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Juli, August, September

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Lous zweiter Ehemann ist eine Trophäe – das muss selbst ihre Mutter anerkennen. Sergej ist Pianist und er ist Jude, genau wie Lou. Trotzdem ist ihre Tochter Rosa noch nie in einer Synagoge gewesen – eine ganz normale jüdische Familie in Berlin. Aber sind sie noch eine Familie, und was ist das überhaupt? Um das herauszufinden, folgt Lou der Einladung zum 90. Geburtstag ihrer Tante. In einem abgehalfterten Ressort auf Gran Canaria trifft der ganze ex-sowjetische Clan aus Israel zusammen, verbunden nur noch durch wechselseitige Missgunst. Gegen die kleinen Bösartigkeiten und die vage Leere in sich trinkt Lou systematisch an und weiß plötzlich, dass die Antwort auf all ihre Fragen in der glühenden Hitze Tel Avivs zu finden ist.
Ein Roman, so aktuell, zynisch und unterhaltsam, wie nur Olga Grjasnowa ihn schreiben kann, über eine Frau, deren Identität sich aus lauter Splittern zusammensetzt, die scheinbar alle nicht zusammenpassen. Bis sie es auf unerwartete Weise doch tun.

224 pages, Hardcover

Published September 17, 2024

17 people are currently reading
706 people want to read

About the author

Olga Grjasnowa

12 books186 followers
Olga Grjasnowa was born in 1984 in Baku, Azerbaijan, grew up in the Caucasus, and has spent extended periods in Poland, Russia, and Israel. She moved to Germany at the age of twelve and is a graduate of the German institute for Literature/Creative Writing in Leipzig. In 2010 she was awarded the Dramatist Prize of the Wiener Wortstätten for her debut play, Mitfühlende Deutsche (Compassionate Germans).

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Community Reviews

5 stars
74 (12%)
4 stars
212 (34%)
3 stars
247 (40%)
2 stars
73 (11%)
1 star
3 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 57 reviews
Profile Image for Ellinor.
761 reviews361 followers
September 9, 2024
Lou ist mit dem Pianisten Sergej verheiratet. Beide sind Juden, leben in Berlin und haben eine kleine Tochter. Sergejs Karriere gerät jedoch ins Stocken, er steckt in einer Sinnkrise. Diese wirkt sich auch auf Lou aus. Als ihre israelische Großtante 90 wird, soll dies auf den Kanaren groß gefeiert werden: die gesamte post-sowjetische Verwandtschaft kommt zusammen. Lou ist von der Familie schon länger entfremdet und entschließt sich nur widerwillig dazu, an dem Treffen teilzunehmen. Sie sieht dies auch als Chance, endlich mehr über ein Familiengeheimnis zu erfahren.

Ich sage es mal kurz und knapp: ich werde nicht recht schlau aus diesem Buch. Es geht um die Suche nach jüdischer Identität und die Aufarbeitung der Vergangenheit. Worauf die Autorin letztendlich hinaus will, erschließt sich mir allerdings nicht. Lou blieb mir eigenartig fremd und ich konnte viele ihrer Handlungen nicht wirklich nachvollziehen. Auch scheint Olga Grjasnowa hier zu viele Themen auf zu wenigen Seiten versammelt zu haben. Eine längere Erzählung wäre vermutlich die bessere Variante gewesen.

Der Anfang las sich sehr gut, danach wurde es irgendwie zäh. Zudem gab es ein paar Themen, die immer wieder auftauchten, irgendwie aber keinen Sinn ergeben zu schienen: Tattoos und Bauhaus scheinen es der Autorin angetan zu haben, beide werden ständig erwähnt, die Frage ist, wozu? Und dann gab es da noch dieses merkwürdige Treffen mit Lous Ex-Mann, aus dem ich mir auch keinen Reim machen konnte.

Juli, August, September bleibt somit leider hinter den Erwartungen zurück.
Profile Image for ada ☽.
197 reviews3 followers
September 21, 2024
das thema jüdische vergangenheit und deren aufarbeitung finde ich eigentlich spannend, worauf dieser roman hinaus wollte, habe ich allerdings nicht wirklich verstanden - vieles blieb unklar und vage. lou und auch ein großteil der anderen charaktere waren mir unsympathisch und ich konnte lous handlungen und gedanken oft nicht nachvollziehen. der narrative stil hat diese unnahbarkeit verstärkt... ich habe viel gutes über olga grjasnowa gehört, aber juli, august, september hat mich leider nicht überzeugt.
Profile Image for LeserinLu.
325 reviews39 followers
August 2, 2024
„Juli, August, September“ ist ein Roman, der auf unterhaltsame und bissige Weise komplexe Themen wie Erinnerung und Identität behandelt. Die Geschichte dreht sich um die Protagonistin Lou, die mit den Eindrücken ihrer Tochter zu ihrer jüdischen Identität konfrontiert wird, obwohl Lou diese selbst gar nicht fassen kann. Lou beginnt, sich mit ihrer eigenen jüdischen Herkunft auseinanderzusetzen - eine Aufgabe, bei der ihr Ehemann, ein vielbeschäftigter Pianist mit ebenfalls jüdischen und sowjetischen Wurzeln, ihr keine Unterstützung bietet.

