der große Coming-of-age-Roman von Bestseller-Autorin Karin Kalisa
Bevor der 16-jährige Jon aus Berlin die Schule abschließen kann, schließt sie mit ihm Seine Noten sind zu schlecht, und nach Ansicht des Gesetzes wurde er bereits ausreichend beschult. Damit ist er draußen. Eigentlich ungewollt, trotz seiner Schulstoff-Allergie. Denn im Klassenzimmer würde Jon nach den Ferien wenigstens Sunny wiedersehen, die gerade mit ihren Entwicklungshilfe-Eltern in Äthiopien unterwegs ist.
Jon dagegen streift an endlosen, überhitzten Sommertagen mitten im Brandenburger Wald durch eine Kulisse wie aus einem postapokalyptischen monumentale, verlassene Gebäude voller Einsamkeit. Bis der grauhaarige Ben auftaucht, der diesen Ort – die ehemalige Jugendhochschule der FDJ – einst sein Zuhause genannt hat. Auch Ben war eines Tages unfreiwillig draußen.
Ohne viele Worte stellen der junge und der alte Mann fest, dass sie einander eine Menge zu sagen und zu fragen über die Schule und das Lernen; über die DDR und das wiedervereinigte Deutschland; über Äthiopien. Und über die Liebe.
Eindringlich und ein Roman über die Schule und die Liebe und alles dazwischen
Karin Kalisa erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden, in der die Sommerhitze zuweilen die Grenze zwischen Realem und Irrealem ins Schlingern geraten lässt. Völlig real ist dabei ihr entlarvender Blick auf das seltsame System Schule und auf ein kaum bekanntes Stück deutscher Vergangenheit.
Im Zentrum des Romans “Sunny oder die Geometrie der Liebe” von Karin Kalisa steht Jon, ein Jugendlicher, der nach einem Schulverweis mit einer ungewissen Zukunft kämpft. Zugleich wird er von der Sehnsucht nach Sunny begleitet, dem Mädchen, das sein Herz erobert hat.
Jons Weg kreuzt sich in den Ruinen einer alten Jugendhochschule der DDR mit dem von Benno. Jon, der in der Gegenwart seinen Platz sucht, und Benno, der auf eine Vergangenheit voller Liebe und Verlust zurückblickt, sind zwei Figuren, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben – und doch eine faszinierende Verbindung zueinander entwickeln. Während Jon versucht, mit seiner Unsicherheit und seinen Gefühlen klarzukommen, reflektiert Benno über seine Liebe zu Alemee, die ihn einst in die Fremde trieb. Die Autorin schafft es, diese beiden Lebensgeschichten miteinander zu verweben, sodass Vergangenheit und Gegenwart sich immer wieder gegenseitig durchdringen.
Was diesen Roman besonders macht, ist der sanfte, poetische Ton der Autorin. Die Hitze des Sommers zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählung – nicht nur als Wetterphänomen, sondern auch als Metapher für die innere Spannung der Figuren. Gleichzeitig gelingt es der Autorin, alltägliche Momente mit philosophischen Gedanken zu verbinden, sodass man beim Lesen immer wieder innehalten und nachdenken möchte.
Neben den persönlichen Geschichten spricht “Sunny” auch gesellschaftliche Fragen an. Besonders die Ruine der ehemaligen Jugendhochschule dient als Symbol für zerbrochene Träume und unerfüllte Erwartungen. Kalisa wirft dabei einen kritischen Blick auf das Bildungssystem und die Herausforderungen, die es jungen Menschen bereitet. Diese Ebene drängt sich jedoch nie in den Vordergrund – eine feine Balance, die dem Roman zusätzliche Tiefe verleiht.
Fazit: “Sunny” ist ein leises, vielschichtiges Buch, das durch seine poetische Sprache und die kunstvolle Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart überzeugt. Es erzählt von Liebe, Verlust und der Suche nach dem eigenen Weg, bleibt dabei aber immer subtil und unaufdringlich. Ein Roman, der nicht laut sein muss, um zu beeindrucken.
„Dreh dich zur Sonne und lass den Schatten hinter dir.“
**** Worum geht es? **** Zwei Epochen, zwei unterschiedliche Männer, die zu Gefährten werden. Was sie verbindet: die Liebe. Und so suchen vier Herzen im Einklang – in einer Welt mit all ihren Verfehlungen – nach dem richtigen Zeitpunkt für das Glück.
**** Mein Eindruck **** Der Erzählstil ist äußerst gelungen und faszinierend: Obwohl sich im Titel und Geschehen vieles um Sunny – beziehungsweise die Liebe selbst – dreht, erleben wir die Geschichte aus den Perspektiven zweier ungleicher Männer. Der eine ist noch fast ein Junge, ohne klare Zukunftsperspektive, der andere deutlich erfahrener – und dennoch ebenso verloren. Wir blicken auf unterschiedlichste Facetten der Liebe und erleben eine Welt voller verpasster Chancen und neu entstehender Möglichkeiten. Besonders die Altersspanne der Figuren verdeutlicht: Es ist nie zu spät! Spannend war zu verfolgen, wie sich die Geschichten Stück für Stück verweben – mit zunehmender Dynamik, schnelleren Perspektivwechseln und neuen Akteuren. Das Buch ist gesellschaftlich-philosophisch, stellenweise historisch und bleibt dabei leise, aber wirkungsvoll. Generationen und Weltbilder treffen aufeinander, verschmelzen in der Hitze des Sommers, und am Ende bleibt eine stille, unaufdringliche Hoffnung zurück. Mir hat das Buch große Freude bereitet.
**** Empfehlung? **** Ein Buch für alle, die sich auf eine feinfühlige, vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe einlassen möchten, jenseits gängiger Klischees.
Da ist Jon, der von der Schule verwiesen wurde und nun nach einer neuen Perspektive sucht. Und da ist Benno, der aus der DDR ausgebürgert wurde und nun in seine Heimat zurückkehrt. „Er ist ein Ausreißer, und ich bin ein Ausgereister.“ Sie haben scheinbar wenig und dann doch ganz viel gemeinsam, als sie sich über den Weg laufen. Die titelgebende ‚Sunny‘ ist nur eine Nebenfigur, aber symbolisch für den Roman: die nicht erreichbare Angebetete, die Seelenverwandte, die doch nah bleibt. Und eine solche Figur gibt es als Parallele in beiden Handlungssträngen. Die Geschichte hat etwas Magisches, aus der Zeit Gerissenes, da die Treffen am verwilderten Standort einer Jugendhochschule der DDR längst verblasste Erinnerungen zu Tage bringen. „So richtig real hörte sich das alles nicht an, dennoch glaubte er jedes Wort und wollte noch mehr hören, über dieses Hogwarts der DDR, »das es leider nun nicht mehr gab.“ Karin Kalisa trifft einen besonderen Ton, der die Empfindsamkeit ihrer Figuren unterstreicht. Diese entsprechen keinen Klischees, sondern hadern mit ihrem Schicksal und schaffen es doch, sich einander zu öffnen. Sie sind liebenswert, weil sie ihrem moralischen Kompass folgen und über alle Krisen hinweg an ihren Werten und an ihrer Liebe festhalten. Mir gefällt, wie die Geschichten, ganz ohne Kitsch, miteinander verbunden werden.