Martina Voß kennt sich aus mit den nicht so schlimmen Kleinigkeiten, die einer Frau zustoßen können. Deshalb nimmt sie ohne lange nachzudenken Kasia und ihre Tochter auf. Platz hat sie in ihrem großen Haus, nachdem sie sich ohne lange nachzudenken von ihrem Mann getrennt hat. Außerdem ist Sommer, und die Welt verliert ihre Ecken und Kanten, wenn die beiden Frauen Apfelsaft mit Wodka trinken. Aber lange kann das nicht gutgehen. Denn im Dorf wissen immer alle alles. Zielstrebig und intelligent, ohnmächtig und tö Als unzuverlässige Erzählerin bietet diese Heldin keine einfachen Wahrheiten an.
Die Handlung fließt über lange Strecken sehr belanglos vor sich hin. Die letzten 50 Seiten haben es in sich und lassen einen mit einem Gefühl der Ohnmacht zurück.
2.5-3* Ich fand die Themen die aufgebracht wurden teilsweise spannend aber alles in allem war ich die meiste Zeit nur von der Hauptfigur und ihren Handlungen genervt. Ich glaube auch dass ich mir leichter getan hätte es in eine durchzulesen anstatt es im buddy read zu analysieren.
Martina lebt mit ihrer Tochter Annalena in einem kleinen Dorf. Sie hat sich von ihrem Mann getrennt und arbeitet als Reinigungskraft für eine Vielzahl der Dorfbewohner. Als sie Kasia mit einer Kopfwunde im Kindergarten begegnet, ist sofort klar: Sie muss Kasia und ihrer Tochter Dana helfen. Und daran ändern auch die Gerüchte im Dorf nichts.
"Alle wissen hier alles" war mein erster Roman von Mareike Krügel und er hat mich wütend gemacht und zweifeln lassen. Die Autorin beschreibt die Macht einer Dorfgemeinschaft und vor allem von männlichen Gruppen, die das Leben von Frauen unerträglich machen können.
Martina erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Und sie erzählt sie unstet. Die Hauptfigur trägt einige ungelöste Traumata mich sich herum, flüchtet sich in Gedichte und Suizid-Fantasien und ist mehr als froh, als sie ihren Fokus auf Kasia lenken kann. Kasia flieht vor ihrem Ehemann. Der Grund ist so offensichtlich wie geheimnisvoll, denn im gesamten Buch wird nicht offen darüber gesprochen.
Martinas unstetes Verhalten haben mich immer wieder an ihrer Wahrnehmung zweifeln lassen. Übertreibt sie? Setzt ihre Fantasie ein? Und dann folgt das Finale wie ein Paukenschlag.
Ich kann den Roman empfehlen, auch wenn er nicht leicht auszuhalten ist.
2.5 Leider konnte ich mit dem Buch wenig anfangen und besonders Martina als Protagonistin und Erzählerin war mir meist unsympathisch. Sie macht leider wirklich viel falsch und sagt es auch selbst. Durch das überaus dramatische und gewalttätige Ende wird sie allerdings zur Märtyerin. Als Leserin bleibe ich irgendwie schuldig zurück der unzuverlässigen Erzählerin mit all ihren Verfehlungen nicht vollumfänglich die Stange gehalten zu haben und bin praktisch selbst Teil des Problems geworden. Für mich irgendwie keine gute Leseerfahrung und eine sehr dogmatische Art, Inhalte zu vermitteln.
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Dynamisch aufgebaute Handlung, etwas verstörendes Ende, die seelische Befindlichkeit der Protagonistin erscheint mir sehr konstruiert und wenig schlüssig, thematisch etwas überfrachtet , aber insgesamt gut zu lesen, auch nicht zu lang...
Interessanter Schreibstil. Von vorne bis hinten spannend, das Ende dann schockierend und irgendwie ernüchternd, hat mich leider eher enttäuscht zurück gelassen.
Frau kennt diese Art Wunden, erkennt sie, wenn eine andere Frau sagt, sie sei gegen einen Schrank gelaufen. Die Treppe herunter gefallen. Sie sei nun mal tollpatschig. Das Abwerten der eigenen Person, das sich so normal anfühlt, weil es ihnen ständig vom Gegenüber vor Augen geführt wird. Auch Martina weiß, wie es ist der körperlichen Überlegenheit eines Mannes ausgeliefert zu sein und weil sie vielleicht auch noch so ein kleines ungesundes Helfersyndrom hat, nimmt sie Kasia kurzerhand mit nach Hause, als diese morgens mit einem dicken Bluterguss vor der Stirn die Tochter in den Kindergarten bringt.
Damit zieht Martina eine Kettenreaktion in Gang, mit der sie nicht gerechnet hat. Einem Mann einfach so die Frau nehmen, für deren Unterdrückung er jahrelang gearbeitet hat. Wo kommen wir denn da hin? Was Mareike Krügel mit Sarkasmus versucht aufzulockern, fühlt sich dennoch beklemmend an. Weil so viel Realität darin steckt. So viel: ja, so könnte es tatsächlich laufen. So viel: ja so mahlen die Mühlen des Patriarchats.
