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Billie. »Ich fliege Himmel an mit ungezähmten Pferden«

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„»Eine Heldin, wie es sie nicht oft Dieser Mut, diese Leidenschaft, dieser Eigensinn, diese Klugheit! Zum Verlieben!« Elena Fischer, Autorin des SPIEGEL-Bestsellers »Paradise Garden«

Alles war in mir, die Angst, die Wut, der glühende Wunsch zu kämpfen. Nicht mit Säbeln und Pistolen, aber mit meiner Stimme, die ich lernte wie ein Schwert zu führen, und wie ein Herz, das nicht erkaltete im Winter des Krieges … Es herrscht Krieg in Pommern. Im Haus des Bürgermeisters Schwarz in Greifswald nisten sich Wallensteins Männer ein, nichts ist vor ihnen sicher, schon gar nicht die drei heranwachsenden Töchter. Billie, die Jüngste, die aufbegehrt, die Bildung einfordert wie ihre Brüder, Billie, die Ungezügelte, die Sie kämpft mit der Feder, schreibt Gedichte gegen den Hass, der ihr als Frau entgegenschlägt, aber auch wundervolle Sonette über ihre Liebe zu einer Frau. Die Poesie ist ihr Weg, sich dem Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, der Perfidie der Hexenverfolgung und der Unterdrückung der Frauen entgegenzustellen.

385 pages, Kindle Edition

Published August 21, 2024

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About the author

Stefan Cordes

10 books

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Community Reviews

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Displaying 1 - 24 of 24 reviews
Profile Image for LeserinLu.
324 reviews38 followers
January 9, 2025
Was für eine Entdeckung - und damit meine ich sowohl den Roman als auch sein historisches Vorbild Sibylla Schwarz, die hier Billie genannt wird! Billie, die jüngste von drei Töchtern aus einem wohlhabenden Haushalt im 17. Jahrhundert, ist eine tolle Figur: neugierig, unangepasst und voller Leidenschaft. Statt sich mit der Rolle einer fügsamen Ehefrau abzufinden, möchte sie Dichterin werden. Ihre Liebe zur Poesie und ihr Wunsch, sich in einer von Männern dominierten Welt Gehör zu verschaffen, führen dazu, dass Billie einiges riskieren muss. Und schließlich verliebt sie sich auch noch in ihre Freundin Judith.

An der Erzählweise des Romans hat mir gefallen, dass einerseits immer wieder Gedichte in den Roman eingeflochten sind, die Billie eine unverwechselbare Stimme geben und uns tief in ihre Sehnsüchte, Träume und Kämpfe eintauchen lassen. Andererseits schafft es der Roman, auch humorvoll zu sein – z.B. wenn Billie mit ihren Schwestern die pikanten Stellen bei Hildegard von Bingen liest, um mehr über Sex zu erfahren, oder wenn sie sich schlagfertig über Männer lustig macht.

Obwohl Billies Geschichte schon lange vergangen ist, wird der Roman so erzählt, dass man ganz dicht an Billie dran ist. Themen wie die Unterdrückung von Frauen, Gewalt gegen Frauen und der Hass auf kluge und mutige Frauen sind zudem nach wie vor relevant, weshalb die widerständige Billie auch heute noch eine Persönlichkeit ist, mit der ich mich gerne beschäftigt habe und die ich sicher nicht vergessen werde. Für alle, die inspirierende Menschen, die ihrer Zeit voraus sind, und/oder Lyrik lieben, ist dieses Buch ein Muss!
Profile Image for Simsalagrimm.
28 reviews
January 10, 2025
Wenn ich etwas liebe dann Gedichte. Als ich dieses Buch sah, war mir klar, dass ich es lesen muss. Und ich habe es geliebt!

Billie Schwarz wächst in einer weltlich schwierigen Situation auf, ihre Heimat 'Pommern' wird angegriffen und übernommen. Zu aller Unglück muss die Familie Schwarz ihr Haus nun auch mit Wallensteins Männer teilen. Doch Billie findet in der Zeit die Inspiration zu Gedichten und schreibt die nächsten Jahren, gegen jedermanns (wirklich jederMANNS) Willen Gedichte über die Hoffnung, den Verlust, den Abschaum aber vor allem über die Liebe.
Dieses Buch erzählt eine wunderschöne Geschichte über ein mutiges, junges Mädchen in einer schlimmen Lebenssituation. Immer wenn es nicht schlimmer werden kann, kommt etwas dazu. Bedrückend ist das Ganze, doch nicht lange. Den die Liebe ist immer wieder ein grosses Thema in dem Buch, die unvorhersehbare Liebe. Die heimliche und verbotene Liebe. Und sie bricht alles durch, ist erweckend und wunderschön, wunderschön wie ein wildgewordenes Pferd.

Billie oder auch Sybilla Schwarz gab es wirklich, allesamt ihrer wunderschönen Gedichte. Und ja let's face it: nicht alles ist 100% akkurat und manchmal sind Stellen für die Dramatogie sehr stark aufgegriffen worden. Trotzdem bleibt das Buch in tiefer Ehre in meinem Herzen. Den es hat mich unglaublich inspiriert und wird es weiterhin tun.
Profile Image for auserlesenes.
365 reviews16 followers
January 30, 2025
Mit ihren zwei Schwestern und drei Brüdern verbringt Sibylla Schwarz, genannt Billie, eine unbeschwerte Kindheit in Greifswald. Doch der Dreißigjährige Krieg macht vor Pommern nicht Halt. Während die Stadt unter der Besetzung leidet, entdeckt die 14-Jährige ihre Liebe zur Dichtkunst - und zu der hübschen Pfarrerstochter Judith Tanck. Beides kann sie in große Schwierigkeiten bringen…

„Billie“ ist der Debütroman von Stefan Cordes.

