Ich halte es für ein sehr gelungenes Sachbuch, welches ein Thema behandelt, das sowieso mehr Interesse wecken sollte.
Die Gestaltung ist mir besonders positiv aufgefallen. Michèle Ganser visualisiert einige beschriebene Exemplare als Punktzeichnungen. Manche Stellen werden mit einem auffälligen Grünton hervorgehoben. Darüber hinaus verleiht die Textur des Einbands, gepaart mit den breiten Rändern und kontinuierlich absinkenden Seitenzahlen, dem Buch ein hochwertiges Gefühl.
Die Reihenfolge der Themen ist logisch gewählt und gut untergegliedert. Häufige Unterüberschriften teilen die Kapitel auf, welche die dort formulierten Fragen dann meistens in nur wenigen Seiten beantworten. Dadurch hat man immer vor Augen, worum es gerade geht und die Aufmerksamkeit bleibt konstant bestehen.
Zwar ordnet es sich als wissenschaftliche Lektüre ein, liest sich jedoch sehr angenehm. Sprachlich ist es weitgehend unkompliziert geschrieben und bietet eine schöne Einführung in die Entomologie für Jung und Alt. Dominique Zimmermann hat einen Schreibstil, der zunächst Fragen aufwirft und sie dann anschließend sofort beantwortet. Dadurch entsteht ein organischer Lesefluss, der einen ständig "füttert". Es wird penibel gegendert. (Derartige Lektüren lese ich eigentlich nur auf Englisch, dementsprechend weiß ich nicht, inwiefern das mittlerweile gängig oder gewünscht ist, aber ich möchte es erwähnen.)
Inhaltlich handelt das Buch erst von Insekten und Verwandten im allgemeinen Sinne, anschließend von Hautflüglern, dann wird eine Brücke zum menschlichen Einfluss hergestellt und am Ende der Artenschutz behandelt. Wie die Autorin selbst im Epilog schreibt, passiert es manchmal, dass man sich fragt, ob nicht zu weit ausgeholt wurde. Wie ich finde, fängt es sich allerdings letztendlich immer wieder und jeder Inhalt hat seine Daseinsberechtigung. Das Buch ist geschmückt mit Anekdoten, Definitionen und Statistiken, was die Fakten ungemein bereichert. Ich fühle mich, als hätte ich vieles gelernt, was man eigentlich wissen sollte.
Es wurde erst vor zwei Wochen veröffentlicht und ist somit zeitgemäß. Bestimmt ist es interessant, die Entwicklung der genannten Zahlen zu beobachten und in zehn Jahren nochmal mit den aktuellen Zahlen zu vergleichen.
Besonders interessante Themen waren für mich u.a. Hyperparasiten, versklavende Ameisenarten und Sexualtäuschblumen. Auch Verbindungen von Natur zur Politik und Landwirten/Organisationen haben mich begeistert. Und die Auswirkung von zwei Milliarden toten Spatzen... unglaublich.
Durchgelesen habe ich es in zwei Tagen. Auch wenn ich mich nicht als insektenaffin bezeichnen würde, hatte ich ständig Lust weiterzulesen. Da auf dem Einband eine dicke (1) gedruckt ist, kann man wohl eine Buchreihe erwarten. Zusammenfassend bin ich sehr zufrieden und halte eine Fortsetzung für mehr als angebracht.
4.7