Eigentlich geht es Nick gut – bis auf die Panikattacken, die ständige Traurigkeit, dieses Gefühl von Leere. Trotzdem macht er weiter, bis er plötzlich zusammenbricht und sich in einer psychiatrischen Klinik wiederfindet. Die ersten Tage verbringt Nick in pandemiebedingter Isolation allein mit seinen Gedanken. Als er die anderen „Bewohner*innen“ der Klinik kennenlernt, prasseln die Eindrücke umso mehr auf ihn ein. Da ist Calle, der unter unkontrollierbaren Wutausbrüchen leidet. Oscar, dessen Zwangsstörungen ihn daran hindern, andere zu berühren. Oder Helen, die nicht weiß, wohin mit ihren Gefühlen. Und obwohl die Betreuung in der Klinik fast genauso kläglich ist wie „da draußen“, wird Nick schnell Teil des „Wolfsrudels“ – und findet in der Station eine sichere Insel.
hätte ich weitaus mehr genossen, wenn da nicht diese „mann kommt über SIE nicht hinweg“ storyline gewesen wäre. auch psychische erkrankungen depressionen hätten meines erachtens (als selbst betroffene) noch tiefgründiger behandelt werden können; die meisten charaktere waren mir zu eindimensional, auch wenn liebenswert. aber ok, diese begrenztheit liegt auch an der ich-erzählung. leider wird das thema patriarchale gewalt eher unsensibel gehandhabt. was ich aber gut fand: systemkritik, fokus auf rückhalt und verständnis füreinander, selbstermächtigung. hatte mir aber wirklich mehr tiefe erhofft. Schade!
Marco Damghanis Die Insel Sertralin ist ein intensiver und bewegender Roman, der in die Psyche seines Protagonisten und in Themen wie (Post-)Migration und Generationskonflikte eintaucht. Mit Feingefühl und Humor beschreibt der Autor den Umgang mit Depression und den oft unsichtbaren Kämpfen des Alltags. Viele Leser*innen werden sich in dem ständigen Druck, sich beweisen zu müssen, wiederfinden. Ein eindrucksvolles Buch, das zum Nachdenken anregt (insbesondere die gesellschaftskritischen Aspekte). Allerdings fand ich ab der Mitte die Metaphorik um die Depression zu beschreiben nur noch anstrengend und auch zu platt.