Die Geschichte basiert auf der historischen Persönlichkeit Sibylla Schwarz, einer interessanten und leider zu Unrecht vielen unbekannten Dichterin. Der Roman setzt ihr nicht nur ein Denkmal, sondern bringt sie einem breiteren Publikum nahe. Ihre Gedanken und Gefühle lassen sich sehr gut nachvollziehen. Sowohl die Protagonistin als auch die weiteren Figuren wirken authentisch.

Unterteilt in 144 kurze Kapitel, wird die Geschichte in chronologischer Reihenfolge in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Billie erzählt. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre und spielt an wechselnden Orten, vorwiegend in Greifswald.

Auf den knapp 380 Seiten wird Billies Leben auf unterhaltsame, berührende und fesselnde Weise beschrieben. Unerwartete Geschehnisse sorgen dafür, dass beim Lesen keine Langeweile aufkommt. Zugleich spart der Roman an Übertreibungen und unnötiger Dramatisierung.

Die fundierte Recherche ist der Geschichte immer wieder anzumerken. Nur an wenigen Stellen weicht sie von den tatsächlichen Fakten ab. Von der sorgfältigen Quellenarbeit zeugt auch das Nachwort („Was aus ihnen wurde“), das den eigentlichen Roman perfekt ergänzt.

Mit dem Vokabular, das behutsam an das 17. Jahrhundert angepasst wurde, und einem poetischen Unterton passt die Sprache des Romans hervorragend zur Geschichte. Zugleich ist es gelungen, einen ganz eigene, unverwechselbare Erzählstimme zu schaffen. Gut gefallen hat mir auch, dass sich die Zitate aus dem Werk der Dichterin sehr harmonisch und organisch in den Gesamttext einfügen.

Ausgesprochen gelungen empfinde ich das ungewöhnliche Covermotiv. Es zeigt Erato, Billies Lieblingsmuse.

Mein Fazit:
Mit „Billie“ hat mich Stefan Cordes in mehrfacher Hinsicht überzeugt. Ein unbedingt empfehlenswerter Roman, der mehr als nur Unterhaltung bietet und schon jetzt einen Platz unter meinen Jahreshighlights ergattert hat.
Profile Image for Karina.
233 reviews2 followers
January 25, 2025
So, nun habe ich 'Billie' von Stefan Cordes beendet und bin wirklich sehr zufrieden.
Ich wollte das Buch schon vorm Lesen so gerne mögen und war fast schon aufgeregt bei den ersten Seiten 😅. Klingt seltsam, oder?!
Aber was soll ich sagen...
Jackpot, ich wurde nicht enttäuscht.
Es dreht sich alles um Billie, eigentlich Sibylla Schwarz und ihrem recht kurzen Leben im 17. Jahrhundert.
Inmitten von Krieg und Krankheit hält der jüngste weibliche Spross der Greifswalder Familie Schwarz an ihrer Liebe zu Worten und Sprache fest. Sie tut was nicht viele Frauen zu dieser Zeit tun, Sie dichtet.
Angeregt durch Petrarcas Werke kämpft Billie darum gehört zu werden.
Nicht einfach in einer Zeit in der es verpönt ist das Frauen überhaupt lesen und schreiben lernen. Selbst von ihrer eigenen Familie wird es nur missbilligend zur Kenntnis genommen.
Alleine ihre Schwester Emi, mein Liebling des Romans, findet Gefallen an ihrer Kunst.
Da ich ehrlich gesagt vorher noch nie von Sibylla Schwarz gehört habe, finde ich es umso besser sie nun zu kennen.
Ein historischer Roman mit vielen wertvollen feministischen Ansätzen auf moderne Weise erzählt.
Der wirklich schöne Schreibstil lässt einen nur so durch die Seiten fliegen und ich habe immer ein paar Kapitel mehr gelesen und dafür Schlaf geopfert😉.
Ich mag es sehr das sich Stefan Cordes eine in Vergessenheit geratene, weibliche Dichterin ausgesucht hat.
Ein toller Debütroman über eine interessante Persönlichkeit.
Fliegt mit Billie und ihren ungezähmten Pferden und lest dieses Buch.
Profile Image for Kat Scriptophil.
48 reviews7 followers
December 26, 2024
"Ich fliege Himmel an mit ungezähmten Pferden" - bei dem Untertitel hatte mich das Buch bereits.

Stefan Cordes entwirft mit einfühlsamem Blick ein dichtes, zartes und starkes Portrait einer jungen Frau, die es voller Mut wagt, sich selbst zu leben – ihrem zeitgeschichtlichen und soziokulturellen Gefüge zum Trotz. Ihr Herz schlägt leidenschaftlich für die Poesie und für eine andere Frau; beides zur Zeit des 30-jährigen Kriegs in Pommern für ein junges Mädchen undenkbar.

