«Es gibt zwei Menschen, die mich von der Sache mit dem Auto abhalten. Kevin und Hubert. Kevin wohnt um die Ecke, ist voll intelligent, und Hubert wohnt im dritten Stock und ist voll dement.» Linda ist fünfzehn und würde am liebsten vor ein Auto laufen. Doch noch halten zwei Menschen sie davon ihr einziger Freund Kevin, der daran verzweifelt, dass die Welt am Abgrund steht. Und Hubert, sechsundachtzig Jahre alt, ein Bademeister im Ruhestand, der seine Wohnung kaum mehr verlässt, Karotten toastet und auf seine Frau wartet, die vor sieben Jahren verstorben ist. Dreimal wöchentlich verbringt Linda den Nachmittag mit Hubert, um die polnische Pflegerin Ewa zu entlasten, die mit durchaus eigenwilligen Mitteln ihren Beruf ausübt. Der Alltag gelingt mal mehr, meist weniger. Mit Feingefühl und Humor begegnet Linda Huberts fortschreitender Demenz und versucht, die Erinnerungen des alten Bademeisters wachzuhalten – an die Sommer im Strandbad oder die Liebe zu seiner Frau Rosalie. Bis das Schicksal Lindas Pläne durchkreuzt …
"Der Bademeister ohne Himmel" von Petra Pellini ist ein Buch ohne große Überraschungen oder bahnbrechende Innovationen. Und trotzdem ist es ein großartiges Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite glücklich macht, obwohl das Sterben eine große Rolle spielt.
Es ist das Jahr 2023. Die 15-jährige Linda berichtet aus ihrem Leben. "Ich werde vor ein Auto laufen.", beginnt sie ihre Erzählung. Linda lebt mit ihrer Mutter zusammen. Der gewalttätige Vater ist weg. Sie kümmert sich um den 86-jährigen dementen Hubert. Dessen Wohnung ist im selben Haus. Er und der Nachbarjunge Kevin sind Lindas Freunde. Ewa ist die polnische Vollzeitpflegerin für Hubert. "Hubert, Ewa und ich [...] sind wie Wellen, die ineinander- oder zumindest zueinanderfließen".
Das Zimmer von Ewa in der Wohnung von Hubert heißt Klein-Polen. Die überfordert wirkende Tochter von Hubert ist für Linda "der Nachtfalter". Es sind die kleinen einfachen Ideen in Kombination mit der Liebe der Autorin zu ihren Figuren, die das Buch so besonders machen. Beispielsweise machen Linda und Kevin Tonaufnahmen im Strandbad, um Hubert in seine Bademeisterzeit zurück zu katapultieren. Man hätte das kitschig und voller Pathos gestalten können. Hier wird es einfach und direkt erzählt und entfacht dadurch sehr große Wirkung. Als Lindas Blick auf ein Foto von Hubert an einem See fällt, weiss sie, "dass es in meiner Verantwortung liegt, Hubert an den See zu bringen". Dort begegnet Linda ein klein wenig Glück. Sie stellt sich ein besseres Leben vor: "Hubert wird gesund, Mama und ich werden reich. Mathematik wird wegen Unbeliebtheit vom Lehrplan genommen und Schönes in unserem Leben nimmt überhand."
"Der Bademeister ohne Himmel" ist eines dieser Bücher, bei denen ich schon nach der Hälfte traurig war, dass es bald vorbei sein wird. Glücklicherweise steht es jetzt im Regal, bereit, jederzeit wieder gelesen zu werden.
Insgesamt eine sehr nette Geschichte. Obwohl das Buch ernste Themen wie Demenz und Suizid behandelt, ist es humorvoll und leicht zu lesen bzw. zu hören. Für meinen Geschmack wurden jedoch etwas zu viele Klischees und Stereotype bedient, insbesondere in Bezug auf Menschen mit Migrationsgeschichte.
an sich fand ich das buch schön geschrieben & den inhalt auf dem klappentext sehr vielversprechend. leider konnte mich das buch nicht so wirklich abholen, ich mochte hubert und hätte gerne mehr über ihn erfahren, die protagonistin hat mich irgendwann einfach nur noch genervt und auch das ende war meiner meinung nach komplett an den haaren herbeigezogen. auch klischees z.b bzgl. der polnischen pflegekraft sind tief im buch verankert.
