Der 60. Geburtstag von Amelie Born, Professorengattin, ist ein Familienfest im großen Kreis. Ausgehend von der Feier im Hotel Bellevue blicken wir auf und dann immer mehr hinter die Fassade, die diese glückliche Großfamilie bemüht aufrecht hä etwa die zwei Söhne Friedrich und Michael, der eine ein geld- und machtgieriger Kapitalist, der andere mit «unglücklicher Veranlagung zum sozialen Engagement» geschlagen und wenig vorzeigbar. Gemeinsam haben sie, dass sie ihre Familien ins Unglück stürzen und ihre Ehen vor die Wand fahren. Doch damit nicht Tante Martha heißt jetzt Mater Ambrosia und trägt Nonnenhabit, kümmert sich um die Ausgestoßenen der Gesellschaft – und schmuggelt nebenbei Haschisch aus Österreich, um diese Hilfe zu finanzieren. Onkel Egon hat ein Faible für Schrumpfköpfe, das nach und nach in eine mordlustige Psychose mündet. Tante Olga deckt ihn, damit der Ruf ihrer literarischen Salons nicht leidet. Diese Familiengeschichte zeichnet mit schwarzem Humor sowie politischem und gesellschaftlichem Scharfblick ein schonungsloses, unterhaltsames und beeindruckendes Bild des westdeutschen Bürgertums und zeitloser Themen des Familienlebens.
Ich weiß gar nicht wie oft ich mir beim Lesen dachte: Unglaublich, dass dieses Buch vor 52 Jahren das erste Mal erschienen ist! So eine gelungene Gesellschaftssatire ist mir schon länger nicht mehr untergekommen. Zwar gab es stilistisch irgendetwas, das ich nicht genau benennen kann, das mich manchmal langsam vorankommen ließ (deshalb auch ein Stern weniger), aber weiterlesen wollte ich trotzdem unbedingt. Allein schon wegen dieser teils aberwitzigen Charaktere (Onkel Egon!), die in all ihrer Überspitztheit dennoch natürlich wirkten. Die Bösartigkeit der (Groß)mutter Amelie, für die nur das Aufrechterhalten der gutbürgerlichen Fassade zählt, hat mir die Brust zusammen geschnürt. Vom Inhalt möchte ich gar nicht zu viel verraten, lest es einfach, es ist wirklich eine Entdeckung!