Der Roman entfaltet sich weiter, als Lou auf Gran Canaria ein Familientreffen besucht. Hier erfährt sie von ihrer Großtante eine völlig andere Version ihrer Familiengeschichte als die, die ihre verstorbene Großmutter ihr über das Überleben des Holocausts erzählt hat. Welche Variante stimmt? Und warum macht ihre Großtante das? Was bedeutet das für ihre eigene kleine Familie?Und warum ist Lou das auf einmal so wichtig? Ohne Antworten auf diese Fragen kann Lou nicht nach Hause fahren.

Der Schreibstil des Romans ist erfrischend und oft humorvoll, weshalb ich dieses Buch schnell beendet habe. Die Autorin schafft es, die komplexen Fragen auf eine leichte und zugängliche Weise zu präsentieren, ohne dabei ihre Tiefe zu verlieren. Ein kleines Manko des Buches liegt für mich im letzten Viertel, das im Vergleich zum Rest des Romans etwas an Dynamik verliert. Dennoch finde ich den Roman unbedingt lesenswert, vor allem die jüdische Perspektive auf Erinnerung fand ich sehr interessant.
Profile Image for Jojo Albrecht.
17 reviews1 follower
October 29, 2024
Es gab wirklich gute Passagen, die zu einer spannenden Geschichte hätten werden können. Aber es hatte so viele Ebenen, die alle nicht ausgeschrieben wurden, dass es zeitgleich unterkomplex & wirr war.
Profile Image for Maria B.
46 reviews8 followers
July 24, 2025
Ja. War ok?
Ich weiß auch nicht, der Inhalt ist eigentlich wichtig und das setting auch gut und interessant. Die Protagonistin hat meines Erachtens nicht wirklich erreicht, was sie wollte, aber auch nicht das Gegenteil? Manche Dinge werden angesprochen, aber nicht zu Ende erzählt. Das Ende fand ich nicht befriedigend. Tatsächlich hätte das Buch für mich doppelt so lang sein können, dann hätte es mir bestimmt besser gefallen. Einige Stellen waren ganz unterhaltsam und der Schreibstil hat mir insgesamt gut gefallen.
Profile Image for Franziska Dreßler.
139 reviews
September 24, 2024
Lou stammt aus einer sowjetisch-jüdischen Familie, doch spätestens mit der Heirat Ihres zweiten Mannes hat sie sich von dieser eigentlich komplett abgeschottet. Sie selbst lebt in Berlin, während der Rest des Clans in Isreal lebt. Und Obwohl ihr Mann Sergej die selben WurzeIn hat wie sie, ist er doch mehr mit seiner Karriere beschäftigt, als mit Frau, Kind und den eigenen Wurzeln. Doch mit dem steigenden Bewusstsein ihrer Tochter für ihre Herkunft, taucht bei Lou die alte Zerrissenheit über ihre Zugehörigkeit auf und sie fragt sich, wo sie eigentlich hingehört und ob ihre eigene Familie überhaupt noch eine Familie ist. Was will sie ihrer Tochter eigentlich vermitteln? Um dieser Sache auf dem Grund zu gehen, folgt sie einer Einladung zur israelischen Familie.

Ich hatte mich hier auf eine wilde, chaotische Familiengeschichte gefreut, die mir auch zum Teil Einblicke in jüdische Traditionen und die Religion bietet, das alles gespickt mit dem im Klappentext versprochenen Zynimus und Humor. Leider mangelt es mir im Buch doch deutlich an Tiefe, und auch der sehr emotionslose Schreibstil, ohne jegliche Einblicke ins Innere der Protagonistin, konnte mich nicht erwärmen. Die Charaktere sind mir wirklich alle und ausnahmlos unsymphatisch und fremd geblieben, ja teilweise fand ich sie sogar wirklich belanglos und hab nicht verstanden, warum die ganze Familie teilweise mitten im Gespräch aufhört zu reden und kein Einziger es mal hinbekommt, eine vemünftige Konversation zu führen. Hätte ich mit dieser Familie am Tisch sitzen müssen, ich hätte mich wahrscheinlich genauso zugezogen wie Lou. Viele wichtige Themen, die ich mir auch im Roman erhofft hatte, blieben nur oberflächlich beleuchtet oder wurden nur kurz angeschnitten. Und ich brauche auch wirklich kein ausgereiftes und ausformuliertes Ende, aber wenn man am Ende mehr Fragezeichen im Gesicht hat, als vorher, macht mir das dann doch mein Leseerlebnis minimal kaputt.

Naja Fazit- echt nicht mein Buch.
Profile Image for maribelwhatever.
69 reviews11 followers
September 1, 2024
4,5

