Was die Love Parade mit der Antike verbindet? Der zutiefst menschliche Wunsch nach Ekstase.
Wir alle sind von klein auf danach sü Wir sitzen auf der Schaukel, wollen so schnell so hoch wie nur möglich und dann, im Zenit, den Kopf nach hinten werfen und gefühlt aus dem eigenen Körper katapultiert werden …
Kontrollverlust, geistige Entrückung, größte Freude, Selbsttranszendenz – all das stellt nur eine kleine Auswahl der Zustände dar, die Menschen als bewusstseinserweiternd und oft als glückserzeugend erleben. Ein Begriff kommt dabei häufig zum Ekstase. Nicht zufällig ist nach ihm eine Partydroge aus der Technoszene benannt. Ekstase tritt zu allen Zeiten und in allen Kulturen in Musik und Kunst, Halluzination und Vision, Tanz und Trance, Gemeinschaftsgefühl und Orgasmus. Dabei hat sie in der modernen Wissenschaft ein schlechtes Spätestens seit der Aufklärung gelten solch irrationale Momente als primitiv, ja gar als Merkmal angeblich rückständiger Zivilisationen. Ganz anders als in der Antike, wo Träume, Prophezeiungen, Visionen und Orakel als selbstverständlich galten.
Racha Kirakosian nähert sich der Ekstase aus verschiedenen der des Individuums, etwa anhand der Schmerzerfahrung, aber auch der des Kollektivs, etwa beim Thema Massenwahn. Gekonnt vereint sie Religionsgeschichte, Kulturgeschichte und Medizin, um eine spannende, facettenreiche Seite unseres Daseins zu beleuchten, zu der auch dunkle Aspekte wie Misogynie, Hexenjagd und politische Manipulation gehören.
“Berauscht der Sinne beraubt” ist eine kulturhistorische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Ekstase der Mediävistik Professorin Racha Kirakosian. Erschienen ist das Buch bei Propyläen, einem Imprint des Ullstein Verlags. Kirakosians Fachgebiete und Forschung konzentrieren sich auf die Schnittstelle von Frauengeschichte, Textkultur und Religion des Mittelalters - und das ist in diesem Text, wie auch der wissenschaftliche Hintergrund, klar erkennbar. Das knallige, psychedelische Cover, der Klappentext und sogar das Vorwort können da leicht zu falschen Erwartungen führen.
Ich habe mich mit dem Einstieg schwer getan. Nicht unbedingt wegen der wissenschaftlichen Sprache und dem Fachjargon, die man in den ersten Kapiteln um die Ohren gepfeffert bekommt. Damit kann ich umgehen. Der geschichtliche Abriss aus der Antike, später aus dem Mittelalter, den man erhält, ist zwar inhaltlich spannend, aber auch erschlagend. Vor allem, weil es erstmal keine Verknüpfungen gibt, keine Zusammenhänge erklärt werden und diese exemplarischen Erwähnungen somit nur eine lange Auflistung sind, die wenig attraktiv zu lesen war. Ja, ich habe einige Seiten nur quergelesen. Die Brutalität der Quellentexte und die Ausführlichkeit, mit der diese besprochen wurden, waren stellenweise für mich ausserdem schwer zu ertragen (Schmerz und Ekstase). Im weiteren Verlauf wurde das Buch für mich einfacher zu lesen - inhaltlich wie sprachlich. Interessanter wurde es dahingehend, als dass vermehrt ein etwas breiterer Blick auf ein Phänomen geworfen wurde, verschiedene Disziplinen zur Analyse herangezogen und Zusammenhänge hergestellt wurden. Die Qualität (und Laienlesbarkeit) von Stil und Inhalt ist für mich auf das ganze Werk gesehen durchzogen: mal trocken dann bildhaft, von oberflächlich bis intensiv. Man erkennt klar, wo der Autorin Steckenpferde liegen - der ständige Rückbezug auf mittelalterliche, mitteleuropäische Religiosität war für mich etwas anstrengend. Es führte ausserdem immer mal wieder zu Wiederholungen. Und obwohl andere Kulturen und ihr Verständnis von Ekstase gestreift werden (Ayahuasca-Schamanismus und Sufikult), bleibt der Fokus doch sehr eurozentristisch.
