Mit »Schlangen und Stein« hat James A. Sullivan eine eindrucksvolle Neuinterpretation der Medusen-Sage geschaffen, die den antiken Stoff über die Themen Verfolgung, Unterdrückung und Gemeinschaft in die heutige Zeit Medusa wurde von Perseus getötet, ist jedoch in Form von neun Schwestern wiederauferstanden. Im Verborgenen haben sie überlebt, doch ihr Ziel ist es, eines Tages wieder eins zu werden. Sema und Elena, eine Medusenschwester und eine Gargoyle, setzen alles daran, dies Wirklichkeit werden zu lassen. Ein Weg, auf dem sie alles gewinnen, aber auch alles verlieren könnten.
Ich hätte es so gerne mehr gemocht - nicht nur um den queerfeindlichen und rassistischen Rezensionen, die kamen und kommen werden, entgegenzuwirken. Aber leider war die Geschichte gar nicht meins. Der Plot an sich war eigentlich ganz cool: Der Medusa-Mythos wurde weitergesponnen und in unsere Zeit versetzt. Es ist also kein klassisches Retelling. Einzelne Elemente waren ebenso gelungen: Die Diversität, die Polyamorie! Doch die Umsetzung konnte mich leider nicht überzeugen. Ich fühlte mich stets wie eine außenstehende Zuschauerin, die Figuren blieben auf Distanz und sehr oberflächlich, auch der Erzählstil war mir nie angenehm. Ich hab es tatsächlich nie gerne gelesen und manche Kapitel zogen sich wie Kaugummi. Alleine, ohne Leserunde, hätte ich es definitiv abgebrochen. Schauplätze wurden zwar detailreich beschrieben, spielten dann aber keine Rolle bzw. wurden schnellstmöglich wieder verlassen. Die letzten Seiten habe ich dann auch nur noch sehr grob überflogen.. Leider kann ich 'Schlangen und Stein' nicht empfehlen. 2,5 Sterne.
Ich wünschte, ich hätte dieses Buch toll finden können. Leider war der Schreibstil so gar nicht meins. Der Klappentext hatte mich direkt angesprochen und auch einzelne Dinge im Plot haben mir gefallen. Die Kombination aus Mythologie und Diversität und versetzt in unsere Zeit fand ich gut. Aber leider konnte mich das Buch so gar nicht packen. 2,75/5 Sterne
„Schlangen und Stein“ bietet eine moderne Neuinterpretation des Medusa-Mythos und erzählt die Geschichte aus zwei Perspektiven: der Medusenschwester Sema (im Präsens) und dem Gargoyle Elena. Die Erzählstimmen sind klar unterscheidbar und der Stil ist flüssig und atmosphärisch.
Ich bin mit einer anderen Erwartung an das Buch herangegangen – vor allem, weil ich den Autor noch aus seiner Zusammenarbeit mit Bernhard Hennen („Die Elfen“) kenne. Stilistisch erkennt man auch hier die Leidenschaft und den Aufwand, den er in das Projekt gesteckt hat.
Thematisch setzt der Roman klare Schwerpunkte: Queerness, Identität, Rassismus und polyamore Beziehungen sind feste Bestandteile der Geschichte. Das ist für viele Leser*innen sicherlich ein großer Pluspunkt und hebt das Buch von klassischen Fantasyromanen ab. Für mich persönlich hat das jedoch nicht den erhofften Lesesog erzeugt, was schlicht meiner eigenen Lesevorliebe geschuldet ist.
Was ich mir gewünscht hätte: eine transparentere Kennzeichnung der thematischen Ausrichtung, wie sie andere Verlage inzwischen oft nutzen (z. B. LGBTQIA+ Fantasy oder Romantasy). Das hätte mir geholfen, meine Leseentscheidung bewusster zu treffen – vor allem in einer Zeit, in der Bücher teurer werden und man selektiver kauft.
Wer jedoch gezielt nach Fantasy mit progressiven, queeren Inhalten sucht, bekommt hier einen hochwertig geschriebenen, ungewöhnlichen Roman mit starker eigener Handschrift.
I had high hopes for this book—a feminist reimagining of the Medusa myth, strong female protagonists, and an exploration of polyamorous relationships? It sounded like everything I could want. But despite its promising premise, the experience fell flat. The writing is incredibly detailed, diving into each character’s thoughts, emotions, and actions, but somehow the characters felt distant and lifeless. I couldn’t form a connection with anyone, and they all seemed to blend together rather than stand out. The plot, too, moved at a glacial pace, and even the action sequences, meant to ramp up the suspense, left me underwhelmed. Ultimately, what seemed like a fresh take on a classic myth didn’t resonate the way I had hoped.
“Schlangen und Stein” von James A. Sullivan ist ein fulminantes Werk der Progressiven Phantastik … und das in vielfältigem Sinne.