Dieses Buch fühlt sich an, wie eine lange Verabschiedung, Juli, August, September, wie eine lange Verabschiedung vom Sommer. Olga Grjasnowa schreibt eine Familiengeschichte, oder eine Frauengeschichte, oder eine über Generationen, die Geschichte einer Mutter? Eine Liebesgeschichte? Es ist ein Alles und von allem ein bisschen. Unfassbar aktuell und gleichzeitig so tief in alte Zeiten getaucht. Alles ist wild und durcheinander und fern und so nah dran. So gerne ich weiter gelesen hätte, so sehr finde ich auch, dass das Buch die perfekte Kürze hat. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, aber so ist das eben, wenn der Sommer zu Ende geht, sind da immer noch so viele Dinge, die noch getan, gefühlt werden wollten. Und wenn Familien fragen, bleibt immer etwas ungesagt. Mit anderen Worten: Ich habs geliebt.
Profile Image for prostderpoesie.
217 reviews11 followers
August 14, 2025
damals keine review geschrieben, aber einfach nur grandios. bissiger humor, der sich zwischen
genaue beobachtungen jüdischen (familien)lebens und dem (ehe)frausein, einschlecht. mein erstes grjasnowa wird nicht mein letztes sein!!
Profile Image for Veronika.
41 reviews9 followers
October 12, 2024
Die Erzählung hat so ein Gefühlssog begleitet und mich nachhaltig so aufgewühlt. Must read gerade für migrantische Menschen und natürlich darüber hinaus.
Profile Image for Clarissa.
702 reviews20 followers
May 10, 2025
Ich mochte den zynischen Ton und die Darstellung der dysfunktionalen Familie, und das überall durchscheinende Trauma hat mich sehr berührt.
Auch das hadern mit modernem Jüdischsein in Europa und generell mit Israel hat mich sehr interessiert.
Trotzdem ging es für mich thematisch zu sehr drunter und drüber, ich konnte mich einfach nicht mit der Erzählerin zusammentun, und für mich führte am Ende leider nichts irgendwohin. Ich bleibe eher unzufrieden und genervt zurück.
Profile Image for Lulufrances.
912 reviews87 followers
September 29, 2025
Actual rating 3.5
The kind of literary fiction you need to be in the mood for, as the plot is super vague and leaves most unsaid; no real points were ever made about anything – this only works if the writing is great. Which luckily was the case here. And yet…there won‘t be anything I‘ll remember about this in particular in a few weeks, just the fact I enjoyed the reading process. (Oh and maybe that the mc‘s daughter was such a bratty child lol…)
Profile Image for Luba.
249 reviews11 followers
October 13, 2024
Haben wir was anderes erwartet?
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews41 followers
September 9, 2024
»Liebe und Zuneigung wurden in unserer Familie ausschließlich durchs Essen ausgedrückt. Vielleicht lag es daran, dass Eltern und Kinder sich selten eine Muttersprache teilten, und vielleicht auch daran, dass uns das Sprechen nur für Kritik und überzogene Erwartungen diente. Aber das Essen wurde nie kritisiert. « S. 83

Die promovierte Kunsthistorikerin und Galeristin Lou (Ludmilla) lebt mit ihrem Ehemann und Konzertpianistin Sergej und der gemeinsamen 5-jährigen Tochter Rosa in Berlin. Sergej entzieht sich sehr oft der Familie und stellt das Klavierspiel über alles. Als Rosa bei einer Freundin ein Buch über Anne Frank vorgelesen bekommt, fängt Lou an, ihre Identität zu hinterfragen. Wie jüdisch sind sie als Familie, wenn Rosa noch nie in der Synagoge war? Was bedeutet ‚Jüdisch sein‘ und sowjetische Abstammung heutzutage und vor allem in Deutschland?

Zu diesem Identitätskonflikt und unausgesprochenen Eheproblemen kommt der 90-Geburtstag ihrer Großtante Maya hinzu, den diesen mit der ganzen Familie in Gran Canaria feiert. Auf der Suche nach Antworten beschließt Lou gemeinsam mit Tochter Rosa und ihrer Mutter an der Familienfeier teilzunehmen. Die gewünschten Antworten findet Lou dort nicht, und reist kurzerhand ihrem Familienteil nach Israel nach. Kann sie hier finden, was sie zu Suchen glaubt?

»»Ich weiß nicht mehr, warum wir das alles tun.
Wir geben uns so viel Mühe für eine Religion, obwohl wir nicht an Gott glauben, für eine Vergangenheit, an der kaum etwas gut war, für eine Zukunft, die maximal ungewiss ist, und für eine Identität, die wir selbst nicht mehr verstehen.«« Lou zu Sergej, S. 182

In ihrem neuen Roman »JULI AUGUST SEPTEMBER« erzählt die Professorin & Autorin Olga Grjasnowa von dem Gefühl DAZWISCHEN zu sein: Zwischen Identität, Jüdisch-Sein, Familie, Liebe, Ehe, Frauen, Mutterschaft, Kindsverlust, Muttersprache. In drei Teilen: JULI (in Berlin), AUGUST (auf Gran Canaria) und SEPTEMBER (glühend heißer Boden in Israel) tauchen wir in die Gedanken- und Gefühlswelt von Lou ein und begleiten sie durch diesen schier nicht enden wollenden Sommer, auf den ja, was eigentlich folgt?

Es ist ein kurzes Buch, dass das Gefühl der Zerrissenheit der Protagonistin sehr gut transportiert, ein Puzzle aus Ungesagtem und Interpretationen in Familien zeigt, Leerstellen offen lässt und dabei sehr aktuelle Fragen in den Vordergrund stellt. Dennoch waren die Eifersucht, Kindsverlust und Fragmente dieses Ehekonfliktes mir mit dem Identitätskonflikt und familiärere Spurensuche fast zu viele Themen, um sie passend in dieser Kürze verhandeln zu können.

»JULI AUGUST SEPTEMBER« ein vielseitiges, feines, stellenweise humorvoll-zynisches Buch.

