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Alles dazwischen, darüber hinaus

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VON DER UNMÖGLICHKEIT DER SPRACHE
Zunächst sind die WORTE ganz, ergeben Sinn, doch sobald sie MICHAELS MUND verlassen, fallen sie zu Boden und ZERBRECHEN, noch bevor sie fremde Ohren erreichen, wie kleine Porzellantassen vor den Augen. Seine Mama ÜBERSETZT, zwischen ihm und der Welt. Sie versteht ihn. Als einzige. "Brabbeln" sagt die PÄDAGOGIN in der Spielgruppe dazu. "Wahrnehmungsstörung" nennen es die ÄRZT*INNEN. Einige Jahre später hat die Welt andere Worte für Computerköpfchen, Pussy, Schwinghomo, Bärli. Namen, doch kein einziger, der diesem ICH gehört.
Michael
Michel
Mila
Mela
Mel
Maë
"Ein Name aus einem Namen entnommen, aus einer Sprache genommen, um zu einer zu finden."

ÜBER DAS VERLANGEN – NACH EINER EIGENEN SPRACHE, DEM EIGENEN KÖRPER, EINEM EIGENEN ICH
Eindrucksvoll und poetisch schreibt sich Maë Schwinghammer von einer SUCHE NACH VERSTÄNDNIS, an deren Ende ein gefundenes Ich steht; erzählt vom Aufwachsen in der ARBEITER*INNENKLASSE, von WURZELN in Österreich und Serbien, von der FLUIDITÄT der Geschlechter, von SEXUALITÄT, LIEBE und FREUND*INNENSCHAFT, von AUTISMUS und der Annäherung an gewählte und ungewählte FAMILIEN. Ein SCHMERZHAFTER und zugleich HEILSAMER Roman. Ein Debüt, das beides das Einfangen von STILLE. Oder das Weglassen von ebendieser.

Kindle Edition

Published August 15, 2024

8 people are currently reading
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About the author

Maë Schwinghammer

2 books2 followers

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18 (15%)
2 stars
2 (1%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Rick Lupert.
98 reviews8 followers
August 23, 2024
Maë Schwinghammers Debütroman "Alles dazwischen, darüber hinaus" ist ein zärtlich und feinfühlig erzählter Text über das Zu-Sich-Selbst-Finden des Ichs, das den Roman erzählt. Dieses Ich entstammt einer Arbeiter*innenfamilie, ist queer (schläft mit Männern und Frauen und ist selbst weder Mann noch Frau) und neurodivers. Diese drei großen Themenbereiche werden von Schwinghammer auf ungezwungene und zwingende Art und Weise miteinander verknüpft - gehören sie doch für Protagonist*in (und Autor*in) untrennbar zusammen, weil hier ein Leben beschrieben wird, das von diesen drei Faktoren geprägt wurde. In kurzen, höchstens drei oder vier Seiten langen Episoden schreitet die Erzählung flott voran - durch die einfache, sofort eingängige Sprache liest sich der Roman schnell. Maë Schwinghammer steht mit dieser Art der Autofiktion in einer Tradition, zu der Annie Ernaux und Édouard Louis gehören - ohne diese Einflüsse kann ich mir die Genese dieses Romans kaum vorstellen. Doch Schwinghammer hat etwas Eigenes daraus gemacht: Sprachlich ist der Roman immer wieder Wienerisch gefärbt; auch Serbisch kommt familienbedingt vor. Es werden alternative Wege zu Lieben geschildert; befreiende Trips nach Berlin; das Aufbauen einer neuen Familie; und das Versöhnen mit der alten. Schwinghammer kommt ganz ohne Verweise auf diverse Theoriegebäude, wie sie Eribon und Louis gerne vornehmen, und ohne große Stilexperimente, wie sie Kim de L'Horizon im "Blutbuch" präsentiert, aus. "Alles dazwischen, darüber hinaus" ist dadurch zugänglicher als die Werke, mit denen man den Roman automatisch in Verbindung bringt. Das führt auch dazu, dass einem das Ich sehr nah kommt, weil es sich weder hinter Kunstfertigkeit noch hinter Verweisen versteckt, sondern sich offen und ehrlich präsentiert. Ein emotionales Leseerlebnis; ein beeindruckender Debütroman - nicht nur, aber auch für Fans der französischen und berndeutschen Autofiktion besonders zu empfehlen.
Profile Image for Cristian.
3 reviews1 follower
December 26, 2025
Ich fand das Buch schön. Die Geschichte ist eine Reise der Selbstentdeckung und der Resilienz von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Mae Schwinghammer erzählt die Geschichte wunderschön. Sie ist flüssig zu lesen und leicht nachzuempfinden. Ein schöner Roman. <3
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
211 reviews36 followers
September 12, 2024
In ihrem Romandebüt erzählt Maë Schwinghammer von der Suche nach den richtigen Worten. Sie, seit ihrer Kindheit mit unzähligen Namen und Bezeichnungen belegt, bedacht, beschimpft, nähert sich in „Alles dazwischen, darüber hinaus“ den Selbstbezeichnungen an, die sich für sie richtig anfühlen.
Maë, AMAB, wächst unter dem Namen Michael in Wien Simmering als eins von zwei Kindern einer typischen Arbeiterfamilie auf. Mit dem Sprechen lernen gibt es Schwierigkeiten, nur die Mutter versteht (meistens), was ihr Kind sagen will und übersetzt zwischen Kind und Welt. Später wird eine Wahrnehmungsstörung diagnostiziert.
In kurzen Episoden, in einer klaren, unverschnörkelten Sprache berichtet Schwinghammer von einer Kindheit und Jugend mit allgegenwärtigem Klassismus und homophobem Bullying, später von der „Beweisführung meiner Existenz“, als Maë gezwungen ist, dem Gesundheitssystem zu erläutern, warum sie eine Frau ist. Immer beginnen diese Episoden mit Worten oder Sätzen, die Nachdruck haben, die prägen, die im Leben bleiben werden. Und irgendwann wird Maë sich lösen von den Begriffen, die an ihr kleben, und ihre eigenen Worte finden.