Ein nett geschriebenes und leicht zu lesendes Buch über eine depressive Jugendliche, die sich neben der Schule nachmittags um einen dementen Bademeister im Ruhestand kümmert (wie sie dazu kommt, blieb mir schleierhaft) und einen ebenfalls depressiven guten Freund hat, der durchdreht, weil die Welt so schlecht ist. Das Buch hat trotz dieser Themen eine gewisse Leichtigkeit, wodurch es mir schwer fiel irgendwie eine emotionale Beziehung zu den Figuren aufzubauen. Das Ende war mit einem Vorschlaghammer serviert und lies mich etwas verwirrt zurück, was dieses Buch mir sagen sollte. Literarisch ist das ganze lesbar aber sehr generisch. Unterhaltsam aber unnötig. Deprimierend ohne zu berühren, irgendwie eine seltsame Mischung.
Schöne Geschichte, auch wenn ich Anfangs Bedenken hatte, dass ein 15 Jahre junges Mädchen so eine Verantwortung tragen kann. Am Ende bin ich aber überzeugt, dass diese Geschichte mit einem Erwachsenen niemals so gut hätte erzählt werden können und auch so in der Art nicht funktioniert hätte. Wäre dann auch wieder nur eine Geschichte über Alter, Demenz und Sterben gewesen, welche im Moment zuhauf auf den Buchmarkt gespült werden. Aber mit dieser jungen Protagonistin und ihrem Blickwinkel, ihrer Eigenart und ihren eigenen Problemen wurden die ernsten Themen ein wenig aufgebrochen.
Eine warmherzige Erzählung über das Altwerden, das im Leben Sinn suchen und über die Liebe, die über die Grenzen der Familie hinaus geht. Linda ist mitten in der Pubertät und möchte nicht mehr leben und doch unterstützt sie die Pflegerin Ewa dabei den alten Nachbarn Hubert zu versorgen, der aufgrund seiner Demenz nicht mehr allein bleiben kann. Langsam aber sicher merkt sie, dass es doch Dinge gibt für die es sich zu leben lohnt. Die Augen dafür öffnen ihr der Umgang mit Hubert, das gemeinsame erinnern an ein Leben vor der Demenz und die Weisheiten der eigenwilligen aber herzensguten Ewa. Die Geschichte liest sich flott und Lindas jugendlicher Erzählton gibt eine gewisse Leichtigkeit trotz der vielen nachdenklich machenden Themen. Insgesamt gab es keine Überraschungen für mich in diesem Buch, kein Spannungsbogen, der für Lesesog gesorgt hätte. Linda wirkte auf mich wie eine typische 15-jährige: auf der einen Seite noch nicht gefestigt in ihrer Person und zeitweise naiv, auf der anderen Seite voll tiefer Gedanken und Emotionen. Mir hat dieser Roman gut gefallen, besonders mochte ich Ewas Warmherzigkeit.
Ewa erinnert mich mit ihrem gebrochenem Deutsch, ihren Aussagen zu Polen, ihrer Lebensart, ihrer Küche so sehr an meine Babička. Dann heißt der demente Mensch um den sich die Protagonistin kümmert auch noch wie mein Papa, da ist also die Heimatklatsche für mich komplett. Das Thema Demenz wurde ehrlich, vielseitig und sehr rücksichtsvoll auf die Erkrankten behandelt. Fand ich rund um einfach gut und lesenswert
Ich bin so berührt von diesem Buch. Lange nicht. mehr hab ich ein Buch zugeklappt und musste so sehr weinen. Dabei weiß ich nicht, ob es Traurigkeit ist oder ein Glücksgefühl die Tränen fließen lassen.
