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Platz nehmen. Gegen eine Architektur der Verachtung

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Gegen eine Architektur, die ganze Bevölkerungsgruppen ausgrenzt – für eine Neuerfindung der Stadt als gemeinsamer Raum

Wer hat ein Recht auf Stadt? Wer soll und wer darf sich im öffentlichen Raum aufhalten? Städtische Verwaltungen und Regierungen sind zunehmend besessen vom »Image« ihrer Stadt und stürzen sich in einen Vermarktungswettbewerb, der auf Tourismus, Investoren und Immobilienmärkte ausgerichtet ist. Die Menschen, die in der Stadt leben, werden dabei zum Ziel architektonischer Verdrängungsmaßnahmen. Überwachungskameras, Bänke mit geneigter Sitzfläche oder trennenden Armlehnen, auf denen man nicht schlafen kann, und andere Instrumente »defensiver Architektur« erschweren insbesondere sozial marginalisierten Menschen wie Obdachlosen das Leben in der Stadt. Massive Tourismusförderung macht die Stadt ihren Bewohnern fremd und unlebbar. Business Improvement Districts heben unter dem Vorwand der Strukturförderung elementare Grundrechte auf.

Gegen diese Tendenzen führt Labbé die Notwendigkeit ins Feld, eine Stadt neu zu erfinden, die sich an uns alle richtet. Er zeigt, wie Widerstand gegen diese Architektur der Verachtung gelingt und Orte wieder angeeignet werden können, und fordert eine Architektur, die ihre Aufgabe als soziale begreift und Räume der Anerkennung schafft. Denn eine Stadt, in der wir einander nicht mehr in aller Unterschiedlichkeit begegnen können, ist ein Verlust für uns alle.

208 pages, Brochure

Published September 1, 2023

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Felicitas.
79 reviews10 followers
May 16, 2024
In "Platz nehmen. Gegen eine Architektur der Verachtung" (dt. 2023, Übersetzung Felix Kurz) schreibt Mickaël Labbé über städtischen Raum. Dabei geht er von Henri Lefebvres Konzept des Rechts auf Stadt (1968) aus. Labbé zufolge können wir die Orte unseres täglichen Leben immer weniger selbst gestalten. Öffentliche Räume werden privatisiert und auf Sicherheit und Sauberkeit ausgerichtet. Defensive Architektur (etwa obdachlosenfeindliches Mobiliar) verdrängt die schwächsten sozialen Gruppen. Die sichtbaren Folgen einer gescheiterten Sozialpolitik (Betteln, Kleinkriminalität, Drogenkonsum) werden aus dem Blickfeld verbannt. Die Architektur sendet auf subtile Weise Botschaften, die wir umso deutlicher wahrnehmen, je stärker wir von Ausgrenzung betroffen sind. Die Gestaltung der Stadt orientiert sich an kommerziellen Interessen. Gesellschaftliche Bedürfnisse werden bei der Stadtplanung vernachlässigt. Das "Wir" wird so zu einer "Ansammlung von produktiven und konsumierenden Körpern" (S. 90).

Labbé schlägt daher eine Wiederbelebung des Rechts auf Stadt vor. Zentral dafür ist die Aneignung durch die Bewohner*innen selbst. Aneignung meint nicht individuellen Besitz oder Eigentum, sondern die gemeinsame Nutzung eines Gemeinguts. Es geht um mehr als bloße Beteiligung (an Projekten anderer), sondern um echte eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Diese sind aber nur möglich, wenn die Orte sie zulassen. Hier wiederum spielt die Architektur eine unverzichtbare Rolle. Sie konzentriert sich heute auf technische und ästhetische Fragen. Das Recht auf Stadt setzt voraus, dass die Architektur sich ihrer stadtpolitischen Aufgabe stärker annimmt und auf soziale Belange fokussiert. Sie ist "die politische Kunst schlechthin" (S. 179).

Gerade die Überlegungen in den ersten beiden Kapiteln fand ich großartig. Zum Ende hin wird das Buch - leider gerade bei den konkreten Beispielen - schwächer und für meinen Geschmack auch etwas zu theatralisch. Ich frage mich auch, ob nicht ein noch stärkerer Fokus auf nicht-kommerzielle Orte notwendig wäre, um Städte wirklich für alle Menschen zugänglich zu machen. Trotzdem finde ich das Buch insgesamt sehr interessant und lesenswert.
Profile Image for Jane.
1,019 reviews32 followers
Read
May 24, 2024
Nichts neues, zu wenig Praxis, aber gutes Thema, vielleicht für erste Gedanken zu dem Thema nicht schlecht.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews

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