Ein historisches Buch, keine Belletristik - aber das macht auch den Charme aus, die Beschreibung der damaligen Lebensverhältnisse aus erster Hand aus den Aufzeichnungen zeitgenössischer Beschreibungen, eine fast unfassbare Armut und Kleinheit der Welt, aus der Catharina Linck ausbrechen will, wobei es nie ganz klar ist, ob es ihr darum geht, der Armut zu entfliehen oder dem weiblichen Geschlecht, also ob sie ein Mann sein will, ob sie einfach nur sie selbst sein will, ob sie einfach nicht mehr so arm und machtlos sein will. Das problematisiert auch die Autorin in einem extra Kapitel, ebenso die Frage, wie man Catharina Linck/Anastasius Rosenstengel aus heutiger Sicht nennen sollte: Lesbe? Butch? Crossdresser? Drag King? Transgender? Ein gutes Beispiel, wie heutige Kategorien eben doch konstruiert sind, und dass das für Linck/Rosenstengel vielleicht gar keine Rolle spielt, und dass unterdrückerische Systeme ineinander greifen bzw dass sie verschränkt sind, damals krasser und für uns offensichtlicher, aber heute sicher auch.