Martina und Kasia sind Opfer der männlichen Macht auf verschiedenen Wegen. Man glaubt ihnen weniger, als den Männern, sie werden gemieden und auch innerhalb der Frauenbeziehungen, die sie über die letzten Jahre aufgebaut haben, gibt es sie: die Strukturen des Patriarchats, die dafür sorgen, dass Frauen nicht nur hilfsbereit aufeinander zu gehen und sich unterstützen, sondern dass eine Kluft zwischen sie getrieben wird. Aus der Ohnmacht wird die Wut aufeinander, das Misstrauen gegenüber anderen Frauen, statt Verbundenheit ausleben zu können.
Es war beklemmend zuzusehen, wie Martina und Kasia immer mehr Selbstbestimmung entzogen wurde, wie sie mehr oder weniger gezielt manipuliert wurden, wie ich mit ansehen musste, wie sie ins Verderben laufen, ohne etwas dagegen tun zu können. Wie man ihre Aussagen gegen sie verwendete, weil man modern denken will und gleichzeitig so altmodisch darin verharrt, was schon immer irgendwie funktioniert hat. Veränderung, Auflehnung kostet Kraft.
Mareike Krügel zeigt hier Strukturen auf, in denen wir uns alle befinden. Frauen wie Männer in unterschiedlicher Form. Um aus der Opferrolle in die Selbstermächtigung zu kommen, bedarf es Bücher wie diese, die unser Wissen erweitern, unseren Blick schulen für die Situationen, in den wir klein gehalten werden, in denen das Patriarchat um seinen Verlust an Kontrolle bangt. Gut, dass wir Bücher mit solchen Geschichten, Bücher von Frauen haben, die uns mit Wissen, mit Aufklärung, ein Werkzeug an die Hand geben, das fundamental wichtig ist, um etwas zu verändern.
Handelt es sich um das Wahngebilde einer überforderten Mutter und Ehefrau oder das Komplott eines männlich dominierten Umfeldes? Oder um irgend etwas dazwischen? In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Roman, der mich verunsichert und ratlos zurücklässt, angesichts einer zwiespältigen Hauptfigur, der man unbedingt und gern glauben will, aber nicht immer glauben kann. Auf jeden Fall bringt die Autorin ihre LeserInnen in einen Reflexionsprozess. Zudem stellt sich die Frage, ob es eine weibliche und eine männliche Lesart der Geschichte gibt. Eine objektive Lesart gibt es nicht.
Als ich Kasia zum ersten Mal rettete, war ich spät dran...
- Alle wissen hier alles, S. 1
Achtung, SPOILER (in Form von Zitaten) können enthalten sein!
In "Alle wissen hier alles" zeichnet Mareike Krügel das Bild einer Gesellschaft, die einander ständig überwacht und beobachtet, aber nicht hilft. Einzig Martina hilft, indem sie Kasia und ihre Tochter Danuta bei sich aufnimmt, als sie ihren Mann verlässt. In dem alten Haus ihrer Großmutter leben sie nun zu Viert. Die Mädchen verstehen sich prächtig und auch die Mütter freunden sich an, während sie versuchen von ihren vergangenen Beziehungen zu heilen und sich nicht von den Meinungen anderer in ihrem Umfeld beirren lassen.
Der Buschfunk aka das Gerede in dem Dorf, in dem sie wohnen ist sich einig: Sie sollen sich doch nicht so anstellen, nicht so schwierig sein und überhaupt, was beschweren sie sich, es geht ihnen doch so gut mit ihren Männern. Alle wissen hier alles besser, beurteilen und beschämen sie. Aussagen der Kindergartenpädagogin wie diese: ... »Wenn ein Kind nicht bleiben mag, liegt es meistens an der Mutter, die sich nicht lösen kann.«... Mum Shaming Endlevel 😡
Ich liebe die rebellische Energie, da Martina gegen alle Unfairheiten die ihr und Kasia widerfahren Stellung bezieht und die Welt um sie herum mit ihrer misogynen Struktur ständig hinterfragt: ... Eine Kriegerin war ich. Eine, die schon morgens vor dem ersten Kaffee tief in sich hineingreifen und einen mit Blut und Gewebe gefüllten Silikonbehälter von der Größe einer Mokkatasse herausziehen, ihn ausleeren und reinigen konnte, mit all dem Geruch und den Spuren auf Haut und Keramik, die dazugehörten. Auch das hatte mir niemand je gesagt: dass eine Frau zu sein bedeutete, solche Dinge zu tun und niemandem etwas davon zu erzählen...
Geschickt werden auch Themen wie Missbrauch, fehlende Versorgung in der reproduktiven Medizin in Deutschland (Abtreibung als Straftat), Klimakatastrophe, Rassismus, religiöse Bigotterie und Slut Shaming in die Geschichte eingebaut.