Hubert war sein Leben lang Bademeister und kein Kind ist ertrunken, wenn er Dienst hat. Nun ist er alt und dement und versinkt nach und nach in eine Welt ohne Erinnerung. Seine Nachbarin, die 15-jährige Linda kommt ihn regelmäßig besuchen. Sie zählt mit ihm, schwimmt für ihn und flüstert ihm Zitate ins Ohr. Man merkt schnell, dass Linda emotional hochbegabt ist. Sie kann sich in Menschen einfühlen, egal, ob die es gut oder schlecht mit ihr meinen und das macht sie bisweilen sehr unglücklich. So unglücklich, dass sie davon träumt, sich vors nächste Auto zu werfen. Sie versetzt sich in die Pflegerin Ewa, ihre Mutter, die nicht loslassen kann, den „Nachtfalter“ und auch in ihren abwesenden Vater. Nur zu Kevin, ihren einzigen Freund, der noch düsterer, als sie in die Zukunft blickt, verliert sie nach und nach den Draht. Am empathischsten wird sie, wenn sie sich Hubert zuwendet.. Sie glaubt zu wissen, was er braucht, führt mit ihm Gespräche ohne große Worte. Sie versprüht dann Optimismus, nimmt ihn ernst und reagiert auf seine merkwürdigen Handlungen oft mit bewundernswerten Pragmatismus. Obwohl sie selten eine Reaktion von dem dementen Herrn bekommt, scherzt sie mit ihm, versucht, seine Erinnerungen zurückzuholen und schenkt ihm auf ihre eigene, so herzberührende Art, ganz viel Liebe. Die Nebenfiguren begegnen der Demenz alle unterschiedlich. Die einen wollen es nicht wahrhaben, die anderen bleiben medizinisch sachlich und die dritten empören sich darüber wie andere mit Hubert umgehen.
Pellini lässt ihre Protagonistin immer näher an Hubert ranrücken, bis die beiden eins zu sein scheinen.
Wem dieser Roman nicht nah geht, der hat ein Herz aus Stein. Linda ist eine so liebenswerte junge Person, dass ich sie gerne kennen lernen würde. Sie durchschaut die Welt der Erwachsenen, und obwohl sie in bescheidenen Verhältnissen groß wird, klagt sie nicht. Aber ihre Traurigkeit ist spürbar, und es wird nie so richtig klar, woher diese kommt. Ich hab mir große Sorgen gemacht, dass sie ihrer Sehnsucht nach dem Tod Taten folgen lässt.
Erzählerisch zieht die Autorin alle Register. Es gab so viele Stellen, an denen ich schmunzeln musste, dabei wirkt es niemals lächerlich, wenn sie Linda zu Hubert sprechen lässt. Die Tragweite von Demenz ist immer allgegenwärtig.
Ewa, die Pflegerin hat mir besonders gut gefallen. Wer hätte nicht gerne so eine Person um sich, die einen in Ruhe lässt, wenn man es braucht und dich in den Arm nimmt, um dich zu trösten, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Ein Schicksalsschlag gegen Ende des Plots, kam unerwartet und hat mich sehr überrascht und traurig gemacht.
Zum Schluss bleibt ein melancholisches Gefühl und die Hoffnung, dass ich solche Menschen um mich habe, wenn mich die Realität im Stich lässt.
First things first: Die Geschichte hat mich mit ihrem lockeren Schreibstil und der sooo einfühlsamen Darstellung (einer Facette) der Demenzkrankheit beeindruckt. Besonders die kleinen, oft fiesen Details dieser Krankheit, wie das schleichende Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit, wurden so treffend beschrieben. Es hat mich emotional zwischendurch fer-tig gemacht, auch weil ich selbst erlebt habe, wie es ist, einen nahen Angehörigen mit Demenz zu begleiten. Die verschiedenen Arten, wie Menschen mit der Krankheit umgehen, waren komplett genauso authentisch und nachvollziehbar dargestellt, wie ich es erlebt habe.
Was mir jedoch weniger gefallen hat, waren einige veraltete Begriffe, wie „taubstumm“, die heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Auch „Gehhilfen“ statt „Krücken“ hätte besser in die Gegenwart gepasst, besonders weil die Autorin aus dem medizinischen Bereich kommt (hi, it’s me – hier extra gegoogelt). Das hat mich etwas überrascht. Auch weil’s anscheinend so beim Verlag durch ist.
Außerdem wirkten die Charaktere Ewa und Sümeyye auf mich zu klischeehaft und eindimensional. Hier hätte ich mir wirklich mehr Tiefe und Differenzierung gewünscht.
Und der Part mit Kevin? Hui – nur lesen, wenn’s dir gut geht. Insgesamt wirklich too much, was die 16-jährige Linda da alles einfach emotional stemmen muss.