“Berauscht der Sinne beraubt” hat für mich zwar mit einigen interessanten Aspekten und Fakten gepunktet, konnte mich als Gesamtwerk aber weder abholen noch überzeugen. Dazu fehlten mir vor allem (Zwischen)fazit in Form von Zusammenfassungen und Vergleichen. Und so blieb es für mich ein Flickenteppich - als hätte sich die Autorin in Details verloren und keine Vision eines Ganzen gehabt.
Ich bedanke mich beim Verlag und dem Team bei Vorablesen für das Rezensionsexemplar! Wie immer bleibt meine Meinung natürlich trotzdem meine eigene.
Nicht berauscht - informativ, aber teils zu einseitig und detailliert
Unter Ekstase wird häufig ein Sinneszustand verstanden, der durch bewusstseinserweiternde Substanzen hervorgerufen wird und mit Halluzinationen, Glücksgefühlen sowie anderen sinnlichen und spirituellen Erfahrungen einhergeht. Dass Ekstase jedoch noch viel mehr sein kann, beweist Racha Kirakosian, Professorin für Mediävistik, in ihrem sachlich fundierten und vielschichtigen Buch "Berauscht der Sinne beraubt".
Vorwiegend aus kulturhistorischer, religiöser und feministischer Sicht beleuchtet die Autorin in ihrem inhaltlich gut strukturierten Sachbuch die verschiedenen Facetten von Ekstase. Ausführlich werden unterschiedliche Aspekte wie die Interpretation von Prophezeiungen und Visionen, Schmerz und Freude im Zusammenhang mit Ekstase behandelt, sowohl im individuellen als auch im gesellschaftlichen Kontext. Mittels Diskursen, Exkursen, Quellenzitaten und teils kommentierten Anmerkungen wird hierbei auch das ein oder andere noch tiefgehender beleuchtet. Auch werden auf die guten und schlechten Seiten der Ekstase, wie z.B. Massenhysterie, eingegangen.
"Berauscht der Sinne beraubt" ist sicherlich kein Buch für zwischendurch, wer ein kurzweiliges und leicht zu lesendes Sachbuch sich erhofft, wird enttäuscht. Besonders zu Anfang wird man regelrecht von Fachwörtern, religiösen Bezügen und Quellenzitaten erschlagen. Vor allem die vielen religiösen Bezüge waren mir teils zu viel. Auch fehlte mir die Bedeutung von Ekstase in der heutigen Zeit. So war es inhaltlich doch etwas einseitig, wenn auch detailliert in seiner Darstellung. Zwar ist es wissenschaftlich gut aufgearbeitet und man merkt, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht; hat man als Lesende*r jedoch bis jetzt nur wenige Berührungspunkte mit der Materie gehabt, kann es teils zu Verständnisschwierigkeiten kommen.
Alles in allem hinterlässt "Berauscht der Sinne beraubt" bei mir einen gemischten Eindruck. Wissenschaftlich fundiert und erkenntnisreich einerseits, einseitig und zu detailliert andererseits. Für Lesende, die mehr an der Theorie von Ekstase als an erlebbaren Rauschzuständen während des Lesens interessiert sind.
Die Mittelalterhistorikerin Racha Kirakosian nimmt uns in ihrem Buch "Berauscht der Sinne beraubt - Eine Geschichte der Esktase" mit in die Geschichte des (geistigen) Rauschzustands, indem sie die unterschiedlichen Wahrnehmungsstufen der Ekstase eingehend beleuchtet. Es ist erstaunlich welche unterschiedlichen Aspekte eine Ekstase hervorrufen können. Eingehend werden religiöse Ekstasen beschrieben, aber auch veränderte Bewusstseinszustände im sexuellen Bereich, beim Tanzen oder bei gemeinschaftlichen Massenerlebnissen und viele, viele mehr.