Handlung
Das Buch begleitet das Leben von Billie (Sibylla) über die Dauer von mehreren Jahren. Billie wird 1621 in Pommern geboren, als 5. Kind des Bürgermeisters von Greifswald. Nur wenige Jahre danach erreicht der seit 1618 wütende Krieg zwischen Protestanten und Katholiken die Region, und Billies Familie wird zerrissen: die Mutter stirbt früh, der Vater wird abberufen in eine andere Stadt, der älteste Bruder flieht, der zweitälteste Bruder zieht in den Krieg. Billie und ihre beiden älteren Schwestern sind phasenweise völlig sich selbst überlassen. Die Jahre sind geprägt von Entbehrung, Verlust und Angst.
Doch inmitten all dieser Aufruhr fängt Billie im Alter von zehn Jahren an zu dichten: Sie schreibt Gedichte über Freundschaft, Liebe, über den Krieg und die Vergänglichkeit. Das Schreiben sowie ihr großer Traum, eine bekannte Dichterin zu werden (ganz nach ihrem Vorbild Sappho) lassen sie auch schwerste Umstände ertragen. Viele ihrer Gedichte und Hoffnungen sind Judith gewidmet, der großen Liebe ihres Lebens; eine unmögliche und auch gefährliche Liebe.

Schreibstil
Cordes hat einen ganz eigenen Stil, das Wort "und" lässt er so oft wie möglich weg. Dies erzeugt kurze, aktionsorientierte Sätze und einen Sprachfluss, an den ich mich anfangs etwas gewöhnen musste, der mich dann jedoch mit packender Unmittelbarkeit und großer Nähe zum Geschehen belohnte.
Cordes erschafft eine dichte Atmosphäre und sehr lebendige Figuren, und lässt so manches an genau der richtigen Stelle auch ungesagt.

Ein Beispiel:
"Papiere vom Schreibtisch meines Vaters flatterten auf die Straße, landeten unter den Stiefeln vorbeiziehender Soldaten, achtlos traten sie die Bogen mit Vaters Handschrift in den Dreck. Offenbar machten sich die Katholiken nicht viel aus Papier. Das Kästchen mit Vaters Siegelstempel flog hinterher, der Huf eines mächtigen Pferdes trampelte darauf, zerbrach das Kästchen, stampfte Stempel, Löffel, Wachs in den Schlamm. Auf dem Pferd saß Oberstleutnant Guitzardo, blickte zum offenen Fenster hinauf."


Als Erzählperspektive wählt Cordes die Ich-Perspektive von Billie, was eine zusätzliche Feinheit erfordert, da Billie am Anfang der Geschichte gerade mal um die 10 Jahre alt war. Cordes schafft es aus meiner Sicht vorzüglich, auch sprachlich auf subtile Weise mit Billie "mitzuwachsen". So wirkt die Sprache anfangs etwas kindlicher als gegen Ende des Buchs, wo Billie 17 Jahre alt ist.

Fazit
"BILLIE" ist ein gefühlvoller, atmosphärisch dichter und bewegender historischer Roman, der auf dem Leben der Pommerschen Dichterin Sibylla Schwarz beruht. Der Schreibstil erzeugt große Nähe zu den Figuren und dem Geschehen, und Billie ist ein Charakter, den man direkt ins Herz schließt (ebenso wie manch andere Figuren aus der Geschichte).
Wer eine leichtfüßige Geschichte mit Happy End sucht, für den ist dies nicht das richtige Buch.
Wer aber ein einfühlsames Portrait einer außergewöhnlichen jungen Frau mit einer besonderen Gabe für die Poesie lesen möchte, für den ist dieses Buch ein wahrer Schatz im Bücherregal.
Profile Image for Martina Weiss.
487 reviews5 followers
February 2, 2025
Manchmal verlasse ich die trauten Pfade meiner Komfortzone und lese mal was für mich völlig Neues - oft weiß ich danach wieder, warum ich‘s nicht lesen wollte, doch ab und an werde ich positiv überrascht.
Und „Billie“ hat mich total überrumpelt, dieses Buch hat mich ins barocke Pommern entführt, die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges erahnen lassen, ich erlebte die Pest und andere furchtbare Krankheiten und las vom Wahnsinn der Hexenverfolgung.
Aber ich durfte Sybilla Schwarz kennenlernen, eine junge Dichterin, die es tatsächlich gab und der Stefan Cordes mit diesem Buch nicht nur ein wunderbares Denkmal gesetzt hat, sondern aus ihr eine liebenswerte und starke Protagonistin machte, die ich nur ganz schwer gehen lassen mag. So ist das halt mit tollen Büchern wenn sie fertig gelesen sind.
Der Schreibstil war herrlich leicht, Billies Gedichte ganz wundervoll und ich habe für einige Stunden die Welt um mich herum vergessen.
Wer historische Bücher liebt, wird diesen Schatz nicht missen wollen.


Profile Image for Leonie-Sophie 🌈.
191 reviews6 followers
August 9, 2025
4,5 ⭐️

Das Buch war für mich ein absoluter Zufallsgriff, aber eine ganz große Empfehlung.

Es befasst sich mit dem Lebend der Dichterin Sybilla Schwarz und gibt dieses auf unfassbar schön und poetisch geschrieben Art und Weise wieder.

