Ein packender Lebensbericht einer ehemaligen Wohnungslosen und ein Aufruf zur Unterstützung obdachloser Frauen
Linda Rennings, selbst einst obdachlos, kämpft heute für Frauen auf der Straße. Mit ihrem Verein «Heimatlos in Köln» weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, bietet sie konkrete Unterstützung im harten Alltag. Die 60-Jährige spricht als ehemalige Leidensgenossin zu den Frauen, ihre Lebensgeschichte erzählt sie in «Rebellin der Straße» mitreißend und augenöffnend. Ihr schonungsloser Bericht steht exemplarisch für die Erlebnisse vieler Frauen, die auf der Straße besonderen Gefahren ausgesetzt sind. Wer soziales Engagement leben und den täglichen Kampf der steigenden Zahl obdachloser Menschen wirklich verstehen will, kommt an Linda Rennings nicht vorbei.
Augenöffnend wäre ein passendes Wort um dieses Buch von Linda Rennings zu beschreiben. Man muss dazu sagen, dass es leider augenöffnend ist. Das ist der Tatsache geschuldet, dass Rennings Perspektive als wohnungslose Frau in unserer Gesellschaft unterrepräsentiert bis überhaupt nicht repräsentiert ist. In ihrem Buch beschreibt sie ihr Leben - von ihrer Kindheit in schwerer Armut, über ihre Gewaltehen, ihre plötzliche Wohnungslosigkeit bis hin zum Überwinden davon. Oft musste ich das Buch weglegen, weil ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskam oder den Tränen nahe war.
Lesen, wenn: Du intersektionale Feministin bist und dich auch mit Perspektiven auseinandersetzen willst, die noch zu wenig Beachtung finden. Du vielleicht mit wohnungslosen Menschen arbeitest und eine neue Perspektive auf sie brauchst oder willst.
Nicht lesen, wenn: Da fällt mir beim besten Willen kein Grund ein.
3.5 ⭐ | Linda Rennings, selbst ehemals obdachlos, teilt in diesem packenden Bericht ihre Geschichte und ihre heutige Arbeit für wohnungslose Menschen. Mit ihrem Verein „Heimatlos in Köln“ bietet sie wertvolle Unterstützung und spricht als Leidensgenossin auf Augenhöhe zu den Frauen. Das Buch beleuchtet eindrucksvoll die systemische Armut in Deutschland und zeigt die vielfältigen Gründe, warum Menschen – freiwillig oder unfreiwillig – auf der Strasse landen.
Anfangs störte mich die Sprache der Autorin, doch bald erkannte ich sie als Ausdruck ihrer Authentizität. Die Einblicke in die Lebensrealitäten obdachloser Frauen sind äusserst aufschlussreich, und es wird deutlich, wie dringend finanzielle Unterstützung für solche Initiativen notwendig ist. Rennings arbeitet aus einer einzigartigen Perspektive und verdient viel mehr Anerkennung für ihr Engagement.
Trotz des tiefgründigen Berichts bleiben einige Fragen zur Geschichte der Autorin offen. Insgesamt ein wichtiges Buch, das mehr Aufmerksamkeit auf obdachlose Frauen lenkt und zu sozialem Engagement aufruft.
Ich bedanke mich beim Verlag, der mir via NetGalley ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
Linda Rennings beschreibt eindrucksvoll in ihrem Buch welcher Gewalt und Repressalien sich wohnungslose Menschen und insbesondere wohnungslose Frauen aussetzen müssen und wie das politische System diese Menschen vergisst und mitunter bewusst vertreibt und ausgrenzt. Die innere Zerrissenheit zwischen dem Gefühl der Freiheit und Selbstbemächtigung auf der gefährlichen Straße und der ständigen Unterdrückung in Wohnungen von Straßenfreiern oder der Bevormundung in betreuten Wohneinrichtungen ist gut nachzuempfinden und zeigt abermals wie sehr wohnungslose Frauen in Deutschland objektifiziert werden. Das Buch erinnert daran, dass wegschauen Menschen tötet und sie davor in menschenwürdige Leben drängt. Ein Buch für jede*n, der*die daran erinnert werden will, welche Kosten die Vermögensungleichheit wirklich fordert.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Wohnungslosigkeit – ein Problem, das immer größer zu werden scheint. Bisher hatte ich zum Thema Obdachlosigkeit drei Bücher gelesen, in denen Auto oder Zelt als Rückzugsort dienten. Linda Rennings Buch „Rebellin auf der Straße“ beschreibt hingegen die wohnungslosen Menschen, die wir in Köln antreffen. Leute, die in Hauseingängen Schutz suchen, vor Supermärkten nach Kleingeld fragen – das sind Bilder, die wir sicherlich alle kennen. Die Autorin ist Streetworkerin und gründete den Verein „Heimatlos in Köln“, nachdem sie selbst nach 5 Jahren ohne eigenem Dach über dem Kopf wieder in eine Wohnung gezogen war. Sie kennt die Probleme von Obdachlosen also aus erster Hand und liefert einen authentischen Einblick in deren Lebensrealiät. Rennings berichtet von ihrem eigenen Werdegang, dem Großwerden bei der liebevollen Großmutter – aber auch von den Zeiten, die sie mit ihrer rücksichtslosen, gewalttätigen Mutter verbringen musste. Auch später spielt Gewalt eine Rolle in ihrem Leben und dem ihrer Tochter. Als Rennings nicht mehr arbeiten kann, geht dies mit dem Wohnungsverlust einher. Wo können Toiletten benutzt werden, wo kann man sich waschen? Gerade für Frauen noch schwieriger zu lösen, als für Männer. Auch Angebote von Hilfsorganisationen sind oft nicht kostenfrei, sodass hier für eine Dusche, das Wäschewaschen oder Kaffee bezahlt werden muss. Dazu haben es teilweise auch Wohnunslosen-Freier auf die verletzlichen Frauen abgesehen, nach dem Motto: du kannst bei mir wohnen, ich nehme mir, was ich von dir brauche. Besonders nachdenklich gemacht hat mich aber, dass Wohnungslose in Übergangsunterkünften oft gar nicht zurechtkommen. Auf der Straße müssen sie sich kaum an Regeln halten und plötzlich gibt es eine ganze Menge von diesen. In seiner Freiheit ist man so arg beschnitten, dass viele von selbst wieder auf die Straße gehen oder rausfliegen. Für mich ein erster Einblick in die Wohnungslosigkeit in Deutschland, die einen schneller treffen kann, als wir ahnen. 4 Sterne für dieses bewegende Buch, lediglich eine Erweiterung um Statistiken hätte ich mir noch gewünscht.