[CN: Kindsverlust, Alkoholkonsum]

3.5 / 5 ★
Profile Image for Dorle Schmidt.
134 reviews
October 2, 2024
Im Vergleich zu „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ ist dieses Buch weniger spannend und bleibt irgendwie stecken. Aber die Interaktion zwischen den entfernten und nahen Verwandten mit ihren zum Großteil belasteten Beziehungen ist sehr treffend und nachvollziehbar beschrieben.
Profile Image for Sini [on hiatus].
71 reviews3 followers
August 28, 2024
Identitätssuche

Lou lebt mit ihrem Ehemann Sergej und ihrer Tochter Rosa in Berlin. Mit dem Rest ihrer in Israel lebenden Verwandtschaft hat sie wenn überhaupt nur sporadisch Kontakt.
Als die Großtante Maya dann ihren 90. Geburtstag mit der gesamten Familie auf Gran Canaria feiern möchte, reist Lou zusammen mit Rosa und ihrer Mutter dort hin.

Was eigentlich ein erholsamer Urlaub werden sollte, ist wird für Lou immer mehr zur Belastungsprobe. Sie wird täglich mit Halbwahrheiten und unausgesprochenen Konflikten, sowie Vorurteilen seitens ihrer Familienmitgliedern konfrontiert. Dazu kommt noch die Frage nach ihrer religiösen Identität, die Lou sowohl für sich selbst, als auch für ihre junge Tochter einzuordnen versucht.

Der kurzweilige Roman von Olga Grjasnova wirft viele Themenschwerpunkte auf, kratzt jedoch lediglich an der Oberfläche und lässt einige Fragen offen.
Wer eine abgeschlossene Handlung mit klarem Anfang und Ende, ohne viel Raum für eigene Interpretationen bevorzugt, wird mit diesem Buch nicht auf seine/ihre Kosten kommen. Für Leser*innen, die sich gerne zum Nachdenken anregen lassen, würde ich eine klare Empfehlung aussprechen.
Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books57 followers
January 11, 2025
Lipiec w Berlinie, sierpień na Gran Canarii, wrzesień w Izraelu i bohaterka w osobliwym zawieszeniu, w kryzysie tożsamości, szukająca korzeni, ale i celu. Bagaż jej rodzinnych doświadczeń, kłębek losów z przeszłości, który próbuje rozplątać, przypomina wiele innych, które dźwigają Żydzi zamieszkujący przed wojną tereny sowieckie: zawierucha wojenna, emigracja do Izraela, czy, jak w przypadku narratorki, życie we współczesnych Niemczech. Jest tu wszystkiego po trochu, niepewna małżeńska relacja małżeńska ze słynnym pianistą Siergiejem, zawodowa pustka, pytania o wychowanie czteroletniej córki, wreszcie przeszłość, nawet ona niepewna, bo celowo przeinaczana przez ostatnią z ocalałych. Są też dygresje do wojny w Ukrainie, ale ani słowa o Gazie. W sumie to naświetlenie tej szczególnej tożsamości bohaterki, być może czerpiącej z doświadczeń autorki, bardzo mi się podobało, a jednak lektura pozostawiła mnie z poczuciem niedosytu i braku puenty.
Profile Image for Rosetheline.
134 reviews13 followers
August 6, 2024
3.75

Sinnfragen

Lou, die eigentlich Ludmilla heißt, lebt mit ihrem Mann Sergej, einem Konzertpianisten, und ihrer Tochter Rosa in Berlin. Beide kommen aus der ehemaligen Sowjetunion und sind jüdisch. Doch identifizieren sie sich wirklich noch so sehr damit? Ihrer Tochter Rosa wurde zumindest kaum mit ihrem Jüdischsein konfrontiert. Lou und ihre Familie werden zum 90. Geburtstag von Lous Tante nach Gran Canaria eingeladen - dort trifft Lou ihre Verwandschaft seit Langem wieder. Sergej ist allerdings nicht mit dabei, da er beruflich in Österreich ist. Ist in Lous Beziehung alles in Ordnung? Und soll Lou Rosa näher an ihre Wurzeln heranführen?

Auf etwas mehr als 200 Seiten erzählt Grjasnowa von Familie, Liebe, Identität, Geschichte und Zukunft.
Dies war mein erstes Buch von ihr und ich habe es gern gelesen. Grjasnowa schreibt eindrucksvoll und kein Satz erscheint einem zu viel.
Ich hätte mir allerdings mehr gewünscht. Als Leser*in bekommt man eine kleine Sicht in die Charaktere, aber ich habe trotzdem nicht auf alle Fragen eine Antwort bekommen. Das Ende hat mir leider nicht gefallen.

Als eine Art "Momentaufnahme" einer bestimmten Zeitspanne war es trotzdem ein gutes Buch und ich werde auf jeden Fall noch mehr von Olga Grjasnowa lesen.

Daher knappe 4 Sterne von mir.
Profile Image for Rafaela.
35 reviews
December 25, 2024
Ein Buch das viele Facetten und Themen hat, die in Summe alle nicht vollständig aufgelöst werden und dadurch sehr authentisch und realitätsnah werden. Der Schreibstil macht die Inhalte sehr zugänglich, teilweise ist es sehr humoristisch. Ich glaube ich werde noch viel über das Buch und die Themen nachdenken
46 reviews
August 21, 2024
Olga Grjasnowa ist zweifellos eine talentierte Schriftstellerin, deren Werke viele Leserinnen und Leser fesseln. Deswegen habe ich mich sehr auf ihr neues Buch gefreut, bin allerdings nicht ganz so begeistert, auch wenn es an sich kein schlechter Roman ist.

