»Kafka gelesen« versammelt 27 zeitgenössische Autorinnen und Autoren, die über ihr Verhältnis zu Franz Kafka und seinem Werk schreiben. Persönlich, künstlerisch, anekdotisch, bewegend oder lustig.
Als Franz Kafka vor 100 Jahren starb, war die Welt eine andere. Doch bis in unsere Gegenwart des 21. Jahrhunderts haben seine Romane, Parabeln, seine Tagebücher und unvergleichlichen Briefe nichts von ihrer originellen oder verstörenden, berührenden und immer auch tröstlichen Wirkung eingebüßt. Im Gegenteil: Dass seine Werke, sein Leben und sein Blick auf die Welt gerade in dieser Gegenwart, in der wir leben, eine Menge über uns selbst erzählen und dass Franz Kafka für heute Schreibende ungebrochen ein Fixpunkt der Moderne ist, zeigt dieser Band.
27 deutschsprachige und internationale Autorinnen, bildende Künstler, Denkerinnen und Lyriker schreiben über das, was in ihren Augen das Überzeitliche, das drängend Aktuelle dieses jüdischen, deutschen Jahrhundertschriftstellers aus Prag ausmacht.
Because the greatest German-language author EVER has died 100 years ago, there are quite some books coming out celebrating his legacy, and this anthology, edited by a man known to champion and publish challenging international literature, offers a collection of essays by authors like - Sjón, who investigates the tangents between Kafka, Hans Christian Andersen, and CoDex 1962: A Trilogy, - Clemens J. Setz, who dissects The Cares of a Family Man - Jon Fosse, who writes about his work as a Kafka translator - Sasha Marianna Salzmann, who reads Kafka from a queer perspective ...and many more.
Naturally, the quality of the texts differs greatly and - personal preference! - there are more than a few authors in there whose opinions don't interest me one bit, but I love the idea of letting colleagues of Kafka explain what he means to them.
In der Welt der Literatur ist es unbestritten, dass „Frank Kafka“ zu den Schriftstellern des Jahrhunderts gehört. Seine Werke sind unverwechselbar „Kafka“. Die Bezeichnung „kafkaesk“ hat sich nicht nur im Sprachgebrauch etabliert, sondern ist seit Jahren auch im Duden zu finden. Mittlerweile mainstream und auch eine Art Modewort, erweckt es den Eindruck, dass „Kafka“ ein Literat gewesen sei. Dies entspricht jedoch nach meiner Ansicht keineswegs der Lebensrealität des Schriftstellers, der schüchtern und scheu, das intellektuelle Establishment eher gemieden hatte. Über „Kafka“ liesse sich viel sagen, und noch viel mehr schreiben. „Kafkas“ Kosmos war eine Sternenlandschaft, gleichermassen Wüste, Nord- und Südpol, ein Weltall des menschlichen Seins, mit Zweifel, Depression und Trauma, aber auch ein wenig Meta- und reale Physik, geheimnisvoll, und doch so klar, an manchen Stellen uninterpretierbar. Seine literarischen Landschaften sind geprägt von Schmerz und Konventionen die aufgrund von Tradition und Gesetzen, zur Verhaftung der Freiheit geführt haben müssen. „Kafka“, so hat man bei vielen seiner Werke den Eindruck, war zwar lebenslänglich in vielen und unterschiedlichen Gefängnissen eingesperrt, hätte aber jederzeit die Möglichkeit zur Flucht gehabt. Er konnte nicht. Das Wollen nicht zu können, war ein inneres Hindernis, so meine Interpretation. Jedoch muss „Kafkas“ Leben immer auch vor dem Hintergrund seiner chronischen Erkrankung betrachtet werden. Er litt an Tuberkulose für die bis zur Entdeckung des Penicillins („Alexander Fleming“, 1928, Nobelpreis Medizin 1945) keine Therapie existierte, somit keine Heilung möglich war. „Kafka“ litt unter permanenter physischer Schwäche, so dass ihm seine (Lebens-) Prognose im Sinne einer permanenten Konfrontation durchaus bewusst gewesen sein muss. „Mens sana in corpore sano“: bei Kafka vice versa. „Kafka“ zu lesen ist anspruchsvoll. Geschriebenes für Anspruch. Geheimnisvoll, an vielen Stellen mystisch, literarisch teils surreal, in der Summe von tiefen Bedeutungen und doch real-authentisch. Seine Kurzerzählungen habe ich bisher mit ebensoviel Genuss gelesen, wie die grossen Werke. Zu diesem Buch: 27 internationale Autoren, Künstler, Lyriker und Denker beschreiben aus ihren Sichten den Schriftsteller „Kafka“ und seinen Einfluss auf ihre eigenen Künste, seine Inspiration und das „Kafkaeske“, das weit mehr darstellt, als eine Floskel aus dem Alltag. Interessant sind Begegnungen und Beschreibungen aus ersten Quellen (Was in der Wissenschaft wichtig ist, gilt auch für Literatur) die Kafkas „Authentizität“ nicht verfälschen, sondern den Menschen „Kafka“ wiedergeben. Einen Menschen mit Humor, der sein Ernstsein selbst zu nicht zu ernst nahm (Ein Kennzeichen des Humors ist, dass man über sich selbst lachen kann. Hätte man sonst, überhaupt Humor?) Interessant, aber nicht überraschend sind die Aussagen der Künstler über Kafka, wie z.B. dem von „Jon Fosse“, dem Literaturnobelpreisträger des Jahres 2023: „Kafkas Dichtung ist schlicht und einfach eine Voraussetzung für meine eigene.“ Die Meinungen der anderen Autoren und Künstler sind nicht minder aufschlussreich mit Einblicken in Können und Wirken des grossartigen Schriftstellers. Allesamt enthalten sie auch Interpretationen von „Kafkas“ Wirken und seinen Einfluss auf die Kunstwelt insgesamt. Aussergewöhnlich gut haben mir Passagen „Jan Faaktors“ gefallen, mit seinen Bezügen zur „Bachs“ letztem Monumentalwerk „die Kunst der Fuge“. Beeindruckend fand ich auch das Kapitel „Metamorphosen“ von „A.L.Kennedy“. Mir war diese Autorin bisher nicht bekannt. Nach dem Lesen ihrer Worte kann ich nur feststellen, dass sie ein ganz wunderbarer Mensch sein muss, auch wenn es sich bei ihren Aussagen um den Bezug zu „Kafka“ handelt. „Kafka gelesen“ bietet dem Leser die Bekanntschaft mit 27 Schriftstellern und Künstlern und deren Gedanken zu „Kafka“. Wie könnte man so manchen Abend schöner verbringen, als mit Bekanntschaft und Unterhaltung mit diesen Denkern? Ein superschön „zusammengestelltes“ Buch.