Dass ausgerechnet wir Menschen so lange überlebt haben auf der Erde! Die Pest hat's hat’s versucht, Vulkane haben's haben’s versucht, wir versuchen’s sogar selber immer wieder mit Krieg und Mord und Eurovision Songcontests... aber wir überleben als Spezies. Stinkfrech und unverdient. Dabei sind Blut, Schweiss und Tränen doch von gestern! Es ist an der Zeit, dass Säugetiere ihre Vormachtstellung auf diesem Planeten abgeben. Wer in der Gesellschaft von heute überleben will, wird am besten kaltblütig. Dieses Buch ist zwar keine direkte Anleitung dazu, aber es enthält Gedanken dazu, sowie zu Sinn und Wahnsinn, Liebe und Tod, Zufall und Schadenfreude. Ja, zwischen diesen Polen hangeln sichmäandern Lesende dieses Buches in einem skurrilen Sinkflug durch die Gedankenwelt von Jane Mumford (ihres Zeichens immer noch Säugetier). Sie kroch vor zehn Jahren zum ersten Mal auf eine offene Bühne und ist, ähnlich wie etwas, das man sich in den Sommerferien aufschnapptaufliest, schwer wieder loszuwerden. Ihr Soloprogramm REPTIL, auf dem dieses Buch basiert, feierte 2021 Premiere und hält sich seither hartnäckig auf den Kleinkunst- und Comedybühnen des deutschsprachigen Raums. Aber dieses kaltblütige Libretto ist anders. Die Show spielt sie für einen ganzen Raum voller Menschen. Dieses Büchlein hingegen gehört ganz allein Dir. Gespickt mit zahlreichen Illustrationen der Künstlerin.
Das Multitalent Jane Mumford ist Kabarettistin, Komikerin, Musikerin und Animatorin. Und neu auch Autorin: Zu ihrem Bühnenprogramm «Reptil» erscheint nun das gleichnamige Libretto. Bissig, schlau und extrem lustig.
«Magst du Comedy?» Diese Frage stellt uns das Büchlein gleich zu Beginn. Mit Ja- und Nein-Böxli zum Ankreuzen – maximal interaktiv. Ich krame nach einem Kugelschreiber und markiere ehrlich: Nein. Die Reaktion folgt prompt: «Hoppla.» Mit der Ergänzung, dass hier aber nicht «Comedy»-Comedy aus den Neunzigerjahren gemeint sei. Tja, leider wurde ich mit ebendieser sozialisiert. Aber vielleicht ist es jetzt Zeit für einen Neustart?
Jane Mumford war mir vor allem bekannt als Moderatorin, ihre Interviews fand ich immer treffend und unterhaltsam. Eine gute Gelegenheit also, zu so einem Humorbüchlein zu greifen. Der Untertitel verspricht ausserdem kaltblütigen Content. Genau mein Ding.
Und siehe da: Ich glaube, wir schwimmen auf einer Wellenlänge, Jane und ich. Sie steigt gleich ein mit einem Wikipedia-Limbo, was ich nur zu gut kenne. Übrigens, Brot des Jahres 2024 ist das Weizenvollkornbrot. Es hat einen hohen Ballaststoffgehalt, hält darum lange satt und ist allgemein sehr schmackhaft. Was uns zum ersten von 14 Kapiteln bringt: Sucht. Es folgen (unter anderem): Schuld, Natur, Geld, Nippel usw. Ihr Fett weg kriegen (unter anderem): Musicals, die Kirche, Männer, Verschwörungstheoretiker, Echsenmenschen, Reiche. Auch die eigene Kohorte wird akribisch und entlarvend auseinandergenommen (Schweizer, Engländer, Reiche).