Und trotz dieser Kritikpunkte bleibt „Der Bademeister ohne Himmel“ ein lesenswertes Buch. Besonders, wenn man sich mit dem Krankheitsbild beschäftigen möchte oder muss
»Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung.« (S.141)
Die 15-Jährige Linda denkt täglich darüber nach, wie es wäre, ihrem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Was sie davon abhält? Ihr einziger Freund Kevin; der Demenz-erkrankte Nachbar Hubert, mit dem sie sich 2 Nachmittage in der Woche beschäftigt, um der polnischen 24/7 Pflegerin Ewa kurze Pausen zu verschaffen; Ewa, die sich nicht nur mit ihrem Apfelkuchen in Lindas Herz backt; aber auch ihre alleinerziehende Mutter, die sie doch nicht auch noch alleine lassen kann.
»Das Leben kommt einem mit voller Wucht entgegen. Man versucht zu entsprechen und scheitert, immer wieder. Seinen Frieden hat man nie. Immer muss man etwas nachweisen, man selbst ist nie genug. Traurig ist das, wirklich traurig.« (S.69)
Wir begleiten Linda durch diese schwere Teenie-Zeit, lachen mit Ihr über ihre spitzen Beobachtungen, Gedanken und die Art und Weise, wie sie spielerisch mit der Demenz von Hubert umgeht. Was bringt es uns, uns gegen alles zu sträuben? Genau — nichts, da können wir genauso gut, das Spiel mitspielen und die Regeln zu unserem Glück abändern. Und genau das gelingt Linda mit Hubert, während der Nachtfalter — Huberts Tochter genau daran scheitert.
In ihrem Debütroman »Der Bademeister ohne Himmel« schreibt die Autorin Petra Pellini über das Leben selbst: Von anstrengenden Teenager-Jahren, über das Verlieben Mitten im Leben und den Sterbeprozess eines Menschen mit Demenz. Das Buch ist wirklich ganz besonders: Zum Einen liest sich die Expertise der Autorin im Umgang mit Demenzen Menschen heraus, zum Anderen schafft sie, ein solch schweres und gesellschaftlich meist verdrängtes Thema mit einer Zartheit und einem liebevoll-melancholischen Schreibstil zu erzählen, dass es direkt ins Herz geht.
Ein wunderbares, trauriges, schönes Buch über Freundschaft, Demenz, Familie, Sterben ... — einfach das Leben selbst.
"Der Bademeister ohne Himmel" von Petra Pellini wurde von vielen als Highlight benannt, deswegen bin ich mit hoher (vielleicht mit zu hoher?) Erwartung an das Buch gegangen. Und kann vorweg vielleicht bereits sagen: für mich ist es kein Highlight.
Wir begleiten die 15-jährige Linda, die am liebsten vor ein Auto laufen würde, aber von 2 Personen noch davon abgehalten wird. Kevin, ihrem einzigen Freund und Hubert, einem mit Demenz erkrankten Bademeister im Ruhestand. Linda verbringt 3 Nachmittage mit Hubert, um die polnische Pflegerin Ewa zu entlasten.
Der Umgang und die Beschreibungen mit/über fand ich sehr authentisch erzählt. Für mich persönlich waren die anderen Charaktere viel mit Klischees behaftet. Auch den Umgang mit der psychischen Erkrankung von Linda fand ich etwas kritisch. Die Nebencharaktere wie Kevin, Lindas Mutter oder auch Ewa wurden meiner Meinung nach nur recht blass dargestellt.
Für mich ist "der Bademeister ohne Himmel" ein mittelmäßiges Buch, das man gelesen haben kann, aber auch nicht unbedingt muss.
Buchdetails: erschienen im Kindler Verlag am 16.07.2024 - 320 Seiten - gelesen als Hardcover (23,00 €)
das Buch hat mich jetzt zum Ende doch nochmal mehr überzeugt; jedoch fand ich die Rollen tlw sehr klischeehaft und auch die Protagonistin wurde mir nicht so ganz greifbar (ich verstehe auch bis jetzt nicht wieso sie sich überhaupt um Hubert so kümmert), außerdem hätte das Buch locker um 100 Seiten gekürzt werden können trotzdem insgesamt ganz sweet
Es ist eine Kunst, solche schweren Themen mit einem so leichten und humorvollen Erzählstil zu verpacken..mich hat das Buch in seinen Bahn gezogen!
