Entlang der gemeinsamen Lebensgeschichte zweier grundverschiedener Männer ergründet Alain Claude Sulzer existenzielle Fragen über Freundschaft und Abschied, (Homo-)Sexualität, Kunst und Ruhm.
Im Ruhrgebiet der Siebziger wachsen sie auf wie Brüder. Doch anders als den Ich-Erzähler zieht es Frank früh hinaus in die Er will als Künstler leben, geht nach New York, malt wie besessen, jedoch ohne Erfolg. Erst als er unheilbar krank ist, kehrt er zurück.
Nach langer Zeit begegnen sich die Freunde am Sterbebett zum letzten Mal. So unterschiedlich ihre Lebensläufe, so tief ist die in der Kindheit geknüpfte Verbindung. Und so landen die Bilder aus Franks Nachlass von nun an gut verpackt in der Remise des Erzählers – dem nicht nur Franks Homosexualität stets fremd geblieben ist, sondern auch dessen Kunst.
Jahrzehnte später entdeckt er die Bilder zufällig in einer Galerie. Rätselhaft, wie sie dort hingelangt sind – und welch eigentümliche Anziehungskraft sie Die Kunstwelt feiert den unbekannten Maler als Genie, und auch der Erzähler erkennt endlich die Faszination, die von den Werken des Freundes ausgeht. Und mehr Im großformatigen Gemälde eines nackten Mannes erkennt er sich selbst.
Alain's first novel was published in 1983 and he has since written four furthur novels, including Annas Maske (2001) and numerous short stories. A Perfect Waiter is his first novel to be published in English. He lives in the Alsace region of France.
Oh Boy! Alain Claude Sulzer erzählt in "Fast wie ein Bruder" von zwei Freunden, dem Ich-Erzähler und Frank. Die Beziehung der beiden ist entfremdet und wird es auch den ganzen Text, dieser Novelle oder etwas längeren (zu lang geratene) Short Story, den der Verlag als Roman verkauft. Die Kindheit der beiden wird schnell abgehandelt, so dass Leser:innen die Innigkeit der beiden Bros erahnen müssen. Für mich ist das "Fast" im Romantitel etwas arg weit hergeholt. Das mag aber an der distanzierten, unglaubwürdige Erzählerfigur liegen, die mir im Laufe der quälenden 186 Seiten - ich muss es leider sagen - nur noch auf die Nerven ging.
Die Widersprüche der Figur sind entweder schlicht (man möchte "fast" sagen: dumm) und für mich völlig unspannend angelegt - oder ich verstehe denn Humor des Autors nicht?
Der Perspektivwechsel des Ich-Erzählers wirkt nicht plausibel: Wieso kann er Seitenweise detalliert über das Intimleben eines Freundes schreiben, dann aber immer wieder Distanz und Entfremdung in der Beziehung und sein Unwissenheit zu queerer Liebe beschwören.
Sätze wie "Was vor wenigen Stunden keine Rolle gespielt hatte, war auch jetzt ohne Bedeutung." Oder: "Das Bild mag etwas schief sein, aber es drängt sich mir heute wie gestern auf: Wie Lots Frau konnte ich den Blick vom Unglück nicht abwenden, das Frank mit voller Wucht traf." Oder versuchter Metahumor: "So könnte ein Roman beginnen. Aber das hier ist kein Roman." Da muss ich unweigerlich an Elon Musk denken und sein blödes Waschbecken! Und ja, das geht die ganze Zeit so.
Der Erzähler "onkelt" permanent herum, das wird den ganzen Text über nicht besser und bricht sogar mit den Passagen, bei denen ich kurz hoffte, er bekäme noch die Kurve – zu allem Überfluss und wirklich, sehr, sehr ägerlich ist er auch noch ein ziemlicher Rassist ist. Seitenweise lässt Sulzer ihm das Z*-Wort für Roma und Siniti verwenden. Roma und Sinti treten als grundsätzlich gefährliche Gruppe auf, die ständig provozieren würden und außerdem: "Es heiß jeder führe ein Messer mit sich, für Notfälle...". Solche Einlassung sind nicht nur sehr unverzeihlich, sie erfüllen im Text rein gar kein Funktion, auch nicht im Kontext von Franks ersten Homophobie-Erfahrung, die dadurch auch noch rassistisch geframed wird. Das Framing wird auch nicht entlarvt, etwa indem der Erzähler seine eigene Queerfreindlichkeit erkennt. Insgesamt würde ich zu diesen Erzähler sagen: You always have been an shitty friend.
