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Austrocknen

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Ein junger Mann hustet kanariengelben Schleim ab, spuckt Blut und führt sein Leben trotzdem weiter, als wäre nichts. Er trinkt, raucht, erforscht seine Sexualität, rebelliert gegen seine Eltern und die ganze Gesellschaft. Derweil verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zusehends und setzt ihm hart zu – aus dieser fatalen Erfahrung heraus beginnt er, einen Roman darüber zu schreiben. Die finanzielle Abhängigkeit von seiner Familie quält ihn, also löst er sich, geht zum Studium nach Rom und versucht, dort als Korrespondent seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch die Krankheit lässt sich nicht abschü In seinem Hals entwickelt sich ein tödliches Geschwür.

»Austrocknen« ist Janko Polić Kamovs einziger Roman. Posthum veröffentlicht, beschreibt er – poetisch in alle Richtungen überschießend – die Freuden und die Dämonen eines jungen Mannes, der aufbricht, seinen Platz im Leben zu suchen, aber feststellen muss, dass die Welt nicht auf ihn gewartet hat. Kaum verhüllt autobiografisch erzählt Kamov von Rauscherfahrungen, sexuellem Erwachen, politischer und künstlerischer Bewusstwerdung und dem Aufbegehren gegen die erdrückende kleinbürgerliche Herkunft. Seine furiose Mitschrift aller Gefühlsregungen und Einfälle des getriebenen Protagonisten gewährt tiefe Einblicke in dessen aufgewühlte und sprunghafte Innenwelt. Brigitte Döberts Übersetzung kostet die Erzählfülle aus und verleiht dem Roman eine prachtvolle Sprache, mit der die Jugend, aber auch der Verfall und die Weltverachtung in glänzenden Bildern beschworen und gefeiert werden und die ihn zu einem Ereignis werden lässt.

478 pages, Kindle Edition

Published March 13, 2024

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About the author

Janko Polić Kamov

39 books41 followers
Rebellious by nature, he was expelled from Rijeka high school and dropped out of the school in Zagreb. Because of his participation in the demonstration against the Hungarian governor in Croatia, Khuen-Héderváry, he was sentenced to three months in prison in 1903. Headstrong and temperamental, he called himself Kamov, after Ham (or Kam) from the Old Testament, who saw his father Noah naked but unlike his siblings Shem and Japhet did not cover his nakedness, thus issuing a curse. Kamov probably saw himself as a revealer of bourgeoise hypocrisy and wrote to his brother Vladimir in 1910 - "Kamov to me is a literary program..."
His literary work was small, but very significant, because in his poems and plays he expressed his anger and displeasure over hypocrisy and injustice of his contemporaries in a way unprecedented in Croatian literature. His masterwork is a modernist novel Isušena kaljuža (1906-1909) saturated with psychosexual and spiritual conflicts of the iconoclastic first-person narrator and later described as a proto-existentialist prose, written decades before the literary movement's appearance. Kamov's novel, invariably described as the premier Croatian avant-garde major prose work, was printed for the first time in 1956. Because of that he earned reputation as one of the greatest rebels and iconoclasts in history of Croatian culture.
He died at the age of 24 in Barcelona and was buried at the hospital cemetery near Hospital de la Santa Creu.

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Profile Image for Sebastian.
96 reviews10 followers
December 21, 2025
Über dieses Buch, seinen Autor und die Rezeptionsgeschichte von 1906 bis heute ließe sich wohl allein seitenweise schreiben, wozu mir aber vor allem das literaturhistorische Wissen, aber auch die Zeit fehlen. Daher halte ich mich kurz. Janko Polić Kamov wurde 1886 in eine für damalige kroatische Verhältnisse bemerkenswert privilegierte Familie geboren und 1910 in Barcelona als obdachloser Bettler auf dem Friedhofsteil für unbekannte Ausländer bestattet. Dazwischen schrieb er, reiste durch den Süden Europas, besuchte Museen, Galerien, Theater und beteiligte sich an kroatischen Aufständen gegen die ungarische Hegemonie. Heute wird er zum großen kroatischen Schriftsteller (oder sogar nationalen Mythos) hochstilisiert, von dessen avantgardistischem Werk sogar Joyce und Sartre profitiert haben sollen.

Austrocknen wurde lange als unfertiges Manuskript und wertlose Textsammlung betrachtet, heute gilt es nach Meinung vieler Rezensent:innen als Weltliteratur. Dazwischen geht wohl nichts. Ich empfand die Lektüre als abenteuerlich, stimmungsvoll, manchmal aber auch als Tortur. Es beginnt für den Protagonisten Arsen mit der Diagnose Schwindsucht (oder Tuberkulose, ich fand den Reim aber geschmacklos). Davon lässt er sich jedoch nicht beirren und in einer wahren Explosion von teilweise ekelerregenden Metaphern begleiten wir ihn bei seinen exzessiven Ausschweifungen. Die sexuelle Selbstfindung und zerstörerischer Alkoholkonsum prägen die ersten ca. 200 Seiten. Erste Ortswechsel finden statt, rückblickend bin ich sehr unsicher, ob ich die nicht explizit genannten Handlungsorte richtig interpretiert habe. Im für mich stärksten Teil des Buchs (ca. S. 200 bis 400) verbringt Arsen die meiste Zeit in Rom und entwickelt sich (zumindest in der Selbstwahrnehmung) zum weltgewandten Kosmopoliten, Kunstkenner, Intellektuellen. Faszinierend aktuell sind seine Betrachtungen zum Unterschied des Lebens in der Stadt und auf dem Land. In seinem Verhältnis zum Katholizismus scheint er den damaligen Verhältnissen weit entwachsen zu sein. Bis zum Ende seiner Zeit in Rom ist das Erzählen von einer für mich nicht greifbaren Struktur geprägt. Immer wieder schweift Arsen in selbstanalytische Gedankenströme ab, deren Zusammenhang kaum zu fassen ist. Diese Passagen waren herausfordernd und nicht gerade Lesegenuss. Auf den letzten 50 Seiten nimmt das Tempo merklich ab, man hat das Gefühl, Arsen kommt zur Ruhe, und damit auch seine verschriftlichten Gedanken zu sich selbst und der Welt. Abgerundet wird das Buch durch ein ansprechendes Nachwort von Miljenko Jergović, das beim Verständnis und der Einordnung vieler Aspekte hilft.

Für mein subjektives Leseerlebnis gebe ich ohne zu zögern fünf Sterne. Ich sehe im Buch das Werk eines Wahnsinnigen und Intellektuellen, dessen Gedanken zu Politik, Gesellschaft, Religion, Körper und Krankheit, Stadt und Land ich als lesenswert erachte. Die literarische Form, in die er diese gepresst hat, ist teilweise schmerzhaft, manchmal aber auch brachial komisch. Ohne Interesse an Zeit und Ort des Entstehens und grundsätzlich der kroatischen Literatur ist das Buch aber wahrscheinlich die reinste Zumutung. Hut ab, vor der Überstzungsarbeit durch Brigitte Döbert, die ich mir als gewaltigen Kraftakt vorstelle. Auch Jergović spricht im Nachwort von der leider unübersetzbaren Sprache Kamovs. Daher konnte wohl auch nur die Übersetzerin seiner eigenen Werke für Austrocknen infrage kommen.
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