Billie ist eine selbstbestimmtes, kluges Mädchen, das mit allen Konventionen der damaligen Zeit bricht und Dichterin werden möchte. Auch wenn ihr immer wieder Steine in den weg gelegt wurden und es besonders durch den damaligen Krieg nicht einfach war, schafft sie es sich am Ende durchzusetzen.

Der Roman ist wirklich ganz toll, mit vielen wichtigen feministischen Aspekten.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Gisela.
350 reviews14 followers
April 8, 2025
Meine Meinung 


Das tragische Leben der Barockdichterin Sybilla Schwarz 



1000-mal berührt -  tausendmal ist nichts passiert. Das passt genau zu mir und diesem Buch. Zweimal wurde ich gefragt, ob ich das Buch lesen möchte. Aufgrund Zeitmangel habe ich abgelehnt. Doch dann hat es Zoom gemacht! Und das war gut so! 


Dieser biografische Roman hat mich gefesselt und nicht mehr los gelassen. Stefan Cordes hat uns die Geschichte der Barockdichterin Sybilla Schwarz nahegebracht, die mich berührt, amüsiert und tief beeindruckt hat. 


Im 17. Jahrhundert durfte eine Frau keinerlei Bildung genießen. Billie hat dieses Verbot nicht davon abgehalten, das Schreiben und Lesen (sowie Latein und Englisch) zu erlernen. Ihr Herz brennt für die Poesie, der sie sich voller Leidenschaft hingibt. Sie liest wunderschöne Gedichte und lässt sich davon zum Schreiben inspirieren. Ihre Texte erzählen von ihrer heimlichen Liebe zu einem wunderschönen Mädchen, und beschreiben den grausamen Krieg, der in Pommern Einzug gehalten hat. Ihre Mutter zeigt nicht, wie stolz sie eigentlich auf ihre Tochter ist. Der Vater versucht, ihr Talent zu unterbinden. 

 

Die drei Brüder könnten verschiedener nicht sein. Während der ältere Bruder Christian Billies Lerneifer unterstützt, behandelt der jüngere Bruder Georg seine Schwester von oben herab. 

>>Wer Hosen trägt, trägt die Verantwortung! Wer Kleider trägt , trägt bloß die Eimer!<< Zitat, Seite 73.

Joachim verhält sich rebellisch und bringt sich in große Gefahr. 

Ihr Vater muss in den Krieg ziehen, und die Familie -  in seinem von Wallensteins Männern besetzten Haus -  allein lassen. Das ist besonders für Billie und ihre zwei Schwestern gefährlich, da sich die Soldaten gerne an den Weinvorräten der Familie Schwarz bedienen und den jungen Frauen keinerlei Respekt zollen. 


Weder die Pestseuche noch der 30-jährige Krieg (Katholiken gegen Protestanten) lassen das Geschehen traurig und hoffnungslos daher kommen, obwohl die Familie tragische Verluste hinnehmen muss. Billie und ihre Schwestern machen das Beste aus der katastrophalen Situation, und stützen sich gegenseitig. Das Dienstmädchen Ide und Billie sind beste Freundinnen. Ide und Billie haben mir oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, mit ihren Gesprächen über die Liebe. Die jungen Frauen verfügen über sehr viel Empathie und Humor.


Billie wird als zu stolz und eigensinnig bezeichnet. Ich habe sie als selbstbewusst und sehr warmherzig wahrgenommen. 

 

Das Kriegsgeschehen nimmt - trotz gebührender Beachtung  - nicht zu viel Raum ein, da überwiegend Billies Dichtkunst im Vordergrund steht. Die Sehnsüchte und Wünsche ihrer Schwestern bieten zusätzliche Abwechslung von dem grauenhaften Alltag. Die immer wieder eingestreute Lyrik ist stets passend integriert, und wärmt einem das Herz. 


Das Thema Hexenverfolgung lässt mich immer wieder fassungslos zurück; zeigt es doch die fatalen Folgen, die religiöser Fanatismus mit sich bringt.


Billie: >>Es gibt Diebstahl und Mord, doch vielleicht gibt es gar keine Hexerei. << Zitat. Seite 353.


Fazit


Das Talent zu dichten hab ich nicht; doch das fällt nicht ins Gewicht. Ein paar Worte möchte ich einer großen Dichterin zolln, die ich vorher noch nicht kannte; die sich mit ihren Worten in mein Herz einbrannte. Die den steinigen Weg gegangen; dem Neid der Menschen den Rücken kehrte und sich selbst niemals das Talent verwehrte. Ein langes Leben war ihr nicht beschert; doch ihre geschriebenen Worte leben weiter. Mal traurig  - mal heiter. 


Eine klare Empfehlung, auch für Leser, die mit Lyrik nichts anfangen können. Das Nachwort ist sehr interessant und informativ. 


Ein großes Dankeschön, Stefan Cordes. Ich gratuliere zum Debüt. 
Profile Image for Azyria Sun.
615 reviews5 followers
February 24, 2025
Eine spannende Persönlichkeit

Worum geht’s?
Pommern, 17. Jahrhundert: Billie wächst als jüngste von 6 Kindern im Haus des Greifswalder Bürgermeisters auf. Ihr größter Wunsch ist es, eine berühmte Dichterin zu werden. Doch ihr Leben ist geprägt von Krieg und Verlust.