Lindas Geschichte fand ich total passend und sie einfach so menschlich und sympathisch. Auch die Nebencharaktere habe ich ins Herz geschlossen und alle Figuren haben mit ihrer menschlichen Unperfektheit zusammen einfach Sinn gemacht 🌞
Nur das Ende fand ich etwas schnell, aber ansonsten ganz toll.
Eine große Empfehlung für alle, die sich gerne (oder auch nicht so gerne, so wie ich eigentlich) mit Traurigkeit und Tot aber auch mit Hoffnung, Warmherzigkeit und Humor beschäftigen wollen :))
3,5 ⭐️ Ich mochte die kurzen Kapitel und den Schreibstil. Die Harmonie und der Witz zwischen Ewa, Linda und Hubert hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonistin war für mich jedoch keine 15 jährige Schülerin, dafür war ihre Ausdrucksweise zu erwachsen. Zum Ende wurde die Geschichte dann relativ flott runter geschrieben und fühlte sich nicht mehr ganz so rund an. Der Buchtitel bleibt für mich wohl ein Rätsel.
Wunderschön melancholisch und doch sehr kurzweilig.
Passend zu den Todestagen meiner Omas die passende Mischung ihrer beider Schicksale. Und auch darüber hinaus bewegt Lindas Geschichte mehr als nur einmal.
REZENSION - „Ich brauchte nicht viel zu recherchieren, da ich erlebt habe, was es bedeutet, wenn Betroffene sich selbst verlieren, Angehörige Unterstützung brauchen und Pflegende überfordert sind. Das alles hat das Schreiben über Demenz bestimmt erleichtert“, erzählt die österreichische Autorin Petra Pellini (54), die als diplomierte Krankenschwester selbst viele Jahre in der Pflege demenzkranker Menschen tätig war, im Interview zu ihrem im Juli beim Kindler Verlag veröffentlichten Debütroman „Der Bademeister ohne Himmel“. Für einen ersten Auszug daraus war sie bereits 2021 völlig zu Recht mit dem Vorarlberger Literaturpreis ausgezeichnet worden. Dank ihrer fachlichen Erfahrung sowie ihren vielfältigen Erlebnissen mit Demenzkranken und deren Angehörigen ist es Pellini gelungen, einen herzerwärmenden Roman zu schreiben, der es trotz dieses schwierigen Themas in seinem lockeren und humorvollen Stil seinen Lesern erleichtert, sich mit der in unserer zunehmend alternden Gesellschaft immer häufiger verbreiteten Krankheit zu beschäftigen. Im Roman erleben wir die ungewöhnliche Freundschaft und fürsorgliche Hingabe der 15-jährigen Schülerin Linda zu dem 86-jährigen an Demenz erkrankten Hubert. Die pubertierende Linda kommt mit ihrer Mutter nicht klar, leidet unter dem Fehlen ihres Vaters, der die beiden nach vielen Streitigkeiten vor acht Jahren verließ, hat die gerade in der Pubertät häufigen Sorgen in der Schule und denkt deshalb darüber nach, „vor ein Auto zu laufen“. Hubert, der in seiner jetzigen geistigen Verfassung schon mal Karotten toastet und oft auf seine Frau wartet, die vor sieben Jahren gestorben ist, war sein Leben lang als Bademeister im nahen Strandbad unter freiem Himmel tätig. Seit seiner zunehmenden Demenz ist sein Lebensraum auf seine Wohnung – im Haus zwei Etagen über Lindas Wohnung – beschränkt, ganztägig umsorgt von der polnischen Pflegerin Ewa. Dreimal wöchentlich verbringt Linda nun den Nachmittag bei Hubert, um die Pflegerin zu entlasten, und leistet dem Senior Gesellschaft. Pellini gelingt es nicht nur meisterhaft, die fortschreitende Erkrankung und das für Außenstehende unverständliche Handeln des 86-Jährigen in einzelnen Situationen beispielhaft, plausibel und berührend zu schildern, sondern auch die Reaktionen der in seinem und Lindas Umfeld lebenden Personen. So ist Huberts Tochter – neben ihrer beruflichen Tätigkeit und ihrer eigenen Familie – mit der zusätzlichen Belastung der Pflegebedürftigkeit ihres Vaters in ihrem Verantwortungsbewusstsein emotional und nervlich überfordert. Überfordert, wenn