Der Leser erfährt von einem namenlosen Erzähler, wie er mit dem Nachbarsjungen Frank aufgewachsen ist. Sie waren beide wie Brüder, doch nach einem Ereignis entfernten sich die beiden sowohl emotional als auch physisch voneinander, doch ein loser Kontakt bleibt. Mir hat der Roman gut gefallen, obwohl oder gerade weil man von der Hauptperson nur indirekt durch den Ich-Erzähler erfährt und dieser ist nicht gerade eine sehr empathievolle Person. Immer mehr entlarvt er sich, dass er Frank überhaupt nicht gut kannte. Seine Freundschaft mit ihm war eigentlich nur sehr oberflächlich. Was der Ich-Erzähler nicht versteht oder womit er nicht gut umgehen kann, ignoriert er oder verdrängt er - zum Leidwesen seiner Mitmenschen. Man kann zwischen den Zeilen lesen, wie Frank darunter auch gelitten hat oder wie tief der Skandal ihn erschüttert hat, insbesondere die Nicht-Reaktion seines besten Freundes.
Um es vorwegzunehmen: Ich verstehe nicht, was Alain Claude Sulzer mir mit diesem Roman erzählen wollte.
Frank und der namenlose Erzähler wachsen in Bochum in benachbarten Wohnungen auf und sind als Kinder unzertrennlich. Während einer Kunstausstellung hat Frank ein Erweckungserlebnis und beschliesst, Maler zu werden. Sein Weg führt ihn nach New York, wo er sich mit HIV infiziert, und schliesslich nach Berlin, wo er im Alter von 32 Jahren stirbt. Die Entfremdung zwischen Frank und dem Erzähler beginnt allerdings schon früher – in dem Moment, als der Erzähler herausfindet, dass Frank homosexuell ist.
Stellenweise ist der Roman schlicht schlecht erzählt. Während der Sterbeszenen werden dem Leser Informationen über HIV geradezu lexikalisch heruntergerattert. Es mag sein, dass Sulzer damit die mangelnde Empathie und das Gefangensein des Erzählers in seinen Vorurteilen vermitteln will. Aber muss das tatsächlich so geschehen, dass man als Leser über Seiten hinweg gelangweilt wird?
Der zweite Teil gefällt mir deutlich besser: etwas mehr Krimi, etwas mehr Mystik. Trotzdem bleibt die Erzählhaltung für mich nicht plausibel. Erstaunlich ist vor allem, dass der Autor dem Erzähler offenbar keinerlei Entwicklung zutraut. Seine Haltung gegenüber Frank scheint sich über die Jahrzehnte kaum zu verändern und bleibt durchgehend abwertend.
Vielleicht ist genau das die Aussage des Romans: Die beiden waren eben tatsächlich nur «fast wie Brüder». Als Konzept kann das funktionieren. Aber ist es interessant zu lesen? Für mich leider nicht.
[2.5 Sterne] Ideen und eine historische Rahmung mit Potenzial. Die Umsetzung kommt dann aber etwas lieblos daher. Den Bechdel-Test besteht der Text leider auch nicht und fällt dadurch nebst unkommentierter Queerfeindlichkeit unangenehm auf. (Nein, man muss Figuren nicht zwingend mögen, um ein Buch zu mögen, aber ,Fast wie ein Bruder' fehlt es leider schmerzlich an einem Sympathieträger.)
Ein Extra-Minuspunkt für das Cover, das ein sommerliches und nostalgisches Buch à la ,Das Summen unter der Haut' oder ,Der große Sommer' verspricht.
Ein schönes Buch über eine Kinder- und Jugendfreundschaft und die unterschiedlichen Richtungen, in die sich die beiden Hauptcharaktere mit Blick auf ihre kulturellen und sexuellen Präferenzen entwickeln. Es ist der spezielle Ton der Erzählweise Alain Claude Sulzers, der mich - auch wenn sie nicht spektakulär sind - in die Geschichte eintauchen lässt.