Menschen, die trauern, einen Literatur Tipp zu geben, finde ich immer sehr schwierig. Oft sind Bücher, die sich mit der Bewältigung befassen sehr spirituell oder zu sachlich, und gerade in der ersten Phase nach einem schweren Verlust nicht unbedingt trostspendend. Dieses Buch würde ich allerdings jedem empfehlen, der sich in einer solch schwierigen Situation befindet, oder Menschen kennt, denen dieses widerfahren ist und sie begleiten möchte
Asher hat seine Mutter bei einem Autounfall verloren als sie für ihn Fußballschuhe kaufen fährt. Der Fahrer des Trucks war alkoholisiert und wird von ihm als „Jack Daniels“ bezeichnet. Er kam ohne Bestrafung davon. Trauer und Wut vermischen sich im Kopf des 17jährigen, dessen ICH Perspektive uns ganz nah bei ihm sein lässt. Immer und immer wieder dreht sich der Unfall in seinem Kopf. Für ihn gibt es eine neue Zeitrechnung, die sich im Zählen von Stunden, Minuten und Sekunden zeigt. Er will seine kleine Schwester obsessiv beschützen und lässt ihr kaum Freiraum. Sein Umfeld ist besorgt und so bekommt er viele Gesprächspartner angeboten, die er auch aufsucht, aber er will nicht mit ihnen sprechen und doch kommen die absurdesten Gedanken aus ihm heraus die meist von blinder Wut geprägt sind. Auch der Besuch mehrerer Selbsthilfegruppen lässt ihn unversöhnlich und verletzt zurück. Doch er lernt dort Menschen kennen, denen es ähnlich ergangen ist, und die ihn auf einer Mission begleiten, von der sie den Ausgang nicht wissen können. Denn Asher möchte „Jack Daniels“ in Memphis besuchen und ihn töten.
Diese unglaublich emotionsgeladene Geschichte hat mich von der ersten Seite an mitgerissen. Die Autorin hat es geschafft sich so gut in den Kopf eines zerbrochenen, Teenagers zu versetzen, dass die repetitiven Gedanken, die er hat nicht ermüdend, sondern sehr authentisch wirkten. Ich habe so sehr gehofft, dass es Wendungen gibt, die ihn erkennen lassen, dass sein Leben weiter gehen muss. Die Methoden zur Trauerbewältigung, die er von seinen Freunden aber auch von „Peter Pan“ erhält, sind interessant und haben mir neue Möglichkeiten und Sichtweisen eröffnet.
Am Anfang ist mein Herz mehrfach zerbrochen, weil ich so mit ihm gefühlt habe und besonders die Szenen, in denen sich seine Trauer in Overprotecting äußert, sind mir sehr nahe gegangen. Die Hilflosigkeit der Menschen, die ihm nahestehen ist spürbar. Die Leiterin der Selbsthilfegruppe hat ihre Rolle gut ausgefüllt. So jemanden wünscht man sich an seiner Seite, wenn es einem schlecht geht.
Ashers Gefährt*innen sind nahbar und jeder bringt etwas Wichtiges mit in die Geschichte ein
Sprachlich hat mir der Roman ebenfalls sehr gut gefallen. Dies ist ein Jugendbuch, und das schlägt sich auch in der Ausdrucksweise nieder. Wir haben hier Umgangssprache und sich immer im kreisdrehende Gedanken, in denen Emotionen ablesbar sind, aber es wirkt weder aufgesetzt noch unnatürlich. Ich empfehle diese Lektüre ausdrücklich nicht nur Jugendlichen, sondern halte es auch für ein gutes Buch, das Erwachsenen helfen kann sich besser in Trauernde hinein zu versetzen. Mich hat es auf jeden Fall sehr begeistert und ich hätte nicht gedacht, dass es ein Highlight wird. Ist es aber!