Das Bilderbuch „Malte & Oßkar und das Glück, Pech zu haben“ entführt seine Leser*innen in eine fantastische Welt, in der Realität und Gefühlswelt ineinanderfließen. Malte, begleitet von der sprechenden Taube Oßkar, landet in einem farbenfrohen, surrealen Land voller Symbolik – ein Ort, der sinnbildlich für die inneren Zustände und Ängste des Jungen steht.
Das Buch ist ein erzählendes Bilderbuch mit fantastischen Elementen. Es thematisiert auf metaphorische Weise soziale Ängste, Selbstzweifel und den Mut, sich der Welt und anderen Menschen zu öffnen. Damit berührt es ein relevantes, kindgerechtes Thema, das emotional zugänglich gemacht wird. Die Botschaft – dass man Pech und Unsicherheiten sowie Ängste annehmen kann, um daraus Stärke zu gewinnen – ist ethisch positiv und empathisch vermittelt.
Die Illustrationen von Amia von Arenberg sind herausragend und bilden das Herzstück des Buches. In leuchtenden, changierenden Farben, mit märchenhaften Landschaften und liebenswerten Figuren, öffnen sie eine Welt, die über den Text hinaus erzählt. Die Bildräume sind weit und detailreich, häufig doppelseitig angelegt und erzeugen ein Gefühl von Bewegung und Magie. Die Bilder tragen wesentlich zur Atmosphäre bei – sie sind verspielt, emotional und schaffen starke visuelle Metaphern für Gefühle wie Angst, Hoffnung oder Mut.
Der Text, vorwiegend in Erzählform mit wörtlicher Rede in Form von Maltes Gedanken, wirkt dagegen weniger strukturiert. Die Sprache ist zwar lebendig und emotional, gespickt mit Alliterationen, doch der Erzählverlauf ist unruhig. Szenenwechsel erfolgen sprunghaft, und das narrative Ziel bleibt vage. Gerade jüngere Leser*innen, wenngleich der Verlag das Buch ab fünf Jahren empfiehlt, dürften Schwierigkeiten haben, der Handlung zu folgen. Man spürt den persönlichen und spontanen Stil der Autor*innen, der durchaus authentisch wirkt, aber an literarischer Kohärenz verliert. Die Perspektive wechselt teilweise abrupt, was Lesende verwirren kann.
Die Beziehung zwischen Text und Bild ist größtenteils ergänzend – wie ein geflochtener Zopf, bei dem das Bild oft mehr erklärt, als die Worte sagen. In manchen Momenten tragen die Illustrationen sogar die Erzählung allein, während der Text eher assoziativ wirkt. Diese Diskrepanz verstärkt den Eindruck einer inneren Zerrissenheit – was zwar zum Thema passt, aber zugleich die Lesbarkeit mindert.
Gedacht ist das Buch für Kinder ab etwa 5 Jahren, obgleich diese Empfehlung weit nach oben korrigiert werden sollte, da Lesende bereits komplexere Geschichten aufnehmen können sollten. Als Vorlesebuch eignet es sich gut, da Erwachsene helfen können, die symbolische Ebene zu erschließen und dem Handlungsstrang zu folgen. Für den Unterricht in der Schule oder dem Vorlesen in der Kita könnte das Buch interessante Gesprächsanlässe über Gefühle, Ängste und Freundschaft bieten, erfordert aber eine pädagogische Begleitung.
„Malte & Oßkar und das Glück, Pech zu haben“ ist ein visuell beeindruckendes und emotional aufgeladenes Bilderbuch, das Mut macht, sich selbst zu akzeptieren und den eigenen Ängsten zu begegnen. Die Illustrationen sind fantastisch, liebevoll und detailreich – ein wahrer Augenschmaus. Inhaltlich bleibt das Buch jedoch etwas unsortiert und sprunghaft, sodass die Botschaft nur mit Mühe erkennbar wird.
Ein empfehlenswertes Buch für Pädagog*innen, Erzieher*innen und Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern über Gefühle sprechen möchten. Fürs Vorlesen am Abend jedoch nur bedingt geeignet, da die Geschichte eine gewisse Orientierungshilfe und weitere Erklärungen erfordert.