Ich muss zugeben, dieses Buch zu lesen war eine Herausforderung. Auch wenn das Cover anderes vermuten lässt, ist dies kein übliches Sachbuch, sondern ein wissenschaftlicher Abriss der Thematik. Dies beweist auch der Umstand, dass die letzten 70 Seiten aus einem Anmerkungsapparat besteht. Die Sprache folgt der gängigen deutschen Wissenschaftssprache, wobei die Satzlängen hierfür durchaus kurz sind, das Sprachniveau hingegen ist hoch. Und nicht nur das, auch die umfangreichen Erläuterungen sind hochschwellig und deshalb eher schwer zugänglich. Sehr detailliert wird in die Menschheitsgeschichte und ihre ekstatischen Ausschweifungen hineingeblickt, es wird philosophiert, Zusammenhänge eingehend erklärt und historisch aufgearbeitet. Immer wieder schiebt die Autorin kurze Exkurse ein, die das gerade behandelte Thema besser bzw. anschaulich verständlich machen sollen, wobei sie hierbei mitunter auch persönliche Berichte vorlegt. Diese grau hinterlegten, mit "Exkursiv" oder "Diskursiv" betitelte Einschübe bieten eine Atempause in dem komplexen Erzähltext.
Nach Beendigung des Buches muss ich zugeben, dass ich mich an die meisten Passagen schon gar nicht mehr erinnern kann. Auch wenn die Grundthematik durchaus spannend ist, war die Art und Weise, wie es erzählt wurde, für meinen Geschmack viel zu hochschwellig und viele Erklärungen zogen sich in die Länge. Diese Buch ist wohl am Besten an geisteswissenschaftlichen Universitäten aufgehoben, für eine kurzweilige, lesende Abendbeschäftigung im Privaten würde ich es nicht empfehlen. Fundiert ist es selbstredend aber allemal.
Zwischen Rausch und Erkenntnis Racha Kirakosian nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch die Geschichte der Ekstase – ein Thema, das gleichzeitig faszinierend und schwer zu greifen ist. Sie zeigt, dass Ekstase weit mehr ist als nur ein religiöses Phänomen oder eine Partydroge. Stattdessen zieht sie Parallelen zwischen spirituellen Erfahrungen, Trancezuständen, Massenbewegungen und sogar wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Bewusstsein. Dabei geht sie nicht chronologisch vor, sondern springt zwischen verschiedenen Zeiten und Kulturen hin und her. Besonders beeindruckend ist, wie vielschichtig das Thema beleuchtet wird. Kirakosian verbindet Religionsgeschichte, Kulturwissenschaft und Medizin und zeigt dabei nicht nur die positiven Seiten der Ekstase, sondern auch ihre dunklen Facetten – von Hexenjagden bis hin zur Manipulation durch Massenbewegungen. Trotz der wissenschaftlichen Tiefe ist das Buch gut verständlich geschrieben, mit einer bildhaften Sprache, die das Lesen sehr angenehm macht. Man merkt, dass hier mit viel Bedacht, Sorgfalt und Struktur gearbeitet wurde, trotzdem bleibt genug Raum für eigene Gedanken und Reflexionen. Immer wieder hält Kirakosian inne, um etablierte Sichtweisen zu hinterfragen und alternative Perspektiven aufzuzeigen. Dadurch fühlt sich das Buch nicht wie eine trockene Abhandlung an, sondern eher wie eine entspannte Einladung, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wer sich für Geschichte, Psychologie oder einfach für das Phänomen Ekstase interessiert, wird hier sicher fündig. Ein ungewöhnliches, aber sehr bereicherndes Buch!
Racha Kirakosian kommt aus der Mediävistik und beschäftigt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Formen der Ekstase. Dabei spielen vor allem die historischen Entwicklungen und Prägungen eine große Rolle. Die Assoziationen zu Ekstase können vielfältig sein, beispielsweise: Drogen, Sex, Transzendenz oder Kontrollverlust. Ganz heruntergebrochen bezeichnet Ekstase einen bewusstseinserweiterten und meist glückserzeugenden Zustand.
