Musik ist unser täglicher Begleiter. Oft nur im Hintergrund, wie zum Beispiel bei der Arbeit oder beim Autofahren. Oft nehmen wir sie nur dann bewusst wahr, wenn gerade ein Lieblingslied gespielt wird. Aber Musik hat auch eine andere Seite: in hat in schweren Zeiten sie den Menschen schon immer eine Stimme, aber auch eine Flucht vor der grauen Realität des Alltags gegeben. Joe Mulhal erzählt in seinem Buch genau davon: wie Musik den Menschen eine Stimme gab in einer Zeit, in der ihre Stimme das Einzige war, die sie hatten.
Gleich zu Anfang erzählt der Autor von einem ukrainischen Orchester, das seine Auftritte nur noch vor einem virtuellen Publikum spielen kann. Das Streamen der Konzerte hilft den Künstlern und dem Publikum. Für sie sind es nicht nur die Momente einer scheinbaren Normalität. Es ist auch ihre Art zu zeigen, dass sie noch da sind und dass sie sich trotz allem nicht unterkriegen lassen. Es ist ihre Art zu kämpfen.
Ich habe mich mit dem Buch überraschend schwergetan. Von dem, was ich darüber gelesen habe, wäre es absolut etwas für mich gewesen. Aber was ich gelesen habe, hat mir nicht gefallen. Für mein Empfinden hat der Autor zu weit ausgeholt. Er hat dem jeweiligen Konflikt zu viel Platz gegeben und die Musik, um die es für mich hauptsächlich ging, an den Rand des Geschehens geschoben. Da hat es mir auch nicht geholfen, eine Liste mit den wichtigen Liedern zum aktuellen Thema am Ende des Kapitels zu finden, weil ich dazu nicht genug Kontext hatte und bei den meisten weder Künstler noch Lied kannte. Hier hat es der Autor nicht geschafft, mich dafür zu interessieren.
Es gab nur wenige Ausnahmen, bei denen ich nicht quergelesen habe. Künstler, die Aussagen getroffen haben, die ich so von ihnen nicht erwartet habe. Das eine oder andere Lied, das ich schon gehört, aber noch nicht in diesem bestimmten Zusammenhange gesehen habe. Für mich war es zu wenig, als dass das Buch einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Mein Fazit: das Buch hat das Thema sicherlich nicht verfehlt, aber meine Erwartungen trotzdem nicht erfüllen können.