Meine Meinung:
Die historische Romanbiografie „Billie“ von Stefan Cordes ist anders. Ich lese total gerne Romanbiografien und auch dieses Buch habe ich gerne gelesen. Sybille Schwarz war mir davor ehrlich gesagt kein Begriff, dabei steckt hinter ihr eine sehr interessante Frau, deren Leben kurz, aber ereignisreich war.

Sybille empfand ich als eine junge Frau, oder mit ihren 17 Jahren eher Jugendliche, die früh erwachsen werden musste. Die alles für ihren Traum, Dichterin zu werden, getan hat. Die für Familie und Freunde da war, die aber auch einen gewissen Stolz und Hochmut besessen hat. Nicht auf den Mund gefallen ist und ein unheimliches Wissen hatte, wenn nicht sogar hochintelligent war.

Ihr Leben ist so ereignisreich, wie kurz. Der Autor nimmt uns mit ins Pommern des 17. Jahrhunderts, wo wir den 30jährigen Krieg miterleben. Miterleben, wie Billie und ihre Geschwister vom Vater verlassen werden. Wir lesen von Hexenjagden. Davon, wie ausgeliefert die Bewohner und insbesondere die Frauen waren. Aber auch davon, wie groß die gegenseitige Unterstützung war. Ich muss zugeben, am Anfang hat es etwas gedauert, bis ich in dem Schreibstil drin war. Vor allem durch die sehr kurzen Kapitel hatte das Buch anfangs für mich einen etwas zerrissenen Eindruck. Aber ich war dann schnell drin und der Schreibstil entspricht ganz Billie, wie sie dachte und dichtete, was mir dann wirklich gut gefallen hat. Allerdings waren ein paar saloppe Formulierungen mit dabei, die eindeutig aus dem heutigen Jargon stammen und hier nicht gepasst haben. Ich weiß nicht, ob das künstlerische Freiheit oder ein Versehen war? Ansonsten habe ich das Buch gerne gelesen und habe viel über eine Frau gelernt, die ich bis dahin noch nicht gekannt hatte. Von mir auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung, wenn ihr euch gerne auch sprachlich in diese Zeit hineinziehen lassen möchtet und etwas über die Sappho von Pommern lernen wollt.

Fazit:
„Billie“ ist eine wirklich spannende Person. Stefan Cordes beschreibt in seiner historischen Romanbiografie das Leben der Dichterin, die viel zu jung sterben musste. Er nimmt uns mit hinein in die Wirren des 30jährigen Krieges. Wir erleben Liebe und Verlust, Hoffnung und Hochmut. Lesen über eine Hexenjagd und darüber, wie wenig Freiheiten Frauen damals hatten. Das Buch beschreibt das Leben von Billie auch sprachlich wirklich gut, bis auf einige eher moderne Floskeln, die nicht so recht gepasst haben. Ansonsten hat mir das Buch, nachdem ich mit dem Schreibstil warm geworden bin, wirklich gut gefallen.

4 Sterne von mir und es war spannend über eine Frau zu lesen, die ich bislang noch überhaupt gar nicht gekannt hatte!
Profile Image for Sabine Winkler.
257 reviews1 follower
February 2, 2025
Der Stolz Pommerns
Sybilla Schwarz, als jüngste von drei Töchtern aus wohlhabendem Haus Billie genannt, ist klug, mutig, eigensinnig und leidenschaftlich. Sie will nicht brav darauf warten, verheiratet zu werden; sie kann lesen, liebt Bücher und beginnt eigene Gedichte zu schreiben. Undenkbar für eine junge Frau ihrer Zeit, denn der Roman spielt zu Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Doch die unangepasste Billie folgt ihrem Wunsch, berühmt zu werden. Ihre Verse behandeln unter anderem die verbotene Liebe zu ihrer Freundin Judith.
Das Cover ziert das Porträt der Erato von Edward John Poynter und fällt durch diese beeindruckende Darstellung sofort ins Auge. Beeindruckend ist auch der Werdegang der jungen Dichterin selbst. Als Ich-Erzählerin führt sie das Publikum in 144 kurzen, aber sehr inhaltsreichen Kapiteln durch die Ereignisse ihres intensiven Lebens. Immer wieder sind auch Ausschnitte ihrer Gedichte eingestreut.
Sybilla Schwarz ist sicher nicht die einzige Dichterin, deren Werke in den vergangenen Epochen leider – und oft absichtlich in Vergessenheit geraten sind. Dank eines guten Freundes konnten ihre Gedichte zumindest gesammelt in einem Buch veröffentlicht und dadurch bis in die Gegenwart gerettet werden. Dennoch bleibt die unkonventionelle junge Frau auch heute noch recht unbekannt. Stefan Cordes gebührt daher großer Dank, sich ihrem Leben und Werk gewidmet zu haben. Der Roman ist sehr gut recherchiert. Vieles entspringt zwar auch der Fantasie des Autors, passt aber hervorragend in den gesamten Kontext der damaligen Zeit. Die Geschehnisse und Charaktere im Haus der adligen Familie, in der Billie aufwächst, werden dadurch ebenso lebendig und greifbar wie einige berühmte Zeitgenossen, die Auswirkungen des Kriegs auf das Leben in der barocken Stadt und deren Umkreis, die damals übliche Hexenverbrennung oder andere wichtige Themen jener Zeit.
Neben Billies dichterischem Talent hat der Roman einen weiteren wichtigen Fokus: er behandelt die Frage, warum Frauen vieles verboten ist, während Männer in gewissen Bereichen privilegiert werden – egal, ob sie über ausreichendes Können oder gar Talent verfügen oder nicht. Leider ist dieser Aspekt auch in unserer heutigen Zeit immer noch recht aktuell.
Abgesehen von diesem wichtigen Thema bleibt dieses Buch vor allem aber auch eins: ein lesenswerter Roman mit großem Unterhaltungspotential, aus dem sie jede Person das herauspicken kann, was am meisten interessiert. Sei der Fokus nun auf Epik, Geschichte oder aber auch Romantik gelegt. Insgesamt ist hier eine Geschichte für jung und alt gelungen, die man gerne auch öfter lesen kann.
166 reviews1 follower
January 13, 2025
Billie ist noch ein Kind, als Greifswald belagert und ihr Haus von den Katholiken besetzt wird. Hautnah bekommt sie den 30-jährigen Krieg mit und versucht ihn zu überstehen. Ihr größter Trost ist die Poesie. Sie will eine große Dichterin werden, dabei darf sie nicht mal lesen oder schreiben. Frauen und Mädchen haben strenge Rollen zu erfüllen und müssen dem Mann gehorchen.