Racha Kirakosian geht bei ihrer Untersuchung unter anderem auf die Antike ein, in der Träumen, Prophezeiungen und Orakeln eine bedeutende Rolle zugeschrieben wurden - beispielsweise im Gegensatz zur Aufklärung, in der irrationale Aspekte als primitiv galten. Generell lässt sich sagen, dass das Buch weniger ein informatives Sachbuch ist, sondern vielmehr eine wissenschaftliche Abhandlung. Das bedeutet, der Stil ist sehr nüchtern, die Sätze sind kurz, aber inhaltlich sind sie anspruchsvoll und komplex. Durch den wissenschaftlichen Stil bin ich manchmal mit den Gedanken abgeschweift und habe nach längeren Passagen teilweise vergessen, was ich zuvor gelesen habe. Es ist also weniger ein Buch für Lesestunden zwischendurch, sondern eher geeignet für eine intensive Auseinandersetzung, würde ich sagen.
Die Mittelalter-Expertin Racha Kirakosian erzählt in ihrem Buch "Berauscht der Sinne beraubt" die Geschichte der Ekstase. Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert, die jeweils im Mittelalter oder noch früher beginnen und bis in die Neuzeit reichen. Es geht um Visionen, Freude im Schmerz, Frauen und Ekstase, Ekstase im Tanz und in der Masse. Im Laufe des Buches wurde mir diese Struktur immer bewusster und es gelang mir, immer mehr von dem Geschriebenen zu verstehen. Das fiel mir als Laie auf dem Gebiet der Mediävistik anfangs sehr schwer. Dies ist auch mein Hauptkritikpunkt an dieser Arbeit - sie ist trotz einiger Einschübe in Form von Exkursen oder Diskursen nicht leicht verständlich. Hier hätte eine einfachere Sprache helfen können, allein die Begriffe "Exkursiv" und "Diskursiv" erscheinen mir unnötig kompliziert und für eine breite Leserschaft unverständlich. Nichtsdestotrotz habe ich bei der Lektüre Spannendes über die lange Geschichte der Ekstase erfahren.
Das Cover passt sehr gut zum Buchtitel und zum Thema der Ekstase, das aus unterschiedlichen Perspektiven und in verschiedenen Epochen beleuchtet wird. Die Autorin ergänzt ihre Erklärungen durch zahlreiche Beispiele, wodurch das Buch flüssig, verständlich und unterhaltsam zu lesen ist. Es wird deutlich, dass sie sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und eine fundierte Recherche betrieben wurde. Der Schreibstil ist insgesamt angenehm und bildhaft, was das Lesevergnügen steigert. Allerdings hätten Zusammenfassungen nach den Kapiteln dem Buch mehr Struktur verliehen und das Verständnis erleichtert. Gerade bei einem so facettenreichen Thema wären kurze Rückblicke hilfreich gewesen. Trotz des eher ungewöhnlichen Themas ist das Buch spannend, informativ und regt zum Nachdenken an. Wer sich für außergewöhnliche Themen interessiert, wird hier fündig. Eine klare Leseempfehlung!
Die Mittelalter-Expertin Racha Kirakosian erzählt in ihrem Buch "Berauscht der Sinne beraubt" von der Geschichte der Ekstase. Nach dem Lesen dieses Buches, habe ich ein zweigespaltenes Gefühl.
Einerseits ist bereits durch die Leseprobe deutlich geworden, dass die Autorin stark auf die geschichtlichen und religiösen Hintergründe eingehen wird. Dennoch ist das gesamte Buch stark davon geleitet worden - das habe ich nicht erwartet. So wurde ich alleine schon durch das Buchcover in die Irre geleitet, habe ich doch etwas mehr aktuellere Themen erwartet.
Nichts desto trotz ist das Buch gut geschrieben. Sofern man sich auf die Religion einlassen kann, ist es definitiv interessant. Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt, welche den Zugang zu dem sehr gut recherchierten und aufgearbeiteten Thema erleichtern.