Zunächst einmal fällt auf, dass die Handlung recht kurz und knapp gehalten ist. Das Buch ist schnell gelesen, doch gerade dadurch hinterlässt es den Eindruck, als hätte es an Tiefe gemangelt. Viele Aspekte der Geschichte bleiben offen und oberflächlich, was das Gefühl verstärkt, dass hier einiges unausgesprochen bleibt. Themen werden angerissen, aber nicht weitergeführt, wodurch sie an Bedeutung verlieren und letztlich nur belanglos wirken. Das fand ich wirklich sehr schade, weil die Geschichte von Maya und Rosa an sich total spannend ist.

Auch die Charaktere konnten mich nicht mitreißen. Sie blieben blass und wenig interessant, sodass ich keine wirkliche Verbindung zu ihnen aufbauen konnte. Es fehlte an Tiefe und Substanz, um die Figuren lebendig und greifbar zu machen.

Allerdings möchte ich positiv hervorgeben, dass Olga Grjasnowa einen sehr angenehmen und ansprechenden Schreibstil hat. Ihre Art zu schreiben hat mich durchaus fasziniert und unterstreicht ihr Talent als Autorin. Die flüssige und bildhafte Sprache zieht einen in ihren Bann, was das Lesen trotz der Schwächen der Handlung angenehm macht.

Obwohl Juli, August, September mich nicht vollständig überzeugen konnte, werde ich der Autorin eine weitere Chance geben und ihre früheren Werke lesen. Vielleicht finden sich in diesen genau die Tiefe und Dichte, die ich bei diesem Buch vermisst habe.
Profile Image for herrzett.
100 reviews5 followers
September 30, 2024
Ich mag es, wie Olga Grjasnowa sehr aktuelle, gesellschaftliche 'Probleme' einfängt, davon erzählt, nicht zu viel erzählt, teilweise gar etwas verwirrt und doch so tiefgründig beleuchtet. In "Juli August September" lernen wir Leser*innen Lou und ihre jüdische Familie kennen. Ihr Mann ist ein sehr bekannter Pianist, sie arbeitete in einer Galerie, befindet sich nun allerdings mehr oder weniger auf Sinnsuche. Eines Tages möchte ihre Tochter Rosa bei einer Freundin aus dem Kindergarten übernachten, um dann tränenüberströmt noch am gleichen Abend abgeholt zu werden. Zuhause erzählt sie von einem Buch, das sie bei ihrer Freundin gelesen habe. Ein Buch von Adolf Hitler, der etwas gegen Jungen hätte...oder das Bilderbuch über das Leben der Anne Frank, wie es ihre Mutter vermutete. "Rosa wusste natürlich, dass sie jüdisch war, sie wusste nur nicht, wie viele Menschen aus diesem Grund ermordet worden waren, und ich hoffte, dass es noch eine Weile lang so bleiben könnte." Doch was machen sie jetzt? Rosa war noch nie in einer Synagoge, noch kam sie bislang auch nur in den Kontakt mit jüdischen Traditionen. Wann ist der richtige Zeitpunkt um mit Kindern über so etwas in der heutigen Zeit und mit dem geschichtlichen Hintergrund zu sprechen?

" 'Ich weiß nicht, ob wir sie schon mit fünf traumatisieren sollen', sagte ich.
'Wenn das Judentum traumatisierend ist, sollten wir es vielleicht lassen.'
'Und konvertieren?'
'Gott behüte.' Er küsste mein Ohrläppchen.
Als ich meine Hand an seine Taille legte, sagte er: 'Weißt du, du achtest penibel darauf, dass sie genug Bücher hat, in denen Schwarze Kinder vorkommen. Sie weiß alles über Rosa Parks und Martin Luther King. Aber sie hat noch nie eine Synagoge von innen gesehen.'
'Das einzige Kinderbuch, das es hier über Juden gibt, ist das Anne-Frank-Buch.'
'Und das kennt sie nun', stellte er nüchtern fest.
'Sie glaubt, Hitler hat es geschrieben.'
'Meinetwegen.' Sergej ließ mich los und setzt sich an den Tisch. Auf einmal sah er müde aus. Die Ringe unter seinen Augen waren dunkel. ''Möchtest du Pasta?'"

Ist eine der sehr bezeichnenden Diskussionen zwischen ihnen. Irgendwie sind sie nicht mehr die Familie, die sie einst waren, es ist so etwas wie Erschöpfung eingekehrt. Sergej ist ständig unterwegs, spielt hier und da. Lou... nun ja. Als dann eine Einladung zum 90.Geburtstag ihrer Tante eintrifft und sie, Rosa und ihre Mutter nach Gran Canaria führt, wo sie auf den Rest der Familie, den 'ganzen ex-sowjetischen Clan aus Israel' treffen, wird dieses ganze familiäre noch einmal auf eine ganz andere Probe gestellt. Wie geht man damit um, wenn Erzählungen von früher plötzlich ganz anderes erzählt werden? Wie wenn der eigene Familienzweig in den Schatten gestellt wird? Alle ständig fragen, wann sie sich scheiden lassen? Ihr ständig sagen wie deutsch sie denn wäre. Es ist ein schmaler Grad zwischen wirklicher Wiedersehensfreude und Missgunst und doch scheint Lou gerade darin Antworten auf all ihre Fragen finden zu wollen.

"Ich weiß nicht mehr, warum wir das alles tun. Wir geben uns so viel Mühe für eine Religion, obwohl wir nicht an Gott glauben, für eine Vergangenheit, an der kaum etwas gut war, für eine Zukunft, die maximal ungewiss ist, und für eine Identität, die wir selbst nicht mehr verstehen."

