeinsames gibt?
39 reviews1 follower
May 10, 2025
Eine Hommage an die Literatur, die Zeit zwischen 1914 und 1940 und das politische Ringen um Recht und Unrecht, um die richtige und die falsche Seite.

Der naratologische Aufbau ist raffiniert, dreiteilig zunächst aus der Sicht eines Großneffens, dann als Tagebuch aus Sicher der jungen fiktiven Fanny und schließlich rückblickend aus Sicher der gealterten Fanny, die sich an das Ende der Beziehung mit Joseph Roth erinnert. Positiv sind auch durchaus die Dialoge über das Zeitgeschehen, das Ringen mit der Politik, den Antinationalismus Roths und den Umbruch von Kaiserreich in die Nationalstaaten - für die Narratologie und das gut recherchierte Zeitgeschehen gebe ich zwei Sterne.

Die Konstruktion der fiktiven Fanny hat sich mit allerdings negativ entzogen - ich sehe keinen Grund, weshalb sie überhaupt so lange an der Beziehung zu Roth festgehalten hat - warum sie sich überhaupt in ihn wirklich verliebt hat, macht die Geschichte für mich unglaubwürdig.
Bereits der junge Roth ist auf toxische Weise eifersüchtig, übt psychische Gewalt auf die junge Frau aus und verhält sich klar manipulativ, sogar übergriffig und unangemessen. Dass sie darauf ein weiter mal, als erwachsene Frau einlässt, ist schwer zu glauben und zu ertragen, die Situation spitzt sich weiter zu, inzwischen ist Roth alkoholkrank, launisch und generell eigentlich unausstehlich. (Fraglich ist auch was Fanny in der Zeit zwischen dem zweiten und dritten Teil des Buches erlebt, während Roth heiratet und mehrere Beziehungen führt, erlebt sie nichts? lernt sie niemand anderen kennen?)
Der Hauptteil der Geschichte liegt in der Reproduktion dieser fiktiven! toxischen, problematischen Beziehung, in der Fanny systematisch niedergemacht, manipuliert und enttäuscht wird.

Worin liegt der Wert eine solche Geschichte zu lesen bzw. überhaupt zu schreiben oder zu imaginieren?

Gelesen als E-Book, ausgeliehen über die Onleihe.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Martina Weiss.
488 reviews5 followers
March 24, 2024
Ganz viel Liebe für dieses Buch! Das und nichts anderes empfinde ich für das absolut großartige Meisterwerk aus der Feder Jan Koneffkes.
Ein bissl fürchte ich mich ja immer, wenn ich ein Buch lese, das in Wien spielt aber von einem Nichtwiener geschrieben wurde. Da bin ich empfindlich, wenn meine Heimatstadt touristenmäßig beschrieben wird oder ein gequälter Wiener Dialekt rausgehauen wird, wenn's also nicht authentisch ist. Aber diese Angst war absolut unbegründet, Koneffke hat nicht nur eine perfekte Wiener Atmosphäre geschaffen, sondern auch nostalgisch glaubhaft das alte Wien präsentiert - nicht allein durch die fiktive Figur der Fanny Fischler, die in ihren Tagebüchern so wunderbar alte Wiener Begriffe verwendet, die mich wehmütig schmunzeln haben lassen.
Geschickt verwebt der Autor Fakten mit Fiktion und ich habe schnell beim Lesen einfach vergessen, dass die Geschichte um Joseph Roth und Fanny erfunden ist. Genauso hätte es gewesen sein können. Die wichtigsten Eckdaten um Joseph Roth stimmen (ein bisschen gegoogelt hab ich schon) und die Lücken in seiner Biografie füllt Koneffke stimmig und schlüssig auf.
Fanny ist eine tolle Protagonistin, eine gescheite junge Frau, die trotz ihrer manchmal nicht nachvollziehbaren Liebe zu Roth, eine starke Persönlichkeit ist. Sie ist liebenswert gezeichnet, eine absolut lebendige Figur; dass man sie zu Beginn des Buches als alte sehr vitale Frau kennenlernt, rundet das Gesamtbild stimmig ab.
Nachdem ich nun einige Stunden im nostalgischen Wien verweilen konnte, habe ich richtig Lust auf Joseph Roths Bücher bekommen - ist schon wieder zu lange her, dass ich was von ihm gelesen habe.
Von mir gibt es eine hundert prozentige Leseempfehlung, ein Highlight in diesem noch jungen Jahr, vielen Dank dafür Herr Koneffke!
Profile Image for hannah.
77 reviews3 followers
July 22, 2024
„ … was wollen sie von Joseph, was wollen sie nur alle, er hatte sein Lebtag nichts anderes als Heimweh, dieses Heimweh der Seele, die friert und einsam ist, von dem man im Warmen und Sicheren nur nichts weiß…“
1,372 reviews6 followers
March 4, 2024
Die Person Joseph Roth, anfangs ganz sympathisch, kommt mir gegen Ende des Buches immer unerträglicher vor. Wie konnte Fanny nur solange bei ihm bleiben, obwohl sie ihm einiges verdankte.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews

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