★★★★★+/5
Genre: Dark Romantasy
Tropes: enemies to lovers, forced proximity, one bed, he falls first, he hates everyone but her
Band 2 / 3
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„Du versuchts, eine Erklärung dafür zu finden, weshalb dir wehgetan wurde. Aber die Wahrheit ist, dass es nie einen Grund geben wird, der gut genug ist, um Ungerechtigkeit aufzuwiegen.“
Handlung & Schreibstil
Wir beginnen genau dort, wo Band 1 geendet hat. Zurück in Adrasteau als Geist sieht sich Zoé mit neuen Herausforderungen konfrontiert – und eine davon ist Prinz Kaspar. Sie gehen gemeinsam auf die Suche nach dem fehlenden Relikt – und diese Suche hat es in sich.
Ich bin sofort wieder reinkatapultiert worden, ich wurde richtig mitgerissen und bin begeistert von Seite zu Seite geflogen. Es ist total spannend, düster, sinnlich und atmosphärisch, gleichzeitig lernen wir Zoé und – endlich – Prinz Kaspar besser kennen. Ich habe jede Seite geliebt. Auch der Schreibstil ist gewohnt flüssig und in diesem Band werden so wunderschöne Metaphern genutzt und es gibt einige so unfassbar tolle Zitate, dass es mir wirklich schwerfiel, mich für eins für den post zu entscheiden.
Atmosphäre & Setting
Wir sind zum Großteil in Adrasteau aber die Atmosphäre hat sich geändert. Dadurch, dass Zoé und Kas als Geister durch die Gegend laufen, mit ihren eigenen Regeln, spürt man die Distanz zu der Welt, wie sie eigentlich ist. Ich liebe auch das Wordbuilding und die Idee, welche Probleme man als Geist hat. Durch die neuen Gegenspieler gewinnt die Bedrohung noch etwas mehr an Bedeutung und die Herausforderungen werden größer, sodass ich die Anspannung teilweise richtig gefühlt habe.
Zum Ende kommt es nochmal zu richtig intensiven Szenen, ich habe lange nicht mehr so mitgelitten und muss der Autorin meinen Respekt aussprechen, das alles so eingefangen zu haben und auch so wiederzugeben. Die ganze Atmosphäre ist bestimmt durch Traumata, Entscheidungen und Konsequenzen und das macht es so düster wie realistisch und verletzlich.
Charaktere
Zoé ist weiterhin ein faszinierender Charakter. Man merkt, wie sie verständlicherweise immer wieder von ihrer Vergangenheit und ihren Sünden eingeholt wird, doch auch, wie sie stärker wird und den Mut findest, langsam zu heilen. Ganz langsam. Sie ist keine Heldin, sie ist eine Überlebende, die verstehen muss, dass leben und überleben unterschiedliche Dinge sind und während sie um das Eine gekämpft hat, das andere erst wieder lernen muss.
Ihr Zwiespalt zwischen Vergebung, Schuld, Logik und Verantwortung ist so gut eingefangen. Man merkt ihre Fortschritte und wie sie sich gleichzeitig nicht erlauben will, sich zu verzeihen. Sie ist eine wirklich starke FMC, die alles andere als perfekt ist, aber genau das ist es, was mich so an ihr fasziniert.
Dieses Heilen geht meines Erachtens vor allem durch die Unterstützung von Prinz Kaspar. Dear lord, dieser Mann hat mein Herz, ich bin komplett und bedingungslos verfallen. Auch er ist kein Held, soll er nicht sein, er ist gebrochen, verletzlich, voller Selbsthass, das Dunkel in ihm von Schmerz bestimmt. Und ich bin immer into broken men. Ich weiß selbst, was das über mich aussagt :D Beril Kehribar, hat Kaspars Charakter so unfassbar schön eingefangen. Trotz seiner Sünden, seiner Vergangenheit werden seine Absichten in Bezug auf Zoé so klar. Er kann rücksichtsvoll, aufmerksam und liebevoll sein – und ist es nur für Zoé (das ist die Art von Toxizität, die ich in meinen Dark Romance Books lesen will und akzeptiere). Er liest Zoé wie ein Buch, versteht sie und ist genau das, was sie braucht.
Auch Alexei ist wieder da. Auch er ist kein Held, ich denke, das wird immer klarer. Der Punkt ist, seine Kompensationsstrategien regen mich einfach auf. Sie sind genau so gerechtfertigt wie die, die Zoé und Kas einsetzen und das bedeutet, dass ich überzeugt bin, dass auch Alexei eine Vergangenheit hat, die nur schwer ertragbar ist und die es erfordert, Entscheidungen zu treffen, die nach außen toxisch sind. Aber während ich beruflich all das gerne akzeptiere, auffange und bearbeite, so nehme ich mir den Freiraum mich in meinen privaten fiktiven Welten darüber aufzuregen. Denn während Kas viele Fehler macht, die alle betreffen außer Zoé (lassen wir das Ende mal weg, denn I know my man und er hatte einen guten Grund), und Zoé alles gegen sich richtet, richtet Alexei es eben gegen alle außer sich, auch die, die er lieben mag. Und das macht ihn so unsympathisch für mich. Wie in der ersten Rezi beschrieben, klassische narzisstische Strukturen und die seien ihm gegönnt, aber ich gönne mir, das nicht schönzureden. Er war Grund vieler Wutausbrüche, Haare raufen und Lauten voller Unglauben. Es gab Exkulpierung, Manipulation und Übergriffigkeit. Und ich glaube auch Lügen, ich bin fast sicher, dass er ihr am Ende nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Kas hat Zoé geholfen zu heilen, hat sie sehen lassen, wer sie ist, was sie wert ist, was sie kann. Und Alexei hat es binnen Sekunden wieder zunichte gemacht. Es ist lange her, dass ein MC so intensive negative Gefühle in mir ausgelöst hat – und wie sehr kann ich Beril Kehribar dafür bewundern das in mir hervorzurufen.
Fazit
Ich habe das Buch binnen 2 Tagen durchgelesen – muss ich mehr sagen? Ich habe jede Seite geliebt. Wie die Autorin Traumata, Verarbeitung, Handlungen und Konsequenzen verpackt, die unterschiedlichen Arten damit umzugehen, mit der eigenen Gebrochenheit umzugehen und mit den verschiedenen Wegen zu heilen (ob nun komplett oder so weit, dass man überlebt) – das ist so beeindruckend, mutig und emotional. Hier und da musste ich weinen und wer mich kennt weiß, dass das wirklich nicht oft vorkommt. Ich habe großen Respekt vor diesem Werk und seiner Message.
Und das Ende – alles in mir ist gebrochen, aus so vielen Gründen. Ich glaube, dass für Zoé eine Entscheidung getroffen wurde, aus egoistischen Gründen, ohne die ganze Wahrheit zu benennen und ich brenne so sehr darauf, wie es weitergeht. Leider muss ich mich jetzt bis März gedulden. Aber das wird es wert sein. Ich weiß es.