Vorneweg: Dieses Buch hat mir ordentlich die Synapsen durchgepustet – im besten Sinne. „Komplexe neue Welt“ von Marco Wehr ist wie ein Gedankenabenteuerpark mit Loopings aus Logik, Sprüngen in die Systemtheorie und einem Riesenrad voller Aha-Momente. Statt staubtrockener Theorie gibt’s hier Denkanstöße, die richtig Biss haben – und dazu noch mit einer klaren Sprache, die auch ohne Philosophie-Diplom funktioniert. Wehr jongliert locker mit komplexen Fragen, ohne sich dabei in intellektuellen Pirouetten zu verlieren.
Zwischendurch dachte ich mir: Wow, wie haben wir es eigentlich geschafft, mit all diesen fragilen Systemen nicht schon längst kollektiv ins Datennirwana zu kippen? Ob kaputte Containerschiffe, vernetzte Algorithmen oder die apokalyptische Vorstellung vom Supervulkan – hier wird nichts ausgelassen, was das Chaos- und Katastrophenherz höher schlagen lässt. Trotzdem bleibt’s nicht bei Weltuntergangsstimmung. Wehr hat auch Lösungen im Gepäck – oder zumindest Denkrichtungen, die nicht nach „Ab jetzt leben wir im Wald“ klingen.
Manchmal fühlt es sich an, als würde Harald Lesch auf einem Espresso-Trip durch Black Mirror stolpern – nur strukturierter und mit mehr Tiefgang. Zwischen den Zeilen schimmert eine große Portion Hoffnung durch – wir sind nicht hilflos ausgeliefert, wir müssen nur endlich kapieren, wie unsere Systeme ticken. Ein Buch wie ein Reset-Knopf fürs Denken.
Wer bei Komplexität bisher nur Bahnhof verstanden hat, bekommt hier ein Ticket für den Intercity Richtung Erkenntnis. Pflichtlektüre für alle, die morgens noch denken, sie hätten alles im Griff – und abends dann klüger ins Kissen grinsen.