Eine namenlose Person wandelt durch das chaotische Hanoi. Sie dümpelt dem Traum hinterher, vom Schreiben zu leben, und wird dabei mit nichts Geringerem konfrontiert als dem gesellschaftlichen Anspruch, das Sinnvollste aus dem eigenen Leben zu machen. Weil sie sich aber immer wieder ablenken lässt von den Menschen und Geschichten, denen sie unterwegs begegnet, hält sich die Hauptfigur mit dem Verkauf von Fritteusen über Wasser. Als sie plötzlich einen wichtigen Menschen verliert, fällt sie in eine tiefe Lethargie und begibt sich in ungewöhnlicher Begleitung auf eine abenteuerliche Fahrt durch den Dschungel, um eine letzte Lieferung auszuführen. In Pola Schneemelchers Debütroman Dümpeln geht es um den unbedingten Wunsch einer ganzen Generation nach Selbstverwirklichung, der dringende gesellschaftliche Themen untergeordnet werden. Es geht um die Gleichgültigkeit gegenüber postkolonialen Strukturen, um das Erleben eigener Geschlechterklischees — und um Fritteusen.
Unsere Protagonistin befindet sich in Vietnam. Hier möchte sie eigentlich ein Buch schreiben. Da ihr jedoch die Inspiration fehlt, verkauft sie Fritteusen und dümpelt herum. Sie trifft sich mit anderen Expats, hängt in Bars und Cafés ab und fährt mit ihrem Roller umher. Nach einem Verlusterlebnis macht sie sich mit zwei weiteren Personen auf in den Dschungel, um eine Mission zu erledigen.
Eigentlich hätte hier alles gepasst. Eine interessante Story, ein cooles Cover, eine witzige Crowdfunding-Aktion. Dazu Kritik an der Expatkultur und an der Igonranz von europäischen Travelern in Vietnam. Das Lesen war leider ernüchternd. Ich empfand die Geschichte als langweilig, trostlos, belanglos. Das Buch spiegelt das Dümpeln der Protagonistin wider, doch das hat nicht für ein interessantes Leseerlebnis gereicht. Ich war kurz davor, das Buch abzubrechen. Sehr schade.
In „Dümpeln“ macht die Protagonistin genau das: Sie dümpelt vor sich hin und das auch noch im lebhaften Hanoi in Vietnam. Eigentlich will sie gerne Autorin sein, sie schreibt jedoch nicht, sondern versucht stattdessen Friteusen zu verkaufen - ein Gerät, auf das das Land nur gewartet hat? Und dann auch noch vertrieben und verkauft von einer Möchte-gern-Autorin? Während die Protagonistin also versucht, sich ein erfolgreiches aber anspruchsloses Nebengeschäft aufzubauen, trifft sie weitere sog. Expats in Hanoi, verliert sie sich immer wieder in den Geschichten und Begegnungen unterwegs. Nach einer unerwarteten Wendung begibt sie sich schließlich mit zwei weiteren suchenden Expats auf eine abenteuerliche Reise durch Vietnam.
Ich mochte den ironischen und nüchternen Schreibstil, der die Handlungen der Deutschen in Vietnam zwar nicht explizit kommentiert, aber immer wieder die Abstrusität ihrer Vorstellungen und Handlungen vor Augen führt. Vietnames:innen kommen in der Welt der Deutschen, obwohl in Vietnam, nur am Rande vor, gleichzeitig wird die eigene Kritik der Deutschen daran entlarvend naiv dargestellt. Die Charaktere sind zwar teilweise klischeehaft gezeichnet, dadurch war die Lektüre aber trotz des eigentlich anspruchsvollen Themas immer wieder sehr unterhaltsam.
Für Leser:innen, die auf der Suche nach einem Roman sind, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt, ist „Dümpeln“ eine klare Empfehlung. Insbesondere Menschen, die selbst schon Backpacking in den typischen Tourismuszielen gemacht haben, werden sicher einiges wiedererkennen und sich hoffentlich manchmal auch ertappt fühlen.
Die zwei Sterne gehen wirklich nur an die tiefe Auseinandersetzung mit dem Land und der akkuraten Darstellung von Vietnam. Ich muss sagen, dass es mich beeindruckt hat, wie die Autorin als Weiße über die vietnamesische Kultur schreiben kann. Ich musste an einigen Stelle etwas schmunzeln, weil das so vietnamesisch war. Not bad.
Die Kritik an die postkoloniale Struktur, verursacht von ahnungslosen Tourist:innen, wurde relativ latent thematisiert und regt zum Nachdenken an.
