Beißende Gerüche, starrende Stühle und leise Lakenworte sind die stummen Zeugen einer Gewalt, für die Laura Leupis Buch eine Sprache sucht. Doch nicht nur die erlebte Gewalt will beschrieben werden, auch die Folgen, die Dissoziation, der Verlust des Vertrauens in die Welt. Wie verändert sich die Wahrnehmung des Zuhauses, wenn eine Person in diesem vermeintlichen »Safe Space« sexualisierte Gewalt erfährt? Wie können wir über Vergewaltigung sprechen, wenn wir selbst das Wort nicht unbefangen aussprechen können? ›Das Alphabet der sexualisierten Gewalt‹ ist eine autofiktionale Spurensuche. Es versammelt Begriffe, fantastische Geschichten und politische Zaubersprüche, die als Ausgangspunkt dienen, um über sexualisierte Gewalt und ihre Auswirkungen nachzudenken. Es ist ein Versuch, der prekären Erinnerung ein Gefäß zu geben – und an eine selbstbestimmte Zukunft zu denken.
Wenn wir diesem Text die Öffentlichkeit geben, die er verdient und ihn einen Text für unsere Gegenwart nennen, dann hoffe ich, dass das nicht nur wegen des Themas ist, wegen unserem schlechten Gewissen, wie lange und wie erdrückend wir zu diesem Thema schweigen, sondern auch weil er Grenzen niederreisst, Grenzen zwischen Sagbarem und Unsagbarem, zwischen Genres und Experimenten. Weil er eine Utopie in unsere Gegenwart einschreibt und wahr macht. Die Utopie, gehört zu werden.
So viele Eselsohren hat schon lange kein Buch mehr von mir bekommen. Knapp, Intensiv, nahbar und ehrlich skizziert Laura Leupi den Diskurs um sexualisierter Gewalt in der Schweiz. Ich werde Seiten kopieren, das Buch verschenken, teilen und ganz sicher noch häufiger lesen. Große Leseempfehlung!
V steht für Vergewaltigung. V steht für Victim Blaming. V steht für Vagina, die es nach Schweizer Strafgesetzbuch braucht, um vergewaltigt werden zu können. V steht für Vulva. V steht für verletzlich, weil alle Körper verletzlich sind und darin Widerstand und Schönheit liegt.
Ich habe dieses Buch zufällig in einem meiner liebsten Buchläden liegen sehen, direkt gekauft und an einem Abend durchgelesen. Eine wunderschöne, intelligente, wichtige Collage von Texten, Gedanken, Suchanfragen, Erinnerungen und Gefühlen. Das Hauptthema des Buches, sexualisierte Gewalt, wird mit einer einfühlsamen, poetischen und doch angemessen wütenden und radikalen Art (positiv) bearbeitet. Die Kunst-Referenzen habe ich alle nachgeschaut und viele tolle Künstler*innen entdeckt, mit denen ich mich jetzt noch mehr beschäftigen kann. Ich bin sehr froh, dieses kleine, literarische Goldstück zufällig gefunden zu haben. :)
ein Buch, welches eine Balance zwischen Motivation und Entsetzung/Wut/Angst/Trauer findet. Es hegt nie einen Anspruch und nimmt an. Ein sehr herzliches Buch.
,,Ich stehe vor meinem Bett. Höflich frage ich die Bett-wellen, ob ich mich zu ihnen legen darf. Sie murmeln leise Lakenworte. Ich krieche unter die Bettwellen, die sogleich über mir zusammenbrechen. Unangenehm ist es nicht zwischen den Bettwellen, und ich spüre, wie sich meine Vulvahaare zu kräuseln beginnen. Schwer atmend vergesse ich kurz die Zeit, die Bettwellen und Laken um mich herum, das schiefe Bild an der Wand und die feuchten Kleider im Schrank, die Haare im Abfluss und das Scherbengeschirr. Als ich mich dann doch wieder erinnere, schäme ich mich vor den Laken. Schnell versuche ich, meine Finger aus meinen Vulvahaaren zu zie-hen, doch sie haben sich festgekrallt und es gelingt mir nur mit größter Mühe und Hilfe der Laken, an die ich mich mit meinen Knien klammere. Reglos bleibe ich zwischen den Bettwellen liegen, die sanft über mir wogen.“
Ein mega interessantes Buch von einer eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema. Trotz dem nie direkt beschriebenen vorgefallenen kann man sich in das was die Person erfahren hat hineinfühlen. Geht sehr tief und regt zum Nachdenken an
Dios, soy yo de nuevo 😭 Qué libro tan maravilloso. Conmueve, enoja y da esperanza al mismo tiempo. Todo cohesivo con mecanismos poéticos variados, in-formes, que dan sentido al desorden. En definitiva de mis favoritos este año.
Ein weiteres Buch, das sehr schwer zu rezensieren ist. Ein Buch, das unter die Haut geht. Obwohl es nur sehr kurze, fragmentartige Texte sind. Eine Auseinandersetzung mit einem Thema, das leider nie an Aktualität verlieren wird. Aussergewöhnlich, anders, ein Text, der unter die Haut geht.