... Es war immer das gleiche Muster: Love Bombing, Gaslighting, systematische Zerstörung des Selbstwertgefühls, bis man emotional abhängig war. Manipulation, Schuldzuweisungen, Unberechenbarkeit, Wutausbrüche, auf die Entschuldigungen folgten, gepaart mit Täter-Opfer-Umkehr, bis man nicht mehr wusste, was normal und gesund war, und keine Orientierung mehr hatte...
... Die Mär von dem Fremden, der kleine Kinder entführte, war eine durch und durch schädliche Geschichte, die mit Absicht aufrechterhalten wurde, um von der statistisch vielfach belegten Wahrheit abzulenken, dass so gut wie alle Missbrauchsfälle innerhalb der Familie stattfanden...
... Ich hatte gelesen, dass Angst der stärkste Affekt im Leben eines Menschen war, aber das stimmte nicht. Es war Scham...
... Ich ließ alles über mich ergehen, die Untersuchung, die Predigt, die herablassende Art, die mir suggerierte, ich wäre womöglich zurzeit nicht ganz zurechnungsfähig. Später die Beratung, die entgegen der Ankündigung auf der Website nicht ergebnisoffen war, sondern mir ein dermaßen schlechtes Gewissen machte, dass ich die Wartezeit auf den Termin zur Durchführung der straffreien Straftat in einem Sumpf aus Selbsthass und Verzweiflung verbrachte. Es gab nur wenige Arztpraxen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführten, eine einzige Klinik, alle jeweils eine Autofahrt von fünfundvierzig Minuten entfernt... ... der letzte Rest Kontrolle über meinen Körper würde verloren gehen, bis ich mich auflöste. Ich musste das Leben in mir gegen mein eigenes abwägen, und wenn das dramatisch oder gar lächerlich klang, dann war das eben so...
Trotzig und mutig stellt sich Martina dem ständigem Gaslighting entgegen, versucht es zu ignorieren bis die Situation entgleitet und sich das Buch gegen Schluss als Psychothriller entpuppt. ... Denn es war unerträglich, ein Opfer zu sein. Lieber war ich eine Hexe,...
In diesem Buch werden alle Themen angesprochen, die beweisen, dass Feminismus einfach noch nicht mal ansatzweise am Ziel ist. Die Verurteilung und Beschämung von Frauen, die aus der Reihe tanzen und sich nicht unterdrücken lassen, ist einfach nur zum Schreien und man möchte das Buch wütend gegen die Wand knallen.
Was mich etwas irritiert hat, ist das Ende. Ich möchte es hier natürlich nicht spoilern, aber die letzten paar Seiten fand ich sehr unbefriedigend. Allerdings sind hier verschiedene Interpretationen möglich, weshalb einen das Buch auch noch ein paar Tage nach dem man es beendet hat beschäftigt. Um mich damit abzufinden, ist es in meinem Head Canon
... Es reicht nicht, eine Bedrohung wahrzunehmen, man muss sich auch vor ihr schützen. Sich wehren. Stattdessen haben wir uns verkrochen, haben uns wie Tiere in die Falle manövriert, bis es zu spät war, bis uns die Regie aus der Hand genommen war. Ich bin so unendlich dumm gewesen...
Wichtiges und spannendes Thema, aber leider sehr traurig und bedrückend. Ich hätte mir Empowerment erhofft, stattdessen wird man am Ende recht aussichtslos zurückgelassen.
Obwohl Mareike Krügel mit ihrem Roman wichtige gesellschaftliche Themen anreißt – von weiblicher Selbstermächtigung bis hin zu struktureller Unterdrückung – blieb mir der Zugang zur Geschichte weitgehend verwehrt. Die Hauptfigur Martina empfand ich als anstrengend und in vielen Entscheidungen wenig nachvollziehbar – selten war mir eine Hauptfigur derart unsympathisch, die aber eindeutig so geschrieben ist, dass man sie mögen sollte. Ihre Rolle als Erzählerin wirkt teils unzuverlässig, ihr innerer Konflikt konstruiert. Der Plot plätschert über weite Strecken dahin, ehe ein überzogen dramatisches Ende folgt, das zwar aufrüttelt, mich emotional aber nicht abholen konnte. Insgesamt ein gut gemeinter, aber überfrachteter Roman, der mich trotz seines gesellschaftlichen Anspruchs nicht überzeugen konnte.
Die Gleichsetzung mit Mareike Fallwickl am Klappentext ist mehr als unzureichend. Ich habe das Buch vorrangig deswegen gekauft und bin schlichtweg auch enttäuscht. Der Vorname ist gleich, Ende.
Although Mareike Krügel touches on important societal issues in her novel – from female empowerment to structural oppression – I struggled to connect with the story. I found the main character, Martina, exhausting and many of her decisions hard to comprehend – rarely have I found a protagonist so unlikeable, especially one clearly written to be sympathetic. Her role as a narrator often feels unreliable, and her inner conflict comes across as contrived. The plot meanders for long stretches before culminating in an overly dramatic ending that, while jarring, failed to resonate with me emotionally. Overall, it's a well-intentioned but overloaded novel that, despite its social ambition, did not manage to win me over.