Ich muss zugeben, dass ich meine Bewertung vom ersten Band "Der Eispalast" heute ändern würde, denn ich habe "nur" 4 Sterne vergeben und doch ist mir der Roman als wunderschöne Geschichte in Erinnerung geblieben, die ich heute höher bewerten würde!
Geht es auch oft so, dass ihr Bücher nach einiger Zeit anders bewerten würdet?
Im November ist nun der zweite Teil "Die Kür des Lebens" dieser wundervollen Trilogie ums Schlittschuhlaufen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen.
Julianna ist mittlerweile in London angekommen. Sie möchte endlich ihre Mutter finden, die angeblich als der berühmte "Eisengel" in Großbritannien Furore gemacht hat.
Während ihres Aufenthaltes schließt sie sich den Sufragetten an, die sich für mehr Frauenrechte, aber vor allem für das Wahlrecht, einsetzen.
Madge kommt aus gutem Haus und ihre Liebe gehört ebenfalls dem Eislaufen. Durch einen fatalen Fehler in ihrer Vergangenheit, den ihr Vater alles andere als goutiert hat, schränkt er ihr Leben drastisch ein. Sie darf nur mehr ihre beiden jüngeren Geschwister trainieren, wobei Madge das eigentliche Eislauf-Talent ist. Im "Prince's Skating Rink" lernt sie Julianna kennen und ist vom neuen Wiener Stil sofort begeistert. Der moderne Fahrstil stellt eine Art Ballett auf dem Eis dar und hat Julianna von Jackson Haines in Wien gelernt. Jedoch gefallen Madge Juliannas Ansichten weniger, denn die Tochter aus gutem Hause hält an den Traditionen fest und ist sogar Mitglied bei den Anti-Sufragetten. Trotz ihrer verschiedenen Ansichten werden die beiden jungen Frauen bald enge Freundinnen.
Madge würde liebend gerne selbst bei den kommenden Weltmeisterschaften antreten, doch als Frau ist es nur im Paarlauf gestattet, sich dem Wettbewerb zu stellen.
Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Julianna und Madge aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei erleben beide Frauen aufregende Zeiten. Die zwei Hauptprotagonistinnen sind liebevoll gezeichnet und versuchen ihre Ziele zu erreichen. Während Julianna nach ihrer Mutter sucht und sich für das Frauenwahlrecht engagiert, dabei aber auch nicht das Eislaufen aus den Augen verliert, packt Madge mit der Zeit doch der Ehrgeiz, um mit Edgar für die Weltmeisterschaft im Paarlauf im neuen Wiener Stil zu brillieren. Zusätzlich möchte sie Benedicts Herz erobern - dem Star des Londoner Skating Clubs.
Der Schreibstil ist wieder sehr lebendig und bildhaft. Rena Rosenthal hält auch die eine oder andere kleine Überraschung für die Leser:innen bereit. Man fliegt nur so durch die mehr als 500 Seiten und fiebert mit den Charakteren mit.
Nicht nur als Eiskunstlauf-Fan ist man von der Story hingerissen, sondern auch die weiteren Themen, die die Autorin aufgreift, sind sehr interessant.
Im Nachwort erfahren wir einige historische Fakten über die Weltmeisterschaft im Eiskunstlauf und über die Frauenrechtsbewegung zu dieser Zeit. Weiteres erfahren wir, dass es für Madge ein reales Vorbild gab. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben, denn das müsst ihr selbst lesen!
Fazit:
Ein wundervoller zweiter Band um den Beginn des Eiskunstlaufs, verbunden mit einer spannenden Story und einem Schuss Romantik. Perfekte Winterlektüre!