Und das ist es, was ich sehr an diesem Roman von Olga Grjasnowa fasziniert hat. Sie gibt keine wirklichen Antworten auf all die vorherrschenden Fragen und Probleme und doch gewinnt man als Leser*in einen guten Eindruck von der inneren Zerrissenheit und Verzweiflung. Sehr empathisch und doch so unvorhersehbar ist dieser Roman, der nach dem Lesen leider schon wieder ein wenig verblasst und doch so viele große Themen vereint. Es ist ein kurzer Ausschnitt einer Sinnsuche zwischen all dem Leben, der Einsamkeit, der Religion und Familie. Für die ganz große Begeisterung hat mir etwas gefehlt, aber als eine Art 'Zwischendurch-Roman' fand ich ihn schon sehr groß.
689 reviews11 followers
September 19, 2024
Sinnkrise und Identitätssuche

Einst arbeitete sie an einer New Yorker Galerie, jetzt ist sie vor allem Mutter einer kleinen Tochter in Berlin, während Ehemann Sergej als Konzertpianist ständig unterwegs ist. Da wären wohl viele Frauen wie Lou ein wenig in der Sinn- und Daseinskrise. Vor allem, da die eigene Mutter ständig eine Ehekrise wittert und die Schwiegermutter - zugleich Sergejs Managerin - von Anfang an vermittelt hat, dass Lou nicht gut genug für ihren Sohn ist.

Und sozusagen on top die Frage nach Selbstdefinierung und Identität - deutsch, postsowjetisch, jüdisch? Die subtilen Vorwürfe der israelischen Verwandtschaft, dass sie ausgerechnet in Deutschland leben. Die Frage, wie man auch nichtreligiös jüdisch sein kann und was eigentlich der fünfjährigen Rosa vermitteln, benannt nach ihrer Urgroßmutter, einer Holocaustüberlebenden. In "Juli, August, September" beschreibt Olga Grjasnowa die Sinnsuche ihrer Ich-Erzählerin, mal mit spitzer Ironie, mal verunsichert und verwirrt.

Ein Familientreffen auf den Kanaren könnte vielleicht Klarheit bringen, wirft aber eher noch mehr Fragen auf: Lous greise Großtante, Schwester eben jener namensgebenden Rosa, wird 90. Vielleicht die letzte Gelegenheit, Fragen nach der Vergangenheit zu stellen, letzte Gelegenheit, den Familienclan zu sehen. Das eher heruntergekommene Hotel trägt wenig zur Entspannung bei, zudem ist Lou irritiert, dass ihre Großmutter aus den Erinnerungen der Großtante gewissermaßen herausredigiert, in ihrer Bedeutung für die harte Flucht aus dem deutsch besetzten Belarus im Zweiten Weltkrieg gemindert wird. Gibt es in der Familie zwei Narrative, eine, die Lou und ihre Mutter kannten, eine andere der Cousins und Cousinen? Wo liegt die Wahrheit, die dann wiederum für die Identität wichtig ist?

Lou fliegt kurzentschlossen nach Tel Aviv, um letzte Fragen zu stellen, statt nach Berlin zurückzukehren. Im Hintergrund schwebt die Frage - hat ihre Ehe eigentlich noch Bestand? Das Buch hat nach seinem bissigen Beginn nicht alle Versprechungen halten können, Lou scheint zusehend in Selbstmitleid zu verfallen und den Boden zu verlieren, häufig frage ich mich, ob sie eigentlich selbst weiß, was sie will - und das dann weniger wegen der angeteaserten Fragen von Identität und Zugehörigkeit, sondern eher als nicht wirklich ausgefülltes Wohlstandsweibchen. Dieser Roman hat ganz klar seine Momente, konnte mich aber nicht durchgehend begeistern.

102 reviews2 followers
August 31, 2024
Lou, eine Kunstexpertin, lebt mit ihrem Mann Sergej, einem bekannten Konzertpianisten und ihrer fünfjährigen Tochter Rosa in Berlin. Sowohl Lou als auch Sergej stammen aus jüdischen Familien aus der ehemaligen Sowjetunion, sind aber beide in Deutschland aufgewachsen. Religion spielt keine besondere Rolle in ihrem Leben.
Lous Leben stagniert gerade – nach einer Fehlgeburt hat sie sich eine Auszeit von ihrer Arbeit in einer Galerie genommen, mit ihrem geplanten Buchprojekt kommt sie nicht voran. Sergey ist beruflich bedingt häufig auf Tourneen unterwegs und steckt selbst in einer beruflichen Krise. Auch ihre Beziehung scheint in einer Sackgasse zu stecken. Gespräche, falls Sergey dann mal zu Hause ist, beschränken sich auf die Organisation und die Banalitäten des Alltags. Die Themen, die die beiden wirklich berühren und beschäftigen, bleiben ungesagt bzw. werden vermieden, so dass Lou sich auch Gedanken über den Bestand ihrer Ehe macht.
In dieser Situation bittet Lous Mutter sie, sie zum 90jährigen Geburtstag ihrer Großtante Maya zu begleiten. Diese plant ihren Geburtstag im Kreise ihrer gesamten Familie, die mit Ausnahme von Lou und ihren Eltern seinerzeit nach Israel ausgewandert sind, auf Gran Canaria zu feiern. Widerstrebend begleitet Lou ihre Mutter, da sie seit dem Tod ihrer Großmutter Rosa kaum noch Kontakt zum Rest der Verwandtschaft hat. Die Familienmitglieder bleiben ihr fremd, auch weil Maya eine völlig andere Darstellung der Familiengeschichte abgibt, als Lou sie von ihrer Mutter und Großmutter kennt. Um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, aber auch um sich selbst zu finden, begibt Lou sich auf Spurensuche und reist weiter nach Israel.
Olga Grjasnowa hat einen modernen und unterhaltsamen Roman geschrieben. Ihr erfrischender, klarer Schreibstil mit Sinn für Humor und Sarkasmus machen das Buch zu einem Lesevergnügen und regen zum Nachdenken an. Mit den Themen Identitätssuche und Erwartungen von/an Familie hat sich wohl jeder schon mal beschäftigt. Und wahrscheinlich auch mit den Fragen, ob man das Leben führt, das man möchte, was bedeutet einem Familie, erfüllt man deren Erwartungen, welchen Einfluß hat Familie auf das eigene Leben, etc., etc.
Absolut lesenswert, beste Unterhaltungsliteratur, klare Leseempfehlung!
Profile Image for Magnolia .
574 reviews3 followers
September 17, 2024
Den eigenen Wurzeln nachspüren

