Solingen, 2020. Christiane K. ist 27 Jahre alt, als sie fünf ihrer sechs Kinder umbringt und sich dann vor einen Zug wirft. Sie überlebt. Prune Antoine, eine französische Reporterin, die zu dem Zeitpunkt selbst gerade Mutter geworden ist, entwickelt eine journalistische Obsession für diese Tragödie. Sie will nicht erklären, schon gar nicht entschuldigen, sie will verstehen. Auf der Suche nach einer Wahrheit jenseits von Voyeurismus und Dämonisierung dringt Antoine immer tiefer in die Welt der Christiane K. vor, bis sie ihr schließlich im Gefängnis gegenübersitzt. Diese junge Frau soll ein Monster sein? EINE FRAU IN DEUTSCHLAND ist eine erschütternde Spurensuche, die zuletzt weniger über die Tragödie einer einzelnen Familie preisgibt als über die Rolle der Mutter in Deutschland.
RIESIGE TRIGGERWARNUNG! Das Thema dieses echten Falles ist sehr hart, bitte überlegt, ob ihr darüber lesen wollt.
Kaum ein Verbrechen hat Deutschland wohl zu Zeiten der Corona Krise so erschüttert, wie der Fall von Christiane K. Eine 27 jährige Frau beendet nicht nur das Leben von 5 ihrer 6 Kinder, sie versucht auch sich ihr eigenes zu nehmen, überlebt aber. Die Journalistin Prune Antoine hat diesen Fall aufgearbeitet und taucht tief in die Geschichte der jungen Frau ein und stellt nicht nur die Frage, was sie zu dieser grausamen Tat führte, sondern auch wie es nach der Tat für sie weiterging.
Dieses Buch, eine Mischung aus nüchternem und klaren Bericht, emotionalen Tagebucheinträgen und fiktionalen Sichten von Beteiligten hat mich tief bewegt – nicht nur wegen der schonungslosen Ehrlichkeit, mit der erzählt wird, sondern auch, weil das Buch eine stille, eindringliche Stimme für viele Frauen erhebt, deren Geschichten sonst im Verborgenen bleiben. Ein Alltag zwischen Pflichterfüllung und innerem Widerstand, zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und dem verzweifelten Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Eine gute Mutter sein wollen, und doch an dieser Mammut Aufgabe alleine mit 6 Kindern scheitern.
Dieses Buch ist emotional wirklich harter Stoff, aber hier liegt gerade seine Stärke. Es konfrontiert, zwingt zum Hinschauen und lässt den Leser mit Fragen zurück: Wie viel Schweigen über Überforderung und Einsamkeit liegt über vielen Müttern? Wie viele Geschichten von Frauen sind nie erzählt worden? Es ist nicht nur ein Buch über die Tat, sondern eines über das Gefühl des Mutterseins, Geschlechterrollen, Macht und Menschlichkeit.
Am Ende bleibt das Gefühl, einer fremden Frau sehr nah gekommen zu sein – eine die in diesem Buch nicht nur an den Pranger gestellt und verurteilt wird, das haben andere bereits erledigt, sondern hinter deren Fassade der gefassten Frau geblickt wird. Ein Buch, das nachhallt, lange nachdem die letzte Seite gelesen ist.