Zum einen sind seine Protagonist*innen alles andere als stereotyp und haben die Grenzen ihres Geschlechts längst überwunden. Zudem loten sie die Übergänge ihrer Sexualität in zahlreichen Spielarten immer mal wieder aus. Zum anderen ist das Setting ein inspirierender Mix aus Antike, Mittelalter und Gegenwart. Man merkt Sullivan seine Liebe zur griechischen Antike aber auch zu mittelhochdeutscher Literatur an, die viel zu selten ihren Weg in neuzeitliche Phantastik findet.
Das wohl nie gelöst werdende Rätsel um Kyot ist ein wichtiges Verbindungsglied seiner sich bereits seit der griechischen Antike auf der Flucht befindenden Gorgonen mitsamt ihrer Verbündeten und der Neuzeit.
Er schlägt Brücken zwischen antikem Mythos, “realen” machtvollen Wesen und Gruppierungen des 21. Jahrhunderts fragwürdiger Moral. So, wie diese fiktionale Verbindung scheinbar voneinander getrennter historischer Epochen, so wird auch deutlich, dass zwischen”wesenliche” Verbindungen dem Autoren überaus wichtig sind. Kaum ein Gedanke bleibt zwischen den Gorgonen, den Verbündeten … zumeist Gargoyles und nicht ganz so normalen Menschen unausgesprochen (ob verbal oder in Gedanken).
Sullivan erzählt eine alternative Geschichte, in der Medusa nicht das Monster war, das Hesiod, Ovid, Herodot u.a. beschrieben. Seit der (durchaus möglichen) geschichtsverfälschten Rolle der Medusa im antiken Griechenland, befinden sich in Sullivans “Schlangen und Stein” die aus dem vorläufigen Sieg der Söhne des Perseus hervorgegangenen neun Medusenschwestern auf der Flucht. Schön früh in der Erzählung wird klar, dass nicht das mythische Wesen Medusa das Monster war/ist, sondern die sie bzw. ihre Schwestern jagenden Männer. Die zumeist von männlicher Hand verfassten antiken Geschichten prägten Jahrtausende den Mythos und so kennen (laut Sullivan) nur wenige die Wahrheit hinter dem Haupt der Medusa.
Eine schon lange währende Verfolgungsjagd treibt die Medusenschwester Sema und ihre Vertraute Elena quer durch Europa und über den Atlantik. Zu oft wurden sie auf der Suche nach den anderen Schwestern und dem Medusenhaupt im Laufe der Jahrhunderte verraten und trotz der Angst, von den Perseiden entdeckt und getötet zu werden, wagen sie immer wieder, sich an Vertraute zu binden und mit ihnen gemeinsam die Zusammenkunft der Schwestern vorzubereiten.
In Sullivans Roman spielen reale Städte wie u.a. Köln, London und Arles eine wichtige Rolle, da sich dort über die Jahrhunderte hinweg Architektur und Netzwerke erhalten haben, die den Protagonist*innen mal mehr und mal weniger freundlich gesinnt sind. Wieder ist das Verbinden von Altem und Neuem ein zentrales Motiv von Sullivan, wie auch die charmante Integration des (vermeintlich) fiktiven mittelalterlichen Dichters Kyot und des historischen Dichters Wolfram von Eschenbach in die griechisch-antike Welt der Gorgonen. Das daraus entstehende Geflecht aus menschlichen und weniger menschlichen Geheimbünden im Untergrund europäischer Städte verschafft der Geschichte Möglichkeitsräume, die bei den Lesenden noch lange nach der letzten Seite von “Schlangen und Stein” bei der Betrachtung von steinernen Statuen womöglich Zweifel aufkommen lassen, ob sich das ein oder andere Steinwesen nicht doch ein wenig bewegt haben mag.
Die ineinander verwobenen Epochen und die verflochtenen Beziehungen der Charaktere funktionierten für mich persönlich leider nicht vollständig. Auch wenn ich das Ergründen von Gefühlswelten und Zweifel in der Phantastik als sehr bereichernd empfinde und Sullivan bei den “Guten” besonders viel Wert auf Rücksichtnahme, Wertschätzung und dem Aushandeln von Argumenten auf Augenhöhe legt, so färben sich die Dialoge für mich beizeiten mit etwas zu viel Pathos.
Die inneren Dialoge, die oft auf telepathischer Ebene geführt werden, waren für mich beim Lesen oft anstrengend. Das mag auch daran gelegen haben, das ihnen die direkte Rede fehlte und alle Stimmen nur in einem Geist zu vernehmen, es mir erschwerte, nicht durcheinander zu kommen.
Die sehr rücksichtsvollen Dialoge und das fürsorgliche Verhalten innerhalb der Gemeinschaft war für meinen Geschmack auf Dauer auch sehr anstrengend und etwas zu viel des Guten. Das Erklären von Gefühlen und Begründen von Gedanken und Tätigkeiten ermüdete mich im Laufe der Kapitel etwas.