auch auf ganz andere Art, ist auch Ewa, die in ihrer fachkundigen Pflege und liebevollen Fürsorge für den 86-Jährigen aufgeht, dabei aber ihr eigenes Privatleben und ihre persönlichen Bedürfnisse vernachlässigt. Die interessanteste Figur des Romans ist die erst 15-jährigen Linda, die durch ihre regelmäßige Begleitung des 86-Jährigen, den sie unbedingt im Leben halten will, und ihre Beobachtung seines langsamen Entgleitens die wahren Werte des Leben erkennt und zu schätzen lernt und ihre eigenen Probleme im Vergleich dazu als unwichtig verdrängt. Sie lernt Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst. Die Meinung über Pellinis Debütroman „Bademeister ohne Himmel“ mag unterschiedlich ausfallen: Betroffenen, die einen an Demenz Erkrankten zu umsorgen haben, mag der leichte, oft humorvolle Erzählton vielleicht dem ernsten Thema unangepasst erscheinen. Doch ist es genau die Absicht der als Krankenschwester erfahrenen Autorin, die Notwendigkeit zu zeigen, mit dem zu pflegenden Angehörigen nicht ständig wie mit einem Kranken und Siechen umzugehen, sondern seine „Macken“ gelassener hinzunehmen, ihn dennoch als vollwertigen Menschen zu akzeptieren und ihm vor allem seine Würde zu wahren. Genau dies schafft im Roman die 15-Jährige, die – frei von jeder persönlichen Verantwortung und anderweitigen Verpflichtung – dem Senior die notwendige Zuneigung geben und ihre Stunden mit ihm seinen Bedürfnissen anpassen kann. Die Autorin schildert nicht die Begegnung einer Minderjährigen mit einem Senior, sondern eine enge Beziehung zweier Menschen auf Augenhöhe. Die 15-jährige Linda spricht mit dem 86-Jährigen in ihrem Alter angepassten, stellenweise schnoddrigem, manchmal witzigem Ton. Genau dieser lockere, unbeschwerte Umgang mit dem Kranken beschert nicht nur ihm kleine Glücksmomente. Dieser humorvolle Ton ist es auch, der diesen empathischen Roman über den Umgang mit Demenz-Kranken von psychischer Last befreit, ihn trotz aller Problematik so leicht und warmherzig erscheinen lässt und deshalb so lesenswert macht. Dieses Buch wird auch noch nach der Lektüre seine Leserinnen und Leser beschäftigen, ohne sie aber emotional zu bedrücken.
Linda, ein fünfzehnjähriges Mädchen, ist innerlich zerrissen und denkt darüber nach, sich in den Tod zu stürzen. Sie wird jedoch von ihrem Freund Kevin, der unter der Weltlage leidet, und Hubert, einem 80-jährigen Bademeister im Ruhestand mit fortschreitender Demenz, davon abgehalten. Linda verbringt dreimal wöchentlich Zeit mit Hubert, um die polnische Pflegerin Ewa zu entlasten, und versucht, Hubert mit einfühlsamen und spielerischen Methoden im Leben zu halten. Doch das Schicksal bringt unerwartete Wendungen, die ihre Pläne durcheinanderbringen.
Für mich ist dies eine herzerwärmende Geschichte gewesen, die ich gerne gelesen habe, da sie mit amüsanten sowie auch nachdenklichen Momenten geschmückt ist. Auch die Charaktere fand ich gut gezeichnet und haben mich manchmal zum Schmunzeln gebracht. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Charaktere sehr nahe der Realität entspringen und somit sehr authentisch gewesen sind. Die Thematik Demenz ist einerseits stellenweise humorvoll dargestellt, jedoch verliert die Autorin nie den Ernst aus den Augen. Ich fand, dass die Autorin auf eine interessante Art und Weise diese Krankheit dargestellt hat. Selbstverständlich gab es auch die traurigen Momente in dieser Geschichte, die direkt ins Herz gegangen sind und mich auch berührt haben. Das Ende hat mir tatsächlich überhaupt nicht zugesagt und ich hätte dies auch nicht gebraucht. Insgesamt eine rührende Geschichte mit wichtigen und nachdenklichen Themen , die ich euch empfehlen kann.
