2,5 🌟
Vielleicht waren meine Erwartungen an das Finale dieser doch tollen Reihe viel zu hoch. Vielleicht liegt es aber auch gar nicht an mir, sondern am Buch, vielleicht auch umgekehrt, wer weiß das schon, auf jeden Fall fällt es mir auf der einen Seite schwer, das Buch so abzustrafen, andererseits bin ich aber auch irgendwie total enttäuscht und habe mir lange Gedanken gemacht, warum ich es eben doch tue. Hach.
Zu aller erst bin ich mit Harper nicht richtig warm geworden. Das allein macht mir normalerweise nichts aus, weil ich einen Charakter nicht unbedingt mögen muss, um die Handlung zu mögen, aber sie war einfach so stereotyp, dass ich sie im Verlauf der Geschichte immer weniger mochte. Dabei war ich so gespannt auf sie.
Sie ist die klassische gefühlskalte Protagonistin, die nur durch ihre Rachegedanken angetrieben wird, und deshalb nicht daran glaubt, die Liebe verdient zu haben. Begründet wird das mit dem Verlust ihrer Eltern, was mir einfach nicht richtig einleuchten wollte, denn sie hat sie ja nie kennen gelernt. Hier hätte es für mich einfach mehr Sinn gemacht, wenn sie zu ihren Eltern eine Bindung gehabt hätte, um ihre starken Rachegefühle zu rechtfertigen. Dazu kommt, dass sie Holden (ihrem Zwillingsbruder) vorwirft, so schnell über deren Tod hinweg gekommen zu sein, weil er ihren Wunsch nach Rache nicht teilt. Das war einfach unsympathisch.
Die Art und Weise, wie Harper sich Roxy und Shaw gegenüber verhält, macht es für mich nicht besser. Ich denke, dass man als Leser:in über die vorherigen Bände einfach schon eine zu enge Bindung zu den beiden aufgebaut hat, um nun aufs Harper’s Seite sein zu können. Zumindest ging es mir so. Außerdem ist sie generell engstirnig, recht unbelehrbar, viel zu hart zu sich selbst und damit auch zu anderen, voller Vorurteile, unfreundlich, und leider merkt man auch nicht, dass da mehr hinter steckt.
Mein zweiter großer Kritikpunkt ist die Vorhersehbarkeit der Handlung. Von der letzten Nacht vor der Schlacht, wo dann noch mal eben in die Kiste gestiegen wird, bis hin zur Entwicklung von Jules‘ Rolle, war die Handlung einfach nicht wirklich überraschend für mich.
Die einzelnen Szenen waren ganz klar voneinander abgegrenzt: Kampfszene Anfang, ganz viel Blut, Kampfszene Ende, spicy Annäherung, sinnlose Unterbrechung, nächster Tag, Pläne schmieden Anfang, Pläne schmieden Ende… meiner Meinung nach fehlte da einfach der Fluss. Nichts ging wirklich schön ineinander über.
Letztendlich habe ich einfach gemerkt, dass der Schreibstil der Autorin irgendwie nicht mehr unbedingt meins ist. Das liegt vielleicht einfach an mir und meinem Geschmack, aber ich fand weder die Kampfszenen spannend geschrieben, sondern eher unnötig langatmig, noch habe ich irgendwas gefühlt, als es um die Lovestory zwischen Jules und Harper ging. Das war bei Warden und Cain definitiv noch anders. Ich habe keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert ist, aber mich hat’s schon sehr früh in der Geschichte komplett verloren. Sehr schade.
Ich würde die Reihe insgesamt jedem sehr empfehlen, mein persönliches Fazit ist aber, dass mir Biancas Bücher und die Storyline um Roxy und Shaw einfach um Längen besser gefallen hat.