Das Leben als Flüchtende schildert Sullivan sehr eindringlich und nur die unumstößliche Loyalität und der Glaube an ein gemeinsames Ziel, lässt alle Figuren das Leid und die Strapazen erdulden, allerdings hätte es für meinen Geschmack durchaus ein paar weniger Zwischenstationen dafür mehr Nebenhandlungen geben können. Gerade in London wird für mein Dafürhalten zu lange Spannung aufgebaut und gehalten, die sich dann im Twist im Hause Durand etwas dünn entlädt … was Sullivan aber dann mit einem Twisttwist schnell wieder interessant werden ließ.
Alles in allem eine gelungene Verbindung (!) antikem Mythos über mittelalterliche Dichtung hin zu neuzeitlicher progressiven Phantastik.
James A. Sullivan interpretiert den Medusa-Mythos neu und versetzt ihn in die moderne Zeit. Als Medusa von Perseus enthauptet wurde, teilte sich ihr Wesen. Aus ihrem Blut entstanden neun sogenannte Medusen-Schwestern und Medusas Zauber und Macht zentrierte sich in dem abgetrennten Haupt. Dieses weckte sofort die Begehrlichkeiten von den Abkömmlingen Perseus', die es für ihre Machtgewinnung missbrauchten und die Medusenschwestern verfolgten. Jahrtausendelang mussten diese im Verborgenen leben. Doch sie harren dem Tag der Vereinigung, wenn die neun Schwestern zusammenkommen, das Haupt in ihren Besitz bringen und Medusa wieder auferstehen lassen werden.
Ich liebe dieses Buch! James A. Sullivan ist es gelungen, einen Fantasy Roman mit ganz eigenem World-Buildung und individueller Atmosphäre zu schreiben, der nichtsdestotrotz in jeder Zeile die alten griechischem Sagen atmet, die er neu interpretiert. Sullivan kannte den Mythos-Stoff, den er nutzte, offenbar sehr genau - und webte etwas Neues und Eigenes daraus, ohne diese Grundlage aus den Augen zu verlieren.
Die Geschichte dreht sich viel um die Gemeinschaften, die die Medusen-Schwestern brauchen, um die Zeit zu überstehen, ihre "Vertrauten". Das sind wenige Menschen oder Gargoyles, die das Geheimnis der Schwestern kennen, sie bewachen, wenn sie in ihren Steinschlaf fallen, sie schützen und ihnen helfen, in der modernen Zeit zu agieren. Ich habe in anderen Rezensionen gelesen, dass einige die Figuren distanziert fanden und ich kann bestätigen, dass der Erzählstil der Gargoyle Elena eigen und mitunter distanziert ist - aber ich fand das ein sehr gelungenes Stilmittel, um uns zu zeigen, dass sie eben kein Mensch ist. Gargoyles können zu Stein werden und Jahrtausende überdauern und sie denken, sprechen und lieben auf ganz andere Weise als wir Menschen und das fand ich sehr treffend wiedergegeben.
"Schlangen und Stein" fordert uns heraus, zu hinterfragen, wer das eigentliche Monster ist. Es erkundet die Themen Verfolgung, Rassismus, Unterdrückung, Selbstbestimmung und Gemeinschaft in einem vielschichten und klugen Fantasy-Setting. Die Medusen-Schwestern sind nicht umsonst Frauen of Colour und die Parallelen zu der realen Welt und Historie scheinen unter dem Mythos und der Magie hervor, ohne einen je aus der Story zu reißen. Beim Lesen habe ich mich in die Gemeinschaft der Medusen, Gorgonen und Gargoyles verliebt und bin komplett in dieser Welt versunken.
Ein Buch, auf das ich mich schon seit der Ankündigung gefreut habe. Ich mag griechische Mythologie und deren Retellings, und mit James A. Sullivan kann ich sowieso nicht viel falsch machen. Für moderne, progressive Fantasy ist er meiner Meinung nach eine der wichtigsten Stimmen im deutschen Raum.
"Schlangen und Stein" konnte mich dann auch nicht enttäuschen. Ich mochte die Figuren und die Geschichte sehr gerne, besonders, wie in dem Buch das eigentlich bekannte Thema neu interpretiert wurde. Die Idee mit den neun Schwestern statt DER Medusa fand ich sehr schön, und passt meiner Meinung auch gut zu einer Geschichte, die wichtige Themen wie Queerness und Rassismus aufgreift.
Schon in "Das Erbe der Elfenmagierin" mochte ich die Art, wie James Beziehungen schreibt, und das konnte mich auch hier überzeugen.
Am Anfang hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden und mich zu orientieren, aber ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen, wenn man Interesse an einer modernen Medusa-Erzählung hat.
[Vielen Dank an Netgalley un den Piper-Verlag für die Bereitstellung des eBooks]
Ich fand das Buch richtig gut! Mir gefällt es mal eine andere Geschichte über Medusa zu lesen. Auch das Zusammenspiel zwischen ihr und ihren Vertrauten fand ich recht spannend. Den Schreibstil mochte ich ebenfalls sehr. Ich kann nichts schlechtes über dieses Buch sagen💕