Lou lebt mit ihrem zweiten Ehemann Sergej und ihrer Tochter Rosa in Berlin. Als erfolgreicher Pianist ist Sergej ständig unterwegs, auch Lou führt als Kunsthistorikerin ein nicht gerade häusliches Leben, wenngleich ihr Beruf wegen Rosa momentan eher zweitrangig ist, sie also ihre Tage mit Kind gezwungenermaßen daheim verbringt. Wäre da noch das Gerücht um eine Trennung von Sergej, das nicht verstummen will. Ein Gerücht, das immer wieder aufflammt.

Und nun steht der 90. Geburtstag von Lous Großtante Maya an, sie hat in ein Resort auf Gran Canaria eingeladen. Auch Lou und Rosa sollen mit, denn – so meint Lous Mutter – es könnte Mayas letzter Geburtstag sein. Also, werden die Flüge gebucht. Sie sind die ersten, die dort eintreffen, so nach und nach trudelt dann die ganze jüdische Verwandtschaft ein.

Der Roman wird aus Lous Sicht erzählt, untergliedert in diese drei titelgebenden Monate. Der Juli führt zunächst zu Lou, Rosa und Sergej, zu ihrem ganz normalen Alltag. Und auch wenn sie jüdisch sind - mit russischen Wurzeln - so leben sie diesen Glauben nicht, kennen sich mit diesen Ritualen so gar nicht aus. Nun, es geht nach Gran Canaria und später dann fliegt Lou alleine nach Tel Aviv. Hier will sie ihren Wurzeln nachspüren, dabei erfährt sie so einiges aus früheren Tagen, erfährt von ihren Vorfahren und ihrem beschwerlichen Dasein.

Olga Grjasnowa ist ein gut lesbares Buch gelungen, das eine Familie näher beleuchtet und das neben dem Familiären auch die angespannte Weltpolitik thematisiert. Die Hauptprotagonistin Lou ist eine weltoffene junge Frau, die ihre Herkunft hinterfragt. Dabei werden so manche geschönte „Wahrheiten“, die ein Leben lang immer weitergesponnen werden, aufgedeckt. Und das auf eine amüsante Weise, garniert mit so einigen Drinks.

Es ist die Geschichte einer durchaus modernen jüdischen Familie, deren Glauben eher Nebensache ist und die Suche einer Frau nach ihrer Identität. Es ist das etwas andere Leseerlebnis, gut und kurzweilig geschrieben, das mit einem Ende aufwartet, dem ich sehr viel abgewinnen kann.
Profile Image for Bärbel.
143 reviews1 follower
August 28, 2024
Wie sich eine quält
Das Cover des Buches wirkte auf mich unmittelbar schwarz-rot-gold, dabei stimmt das gar nicht, denn der Juli mittendrin ist rosa. Ist das die rosarote Brille, aus der (wer auch immer?) auf Deutschland schaut, oder die offene Wunde - oder interpretiere ich einfach zuviel?
Auf jeden Fall lernen wir mit Lou eine junge Mutter kennen, die gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Pianisten Sergej im eher gehobenen Berliner Künstler-Milieu lebt. Beide kommen aus jüdischen Familien, Lou ist in der Sowjet-Union geboren, der überwiegende Teil der Familie lebt mittlerweile in Israel.
Ich bilde mir ein, vom Buch "Der Russe ist einer, der Birken liebt" der Autorin einen etwas schnoddrigeren Ton in Erinnerung zu haben (?), zumindest in dessen erstem Teil.

Der Ton von "Juli,August, September" ist eher nachdenklich, elegisch und streckenweise ein bisschen verquält. Lou hat ein zweites Kind während der Schwangerschaft verloren, Sergej ist ständig unterwegs und die Ehe scheint entfremdet. Die Verwandtschaft ist schwierig und das Jüdischsein ist es sowieso. Nicht nur aus diesem Buch kenne ich das Paradox, dass wer in einer jüdischen Familie geboren ist, das nie vergessen kann, wobei es gleichzeitig ganz nebensächlich zu sein scheint. Lou kommt ebenfalls aus einer Nummer so ganz und und gar nicht raus, deren Bedeutung ihr vollkommen diffus ist.

