Jump to ratings and reviews
Rate this book

Ambrosius: Roman

Rate this book

441 pages, Kindle Edition

Published July 28, 2017

1 person want to read

About the author

Tibor Déry

88 books28 followers
Tibor Déry was a Hungarian writer, born in Budapest in 1894. In his early years he was a supporter of communism, but after being excluded from the ranks of the Hungarian Communist Party in 1953 he started writing satire on the communist regime in Hungary.

Georg Lukács praised Dery as being 'the greatest depicter of human beings of our time'.

In 1918, Déry became an active party member in the liberal republic under Mihály Károlyi. Less than a year later however, Béla Kun and his Communist Party rose to power, proclaiming the Hungarian Soviet Republic and exiling Déry. He only returned to Hungary in 1934, having lived in Austria, France and Germany in the meantime. Nevertheless, during the right wing Horthy regime he was imprisoned several times, once because he translated André Gide's Retour de L'U.R.S.S.. In this period, he wrote his greatest novel, The Unfinished Sentence, a 1200-page epic story about the life of the young aristocrat Lorinc Parcen-Nagy who gets into contact with the working classes in Budapest during a period of strike.

In 1953, Déry was expelled from the Communist Party during a 'cleansing' of Hungarian literature. In 1956 he was a spokesman during the uprising, alongside Georg Lukács and Gyula Háy. In the same year, he wrote Niki: The Story of a Dog, a fable about the arbitrary restrictions on human life in Stalinist Hungary. Because of his part in the uprising, he was sentenced to prison for 9 years, but released in 1960. He died in 1977.

He translated Rudyard Kipling's Naulahka and The Lord of the Flies by William Goldinginto Hungarian.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
1 (100%)
4 stars
0 (0%)
3 stars
0 (0%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Frank.
599 reviews125 followers
December 1, 2025
Sehr kurzweilige und bisweilen witzige Lektüre. Peter Nadas meinte in "Aufleuchtende Details", es gäbe keinen ungarischen Autor, dem eine stimmige Diagnose der sozialistisch-kommunistischen Umgestaltung Ungarns im historischen Gewand gelungen sei. Das mag zutreffen, wenn man eine bitterböse Abrechnung erwartet; es trifft nicht zu, wenn man einen heiter-ironischen Umgang mit den Bitternissen dieser Zeit zulässt. Tibor Dery ist so etwas gelungen.

Nein, Ambrosius ist kein Stalin; eher ist er von Diktatoren umgeben. Er ist auch kein Widerständler, vielmehr könnte er jemandem ähneln, der eine leninistische "Partei neue Typus" aufbauen und sich mit ihrer Hilfe gegen den Widerstand der Herrscher den Staat unterwerfen will. Darauf deutet ein Passus hin, der Ambrosius "Selbstkritik" üben lässt, obwohl er nicht wirklich eigennützig handelt. Alles für die Partei. Ansonsten ist aber das ganze Programm vorhanden: Spitzel, Denunzianten, Opportunisten, die Gerüchteküche, Schauprozesse, abschreckende Hinrichtungen, Korruption usw. Aber verteilt auf alle Seiten.

Mithin erfasst der Roman nicht "den Stalinismus" an sich, sondern Methoden stalinistischen und auch leninistischen Denkens und Handelns; man erkennt keinen "ungarischen Kommunismus", hat aber einen Protagonisten vor sich, der sich vor allem seiner Kirche (Partei) verantwortlich fühlt, dabei aber durchaus in einem sozialen Sinne an seine Gemeinde denkt und auf seine und der Kirche Kosten Wohltaten (und - der Legende folgend - Wunder ;-) ) vollbringt. Persönlich bescheiden, mehrt er doch jederzeit Macht und Ansehen der Kirche und kämpft vor allem für die "Einheit" der Gläubigen und den "rechten (katholischen) Glauben". Etwas unbescheiden nur insofern, als er das alles durchaus als sein "Werk" betrachtet, in dem er überdauern will. Unbeugsam geht er dabei gegen "Abweichler" (Arianer) und alle Formen der Fraktionsbildung vor. Man erkennt schon das Fraktionsverbot, um die Einheit der Kommunisten im "richtigen Glauben", also dem orthodoxen Marxismus- Leninismus, zu wahren (auch Ambrosius legt die Bibel aus).

Am Beispiel der Cäsaren wird hingegen demonstriert, wie unbedeutend Macht ist, wenn sie das Leben kostet. Schön ironisch dabei immer wieder solche Kennzeichnungen wie "allerkatholischster Mörder" - immerhin besser als Arianer. Doppelzüngigkeit und Heuchelei werden immer aufs Neues aufs Korn genommen. Nebenbei: Wie im Inneren der Kirche die Gerüchteküche brodelt, als die von des Cäsars Truppen Eingeschlossenen darüber rätseln, was passiert ist und passieren wird, zeigt: Social Media bietet nichts Neues. War alles schon da. Nur der Maßstab hat sich ins www. entgrenzt.

Bei alledem gefällt mir der Stil, der unaufdringlich Mittel der alten Chroniken und der mündlichen Überlieferungen nutzt: So gibt es nach dem Muster der Epitheta Ornans immer wiederkehrende Charakteristika des "kleinen großen" oder "heiligen Bischofs von Mailand", der "unsterblichen Cäsaren" usf. Aber Dery spielt am Ende auch mit Shakespeare, als er - dem Beispiel Hamlets folgend - einem Cäsaren- Totenkopf drei Mal befragt, wozu das alles gut gewesen wäre: "Warum?" fragt Ambrosius und erhält keine Antwort. So bleibt es dem Leser überlassen, die Frage, wozu Macht gut ist, warum man in ihrem Namen tut, was Menschen in ihrem Namen taten, zu beantworten. Das ist gut so und gut gemacht sowieso. Absolut empfehlenswert.
Displaying 1 of 1 review

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.