Pellini erzählt hier die Geschichte einer 15/16-Jährigen, die sich zusammen mit einer liebenswürdigen Pflegerin um einen dementen Nachbarn kümmert. Manchmal ist die Erzählweise etwas zu langatmig (was aber dem langsamen Prozess des Sterbens gewissermaßen gerecht wird - und vielleicht auch mal angenehm sein kann im Vergleich zu vielen anderen "schnellen" Romanen). Ebenfalls ist es etwas schade, dass man über andere Personen/Handlungsstränge (z.B. Freund der Protagonistin) oder Huberts Vergangenheit wenig erfährt (auch das kann man jedoch als gelungene Anwendung der Demenz betrachten - macht das Buch aber teilweise unzufriedenstellend). Auch die Protagonistin ist teilweise etwas seltsam (bspw. ihr Humor) und es fällt schwer sich wirklich längerfristig mit ihr anzufreunden. Insgesamt hab ich mir etwas mehr von dem Buch erwartet, es ist jedoch eine akkurate Beschreibung des Alterns und der Demenz und man fühlt sich an vielen Stellen an selbsg erlebtes zurück erinnert. Das häufig wiederkehrende Zitat "Wir gleichzeitig lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung" wird mir zudem wohl auch in Erinnerung bleiben. 3,5/5 würd ich mal sagen.
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"Der Bademeister ohne Himmel" ist eine berührende Geschichte über eine faszinierende Freundschaft und den Sinn des Lebens! Linda ist 15 und möchte am liebsten vor ein Auto laufen, doch ihre Freundschaft mit Hubert hält sie davon ab. Hubert ist 86 und dement, weshalb er täglich mehr und mehr den Halt zur Welt verliert - Ganz wie Linda. Linda fühlt sich von ihm verstanden und versteht ihn genauso und verbringt deshalb seine letzten Wochen und Monate mit ihm, hält ihn am Leben und hält vorallem seine Erinnerungen an sein ehemaliges Leben wach. Diese unwahrscheinlich tolle Freundschaft in Kombination mit dem entspannten Schreibstil, der ab und an auch eine Brise Humor reinbringt, verleiht diesem Werk, das so viele schwierige Themen anspricht, eine Leichtigkeit, die es zur perfekten Sommerlektüre macht. Die Themen Depression, Suizid, Zukunftsängste und Demenz werden dem Leser so auf eine ruhige Weise nahe gebracht, mit einem Ende, das Hoffnung macht! Ich fande das Buch super und empfehle es als eine Sommerlektüre mit Tiefgang. Für alle, die eine Lektüre für einen sonnigen Tag auf dem Balkon suchen!
Ein wundervolles Buch über alles, was im Leben wichtig ist. Man beendet es und möchte das Buch direkt wieder von vorne anfangen zu lesen.
Immer wieder das Zitat von Hugo von Hofmannsthal:
„Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung.“
S.45: „Wo um Himmels Willen ist das Drama? Es ist sogar genial, wenn wir etwas verlegen. Das Suchen hat nämlich auch Vorteile: Wir sind beschäftigt, die Zeit vergeht wie im Flug und man findet dabei allerhand.“
S.73: „Humor findet man eher bei Lehrern in Nebenfächern. Wir geben Hubert doch auch nicht auf, nur weil er nicht funktioniert. Wenn wir alle aufgeben, die nicht funktionieren, na bravo!“
S.200: „Gerade in Huberts Alter ist es besonders wichtig, sich uneingeschränkt bewegen zu dürfen. Wie soll man denn die Welt verlassen, wenn einem die anderen nichts zutrauen?“
S.286: „Umso wichtiger, dass ich Ewa in den Arm nehme. Wir alle bekommen zu wenig von dem, was wir bräuchten. Ich frage mich, warum das so sein muss und ob es nicht einfacher wäre, wenn jeder ausspricht, was er braucht.“
S.294: „Die Entscheidung zu gehen, fällt mir mit jedem Mal schwerer. Wie soll man wissen, ob alles gesagt ist oder ob es noch etwas zu sagen gibt?“