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Überhaupt: In Oskar Schindler nur den Autor von in der Tat vielen Juden das Leben rettenden Listen zu sehen, verfehlt das Leben dieses Mannes völlig. Der war nicht nur irgend ein NSDAP-Mitglied, das seine Position zum Wohle ansonsten Todgeweihter nutze (und von diesen deshalb später als Held gefeiert wurde). Er galt vielmehr, Ende der dreißiger Jahre, auch den Nazis als Held: Zwei Jahre lang, berichtet Crowe in seinem akribisch recherchierten Bericht, spionierte Schindler für die deutsche Abwehr als V-Mann das tschechoslowakische Schienennetz aus und bereitete die Besetzung des Landes vor. 1938 wurde er enttarnt, festgenommen und Berichten zufolge auch gefoltert. Doch kam er bald wieder frei und war weiter kriegsvorbereitend tätig: Er besorgte die polnischen Uniformen, die man in Berlin nachschneiderte, um den angeblichen polnischen Überfall vom 31. August 1939 zu inszenieren.
Doch nicht nur über Schindlers Leben vor und während des Kriegs berichtet Crowe ausführlich und gut belegt. Auch sein Leben nach 1945 ist Gegenstand der Darstellung. Ein alles in allem trauriges Leben, das ihn zunächst nach Argentinien führte, wo ihm mit seiner Nutriafarm kein Erfolg beschieden war. Auch in Deutschland, wohin er 1957 zurückkehrte, konnte er geschäftlich nicht mehr Tritt fassen. Keine glatt gebügelte Biographie hat David Crowe verfasst, sondern die sehr authentische Lebensgeschichte eines zwiespältigen, irritierenden Charakters. - Lesenswert. --Hasso Greb
Hardcover
First published October 26, 2004