(CN: Mobbing, Queerfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Klassismus, Ableismus)
Profile Image for Carlotta.
8 reviews
September 11, 2025
Es ist wirklich einfach toll, so schöne Wörter, so viele Themen, große große Empfehlung!
Profile Image for ada ☽.
197 reviews3 followers
May 26, 2025
eine wichtige erzählung davon, wie es sich anfühlen kann, queer und neurodivergent aufzuwachsen und die eigene identität zu erforschen und in worte zu fassen. ich fand es ein wenig schade, dass einige emotionen nur oberflächlich angeschnitten wurden; das ist sicher zum teil der poetisierten sprache zuzuschreiben, die den text vielleicht notwendigerweise abstrakter macht. ich hätte mir gewünscht, dass der roman mehr in die tiefe gegangen wäre, vor allem, weil so viele komplexe, relevante und unterrepräsentierte themen behandelt werden. trotzdem ein starkes, mutiges buch über die vielen formen des anders-seins und was eine identität außerhalb gesellschaftlicher normen für die beziehungen zu sich selbst und der welt bedeuten kann.
Profile Image for Vicky.
284 reviews32 followers
December 5, 2024
Traurigschöne Reise zu sich selbst


“Mit jedem Foto, jeder Erinnerung, jeder Urkunde und Anekdote, die ich übereinanderlege, wirkt das Gesamtbild kongruenter, ich sehe nicht mehr verschwommen. Ich sehe eine Version der Geschichte vor mir, ich erzähle sie, und was erzählbar ist, erzählbar wird, ist weniger furchteinflößend.” (S. 213)


Autofiktionale Literatur von Transmenschen und/oder nicht binären Personen zu lesen, ist etwas ganz Besonderes. Für die, die selbst trans und/oder nicht binär sind, sind diese Texte die Möglichkeit, sich mit einem ähnlichen Schicksal zu identifizieren, sich verstanden und durch die Worte anderer geborgen zu fühlen. Für Cis-Menschen sind sie aber nicht weniger wertvoll. Auch wir, die wir uns - mehr oder weniger - mit unserem Geburtsgeschlecht identifizieren, können von ihnen profitieren. Es ist unglaublich, welch erzählerisches Potenzial in Geschichten über Menschen steckt, die nicht der binären Norm entsprechen. Deswegen lese ich sie so gerne. Wir lernen durch solche Texte besser zu verstehen, dass es eben mehr gibt als “er” und “sie” und die Welt alles andere als schwarzweiß ist. Die Welt ist bunt und das vermittelt uns auch Maë Schwinghammer (they/sie/ihr/keine) in deren (ich entschuldige mich, wenn ich das mit den Pronomen noch nicht zu hundertprozentig hinbekomme) Debütroman.

Mit “Alles dazwischen, darüber hinaus” erzählt Schwinghammer die eigene Lebensgeschichte autofiktional auf sehr eindringliche, oft humorvolle, manchmal traurige und immer erfrischend “andere” Weise.


Das Buch ist eine Aneinanderreihung von autobiographischen Skizzen und kurzen Szenen aus dem Leben eines grenzgängerischen Menschen. Schwinghammer hangelt sich an der eigenen Biografie entlang, bis zu dem Punkt, an dem they eine Selbstbezeichnung gefunden hat: Maë.