Vieles, was Lou quält, scheint aber auch so typisch Mittelstand. [Am eindrücklichsten (und furchtbar) fand ich, dass eine fünfjährige Tochter ihre Mutter mehrfach drauf aufmerksam macht, dass sie hängendere Brüste als andere Frauen habe. Sind die heute so, die Kinder?]
Lou hat Zeit zum Grübeln und Unglücklichsein, mindestens so viel wie sie Gründe hat.

Fazit: Ein Berlin-Roman, der nicht immer in Berlin spielt. Nicht nur ein Hauch von Woody Allen. Ein Roman, der die vielen Facetten der Zerissenheit im aktuellen Leben zeigt. Manche Sätze sind kristallklar schön. Manche Stellen quälend. Ich wollte aber Lou auf jeden Fall immer weiterfolgen und hatte eine interessante Zeit mit diesem Buch.
39 reviews1 follower
October 11, 2024
Ein Sommer auf Identitätssuche

Worum geht’s?

Lou hat’s nicht leicht. Den Job als Galeristin hat sie nach einem Schicksalsschlag vorübergehend an den Nagel gehängt, eigentlich will sie ein Buch schreiben, treibt aber orientierungslos dahin und verbringt viel Zeit mit ihrer kleinen Tochter Rosa. Sergej, ihr zweiter Ehemann, ist Pianist und jüdisch, genau wie sie. Eine ganz normale Familie in Berlin. Bis Lou einer Einladung zum 90. Geburtstag ihrer Tante folgt, die auf Gran Canaria feiert. Plötzlich wieder mit dem alten ex-sowjetischen Clan aus Israel konfrontiert, der sich dort trifft, wächst in ihr das Bedürfnis nach einer Identitätssuche. Sie stellt ihre Ehe in Frage, sinniert über ihre Familiengeschichte und landet schließlich unverhofft in Israel, um den drängenden Fragen auf den Grund zu gehen.

Wie war’s?

Ein Buch, das ich innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Prinzipiell habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn mir nicht so richtig klar ist, worauf die Autorin mit ihrer Geschichte nun eigentlich hinauswollte.
Gut nachvollziehbar waren für mich Lous Probleme mit ihrem Mann, ich kann mir gut vorstellen, dass das Leben mit einem Künstler, der sozusagen in seiner eigenen Welt lebt, nicht einfach ist. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter und ungeliebten Schwiegermutter wurde sehr glaubhaft dargestellt. Die Buschtrommeln, mit denen die Gerüchte über Lou in ihrer Familie die Runde machen, haben mich oft zum Lächeln gebracht. An einem bestimmten Punkt scheint die Scheidung schon fast beschlossene Sache zu sein, obwohl von Lous Seite davon niemals die Rede war.
Weniger gelungen fand ich den Handlungsstrang rund um ihre Tante Maya und deren verstorbene Schwester Rosa. Was genau war die Message dahinter? Dass in keiner Familie die Dinge so sind, wie sie zu sein scheinen? Dass es immer mehrere Wahrheiten hinter einer Geschichte gibt?

Fazit

Da sich das Buch flüssig liest und man sich beim Lesen gut unterhalten fühlt, vergebe ich gerne 3 Sterne, auch wenn die Handlung bei mir so einige Fragen offen gelassen hat.
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August 4, 2024
Eine fesselnde Suche nach Antworten

Lou und Sergej sind beide jüdisch und haben ihre Wurzel in der ehemaligen Sowjetunion. Als ihre 5-jährige Tochter Rosa unerwartet eine Erzählung über Anne Frank entdeckt, kommt Lou ins Grübeln über ihre jüdische Identität und was sie ihrer Tochter als säkular lebende Judin vermitteln möchten. Eine Einladung nach Gran Canaria zum 90. Geburtstag ihrer Tante sorgt für weiteres Chaos und wirft bei Lou viele Fragen zu ihrer Familiengeschichte und ihrer eigenen Identität auf, die sie schließlich bis nach Tel Aviv führen…

Wie der Titel schon andeutet, erzählt „Juli, August, September“ über drei Monate von Lous‘ Suche nach Antworten zu ihrer Familiengeschichte und dabei auch der Suche nach ihrer Identität und ihrem Selbstverständnis. Wieso unterscheiden sich die Erzählungen über die Familienhistorie im Holocaust und dem anschließenden Neubeginn so sehr und wieso spielt dies für Lou überhaupt eine Rolle – dies sind nur einige der Fragen, die gestellt werden.
Die verschiedenen Standorte – Berlin, Gran Canaria, Tel Aviv – spiegeln dabei sehr schön die verschiedenen Phasen der Suche und Reise unserer Protagonistin.

Olga Grjasnowa hat einen tollen und besonderen Stil, sie spickt ihre Erzählung immer wieder mit humorvollen und sarkastischen Untertönen. Vor allem die Familien- und Beziehungsdynamiken sind hervorragend dargestellt. Dabei spricht die Autorin allerdings nicht alles aus und (über-)lässt den Leser auch offene Fragen und genug Raum zum Nachdenken.

Fazit: „Juli, August, September“ ist ein dynamisch erzählter Roman über moderne jüdische Identität in Deutschland, der trotz aller ernster und hochaktueller Themen auch bestens unterhält und bei dem man das ein oder andere über jüdisches Leben lernen kann. Klare Leseempfehlung!

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