Zum Plot ***Spoiler***
HÄÄÄÄÄ??? Was sollte das letzte Drittel? Das Buch hatte in meinen Augen den Anschein gehabt, dass es sich um eine Selbstfindung der Hauptfigur geht. Das Ende soll zeigen, meiner Ansicht nach, dass Dinge oft nicht so laufen, wie man es sich gewünscht hatte. Wichtig ist auch loslassen zu können? Oder nicht? Auch ich hatte gedacht, dass die Fritteuse eine Art von Symbolik für den Sinn des Lebens ist… aber das Ende hat mich schon sehr arg irritiert hääää
Die Beschreibung durch den Titel "Dümpeln" passt sehr gut und es war interessant die Protagonistin auf diesem ziellosen Weg zu begleiten. Dennoch fand ich es schwer mich in die Protagonistin einzufühlen, sodass mich das Buch trotz der Kürze teilweiße gelangweilt hat.
"Es gab das Leben, das nicht wichtig war, weil ich morgen sterben könnte. Und es gab das Leben, das so wichtig war, weil ich morgen sterben könnte. Und dazwischen gab es das Jetzt, das in der nächsten Sekunde schon vorbei war."
Westliche Tourist*innen, die nach Vietnam reisen, um sich selbst oder das ‘wahre Vietnam’ zu finden, oder wahlweise auch ein authentisches Abenteuer zu erleben - darüber schreibt Pola Schneemelcher, allerdings auf eine entlarvende, beinahe zynische Art.
Ihre Protagonistin strotzt vor Privilegien und hat die Möglichkeit, ihr junges Erwachsenenleben einfach nur vor sich hinzudümpeln - präferiert im Ausland, mit dem Ziel, irgendwann ein Buch zu schreiben. In Vietnam trifft sie einen alten Bekannten wieder, der sie dabei unterstützt, Fritteusen zu verkaufen, die absolut nicht gebraucht werden. Unterbrochen wird diese Perspektive immer wieder durch eine ebenfalls deutsche Journalistin, die sich den beiden auf einer Reise anschließt. Als einzige blickt sie kritisch auf das kolonialistisch anmutende Verhalten der Tourist*innen, bleibt aber in der Beobachtungsposition.
‘Dümpeln’ ist das erste Buch aus dem Almost-Verlag und macht definitiv Lust auf mehr. Obwohl die Zuspitzung des ignoranten Verhaltens sehr deutlich ist, hat mir gefallen, dass die Autorin ein Nachwort mit kritischer Einordnung verfasst hat. Zwischendurch dümpelt die Geschichte so vor sich hin, was ich als gelungenes Stilmittel empfunden habe.
Interessanter Ansatz, weniger gut umgesetzt. Eine fast schmerzhaft gute Darstellung von Orientierungslosigkeit einer Person, die keine Richtung im Leben hat. Kritik an "Expats", die wenig in die Tiefe ging, vor Allem im Charakter der Journalistin.
Diese hielt sich für die heilige Sameriterin, weil sie ständig herummäkelte, dass niemand der anderen Touristen das "wahre Vietnam" kenne- und benahm sich genauso wie die anderen Touristen. Ich hätte sie gerne geschüttelt und gesagt: "Wenn du 1) kein Vietnamesisch sprichst und 2) dich fast nur mit anderen Touristen triffst, ist es kein Wunder, dass Du das wahre Vietnam nicht kennst!". Ich weiß nicht, ob diese Figur die "kritische Stimme" im Buch sein sollte, aber ich fand sie einfach nur anstrengend und ihre Kritik oberflächlich und von oben herab.
Story etwas orientierungslos (der Name ist Programm) aber eine gute Charakterisierung von Vietnam oder Hanoi. Wirkte etwas wie ein unfertiges Reisetagebuch mit vielen interessanten Ideen, die selten zu Ende geführt wurden.
Die Geschichte plätschert gemütlich vor sich hin. Die Autorin, gesponsert von einer wohlhabenden Tante, zieht es nach Vietnam, wo sie unter dem Vorwand Fritteusen verkaufen zu wollen, versucht Geschichten über die Menschen um sie herum zu sammeln und ein Buch zu schreiben. Es sollte kein Buch über Sinnfindung, Erleuchtung o. ä. werden. Zwischendurch fand ich die Story sehr sprunghaft und ungeordnet, vor allem in der ersten Hälfte des Buches. Zum Ende hin hat sie dann eine schöne Geschichte aufgebaut über ihre Reise mit einem Freund und einer Journalistin in den Dschungel und zurück. Dieser Teil der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Zum Glück hat das Buch unter 200 Seiten, dadurch war es nett für mal zwischendurch, aber es hat mich nicht vom Hocker gerissen, schade, denn ich hatte anderes erhofft.
Kurzweiliges Buch, das einem vor Augen hält, wie 'blind' man doch andere Länder und Kulturen bereisen kann. Leider war mir die Geschichte insgesamt etwas zu flach.
manchmal müssen wir vor uns hin dümpeln bis wir einen Sinn/eine Aufgabe für uns finden - dieser größtenteils monotone und gesellschaftlich nicht etablierte Prozess ist hier gut dargestellt, ebenso wie der Moment der Klarheit und der folgende Aktivismus, den man an sich schon vergessen hatte.
hat mich an einem guten Punkt getroffen (wenn auch nicht in Vietnam) - note to myself: immer geduldig und bei mir selbst bleiben