„Billie - ich fliege Himmel an mit ungezähmten Pferden“ von Stefan Cordes erzählt das Leben von Sibylla Schwarz, die im 17. Jh. eine der wenigen Dichterinnen war. Dabei orientiert er sich bei diesem Roman dicht an ihrem Leben und lässt sie auch selbst mit ihren Gedichten, die ins heutige Deutsch transkribiert wurden, zu Wort kommen.

Das Buch hat mich tief beeindruckt. Billie war mir sehr nah. Sie war ein unglaublich starkes, mutiges und schlaues Mädchen, das sich allen Widrigkeiten zum Trotz ihrer Leidenschaft gewidmet hat und auch die anderen Frauen in ihrem Leben haben sich nicht unterkriegen lassen. Da ist Ide, die Magd, die mich immer zum Lachen gebracht hat und Billies Schwester Emi, die sich ihr Strahlen, trotz der Grausamkeit der Zeit, bewahren konnte. Die Männer waren hingegen, bis auf einige Ausnahmen und nicht anders zu erwarten, sagen wir, schwierig. Sie haben sich eingerichtet in Patriarchat und Misogynie, inklusive der (Zwangs)Heirat von Mädchen, die meist nicht mehr waren als Haushälterinnen und Analphabetinnen, und Hexenverbrennungen. Das alles schildert Stefan Cordes ungeschönt, was ich ihm als Mann hoch anrechne. Er verschließt die Augen nicht oder versucht etwas zu beschönigen.

Er hat es geschafft, der Ich-Erzählerin Billie eine passende und poetische Sprache zu verleihen, die nie anstrengend wird. Man taucht darin ein und merkt gar nicht, wie die kurzen Kapitel an einem vorbeirauschen. Er macht das 17. Jh. nahbar, kleidet es in besonderer Form in ein modernes Gewand und schenkt uns die Wiederentdeckung einer großen Dichterin, die von ihrer Zeit und den Männern zum Schweigen gebracht werden sollte.
Profile Image for Johanna Berger.
124 reviews5 followers
January 17, 2025
Wenn man unter dem Stichwort „Barockliteratur“ bei Wikipedia nachschaut, findet man die Namen von 23 Dichtern und neun Dichterinnen. Immerhin. Die Namen der allermeisten Dichter sind heute noch in den Schulbüchern zu finden, die der Dichterinnen eher nicht. Sibylla Schwarz (1621-1638) war eine von ihnen, ein Wunderkind. Sie stirbt mit 17 Jahren an der Ruhr. Stefan Cordes macht sie mit seinem biografischen Roman „Billie“ einem weiteren Kreis bekannt.

Der Roman ist aber kein bebilderter Wikipedia-Eintrag. Wie auch? Die bekannten Fakten ihres Lebens sind dürr. Außer den in Kirchenbüchern verzeichneten Geburts-, Sterbe- und Familiendaten und einem nach ihrem Tod veröffentlichten Gedichtband ist da nicht viel. Stefan Cordes denkt sich also ein Leben aus: im schrecklichen 17. Jahrhundert, mitten in Greifswald, mitten im Dreißigjährigen Krieg.

Die Patriziertochter lernt anders als viele ihrer Geschlechtsgenossinnen lesen und schreiben, erhält vom Hauslehrer ihrer Brüder Unterricht, macht Bekanntschaft mit Petrarcas Sonetten und mit der bedeutenden Verslehre von Martin Opitz. Sie bringt sich das Dichten bei, trotz Krieg, Not, Hexenverfolgung und Pest, an der ihre Mutter stirbt. Als Wallensteins Soldaten Greifswald besetzen, muss sie zeitweise den Haushalt führen, der Vater ist zum Herzog geflohen. Cordes erzählt von einem aufmüpfigen, intelligenten Mädchen, das seine verbotene Liebe zu einer Freundin besingt. Von einer jungen Frau, die sich dem Heiratsmarkt verweigert und sich mit Hildegard von Bingens Medizinbuch „Causae et Curae“ selbst aufklärt. Von einer passionierten Dichterin, die sich den Konventionen nicht beugen will, die ihrem Geschlecht auferlegt wurden. Sie schuf Gedichte, die etwas frischer erscheinen als die, die man aus dem Schulunterricht kennt, auch wenn sie sich weitgehend an die Normen der barocken Dichtkunst hält. Sie schreibt von Freundschaft und Liebe als Gegen-Ort zur grausamen Realität.
Der Autor streut ihre Verse immer wieder in den Text ein. Am Ende steht ihr berühmtestes Gedicht, von ihm für eine heutige Leserschaft bearbeitet: der „Gesang gegen den Neid“, von vielen als eine Art feministisches Manifest bezeichnet.

