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Es ist einmal: Ostdeutsche Großeltern und ihre Enkel im Gespräch

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In vielen ostdeutschen Familien wird bis heute nicht unbefangen über das Leben in der DDR gesprochen. Die Filmemacherinnen Sabine Michel und Dörte Grimm haben für dieses Buch Großeltern und ihre nach 1982 geborenen Enkelkinder miteinander ins Gespräch gebracht. Dabei prallen nicht nur unterschiedlichste Prägungen und Wertesysteme aufeinander, sondern buchstäblich die Zukunft und die Vergangenheit. Die aufwühlenden Begegnungen zeigen exemplarisch, wie ein Dialog zwischen den Generationen in Bewegung kommen kann, und helfen zugleich, aktuelle politische Entwicklungen in Ostdeutschland anders und besser zu verstehen.

198 pages, Kindle Edition

Published March 5, 2024

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Melanie.
467 reviews5 followers
April 7, 2024
In dem Sachbuch Es ist einmal werden 10 Gesprächssituationen zwischen ostdeutschen Großeltern (manchmal beide, manchmal nur noch eine/r) mit einem Enkelkind und einer der beiden Autorinnen beschrieben.

Was mir sehr gut gefallen hat, war die Auswahl der Paarungen. Wir haben hier sehr unterschiedliche Familienhintergründe und Biographien. Jedes der 10 Kapitel ist mit einem (passenden) Titel belegt, der stets ein Zitat aus dem jeweiligen Gesprächsverlauf ist und mit einem (nicht in persönlicher Verbindung stehenden) schwarz-weißen Bild zu Beginn des Kapitels. Diese Bilder fand ich schon an sich sehr anschauenswert und sie haben das hochwertig gestaltete Buch in meinen Augen nochmal aufgewertet.

Die Gespräche an sich haben mich dann - leider - nicht so richtig überzeugt. Ich hatte vom Titel und Klappentext her inhaltlich erwartet, dass es sich zumindest hauptsächlich und im wesentlichen um die Zeit während des DDR-Regimes drehen würde. Ich hätte gerne gehört, warum manche der Gesprächsteilnehmer die Zeit als positiv ansahen und aus welchem Grund andere nicht. Manchmal ging es in die Richtung, aber richtig vertieft wurde es nicht und mir fehlt auch nun, nach der Lektüre, ein bisschen der Aha-Effekt. Es kommt eher so rüber, als sei die Kluft zwischen den Generationen nicht überbrückt worden, Konflikte werden ignoriert und Verständnis besteht nur rudimentär auf beiden Seiten. Am traurigsten für mich war das Gespräch der alleinerziehenden Frau, die mit einem Austauschstudenten aus Kamerun eine Tochter bekommen hat und deren Enkel sie mit Rassismus konfrontiert hat, den sie nicht sehen wollte, dem er und seine Mutter sich aber immer ausgesetzt fühlten. Auch auf seine konkreten Beispiele (eine Narbe, die er nach einer Schlägerei mit rechtsradikalen zurückbehalten hatte, einer traumatisierenden Erfahrung seiner Mutter aus der Kindheit, die bis heute nachwirkt) geht sie nicht richtig ein und tut sie ab. Und im Nachgang lesen wir dann, dass die beiden sich weiterhin nicht treffen und miteinander reden. Das ist furchtbar schade und macht mich sehr traurig.

Da die Gespräche alle in der End-Phase der Corona-Pandemie geführt wurden, ist das sehr oft (für mich viel zu oft) Thema und wirft auch Fragen auf, die ich mir von der Lektüre nicht erwartet hatte und die - leider - von den für mich deutlich wichtigeren Punkten abgelenkt haben. Auch, wenn ich traurig war, zu lesen, wie das nicht geimpfte 17jährige Mädchen wütend über ihre Ausgrenzung gesprochen hat - das ist heute kein Thema mehr und ich hatte diese Themen nicht erwartet. Ich wäre gerne darauf hingewiesen worden, für mich und wie ich weiß, viele andere, sind viele Themen aus der Zeit wirklich Trigger und ich komme nur schwer damit klar, darüber zu lesen.

Alles in allem war es ein gut lesbares Buch, sehr gut ausgewählte Personengruppen und schön gestaltet, aber leider für mich nicht das, was ich erwartet habe und es blieb ein nicht wirklich positiver, sondern eher traurig machender Eindruck nach der Lektüre zurück.
32 reviews
January 28, 2026
Annäherung in zehn Gesprächen

Dieses Buch lässt zwei Generationen aufeinandertreffen – und mit ihnen zwei Welten. Sabine Michel und Dörte Grimm bringen in Es ist einmal ostdeutsche Großeltern mit ihren Enkelkindern ins Gespräch. Entstanden ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein vielstimmiger, oft berührender, manchmal unbequemer Dialog über Vergangenheit, Prägung und das Weiterwirken von Lebensgeschichten. Zehn Gespräche – protokolliert, ungekünstelt, nah. Die Enkel, geboren nach 1982, stellen Fragen, die früher vielleicht ungestellt geblieben wären. Die Großeltern antworten – mal offen, mal zögerlich, mal überrascht über die Perspektive der Jüngeren. Es geht um die DDR, um Brüche, Verluste, aber auch um Stolz, Erfahrung und das, was über Generationen hinweg weitergegeben wird – bewusst oder unbewusst. Was beeindruckt, ist die Offenheit, die dieses Buch zulässt – auch für Widersprüche. Nichts wird geglättet oder erklärt. Die Gesprächspartner bemühen sich, einander zu verstehen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches: Es spricht nicht über Ostbiografien – es spricht mit ihnen. Seine besondere Wirkung entfaltet das Buch durch seine Zurückhaltung. Es urteilt nicht. Es schafft Raum – für Unterschiede, Zweifel, Annäherung. Keine fertigen Antworten, sondern Erinnerungsräume, die nachwirken. Die im Buch verwendeten Fotos von Ina Schoenenburg sind im Original farbig und nicht im Zusammenhang mit den hier geführten Gesprächen entstanden. Die Porträtierten sind nicht die Personen, deren Stimmen im Buch zu Wort kommen. Und doch begleiten die Bilder das Gelesene auf ihre Weise – still, distanziert, mit einer Ahnung von dem, was zwischen den Zeilen liegt. Ein leises, kluges Buch über das Sprechen – und das Zuhören. Über Herkunft, Wandel und Verbundenheit. Und darüber, wie Vergangenheit weiterwirkt, wenn man ihr Raum gibt.
Profile Image for Paulina.
38 reviews
June 7, 2024
Sehr spannend. Nur vier Sterne, weil ich es schade finde, dass in einer Geschichte einer Impfgegnerin eine Plattform gegeben wird.
Displaying 1 - 3 of 3 reviews

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