Die Welt ist zunächst ein unzugängliches Chaos aus Worten und Zeichen für den 5-jährigen Michael aus Wien-Simmerung, der sich nicht wirklich zurechtfinden kann in dem System, das ihm die Erwachsenen auf dem Silbertablett präsentieren und in das “er” sich gefälligst einfügen soll. Auch wenn die Eltern meist verständnisvoll sind und versuchen, sich mit ihrem Kind auseinandersetzen, fühlt sich dieses unverstanden und fehl am Platz. Mobbing und das immer neue Benennen mit immer anderen Namen machen Michael, wie they ursprünglich hieß, zu schaffen. Wir erleben, wie aus dem Kind ein Jugendlicher wird, der sehr gut in der Schule ist und schließlich ein Erwachsener, der studiert, obwohl die Familie der Arbeiterklasse entstammt. Die Auseinandersetzung mit der eigenen, fluiden Sexualität ist ein Experiment, an dem für Schwinghammer 2019 die Erkenntnis steht: nicht binär. Eine Bezeichnung, die relativ neu in den Sprachgebrauch gekommen ist und für so viele den absoluten Befreiungsschlag bedeutet. 


Mich hat die Lektüre sehr berührt und obwohl ich 11 Jahre älter bin als Maë, konnte ich viele “Millienial-Struggles” und Versatzstücke der Generation Y wiedererkennen (peinlicher CD-Kauf bei den Elektro-Läden, die immer einen Weltall-Namen haben, Gameboy, negative Erfahrungen im Skilager, etc. pp.). Maë Schwinghammer schafft es, mit einer schnörkellosen, zugänglichen Sprache eine Tiefe in der Bedeutung zu erzeugen, die mir sehr gefallen hat. Trotz aller Ernsthaftigkeit musste ich immer wieder schmunzeln über die authentischen Situationen, die hier beschrieben werden. Manchmal hat mich die Lektüre etwas an “Ein schönes Ausländerkind” von Toxische Pommes erinnert. Denn auch die Hauptfigur in “Alles dazwischen, darüber hinaus” ist Österreicher*in mit Migrationshintergrund, in diesem Fall einem serbischen. Fast schon tragikomisch fand ich die Figur des Vaters, der sich immer wieder in die Welt des Verkaufs zurückkämpfen will, und auch die Mutter hat eine berührende Geschichte.


“Alles dazwischen, darüber hinaus” ist ein versöhnliches Buch und eine schöne Geschichte. Nicht nur weil sie beschreibt, dass und wie ein Mensch sich selbst gefunden hat, sondern auch weil sie Zeugnis abliefert davon, dass es auch anders geht. Dass familiärer Rückhalt und echte Freund:innenschaft existieren - auch für nicht binäre Menschen und auch jenseits eines bildungsbürgerlichen Elternhauses. Absolut toll und mit übertriebenem Weihnachtsgeschenkpotenzial (man beachte auch die sehr schöne, hochwertige Buchgestaltung) - für alle.
Profile Image for Pius.
108 reviews1 follower
February 1, 2025
ein wichtiges buch über die vielen formen des andersseins der erzählerperson, die so in der österreichischen literatur nicht zuvor beschrieben waren und mich viel verstehen lassen, was nicht zum teil meiner eigenen geschichte und identität gehört, und doch viele geteilte erfahrungen des queeren aufwachsens in österreichs aufzeigt. die geschichte zu sich selbst, die das buch beschreibt, ist leider aber zu fragmentarisch, es liest sich wie ein highlight-reel eines bisherigen lebens, dem mehr verbindung zwischen den zahlreichen anekdoten sicherlich gut getan hätte. dieser ansatz, die ganze geschichte durch wenige ausschnitte zu erzählen, misslingt dabei, vielmehr verfremdet sich so die erfahrung, da wir ständig umherspringen, anstatt uns auf unser*e protagonist*in einlassen zu können. das buch will zu viel sein, zu viel repräsentieren, und hätte durch weniger sicherlich mehr gewicht bekommen.
Profile Image for Noah W.
20 reviews1 follower
February 18, 2025
3.5
Ich mochte es schon gerne, es waren interessante Perspektiven zu Autismus und Nicht-binärität einer Person mit Arbeiter:innen Eltern. Hat mich bisschen an Blutbuch erinnert zwischendurch aber halt nicht ganz so krass. Sehr wenig Text iwie insgesamt.
184 reviews1 follower
December 25, 2025
Wie schon im Buch beschrieben wird, es ist ein einfühlsamer Roman das sich mit den Themen Mobbing, Queer- und Transfeindlichkeit und Klassismus beschäftigt.
Profile Image for S..
116 reviews1 follower
January 29, 2025
Großartig und tief berührend schreibt Maë Schwinghammer über Identität, das Erwachsen werden, Sexualität und Familie. Diese Erzählung hat mich im Sturm erobert, mich mitgerissen und Worte gefunden für Erlebnisse und Emotionen, die ich nur zu gut nachempfinden kann. So zart und zugleich kraftvoll war schon lange keine meiner Lektüren mehr. Ganz, ganz große Leseempfehlung!
Displaying 1 - 12 of 12 reviews

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