Cordes erzählt konventionell und eingängig, oft mitreißend. Manchmal schlicht, manchmal mit schönen Metaphern. Zuweilen etwas süßlich. Der Ich-Perspektive geschuldet. Es ist ja schließlich ein Coming-of-Age-Roman.

Er verführt zum Weiterstöbern in Sibyllas Gedichten.
942 reviews
January 19, 2025
Das Cover gefällt mir sehr gut und ist ansprechend gestaltet. Der Titel hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht und ich finde die Haptik des Hardcover Buches sehr ansprechend.

In dem Roman geht es um die junge Frau Billie, also eigentlich Sibylla Schwarz, die Barockdichterin. In Greifswald merkt sie als Kind bereits die Zeichen des 30 jährigen Krieges. Als jüngste Tochter des Bürgermeisters muss sie fremde Männer in ihrem Haus erdulden. Flucht und Trost findet sie in der Poesie und fängt mit dem Schreiben von Gedichten an. Das war zu dieser Zeit eigentlich unmöglich, Frauen sollten weder schreiben und lesen lernen. Doch Billie findet ihren Weg des Widerstandes, sie schreibt und entwickelt Gefühle für ihre Freundin Judith.

Die Romanbiographie hat so viel Herz und Gefühl, es war mir eine Freude die Seiten zu lesen. Billies Geschichte ist erfüllt von Hoffnung und Freude, zeigt jedoch auch die Wirklichkeit und Grausamkeit der Zeit. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er hat wunderbar ins Gesamtbild gepasst. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter.
12 reviews1 follower
December 28, 2025
Mich lässt dieses Buch nicht mehr los. Ich bin weder ein großer Fan von Poesie noch von historischen Romanen und trotzdem war das hier eins der besten Bücher, die ich seit Jahren gelesen habe. Sprachlich und inhaltlich stimmt hier einfach alles.

Jede Wendung, jede Fügung nimmt einen mit und die Hauptfigur Billie ist zum verlieben. Schlau und schlagfertig träumt sie davon Dichterin zu werden, in einer Welt in der das undenkbar scheint – als Frau. Kirche, Patriarchat und pommersche Mäßigung lassen sie immer wieder an Grenzen stoßen und trotzdem strotzt sie vor Lebenslust findet Freundschaft, Förderer und sogar die Liebe, wenn auch nur für kurze Zeit.

In diesem Buch wird einem auf jeder Seite vor Augen geführt, wie viel Leid und Unterdrückung Frauen seit jeher ausgesetzt waren und wie viel Glück und Mut es bedarf aus Konventionen auszubrechen, wenn man das im schlimmsten Fall mit dem Leben bezahlt.

Ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann und der einen noch lange begleitet.
Profile Image for Christine.
1,441 reviews41 followers
December 21, 2024
Mir hat der Roman nicht wirklich gefallen. Zu viel Romantik überlagerte die ganze Geschichte. Ich hätte mir mehr Tiefe erwartet, insbesondere was die Charaktere angeht. Schön geschrieben ist der Roman, deswegen habe ich 3* gegeben.
Ich habe eine digitale Kopie dieses Romans von NetGalley bekommen und freiwillig habe ich eine ehrliche Rezension geschrieben.
Profile Image for Marie Anabell.
24 reviews2 followers
June 5, 2025
Ein mutiges junges Mädchen, dass ihrer Zeit weit voraus und dadurch im Käfig gesellschaftlicher Strukturen gefangen ist.
Profile Image for Theda.
28 reviews2 followers
September 19, 2025
Was für ein unglaubliches Buch. Gleichermaßen zart und stark und dabei so verletzlich und mutig. Ich wünschte ich könnte es nochmal zum ersten Mal lesen.
42 reviews
December 15, 2025
Was für ein grandioser Roman über die Dichterin Sybilla Schwarz, zu Zeiten des 30 jährigen Krieges. Absolute Leseempfehlung.
Profile Image for Fini S.B..
51 reviews6 followers
April 11, 2025
Oh und wie ich geflogen bin - geflogen auf ungezähmten Pferden und durch die Seiten dieses fantastischen Debüts von Stefan Cordes.
Hast du schon mal von Sybilla Schwarz gehört? Ich jedenfalls nicht - bis zu diesem Buch!
Sybilla Schwarz war eine deutsche Barockdichterin, deren Leben und Gedichte diesen historischen Coming-of-age Roman inspiriert haben.

Die Geschichte führt uns nach Pommern, mitten in den Dreißigjährigen Krieg, währenddem Billie und ihre Geschwister aufwachsen. Sie erlebt einerseits das relativ unbeschwerte Leben als rebellische jüngste Tochter des Greifswalder Bürgermeisters - gleichzeitig spürt sie die Härte dieser Zeit: Besatzung, Unterdrückung, schwere Verluste. Freundschaft und Liebe - vor allem zu ihrer Freundin Judith - spenden Billie Kraft und erhalten eine Leichtigkeit in ihrem Leben.
Im Zentrum von allem aber steht Billies Leidenschaft zur Poesie und mit welchem Mut sie aufbegehrt, Bildung einfordert und ihrem Wunsch, selbst Dichterin zu werden, nachgeht. Wir erleben, wie sie ihre poetische Stimme entwickelt, welche Hindernisse ihr als junge Frau dieser Zeit gestellt werden und mit welcher Willenskraft, sie dennoch ihren kreativen Weg weiterverfolgt.

Billie ist Träumerin, Kämpferin, Dichterin – eine Heldin, die man einfach ins Herz schließen muss!

Der Schreibstil ist poetisch und angenehm flüssig. Eine gelungene Mischung aus Schlichtheit und feinem Sprachgefühl. Neben Gedichten von Sybilla werden auch Anklänge von Homer, Horaz, Vergil und Ovid, ebenso wie Texte von Hildegard von Bingen (was mir besonders gut gefallen hat) atmosphärisch eingeflochten. Auch die historische Kulisse und Hintergründe fand ich spannend und stimmig!

Für alle, die sich für starke Frauenfiguren, poetische Sprache und vergessene Geschichte begeistern: Los, lest BILLIE!

» Alles war in mir, die Angst, die Wut, der glühende Wunsch zu kämpfen. Nicht mit Säbeln und Pistolen, aber mit meiner Stimme, die ich lernte wie ein Schwert zu führen, und wie ein Herz, das nicht erkaltete im Winter des Krieges, das pochte, bebte wie der Frühling, sang wie ein Sperling, weinte wie die unzertrennlichen Graugänse, wenn sie einander verloren, denn nur meine Stimme blieb mir, als der Krieg uns überfallen hatte im bittersten November meines Lebens. «

Herzensempfehlung.
Profile Image for Literaturina.
197 reviews15 followers
September 26, 2024
@textopfer hat seine Rezension zu diesem Buch mit der Frage eingeleitet, ob auch ein Autor Feminismus könne. Und wie er kann ich nach dieser Lektüre nur sagen: ja, absolut!

Es handelt sich hierbei um eine Romanbiografie über eine von damals wie heute sehr wenig bekannten Dichterinnen des 17. Jahrhunderts: Sibylla Schwarz, kurz Billie.

Außer ihrem Namen, der Lebzeit und dem Fakt, dass sie früh starb, wusste ich nichts über die junge Dichterin. Tatsächlich würde ich euch empfehlen, genauso unwissend an dieses Buch heranzugehen, denn dadurch sowie die vielen Konflikte (inklusive des Dreißigjährigen Kriegs) baute sich während meiner Lektüre zunehmend Spannung auf.

Stefan Cordes hat mich mit diesem Roman auf vielen Ebenen begeistert. Trotz unfassbar vieler Tragödien und Ungerechtigkeiten (insbesondere, wenn es um Frauen geht) schafft er es, einerseits die dramatischen Gegebenheiten nachfühlbar darzustellen und zugleich stets einen gewissen Witz beizubehalten. Hat man die anfangs vielen Protagonist*innen erst mal kennengelernt und eingeordnet, entwickelt die Geschichte einen Sog und man kann das Buch nur schwer beiseitelegen. Die kurzen Kapitel unterstützen diesen Lesefluss nur weiter.

Billie wirkt einerseits sehr jung, was sie ja war, andererseits auch sehr klug und willensstark – manchmal ein bisschen zu clever für meinen Geschmack, wenn sie als Einzige und schon im 17. Jahrhundert meint, die Pest käme von den Ratten und Flöhen. Das ist allerdings auch mein einziger Kritikpunkt.

Immer wieder baut der Autor Verse ein, setzt sie in Bezug zur Handlung, also Billies Lebenslauf. Das Buch endet mit ihrem Gedicht „Ein Gesang wider den Neid“ in einer von ihm bearbeiteten Form und als ich das Buch zuschlug, war ich wirklich gerührt, bewegt, beeindruckt: von ihr und ihrer Dichtkunst wie auch von diesem ganzen Roman.

Er gibt einen guten Einblick ins Leben der damaligen Zeit (zumindest eines höheren Standes), insbesondere als Frau; macht die Abhängigkeit von Männern deutlich und ihr Unwissen über die grundlegendsten Dinge wie ihren eigenen Körper, mal abgesehen davon, dass die wenigsten von ihnen, selbst in gehobeneren Kreisen, schreiben und lesen konnten.

Ich kann euch das Buch also wirklich nur wärmstens ans Herz legen, wenn ihr Interesse an historischen Persönlichkeiten (insbesondere weiblichen) und historischen Romanen, Lyrik und/oder Feminismus habt! Mir wird es noch lange eindrücklich in Erinnerung bleiben.

Vielen herzlichen Dank an Politycki & Partner für dieses Rezensionsexemplar!

CN: Krieg, Misogynie, Operation, Flucht, Tierleid, Tier-Schlachten, Prügelstrafe, Vergewaltigung?, Tod von Angehörigen, Hunger, Hexenprozess & -verbrennung, Syphilis
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